Über das Fasten (8 von 15). Fasten und Vesperbrot

Kleine Mahlzeit am Abend – collatio

Es ist erlaubt am Abend eine kleine Mahlzeit (collatio) einzunehmen. Dieser Brauch begann bei den Mönchen, welche abends, bevor sie sich zusammenfanden zu einer frommen Versammlung conferentia oder collatio genannt, in der Fastenzeit Wasser mit Brotkrummen vermischt einzunehmen pflegten, um sich auf diese Art und Weise zu stärken. Dieser Brauch wurde später auch von den Laien übernommen. Die Menge der einzunehmen Speisen ist während dieser Abendmahlzeit begrenzt und beträgt maximal 240 g, was ungefähr einer Unze entspricht. Manche Moraltheologen geben die Menge von einem Viertel der ersten Mahlzeit an, was breiter oder enger ausgelegt wird. Wenn jemand die Menge bis auf 2 Unzen (2 x 240 Gramm) erweitert, so sündigt er noch nicht schwer. Diese erlaubte abendliche Menge wird gewohnheitsmäßig in der Vigil vor Weihnachten und am Samstag vor Ostern verdoppelt.[1]

Was die Qualität der Speisen anbelangt, so gehen darin die Moraltheologen auseinander. Einige erlauben nur leichtere Speisen, Früchte Gemüse und Brot sowie Fische, welche jetzt zwei oder 3 Unzen nicht übersteigen. Dabei ist die örtliche Gewohnheit oder der Dispens zu beachten, denn das, was in manchen Diözesen erlaubt ist, ist in anderen verboten. [2]

Das Rahmenwerk

Betrachtet man all die oberen Fastenvorschriften, welche Bischof Müller dermaßen genau angibt, so wird einem klar, wie fest, präzise und genau dieser Rahmen umrissen wurde. Da man zusätzlich in einer Kultur lebte, wo fast alle fasteten, so wusste man recht genau, was erlaubt und was verboten gewesen ist. Die heutigen Katholiken bleiben, was die kirchlichen Fastennormen betreffen, immer im Ungefähren, da die Fastenvorschriften nach dem letzten Konzil sehr vage formuliert wurden. Dies führt dazu, dass diejenigen, die zu Skrupel neigen die ganze Zeit meinen zu sündigen und das Fastengebot zu  übertreten, diejenigen aber, die ein zu breites Gewissen haben, leben in der Fastenzeit genauso wie in der restlichen Zeit. Viele Menschen nehmen sich vor, sich bestimmter Getränke und Speisen in der Fastenzeit zu enthalten, was meistens darüber hinausgeht, was früher von der Kirche vorgeschrieben wurde. Unrealistische Ziele führen aber dazu, dass sie nicht eingehalten werden. So sind die Fastenvorsätze mancher Katholiken einfach viel zu rigoros, um 40 Tage lang wirklich durchgehalten zu werden. In einer ehemals christlichen Kultur gab es sicherlich spezielle Fastenbräuche und Fastenbücher, sodass man nicht auf die eigene Invention angewiesen war. All dies ist vergangen. Schade.

[1] Müller, Theologia moralis, Bd. 2, Wien 1894, 487.

[2] Ebd., 488.

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