Tradition und Glauben

Über die liturgische Theologie der Befreiung und die jetzige Kirchenkrise

Über die Zukunft der Kirche.
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Als in den 1980ern über die ach, so ungerechte Unterdrückung der Befreiungstheologie durch Rom laut wurde, was die wohl einzige Bemühung Ratzingers um die katholische Orthodoxie darstellte, so dachte man, dass diese Übernahme des marxistischen Denkens in der Kirche etwas Neues sei.

Nein, das war nicht neu, denn schon Lambert Beauduin (1873-1960) – der Begründer der Liturgischen Bewegung – sprach vom Klassenkampf des unterdrückenden Klerus und der unterdrückten Laien, denen die Produktionsmittel, sorry, die Liturgie, entrissen wurde.

Yves Congar OP, einer der “Kirchenväter” des Konzils verwendete eben diese marxistische Rhetorik und sprach von der Unterdrückung des Gottesvolkes. Die liturgische Revolution endete aber genauso wie alle anderen marxistischen Revolutionen des XX Jhdts.:

  1. zuerst wurden die Adeligen oder die Großgrundbesitzer enteignet,
  2. danach wurden die Kleinbauern enteignet, das Privatbesitz wurde verboten,
  3. anschließend wurden sie kollektiviert, ins Arbeitslager verbannt, verstümmelt und umgebracht,
  4. und all das im Namen der Bauernbefreiung.

Unter dem Strich lebte sich wirklich allen Bauern unter dem kapitalistischen Großgrundbesitzer viel besser als im kommunistischen Paradies, wo auch immer dieses stattfand. Dort, wo es immer einen Überfluß an Nahrung gab, gab es anschließend dank der kommunistischen Herrschaft Hungersnot bis zum Kannibalismus hin.

In der Kirche ist es ähnlich. Die Liturgie wurde nicht dem Klerus entrissen und den Laien übergeben, sondern unterwegs ganz fallen gelassen. Es wurde eine neue, nicht-katholische, Protestanten-freundliche Liturgie entwickelt, vor der alle davon laufen, wenn sie nicht gerade dafür bezahlt werden sie zu zelebrieren, wie der hauptamtliche Pfarrer und die hauptamtliche Pastoralassistentin. Jeder, der schon die Erstkommunion hinter sich hat, scheut es sich im Altarraum aufzuhalten, weil er entweder die heilige Scheu empfindet oder nicht an diesem Kindergartenkram teilnehmen will.

Es gibt auch eine Art Kannibalisierung der Kirche, weil die Priester gegen die Laien und Laien gegen die Priester gestellt wurden. Sie zerfleischen sich im immerwährenden “Klassenkampf”, den das Konzil tatsächlich in die Wege leitete.

Laien: Warum habt ihr uns diesen liturgischen Scheiß beschert? Wir haben Euch nicht darum gebeten.

Priester: Es ist gut für euch. Ihr sollt aktiver werden.

Laien: Nein, ihr sollt aktiver werden und würdigt zelebrieren, anstatt auf der faulen Haut zu sitzen und alles von den Laien machen zu lassen.

Priester: Aber die Kirche will es so. Die aktive Teilnahme. Das Taufpriestertum aller Gläubigen.

Es ist nur die Frage der Zeit und des jeweiligen Temperaments, wer zuerst sagt, dass die Kirche ihn kann und davon geht. Ist es der Laie oder der Priester, der zuerst hinschmeißt? Wohl der Laie, was aber anonymer abläuft als im Falle des hinschmeißenden Priesters, der meistens eine Frau schützend vorschiebt, um nicht in wahre Erklärungsnot zu geraten.

Vergessen wir nicht, dass eines der unhintergehbaren Grundsätze des Marxismus der Klassenkampf war. Es wurde immer und überall gekämpft, natürlich bis zum Eintreten des Kommunismus und seiner klassenlosen Gesellschaft. Und Ähnliches scheint Bergoglio und den Seinen vorzuschweben. Eine priesterlose Kirche, ganz eben und plan, ohne Hierarchie, ohne Unterschiede, ohne Dogma, aber natürlich mit der Kirchensteuer, setzen wir für den deutschen Leser gleich hinzu.

Und wozu soll es gut sein?

Aus deren Sicht dazu jede Vermittlung der Gnade zu unterbinden, denn die sakramentale Gnade fließt von oben nach unten, vom Priester zum Laien. Durch die Ideen zur Umgestaltung des Kardinalskollegiums möchte Bergoglio eine gültige Papstwahl in der Zukunft von vornherein auszuschließen.

