Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (10 von 20). Woher dieser Abfall oder fehlende Sakramentalien.

Was sind Sakramentalien?

 

Nach Bischof Ernest Müller, der sich diesem Thema mit aller Ausführlichkeit widmet, lässt sich zu Sakramentalien folgendes sagen:

Sensu latiori intellecta Sacramentalia sunt actiones vel res ad cultum divinum ordinatae, quae hominum sanctificationi inserviunt.

Im breiteren Sinne sind Sakramentalien Handlungen oder Dinge, die zum Gotteskult hingerichtet sind, welche der Heiligung der Menschen dienen.

Sunt quadruplicis classis:

Es gibt vier Klassen der Sakramentalien:

  1. Alia hominem sanctificandum vel res ad hominis sanctificationem et salutem destinatas potestati daemonum eripiunt, nempe exorcismi;

Einige, welche zur Heiligung des Menschen dienen oder Dinge, die zur Heiligung und Rettung bestimmt den Menschen aus der Macht der Dämonen befreien – dies sind die Exorzismen,

2. Alia ad sanctificationem disponunt, in homine fidem, reverentiam, devotionem erga Deum ac res divinas excitando, nempe caeremoniae Sacramentis et Missae sacrificio adnexae;

Andere, welche zur Heiligung disponieren, damit im Menschen Glaube, Ehrfurcht, Ergebenheit Gott gegenüber und den göttlichen Dingen erweckt werde, dies sind nämlich die Zeremonien, welche den Sakramenten und dem Messopfer beigefügt sind;

3. Alia sanctificationem promovent et augent, videlicet pia quaedam exercitia, qualia sunt oratio Dominica, preces ab Ecclesia statutae (e.g. horae canonicae), orationes in loco sacro recitatae, generalis confessio in Missa et Offcio divino dici solita, humilis et supplex tunsio pectoris, eleemosyna; per quae gratiae actuales obtineri, peccata venialia expiari, poenae temporales redimi possunt;

Andere, welche die Heiligung fördern und vermehren und zwar fromme Übungen, welche das sind das Herrengebet [Vater unser], Gebete von der Kirche vorgeschrieben (z.B. Stundengebet), Gebete, die am heiligen Ort rezitiert werden, allgemeines Schuldbekenntnis, das in der Messe und im Offizium gebetet wird, demütiges und untergebenes Brustschlagen, Almosen; durch welche aktuelle Gnaden erhalten, lässliche Sünden gesühnt, zeitliche Sündenstrafen abgetragen werden können.“[1]

 

Bevor wir hier Bischof Müller weiter zitieren, fassen wir zusammen, was die Sakramentalien unter anderen bewirken: Sie verleihen aktuelle Gnaden, so Gott will, aber Er will schon.

Wodurch kann man also konkret aktuelle Gnaden erhalten?

Durch:

  1. Verrichtung von exorzismierenden Gebeten (St. Michael Erzengel Gebet),
  2. Verwendung von exorzismierenden Gegenständen (St. Benedikt Medaillie)
  3. Beiwohnung bei Zelebration der Sakramente,
  4. Beiwohnung bei der hl. Messe,
  5. Vater Unser,
  6. Gebete der Kirche – Brevier, Stundengebet,
  7. Rezitieren der Gebete am heiligen Ort (Kapelle, Kirche),
  8. Allgemeines Schuldbekenntnis in der Messe, im Offizium,
  9. Brutschlagen im Sinne von mea culpa, aber demütig,
  10. Almosen geben.

Wenn Sie also 1) bis 10) verrichten, erhalten sie aktuelle Gnaden, d.h. gewissermaßen zusätzliche Batterieladungen für Ihr Handy. Dies positiv gewendet, negativ gewendet, können Sie dadurch die lässlichen Sünden sühnen und zeitliche Sündenstrafen, jetzt schon und nicht erst im Fegefeuer, abtragen. Ist das nicht schön? Aber lesen wir weiter:

