Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (13 von 20). Autoritäten über den häretischen Papst.

In den vorigen Beiträgen haben wir dargelegt, warum die Geistlichen nichts gegen die Häresien von Bergoglio unternehmen. Jetzt kehren wir wieder zu den Aussagen der theologischen Autoritäten zurück, welche über den haereticus papa schreiben. Der nächste Theologe, der sich, nach Suarez, Gedanken über eine Möglichkeit eines häretischen Papstes machte, war der hl. Robert Bellarmin SJ (gest. 1621), der in seiner vielzitierten Aussage folgendes schreibt:

„Ein Papst, der ein formeller Häretiker ist, hört per se auf ein Papst und das Haupt der Kirche zu sein, da er sogleich aufhört ein Christ und ein Mitglied der Kirche zu sein. Aus diesem Grund kann er verurteilt und von der Kirche bestraft werden. Das ist vereinbar mit der Lehre aller Väter, welche lehrten, dass formelle Häretiker automatisch jegliche Jurisdiktion verlieren.“ (hl. Robert Bellarmin, De Romano Pontifice II, 30).[1]

Auf diese Art und Weise schlägt Bellarmin mehrere Fliegen mit einer Klappe:

  • zwar darf ein Papst als Papst von niemanden gerichtet werden,
  • wenn er aber ein formeller Häretiker wird, hört er sogleich auf Papst zu sein,
  • wie alle formellen Häretiker jegliche Kirchengewalt verlieren,
  • so auch ein häretischer Papst,
  • als Nicht-Papst kann er gerichtet werden, da er sich selbst seines Amtes enthoben hat.

Ferner lesen wir bei Bellarmin:

 “So wie es erlaubt ist, dem Papst zu widerstehen, der den Leib angreift, so ist es auch erlaubt ihm Widerstand zu leisten, wenn er Seelen angreift oder die bürgerliche Ordnung zerstört, vor allem aber, wenn er versucht, die Kirche zu zerstören. Ich behaupte also, dass es erlaubt ist, ihm [dem Papst] zu widerstehen, indem man seinen Befehlen nicht gehorcht und seinen Willen behindert. Es ist jedoch verboten, ihn zu richten, zu bestrafen oder zu entthronen, da dies die Handlungen sind, die der Obrigkeit zustehen” (Bellarmin, De Romano Pontifice, II.29).

Die Aussage ist wohl klar: weil der Glauben und das Seelenheil das höchste Gut darstellen, so ist es erlaubt einem Papst zu widerstehen, der diese angreift. Die Amtsenthebung wird aber der Obrigkeit überlassen, wobei sich die späteren Autoren darüber Gedanken machten, wer unter dieser „Obrigkeit“ zu verstehen ist. Ähnlich schreibt Suarez über den Widerstand gegen den Papst:

“Wenn der Papst etwas gegen die guten Sitten anordnet, so soll man ihm nicht gehorchen. Wenn er etwas gegen offensichtliche Gerechtigkeit und gegen das Gemeinwohl unternimmt, so ist es erlaubt sich ihm zu widersetzen.” (Suarez, Opera omnia X, Paris 1856 ff., S. 321, Tractatus de fide dogmatica, Disp. 10, Sect. 6, Nr. 16)

Wie man sieht, ist Katholizismus die Religion des gesunden Menschenverstandes und nicht des totalitären Kadavergehorsams, welcher das für gut und richtig befindet, was sich der jeweilige Tyrann wünscht. Sollte jemand dagegen einwenden, dass dies zwar angesehene Theologen, aber keine Heiligen schreiben, so zitieren wir in diesem Kontext auch einen Heiligen. Es handelt sich um den Hl. Franz von Sales (gest. 1622), der schreibt:

“Wir behaupten nicht, dass der Papst nicht in seinen privaten Ansichten irren kann, wie es Johannes XXII. tat; ebenso wenig [meinen wir], dass er nicht ein völliger Ketzer wie Honorius sein kann. Wenn er ein offensichtlicher Häretiker ist, so verliert er seine päpstliche Würde und hört damit auf ein Mitglied der Kirche zu sein. Andererseits muss die Kirche ihn entweder seines Amtes entheben oder, wie manche sagen, erklären, dass ihm das Petrinische Amt weggenommen worden ist, indem die Kirche das feststellt, was der hl. Petrus sagte: “Und sein Bischofsamt möge ein anderer übernehmen! (et episcopatum eius accipiat alius)” (Apg 1:20)[2]

Der hl. Franz von Sales behauptet somit dasselbe, was Bellarmin und Suarez behaupteten, wobei er noch zwischen (1) der Häresie an sich unterscheidet, welche den Papst zu Häretiker stempelt und außerhalb der Kirche stellt und (2) der Amtsenthebung, welche durchgeführt oder wenigstens erklärt werden muss. Darüber wie nun die Amtsenthebung des Papstes zu erfolgen hat, machten sich spätere Theologen ihre Gedanken. So schreibt Johannes vom hl. Thomas (gest. 1644), einer der größten Thomisten aller Zeiten, folgendes:

