Tradition und Glauben

VIGANÒ über REVOLUTION in der KIRCHE (1 von 6)

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„Ab dem Zweiten Vatikanum wurde eine Parallelkirche erbaut …“

Brief von Erzbischof Carlo Maria Viganò

9. Juni 2020
Hl. Ephraim der Syrer

Ich habe mit großem Interesse den am 1. Juni auf LifeSiteNews veröffentlichten Aufsatz Seiner Exzellenz Athanasius Schneider gelesen, der später von Chiesa e post concilio ins Italienische übersetzt wurde und den Titel Es gibt keinen göttlichen positiven Willen oder ein natürliches Recht auf die Vielfalt der Religionen. Die Studie seiner Exzellenz fasst mit der Klarheit, welche die Worte derer unterscheidet, die nach Christus sprechen, die Einwände gegen die vermutete Legitimität der Ausübung der Religionsfreiheit zusammen, die das Zweite Vatikanische Konzil theoretisiert hat und widerspricht dem Zeugnis der Heiligen Schrift und der Stimme der Tradition sowie dem katholischen Lehramt, das der treue Hüter beider ist.

Das Verdienst des Aufsatzes Seiner Exzellenz liegt zuallererst in seinem Verständnis des Kausalzusammenhangs zwischen den vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausgesprochenen oder implizierten Prinzipien und ihrer logischen Konsequenz in den doktrinellen, moralischen, liturgischen und disziplinarischen Abweichungen, die entstanden sind und sich schrittweise zum heutigen Tag entwickelt hat. Das in modernistischen Kreisen erzeugte Monstrum [der Falschlehre] hätte zunächst irreführend sein können, aber es ist gewachsen und gestärkt worden, so dass es sich heute in seiner subversiven und rebellischen Natur als das zeigt, was es wirklich ist. Die Kreatur [der Häresie], die zu dieser Zeit gezeugt wurde, ist immer dieselbe, und es wäre naiv zu glauben, dass sich ihre perverse Natur ändern könnte. Versuche, die konziliaren Exzesse zu korrigieren – unter Berufung auf die Hermeneutik der Kontinuität – haben sich als erfolglos erwiesen: Naturam expellas furca, tamen usque repeatet [Vertreibe die Natur mit einer Heugabel; sie wird gleich zurückkommen] (Horace, Epist. I, 10,24). Die Erklärung von Abu Dhabi – und, wie Bischof Schneider zu Recht bemerkt, ihre ersten Symptome im Pantheon von Assisi – wurde „im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils konzipiert“, wie Bergoglio stolz bestätigt.

Dieser „Geist des Konzils “ ist die Legitimitätslizenz, mit der sich die Innovatoren ihren Kritikern widersetzen, ohne zu bemerken, dass es genau dieses Erbe ist, das nicht nur die Fehlerhaftigkeit der vorliegenden Erklärungen bestätigt, sondern auch die ketzerische Matrix, die sie angeblich rechtfertigt. Bei näherer Betrachtung hat sich noch nie in der Geschichte der Kirche ein Konzil als ein derart historisches Ereignis präsentiert, dass es sich von jedem anderen Konzil unterschied: Es wurde nie von einem „Geist des Konzils von Nicäa“ oder dem „Geist des Konzils von Ferrara-Florenz“, noch weniger vom „Geist des Konzils von Trient“ gesprochen, so wie wir nach Lateran IV. sowie Vatikan I. nie eine „postkonziliare“ Ära hatten.

Der Grund liegt auf der Hand: Diese Konzilien waren alle ausnahmslos der Ausdruck der Stimme der Kirche der Heiligen Mutter und genau aus diesem Grund die Stimme unseres Herrn Jesus Christus. Bezeichnenderweise halten diejenigen, die die Neuheit des Zweiten Vatikanischen Konzils bewahren, auch an der ketzerischen Lehre fest, die den Gott des Alten Testaments dem Gott des Neuen Testaments gegenüberstellt, als ob es einen Widerspruch zwischen den göttlichen Personen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit geben könnte. Offensichtlich ist diese fast gnostische oder kabbalistische Opposition für die Legitimierung eines neuen Themas von Bedeutung, das freiwillig anders ist und dem widersetzt sich die katholische Kirche. Doktrinelle Irrtümer verraten fast immer eine Art trinitarischer Häresie, und so können durch die Rückkehr zur Verkündigung des trinitarischen Dogmas die Doktrinen, die sich dem widersetzen, besiegt werden: ut in confessione veræ sempiternæque deitatis, et in Personis proprietas, et in essentia unitas, et in majestate adoretur æqualitas: Wir bekennen uns zur wahren und ewigen Göttlichkeit und verehren das, was jeder Person eigen ist, ihre Einheit in der Substanz und ihre Gleichheit in der Majestät.

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