4. Sanctificationem juvant benedictiones personarum et rerum, quibus quaedam vis salutifera adnexa est vel ex intrinseca sanctitate, prout ss. Nominibus Jesu et Mariae, signo s. Crucis, vel es benedictio Ecclesiae, sicuti aquae lustrali, candelis, palmis, cineribus, exulentis etc. Ecclesiae more benedictis; per quas impetrari possunt gratiae acutales, deleri leviora peccata, infestations demonis repelli, obtineri etiam beneficia temporalia e.g. sanitatis, si expediant saluti animae. Ubi notandum, quod Sacramentalia non immediate tollunt peccata venialia, sed quatenus per illa impetratur gratia ad eliciendos actus doloris vel charitatis, quorum vi peccata veniali delentur. Hinc omnibus fidelibus consulendum, ut post sumptionem aquae benedictae etc. eliciant actum doloris vel amoris. [2]

 

Der Heiligung helfen die Segnungen von Personen und Dingen, welchen eine gewisse heilbringende Kraft hinzugefügt ist. [Sie rührt] entweder aus der inneren Heiligkeit [her], wie im Falle der heiligen Namen Jesu und Mariä oder beim Kreuzzeichen, oder [die heilbringende Kraft] stammt aus den Segnungen der Kirche, wie beim Weihwasser [zur Reinigung der Sünden], bei Kerzen, Palmzweigen, Asche, Lebensmitteln etc.; per welche aktuelle Gnaden erbeten, leichte Sünden getilgt, Infestationen der Dämonen vertrieben, auch zeitliche Wohltaten, wie Gesundheit, erlangt werden können, wenn sie der Rettung der Seele dienen. Ferner sei anzumerken, dass Sakramentalien nicht unmittelbar die lässlichen Sünden tilgen, sondern dann, wenn durch sie Gnade durch die Erweckung der Akte der Reue und der Liebe erbeten wird, durch deren Kraft die lässlichen Sünden getilgt werden. Daher empfiehlt es sich allen Gläubigen, dass sie nach dem Gebrauch des Weihwassers Akte der Reue oder der Liebe erwecken.

Was bedeutet das? Dass in den gesegneten Gegenständen eine heilbringende Kraft (vi salutifera) wohnt. Diese strahlen von sich aus Heiligkeit und Heiligung aus, weil sie aufgrund der konstituierenden Segnung (consecrationes et benedictiones constitutivae) wie Sakramente ex opere operato wirken.[3] Diese Lehre ist auch nicht allen bekannt. Nicht nur Sakramente wirken an sich ex opere operato, konstituierende Segnungen, diejenigen also, welche ein für allemal eine Sache (Kreuz, Kirche) oder eine Person (z. B. Abtweihe) dem weltlichen Gebrauch entziehen, wirken ebenfalls auf diese Art und Weise. Dies bedeutet konkret, dass eine gesegnete Marienstatue, wie ein Sakrament, an sich wirkt. Sie heiligt objektiv, natürlich die recht disponierten und nicht nur diejenigen „die halt so daran glauben“, indem sie sich etwas einbilden. Wenn Sie im Gnadenstand sind, werden Sie sich in gesegneten Räumen und von gesegneten Gegenständen umgeben besser fühlen. Wenn Sie in Todsünde sind, werden Sie sich schlechter und gereizt fühlten und diese Räume oder Gegenstände meiden. Durch geheiligte Gegenstände schaffen Sie bei sich zuhause objektiv heilige Räume und erlangen allein dadurch, dass solch eine Statue dasteht, aktuelle Gnaden.

Ferner werden die sog. Infestationen der Dämonen vertrieben? Was sind Infestationen? Das ist der Fachbegriff, der eine dämonische Umsessenheit an einem Ort wiedergibt, wie z.B. Klopfgeräusche, selbstständige Bewegung der Gegenstände, Ausfall von elektronischen Geräten, irgendwelche kleinere Pannen und Katastrophen. So etwas gibt es und einige unserer Leser erfahren es am eigenen Leibe. Gesegnete Gegenstände halten das fern oder minimieren den Schaden. Gesegnete Gegenstände bescheren auch weltliche Wohltaten, wenn sie unserem Heil nicht schaden. Zum Nachlass der lässlichen Sünden ist die Erweckung der Reue oder eines Liebesaktes notwendig, da wirken die Gegenstände oder das Weihwasser nicht automatisch. Kurz und gut durch die Segnungen der Kirche oder kraft ihrer eigenen Heiligkeit (Name Jesu, Mariens, Kreuzzeichen) erhalten Sie mehr aktuelle Gnade alleine dadurch, dass Sie bestimmte Gegenstände besitzen oder bestimmte Handlungen verrichten: Sie sagen laut „Jesus“ oder „Maria“ oder machen ein Kreuzzeichen.