 St. Hieronymus, indem er schreibt, dass sich der Ketzer selbst vom Leib Christi trennt, schließt dabei das Urteil der Kirche nicht aus, insbesondere in einer so schwierigen Angelegenheit wie die Amtsenthebung des Papstes. Stattdessen verweist er auf die Art des Verbrechens [der Häresie], bei der es sich um eine selbstständige Abtrennung von der Kirche handelt, welche keine zusätzlichen Zensuren [d.h. externe Strafen der Kirche] erforderlich macht. Dennoch sollte das Begehen dieses Verbrechens [der Häresie] von der Kirche kundgetan werden […]. Solange uns die Kirche dies nicht durch einen Rechtsbeschluss erklärt, dass der Papst zum Abtrünnigen oder Ketzer geworden ist, bleibt er, selbst wenn es sich bei ihm nach jemandes Privaturteil um einen offensichtlicher Häretiker handelt, in Beziehung zu uns (quoad nos) ein Mitglied der Kirche und konsequenterweise das Oberhaupt der Kirche. Das Urteil steht der Kirche zu und nur in diesem Fall hört der Papst auf in Beziehung zu uns (quoad nos) auf Papst zu sein. (Johannes vom Hl. Thomas, De Fide, disp. X, sect. VI, NN. 3-10, S. 316-317).”

Johannes vom hl. Thomas unterscheidet zwischen (1) der Häresie in se, welche den Amtsverlust nach sich zieht und (2) dem Papstamt quoad nos – „uns gegenüber“ oder „in Beziehung zu uns“, welches äußerlich und formell solange bestehen bleibt bis die Kirche ihr Urteil über die Amtsenthebung spricht. Johannes vom hl. Thomas will wohl auf diese Art und Weise eine Anarchie in der Kirche vermeiden, wonach jeder nach seinem Privaturteil den Papst zum Häretiker erklären und praktische Konsequenzen daraus ziehen könnte. Der zitierte Theologe hat aber leider nicht die jetzige Situation vorausgesehen, wo der Papst spätestens seit der Veröffentlichung von Amoris Laetitia am 19. März 2016 zum formellen Häretiker geworden ist, die Kirche, im Sinne ihrer höchsten Vertreter, aber seit beinahe drei Jahren mit dem Urteil auf sich warten lässt. Natürlich ist es richtig zu fordern, dass irgendwelche Autorität die Häresie des Papstes öffentlich machen sollte, was aber, wenn es eine solche nicht gibt?

Eine weitere Lösung des Problems stellt Paul Laymann SJ (gest. 1635) vor, der als der größte Kanonist seiner Zeit galt. Er war Professor für Philosophie in Ingolstadt, für Moraltheologie in München und lehrte ebenfalls Kirchenrecht in Dillingen in einer Zeit, als die oben genannten Universitäten der katholischen Gegenreformation dienten. Laymann schreibt:

 “Es ist wahrscheinlich, dass der Oberste Hirte als [Privatperson] in  Häresie fallen könnte, sogar in eine notorische Häresie. […]  Laut Suarez hätte er es aus diesem Grund verdient amtsenthoben zu werden und nach Bellarmin sollte seine Amtsenthebung öffentlich gemacht werden. […] Obwohl wir anerkennen, dass der Höchste Hirte als Privatperson zum Ketzer werden kann und daher kein echtes Mitglied der Kirche mehr ist, […] so sagen wir jedoch, dass der Papst in diesem Falle von der Kirche geduldet und öffentlich als universeller Hirte anerkannt werden müsste, sodass er weiterhin die päpstliche Autorität genießen würde. Somit hätten in dieser Situation alle seine Dekrete nicht weniger Macht und Autorität als im Falle eines völlig rechtgläubigen des Papstes. (Laymann, Theol. Mor. (1625), Lib.II,  Tract. I, Cap, VII, Assertio II, S. 145-146)

Die Lösung von Laymann scheint auf das Pontifikat von Johannes XXII. zugeschnitten worden zu sein und eine Übergangslösung darzustellen.

  1. Johannes XXII. wollte seine Privatmeinung der Kirche aufzwingen
  2. Er wurde toleriert und seine Dekrete blieben gültig
  3. Bis er schließlich widerrief.

