Tradition und Glauben

Von der Abschaffung der doppelten Stuhlfeier Petri bis zur Mazza-These oder das Papsttum im Sinkflug

Über die Stuhlfeier Petri, die Mazza-These und Benedikts Rücktritt.
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In dem Jahr 2023 haben wir das seltene Glück, dass die Fragmente der Byrne-Reihe über die Abschaffung der beiden Kathedra-Petri-Feste genau in die liturgische Zeit fallen, in der sie gefeiert werden. Den Byrne-Beitrag veröffentlichen wir am 16. Januar – die Stuhlfeier Petri in Rom ist bzw. war bis 1960 am 18. Januar, die Stuhlfeier Petri in Antiochien ist/war am 22. Februar.

Da DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] seit 2014 ausschließlich das Tridentinische Brevier mit dem Tridentinischen Kalender betet, wo diese beiden Feste vorhanden sind, so sind wenigstens an ihm diese liturgischen Änderungen spurlos vorübergegangen. Als er aber zum ersten Mal diese beiden Feste entdeckte, wunderte er sich auch, wovon diese Beiträge zeugen. Denn liest man das Brevier zu diesen Festen, so wird man tatsächlich sehr tief in das Geheimnis des Papsttums und der Kirche eingeführt.

Es gab eine Zeit, wo sich die Kirche ihrer Vergangenheit nicht schämte. Es stimmt wirklich, dass hl. Petrus zuerst der Bischof von Antiochien war, wo er aber nicht blieb, sondern nach Rom kam und dort sein Martyrium erlitt. Deswegen wurde Rom zum Sitz der Päpste und nicht Antiochien, das recht schnell in die Hände der Ungläubigen fiel und als die türkische Antakya zu den partes infidelium gehört. Petrus war aber auch der Bischof von Antiochien und sein Bischofsstuhl, genauso wie der römische, ist dort greifbar. Nicht einmal die Modernisten stellten sich die Frage, warum er nicht in Antiochien bleiben und nach Rom gehen musste.

Durch das Vatikanum II, das schon lange davor vorbereitet wurde, wurde der Katholizismus umgeschrieben und schließlich zerstört, da er jetzt in der Religion der Political correctness, die er durch das Konzil mitgestaltete, untergeht. Bis zur „Abdankung“ Benedikts XVI. blieb noch das Papstamt, das sich durch das Papa Emeritus-Gehabe und ein „Doppelpapsttum“ mit dem Gegenpapst Bergoglio auflöste. Jetzt ist der richtige Papst gestorben und wir haben die Sedisvakanz. Ratzinger wollte schon als Theologe das Papsttum demythologisieren und als Papst tat er das.

Wer hat das Papsttum zerstört?

Die Päpste, und zwar die richtigen Päpste: Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. Aber schon Johannes XXIII. fing mit der Abschaffung des Papsttums liturgisch an, indem er 1960 die beiden Stuhlfeier Petri von Rom und Antiochien zusammenlegte und ein Fest namens „Stuhlfeier Petri“, ohne die genauere geographische Bezeichnung, einführte. Ein Bischofsstuhl jedoch ist immer örtlich gebunden und konkret. Nach der Kalenderreform vom 1960 wurde die Kathedra Petri immer ominöser bis sie unter Benedikt XVI. zu einem „kollegial ausgebauten Papsttum“ wurde.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob der Bischofssitz des Papstes, der ja der Bischof von Rom ist, auch woanders hin, z. B. nach Rüggeberg bei Ennepetal (Nordrhein-Westfalen) verlegt werden könnte. Diese Frage stellten sich doch tatsächlich die Konzilsväter von Vaticanum I, ohne Rüggerberg im Sinne zu haben, als sie über das päpstliche Primat berieten. Die Mehrheit von ihnen kam zum Schluss, dass es zwar kein Dogma ist, dass Rom der Sitz des Papstes sein muss, die Apostolische Tradition es aber seit Petrus so gehalten hat.

Diese Überlegungen kamen in der jüngsten Zeit im Zuge der sog. Mazza-These auf, wo ein Historiker und Ann Barnhardt-Befürworter Dr. Edmund Mazza die These vorlegt, dass Benedikt durch seinen Rücktritt den Bischofsstuhl von Rom vom Papstamt trennen wollte, sodass jeder Papst nach ihm zwar der Bischof von Rom, aber kein Papst ist.