Stellen Sie sich vor, was wäre, wenn Sie allein dadurch, dass Sie gesegnete Heiligenfiguren zuhause stehen hätten pro Heiligenfigur ihnen 75 Cent pro Tag auf ihr Konto überwiesen werden würde. Da würde dann pro Jahr 273,75 € pro Figur ergeben, mal vier Figuren sind das beinahe 1100 €. So wirken Sakramentalien, wenn man für „Geld“ „aktuelle Gnade“ einsetzt. Weil Sie aber durch leichte Sünden von Ihrem Gnadenkonto Geld abbuchen, so können Sie diesen Verlust durch die Tilgung der lässlichen Sünden (durch Weihwasser und Akte der Reue oder der Liebe) ausgleichen. Das gilt aber nur, wenn Sie im Gnadenstand sind. Durch eine einzige Todsünde geht ihr Konto auf null und kann erst durch die habituelle Gnade der Rechtfertigung durch sakramentale Beichte (im Notfall auch durch Liebesreue) wieder aufgeladen werden.

Bischof Müller fasst die Wirkungen der Sakramentalien wie folgt zusammen:

„Praedictae actiones ac res igitur inserviunt ad hominis sanctificationem, diversis modis: 1. negative, depellendo vel arcendo daemones, expiando peccata venialia, redimendo poenas temporales; 2. positive, fidem, spem, devotionem excitando et nutriendo, ut cum uberiori fructu Sacramenta suscipiantur, Missae sacrificio assistatur; gratias actuales ad bona opera impetrando, per quae gratia sanctificans augetur; imo et beneficia temporalia ad salute animae efflagitando.

 

Die oben erwähnten Handlungen und Dinge dienen also der Heiligung des Menschen und zwar auf verschiedene Art und Weise: 1. negativ durch das Vertreiben und Fernhalten der Dämonen, durch das Sühnen der lässlichen Sünden, durch das Abtragen der zeitlichen Sündenstrafen, 2. positiv durch das Erwecken und Nähren von Glaube, Hoffnung und Andacht, damit mit reichlicher Frucht die Sakramente empfangen werden können und dem Messopfer beigewohnt wird; es werden aktuelle Gnaden zur Verwirklichung der guten Taten erbeten, durch welche die heiligmachende Gnade wächst, ebenso werden zeitliche Wohltaten zur Rettung der Seele erfleht.“[4]

 

Die oben dargestellte Lehre über die Sakramentalien stellt die objektive Lehre der Kirche dar, welche übernatürliche Prozesse abbildet. Wir müssen wieder dazu zurückkehren Theologie nicht wie ein „Lern- und Laberfach“ zu betrachten, sondern wie eine präzise, formelle Wissenschaft vom Übernatürlichen, welche sie ja bis ca. 1962 war. Die Lehre von den Sakramentalien stellt also eine objektive Formel dar welche zeigt, wie durch die Sakramentalien die aktuelle Gnade vermittelt wird. Sollte man die Frage wirklich stellen:

Welche Gnade ist denn wichtiger die habituelle oder die aktuelle?

