Über das Fasten (5 von 15). Übernatürliche Auswirkungen des Fastens

Die übernatürlichen Auswirkungen des fehlenden Fastens

Die Kirche lehrt, dass das Fasten Genugtuung (satisfactio) für begangene Sünden leisten kann (Summ. Theol.  2 2 q. 147. 1. 3. 5 .c, ebd. 147. 1. 3. 5. 7).[1] Daher ist das Fasten eine Bußübung. Durch das Fasten kann man also die Konsequenzen der eigenen Sünden oder der Sünden der Seelen im Fegefeuer, d. h. die zeitlichen Sündenstrafen abtragen. Man kann aber auch durch das Fasten die Sünden anderer Lebendiger sühnen, wenn man davor diese Intention erweckt. Wenn man noch bedenkt, dass das Fasten an den Quatembertagen, wie wir gelesen haben, dem Dank diente, Sühne leistete und Gott allein durch das Fasten um würdige Priester bat, so ist all diese spirituelle Kraft der Selbstheiligung und der Heiligung der Kirche als solche weggefallen. Da man ferner durch das Fasten vor den Vigilien sich besser spirituell auf die kommenden Feste vorbereiten konnte, so ist es nicht verwunderlich, dass das religiöse Leben durch das fehlende Fasten einen Schaden nahm.

Warum spüre ich denn nichts? Weil du dich schlecht vorbereitet hast.

Da eine jede fromme Übung im Gnadenstand, wie das Fasten, geistliche Verdienste (merita) mit sich bringt, d. h. den Gläubigen heiligt und im auf den Empfang der aktuellen und der habituellen Gnaden vorbereitet, so kann man annehmen, dass das Fasten allgemein zum spirituellen Wachstum des einzelnen Gläubigen und der Kirche als solche beitrug.

Warum sah die irdische Kirche besser aus? Weil alle an ihrer Heiligung beteiligt waren.

Da man davon ausgehen kann, dass die meisten Katholiken, die sich an das Fastengebot hielten, im Gnadenstand waren, so muss durch das Fasten, insbesondere in der Fastenzeit, da diese am längsten dauert, innerhalb der ganzen Kirche eine Art positive spirituelle Wolke entstanden sein. Gnaden wurden herabgerufen und einander innerhalb der Kirche gleichsam zugewiesen. Heutzutage fällt es uns schwer nachzuvollziehen, dass das Spirituelle etwas Reales ist, da wir es nirgends erfahren. Denn die nachkonziliare Liturgie und die spirituelle Praxis wurden dermaßen verändert und abgespeckt, dass man kaum durch die erstere oder die letztere einen Gnadenzuwachs spürt. Aber das Fasten verändert wirklich, was heutzutage im religiösen Kontext kaum jemand erfährt, da kaum jemand fastet. Durch die Änderung der Fastenpraxis wurde daher der kämpfenden Kirche ein weiteres Kampfmittel genommen, sodass wir jetzt das haben, was wir haben.

[1] Müller, Theologia moralis, Bd. II, 483.

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