Rein theoretisch, wie wir es bereits darstellten, wäre es möglich, dass 2/3 der nicht von Bergoglio kreierten Kardinäle einen neuen Papst gültig wählen würden. Wenn man aber das Gremium der Papstwähler so umgestaltet, dass es nicht einmal Kardinäle enthält, dann wird es nicht einmal diese Mehrheit geben können.

Haben denn jemals Laien einen Papst gewählt?

Soweit DSDZ weiß – nicht. Der Papst wurde vom Klerus von Rom gewählt, da aber bis zum V Jhdt. Bischöfe tatsächlich per Akklamation von den Gläubigen gewählt wurden, so kann man schon sagen, dass am Anfang das Volks stand, das diejenigen Bischöfe wählte, die anschließend den Papst wählten. Aber eine direkte Wahl des Papstes durch die Laien hat es niemals gegeben, obwohl die Herrscher mit Hilfe ihrer Geistlichen einen ihnen genehmen Kandidaten durchzuboxen, was zu den vielen Antipäpsten führten.

Wir werden jetzt wohl eine ganze Reihe von Nicht-Päpsten haben, wie Malachi es prophezeite, und zwar Franziskus II, Franziskus III … John Lennon II und Hulk III, denn warum soll man noch an traditionellen Namen hängen. Ist doch irgendwie “rückwärtsgewandt” und “rigide”.

DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] war neulich krank und benutzte diese Zeit, um etwas über hl. Pius V nachzulesen. Dieser heilige und rigorose Papst ist erst dann gekommen als:

  • alle Renaissancepäpste gewollt oder ungewollt das Zeitliche gesegnet haben,
  • Sacco di Roma (1527) manch einen Kardinal umbrachte oder bekehrte,
  • die religiösen Kriege allen deutlich machten, dass eine strenge Reform notwendig sei,
  • das lange und leidvolle Tridentinische Konzil (1545-1563) explizit ausformulierte, was die katholische Sicht der Dinge sei,
  • erst nach dieser Vorarbeit berief Gott hl. Pius V (1566-1572), der all diese Reformen auch wirklich umsetzte.

Denn:

  1. Niemand wollte zur Vergangenheit zurück.
  2. Niemand war physisch da, der die Vergangenheit verkörperte.
  3. Man legte klar, was man verwirklichen wollte.
  4. Dann fanden sich auch die richtigen Leute, denn das Kardinalskollegium wurde nach und nach gereinigt.

Wir sind von dieser Entwicklung noch lange entfernt, denn die Bergoglio-Zeit kann man durchaus mit dem Pontifikat des Alexanders VI. (1492-1503) vergleichen, als man davon ausgegangen ist, dass nichts Konsequenzen haben und immer weiter so gehen wird. Unter dem Borgia-Papst waren die Orgien heterosexuell, jetzt sind sie homosexuell und man kann ihm wenigstens zugute halten, dass er seine Kinder nicht verleugnete und wahrlich kein Doppelleben führte.

Wir sind also kirchentechnisch immer noch vor dem Auftritt Luthers (1517), den doch der auch verweltlichte Leo X. als etwas Schlimmes wahrnahm. Wir leben also im Jahre 1502, wenn man das zehnte Jahr des Borgia-Pontifikats zur Hilfe nimmt, das dogmatisch gesehen gar nicht so desaströs war und wir sehen uns nach dem Jahr 1566, worauf wir noch 64 Jahre zu warten haben.

DSDZ glaubt, dass wir noch mindestens drei bis vier Nicht-Päpste erleben werden bis die Situation so schlimm werden wird, dass man sich doch irgendwo treffen wird, um Vat. II zu verurteilen, nachdem alle seine Vertreter eines natürlichen oder unnatürlichen Todes gestorben sind. Denn ohne diese “biologische Lösung” wird es kein Tridentinum II geben, wo man zum ersten Mal ein ökumenisches Konzil verurteilen wird.

Wer wird denn dieses Konzil durchführen?

Wahrscheinlich diejenigen, die um Summorum Pontificum (2007) herum geboren wurden und dann schon in ihren 50ern sind. Sie werden ihre Untergrunderfahrung mit ihrer Liebe zur Kirche verbinden können, wie damals in Nicäa. Wenn jemand im Jahre 2052 katholisch geblieben ist, dann hat er dermaßen viel durchgemacht, dass ihn nichts umwerfen wird.

Keine Weichlichkeit, kein Jammern, kein Rosenkranz-Ersatz-Beten, keine Privatoffenbarungen, sondern die heroisch kämpfende Kirche. Erst durch das Blut vieler Märtyrer wird sich die geistliche Atmosphäre ändern können, denn all die gegenwärtigen Sünden müssen von denjenigen gesühnt werden, die meistens keine Lust darauf haben. Aber das ist der göttliche Lauf der Dinge.

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