Dann lautet die Antwort: die aktuelle Gnade. Denn diese können Sie immer erflehen, auch wenn Sie nicht mehr im Gnadenstand sind, d.h. keine habituelle Gnade haben. Sie benötigen ferner die aktuelle Gnade zu absolut jeder Heilshandlung. Nicht zu einer jeden physischen Handlung, wenn wir hier die Lehre von der praemotio physica außen vor lassen, aber zu einer jeden Handlung, die aufs Heil und die Rettung (salus) ausgerichtet ist. Nennen wir ein paar Beispiele:

  • Sie duschen – Keine aktuelle Gnade notwendig, da natürliche Handlung
  • Sie trinken Kaffee und denken an den Tagesablauf – Keine aktuelle Gnade notwendig, da natürliche Handlung
  • Sie verrichten Ihre Morgengebete – Aktuelle Gnade notwendig, da Heilstat
  • Sie schreiben einen theologischen Aufsatz – Aktuelle Gnade notwendig, da Heilstat

Natürlich müssen Sie alle Heilstaten selbst verrichten, Gebete sprechen, Texte lesen, schreiben, damit es aber zum Heil gereicht, damit Sie dadurch geheiligt und erleuchtet werden, benötigen Sie aktuelle Gnade, denn Katholizismus ist keine Selbsterlösungsreligion. Aber kehren wir zu der Ausgangsfrage zurück:

Warum sind unsere Geistlichen so ungeistlich?

Weil, erstens, die nachkonziliaren Sakramentalien so geändert wurden, dass sie kaum heiligen, weil, zweitens die Geistlichen kaum die Sakramentalien anwenden. Mit der Heiligkeit ist es wie mit der Sonne, Sie müssen sich ihr oft und lange aussetzen, um gewandelt im Sinne von geheiligt zu werden. Deswegen hat jeder, der dem geistlichen Stand angehört, Priester, Nonne, Ordensmann bestimmte Handlungen auszuführen, welche man „fromme Übungen“ (pia exertitia) oder „geistliche Übungen“ (exertitia spiritualia) nennt. Ja, es ist wie Sport, es sind Übungen (exertitia), es ist anstrengend: hinknien, sich mit Weihwasser bekreuzigen, Gebete rezitieren, meditieren etc. Man muss also etwas tun. Sind aber alle Handlungen einer geistlichen Person heiligend, indem sie aktuelle Gnaden verleihen? Nein, nur diejenigen, welche von der Kirche zu den Sakramentalien gezählt werden. Also keine Sakramentalien – keine aktuellen Gnaden. Wir sagen aber noch mehr: keine vorkonziliaren Sakramentalien – kaum aktuelle Gnaden. Warum? Wenn wir die folgende Gleichung aufstellen:

  1. Um Heilstaten zu vollbringen braucht man Gnade.
  2. Wenn man keine Heilstaten vollbringt, sondern sündigt, dann hat man keine Gnade.

Hat man aber keine Gnade, dann deswegen:

  1. Weil man durch Unterlassung diese nicht erbittet.
  2. Weil sie nicht vorhanden ist.

[1] Müller, Ernest, Theologia moralis, Bd. III, Wien 1895, 537-538.

[2] Müller, Bd. III, 538; vgl. S. Alph. Lib. VI, n. 92.

[3] Diekamp, Franziskus, Theologiae dogmaticae manuale, Volumen IV: De sacramentis, tum in communi tum in specie et de novissimis, Paris 1943, 79.

[4] Müller, Bd. III, 538.

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4 Gedanken zu „Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (10 von 20). Woher dieser Abfall oder fehlende Sakramentalien.

  1. …..vielen Dank für die wesentlichen Informationen, mit denen mir der Kampf gegen Sünde, Welt und Teufel jetzt wesentlich zielgerichteter gelingen wird, da man es nicht wissen kann, wenn man es nicht weiß. Gut, dass sich das jetzt an dieser Stelle für mich geändert hat. Also nochmals Vielen Dank!!!

    1. @davilatollkuehn

      Vielen Dank! Ich schreibe weiter, überlege aber, ob die Thematik für manche nicht zu schwierig und die Beiträge zu lang sind. Aber manchmal muss man etwas riskieren.

  2. Nein, weder zu lang noch zu schwierig. Ich erwarte mit Spannung jeden Artikel und staune über Fleiss, Zeitaufwand und Energie mit welchen Sie Kompliziertes gut verständlich u.v.a. sauber katholisch aufbereiten. Muss zwar sehr sparsam leben, möchte dann auch – schon als Zeichen der Wertschätzung und Dankbarkeit- Ihre Artikel abonieren. Gott segne u.schütze Sie

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