Über das Fasten (15 von 15). V. Freitagsfasten

Abstinenz vom Fleisch an Freitagen

Aber nicht nur während der Fastenzeit, d.h. der österlichen Bußzeit, muss man sich vom Fleisch enthalten. Die Abstinenz vom Fleisch verpflichtet unter schwerer Sünde (sub gravi) an:

  1. allen Freitagen innerhalb des Kirchenjahres, wenn nicht gerade Weihnachten auf diesen Tag fällt, nach der Erklärung des Honorius III. (1216-1227);
  2. an Samstagen an vielen Orten.

Ad 1. Honorius III erlaubt den Fleischkonsum am Weihnachtstag, d.h. am 25.12, möchte aber diejenigen nicht tadeln, welche an diesem Tag sich des Fleisches enthalten können.

Ad 2. Der Fleischverzicht an allen Samstagen war niemals eine allgemein kirchliche Vorschrift, wurde aber innerhalb der römischen Kirche, d.h. in der Diözese Rom eingehalten und zwar „aufgrund der Demut des Todes des Herren“ (propter humilitatem mortis Dominicae), wie es hl. Hieronymus epist. 78 (al. 28) und hl. Augustinus epist. 82 (al. 19) angeben. Einige andere westliche Kirchen oder Diözesen folgten diesem römischen Beispiel nach, aber es war niemals so weit verbreitet, dass Gregor VII. im Jahre 1078 auf die gesamte Kirche ausweiten wollte. Es zählten also der Brauch und das Gewohnheitsrecht der jeweiligen Diözese. Obwohl in Polen kein Samstagsfasten gebräuchlich ist, so wird bis heute am Karsamstag kein Fleisch gegessen, was wohl auf diesen Brauch zurückzuführen ist.[1]

An den Freitagen ist es nicht erlaubt getrocknetes oder gepökeltes Fleisch (laridum) oder Schmalz (sagimen) den Speisen beizumischen, weil diese Zutaten Fleisch enthalten. Schmalz ist mancherorts nach dem Brauch erlaubt. Entschuldigt sind Arme, wenn sie sich keine Butter leisten können und tierisches Fett ihren Speisen beimischen möchten. In manchen Diözesen gab es diesbezüglich eine allgemeine Dispens.[2]

Zum Freitagsfasten sind alle verpflichtet, die zum Verstandesgebrauch gelangt sind und noch nicht das 70 Lebensjahr vollendet haben.

Entschuldigt ist man aufgrund:

  1. Eines rechtmäßigen Dispens,
  2. Des physischen oder moralischen Unvermögens (impotentia physica et moralis).

Ad 1. Wie üblich kann derjenige dispensieren, der das Recht dazu hat. Wie

  1. Der Papsts innerhalb der ganzen Kirche,
  2. Der Bischof innerhalb seiner eigenen Diözese,
  3. Der Pfarrer im besonderen Fall oder falls er dazu vom Bischof bevollmächtigt wurde,
  4. Vorgesetze innerhalb ihrer Gemeinschaften.[3]

Ad 2. Ein physisches oder moralisches Unvermögen liegt in folgenden Fällen vor:

  1. Bei Armen oder Bettlern, welche nur das essen können, was sie sich erbetteln,
  2. Bei Kranken und Magenschwachen, welche nach der Ansicht der Ärzte Fleisch essen müssen, wie auch Schwangere und diejenige, die die Brust geben,
  3. Bei Ehefrauen, welche eine große Beleidigung des Gemahls und häuslichen Unfrieden riskieren würden, wenn sie sich ans Freitagsfasten hielten.
  4. Bei Dienern und Tagelöhnern, welche sich ihre fleischlose Speise nicht oder nicht in ausreichender Menge aussuchen können und ihren Dienstherren nicht ohne große Unpässlichkeit (sine gravi incommodo) verlassen können. Sie sollen sich aber nach einer anderen Stelle umsehen, wo sie ihre Fastenverpflichtung einhalten können.
  5. Bei Reisenden, die nichts anderes als verbotene Speisen mit sich führen und nicht problemlos irgendwo einkehren können. Wenn sie es aber tun, so sind sie dazu gehalten nach erlaubten Speisen zu verlangen.[4]

Wie wir sehen, so gehen auch hier die Gesundheit und die Standespflichten vor, wie auch der gesunde Menschenverstand. Viele Menschen wissen um diese Dispense nicht und haben unnötige Gewissensbisse, wenn sie sich nicht an das Freitagsfasten halten können.

Unsere Fastenreihe geht erst vor Christi Himmelfahrt zu Ende, da sie recht ausführlich war und wahrscheinlich jede mögliche und unmögliche Frage beantwortet hat.  Es ist ein guter Brauch an den Vigilien also an Vortagen der großen Feste zu fasten, wie vor Christi Himmelfahrt oder Pfingsten, indem man fleischlos und weniger ausgiebig speist. Es ist davon auszugehen, dass die spirituellen Wohltaten und Konsequenzen des Fastens erst dann erfahrbar werden, wenn man sich an das tatsächlich katholische Fasten hält. In der westlichen Welt ist fast jeder übergewichtig und an Hunger geht wirklich niemand zugrunde. Dann los!


[1] Müller, Theologia moralis, Bd. II, Wien 1894, 495.

[2] Ebd., 496.

[3] Ebd.

[4] Ebd., 497.

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