Über das Fasten (4 von 15). Natürliche Auswirkungen des Fastens.

Natürlichen Auswirkungen des fehlenden Fastens

Betrachtet man die oben genannten Fastenvorschriften, wie sie in der Moraltheologie von Bischof Müller um das Jahr 1890 dargelegt werden, so wird einem klar wie desaströs die Konzilsreformen bezüglich des Fastens gewesen sind. Das Fasten an den Quatembertagen wurde mit diesen abgeschafft, ebenso wie das Fasten an den Vigilien. In einigen Ländern (USA, Südamerika) wurde das Freitagsfasten gänzlich aufgegeben, woanders dermaßen abgeschwächt, dass kaum etwas davon übriggeblieben ist. Während wir fast überall auf der Welt nach dem Zweiten vatikanischen Konzil in der Zeit des Überflusses leben, wird man als Katholik durch keine äußere Normen gezwungen überhaupt zu fasten, was in der Vergangenheit, wo man viel bescheidener lebte, nicht der Fall war. Man weiß es eigentlich schon lange, aber die neueste Hirnforschung hat es über jeden Zweifel hinaus bewiesen, dass man nur das lernen kann, was man tatsächlich praktiziert. Wurde man als Kind zum Fasten gezwungen, so lernte man dadurch sich überhaupt zu mäßigen und zurückhalten zu können. Auf diese Art und Weise wurden bestimmte Gehirnareale in der präfrontalen Kortex, die für das abstrakte Denken und die Selbstbeherrschung zuständig sind, aktiviert und entwickelt. Weiß man sich aber in einem Bereich zu mäßigen und zu disziplinieren, so kann man diese Fertigkeit auf andere Bereiche übertragen. Da das Essen lebensnotwendig ist und mehrmals am Tag stattfindet, so ist die Fertigkeit (skill) sich im Essen mäßigen zu können wirklich grundsätzlich, was die Selbstdisziplin als solche anbelangt. Es ist leider so, dass man größere Ziele nur mit einem größeren Maß an Selbstdisziplin erreichen kann. Die Epidemie des Übergewichts, der Fettsucht und anderer Liederlichkeit ist nicht darauf zurückzuführen, dass die Natur der Menschen auf einmal schlechter geworden ist, sondern dadurch, dass sie nicht durch die Religion dazu angehalten wurde sich in etwas zurückzuhalten.  Man hat früher einfach viel öfter gefastet.

 Wie sieht das rein rechnerisch aus?

Addiert man alle vorgeschriebenen Fastentage, wie sie Bischof Müller angibt, wie sie in dem liturgischen Kalender bis 1955 vorgesehen wurden, so ergeben sich die folgenden Zahlen der Fastentage:

  • Fastenzeit: 40 Tage
  • Quatembertage: viermal im Jahr drei Tage (Mittwoch, Freitag, Samstag), insgesamt zwölf Tage
  • Vigilien, wie sie bis 1955 vorgeschrieben worden:
    1. Vigil der Epiphanie
    2. Vigil vor Himmelfahrt
    3. Vigil vor Pfingsten
    4. Vigil der Geburt Johannes des Täufers
    5. Vigil des Heiligen Laurentius
    6. Vigil der Apostel Simon und Juda
    7. Vigil Allerheiligen
    8. Vigil des Weihnachtsfestes
    9. Dazu können kommen noch freiwillige Vigilien vor den Apostel-, Marien- oder Heiligenfesten.
  • Adventszeit: zwei Tage (Mittwoch und Freitag) mal vier Wochen, insgesamt acht Tage.

Das ergibt mindestens 68 Fastentage im Jahr, was mindestens 19 % des Jahres ausmacht. Erweiterte man die Anzahl der Fastentage um zusätzliche Marien- oder Heiligenvigilien, so kann man vermuten, dass wenigstens die praktizierenden Katholiken an 25% aller Tage des Jahres gefastet haben. Diese Selbstdisziplin muss ihnen doch auch in anderen Bereichen zugute gekommen sein. Die Kirche, die Lehrmeisterin der Völker, prägte die Kultur und die Kultur prägte das Fasten. Wahrscheinlich wären die Aufrufe zur Diät in den Frauenzeitschriften damals unnötig gewesen, weil man automatisch das Richtige tat. Alle medizinischen Statistiken, welche das Vorkommen der Süchte messen, geben uns Recht. Seit 1962 nimmt alles Negative zu und nicht ab und jede nachfolgende Generation wird immer süchtiger statt nüchterner. Heute sind es meistens die digitalen Medien: Handy, Internet, Facebook, Netflix etc., die süchtig machen. Aber durch das normale Fasten wird ein digitales Fasten möglich.

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(2) Kommentare

  1. Maria Magdalena sagt:

    Unglaublich, was man hier alles lernt!
    (Das ist nicht ironisch gemeint!!)

    1. Traditio et Fides sagt:

      Gut. Machen Sie Werbung. Andere sollen es auch lernen.

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