DSDZ hält die Mazza-These für Unsinn, die dem frommen Wunsch entstammt, Benedikts angeblichen Rücktritt irgendwie theologisch zu rechtfertigen und in dem feigen Davonlaufen einen Geniestreich zu sehen. DSDZ meint, dass für den Fall, dass eine Trennung des Papstamtes von dem römischen Bischofssitz überhaupt möglich wäre, Benedikt XVI. diesen Trennungswillen irgendwie öffentlich promulgieren müsste, damit alle wüssten, was er plant. Es würde sich um einen kirchenrechtlichen Akt von höchster Wichtigkeit handeln, der eine Promulgation erfordert. Zwar ist der Papst nach wie vor in der Art und Weise der Promulgation frei, diese ist aber dennoch notwendig. Benedikt hat nirgends irgendetwas unternommen, was der Mazza-These nahe käme, sodass wir die Letztere verwerfen können.

Benedikt XVI. hat jedoch etwas versucht, was theologisch ebenso unmöglich ist:

  1. das Aufspalten des Papstamtes in eine „kollegiale Doppelspitze“ mit einem aktiven und passiven Papst;
  2. als Papst zurückzutreten und gleichzeitig Papst (papa emeritus) zu bleiben.

DSDZ hält die Abspaltung des Papstamtes vom römischen Bischofssitz für theologisch unmöglich, da diese Verbindung seit Petri Tod dermaßen in der Tradition verwurzelt ist, dass sie unaufhebbar scheint.

Römische Päpste residierten von Avignon

Wir hatten zwar, während der Avignonesischen Gefangenschaft der Päpste (1309-1376) – auch Avignonesisches Papstum genannt – römische Päpste, die zwar in Avignon residierten, dennoch aber Bischöfe von Rom waren. Nicht einmal damals dachte jemand an die Abspaltung des römischen Bischofssitzes vom Papsttum, obwohl alles in der Praxis darauf deutete, dass es so ist.

Sollte in der Zukunft Rom von der Landkarte ausradiert und unbewohnbar gemacht werden, so würden wahrscheinlich die künftigen Päpste qua Bischöfe von Rom einfach woanders residieren, in Rüggeberg etwa, bis sie nach Rom zurückkehren könnten, wo die meisten Reliquien liegen, auf denen die römische Kirche gebaut wurde. Aber welchen Sinn sollte die Trennung des römischen Bischofssitzes vom Papsttum bringen? Ein Papsttum Bis? Ein Papsttum light?

Indem aber Johannes XXIII. die Stuhlfeier Petri von Rom und Antiochien trennte, machte er den ersten Schritt in Richtung eines ökumenisch-allumfassenden-nebulösen Papsttums, das nicht mehr römisch, sondern überall und nirgends ist. Genauso wie die Lumen gentium-Post-Vat II Kirche. Ist die Kirche Christi jetzt mit der römisch-katholischen Kirche identisch oder doch nicht? „Die einen sagen so, die anderen so“ und die Entwicklung nach Vat. II zeigt, dass sie leider nicht identisch ist, weil sie eine andere Lehre verfolgt.

Das Einpersonen-Papstum hielt bis zum Benedikts angeblichen Rücktritt die Kirche noch irgendwie zusammen und repräsentierte sie nach außen. Durch den Bergoglio als Papa activus und Benedict als Papa emeritus fiel diese Spitze weg und nichts blieb mehr. Hätte Gott gewollt, dass Antiochien der Sitz der Päpste wird, so hätte er es in seiner Vorsehung so gewirkt. Gott wollte aber Rom und deswegen verlagerte er Petrus dorthin. Rom ist aber nicht nur auf dem Blut Petri und Pauli gewachsen, sondern auf dem Blut unzähliger Märtyrer, die die römische Kirche buchstäblich in ihrem eigenen Blut gepflanzt haben. Auf diese Weise wurde spirituell die Vorherrschaft Roms gestiftet, obwohl sich das Zentrum der Welt von dieser Stadt wegverlagerte.

Carol Byrne hat recht: ist Christus ein Herrscher, so braucht er einen Thron, ist der Papst ein Herrscher, so braucht er auch einen. Benedikt wollte nicht herrschen, Bergoglio – da Antipapst – kann es nicht. Wir haben jetzt eine papstlose Kirche, obwohl die meisten Katholiken es nicht so sehen werden. Aber das Absägen des Papsttums begann schon in der Kalenderreform des Johannes XXIII.

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