Aber in diesem Falle hatten wir es nur mit einer einzigen Häresie eines Papstes  und mit keiner programmatischen Kirchenzerstörung durch häretische Dekrete und kirchenzerstörende Beschlüsse (zuletzt „Synodalität“) zu tun. In letzteren Falle, d.h. im Falle Bergoglio, gleicht die Duldung eines häretischen Papstes einer geduldeten Kirchenzerstörung und einer Mißachtung der Lehre der Kirche. Sowohl Johannes vom St. Thomas als auch Paul Laymann SJ scheinen mit ihrer Herangehensweise eine kurze Übergangslösung im Auge zu haben: der Papst verkündet eine Häresie am Freitag, wird am Dienstag ermahnt und widerruft am Donnerstag. Aber diese Duldung, im Sinne haereticus papa tolerandus – kann doch unmöglich eine längere Zeitperiode betreffen, lieber Kardinal Burke.

Weil die formelle also die offensichtliche Häresie, wie bereits erwähnt, eine Hartnäckigkeit (pertinacia) voraussetzt, so haben sich einige Theologen gefragt, wie lange die Kirche eine offenkundige Häresie des Papstes tolerieren sollte. Hl. Robert Bellarmin zitiert die Autorität des Heiligen Paulus, welcher von zwei Ermahnungen spricht, die der Amtsenthebung vorausgehen sollten:

 “Erstens wurde durch die Argumente der [theologischen] Autoritäten (ex autoritate) […] und durch Vernunft-Argumente (ex ratione) […] bewiesen, dass ein offensichtlicher Häretiker ipso facto des Amtes enthoben wird. Das Ex-Autoritate–Argument stützt sich auf den Hl. Paulus, der uns befiehlt einen Ketzer nach zwei Ermahnungen zu meiden (Tit. 3:10: Hereticum hominem post unam und secundam correptionem devita), dies bedeutet eine Periode, nachdem der Häretiker seine offensichtliche Hartnäckigkeit gezeigt hat, d. h. es ist die Zeit vor einer jedweder Exkommunikation oder einer rechtlichen Verurteilung […]. Daher hört der Papst auf, der ein offensichtlicher Häretiker ist, auf dieselbe Art und Weise Papst und das Oberhaupt der Kirche zu sein, wie er aufhört ein Christ und ein Mitglied des Leibes Christi zu sein. Folglich kann er von der Kirche gerichtet und bestraft werden.” (Hl. Robert Bellarmin, De Romano Pontifice, lib. II, Kap. 30)

Dieses Argument von Bellarmin wird von Pietro Ballerini († 1769), der ein berühmter Kirchenrechtler und Theologe des achtzehnten Jahrhunderts gewesen ist, übernommen und ausgebaut. Es ist der letzte, der von zitierten Autoren, der die Art und Weise der Absetzung des häretischen Papstes präzisiert:

 “Wenn eine Person, die ein oder zweimal ermahnt wurde, nicht bereut, sondern hartnäckig eine Ansicht vertritt, die einem geoffenbarten und öffentlichen Dogma widerspricht, so kann diese Person aufgrund eben dieser öffentlichen Hartnäckigkeit in keinster Weise vom Vorwurf der Häresie freigesprochen werden, da eine Häresie Hartnäckigkeit voraussetzt. Auf diese Art und Weise erklärt diese Person, dass sie ein Häretiker ist. Sie offenbart mit eigenen Willen, dass sie vom katholischen Glauben und von der Kirche abgefallen ist und zwar in einer solchen Form, dass keine Erklärung oder kein Rechtsspruch notwendig ist, um sie vom Leib Christi abzutrennen. […] Daher sollte ein Papst, der nach einer feierlichen und öffentlichen Ermahnung durch die Kardinäle und durch den Klerus von Rom oder durch eine Synode hartnäckig in einer Häresie verbleiben und von der Kirche abgefallen sein sollte, nach der Anweisung des hl. Paulus gemieden werden, damit dieser Papst nicht zum Schaden anderer Gläubigen beitragen könnte. Ein solcher Papst müsste seine Häresie und sein hartnäckiges Festhalten an ihr ebenfalls öffentlich proklamieren, damit ihn alle Gläubigen gleichermaßen meiden könnten. Auf diese Weise würde die Erklärung, die er gegen sich selbst ausgesprochen hätte, der ganzen Kirche offenbar werden und enthüllen, dass er selbst durch seinen eigenen Willen abgefallen ist und sich vom Leib der Kirche getrennt hat, wie auch dies, dass er sich selbst quasi seines Amtes – Pontifikats enthoben hat, auf das niemand Anspruch hat und das niemanden zufallen kann, der nicht zur Kirche gehört.” (Ballerini, De Potestate Ecclesiastica , S. 104-105)

Fassen wir die Ausführungen von Ballerini zusammen:

  1. Der Papst begeht eine formelle Häresie in forum externum.
  2. Die Häresie wird von einer kompetenten Seite als solche erkannt.
  3. Der häretische Papst wird zweimal von Kardinälen oder dem Klerus von Rom oder einer Synode ermahnt.
  4. Der häretische Papst verkündet öffentlich seinen Willen in der Häresie zu verbleiben.
  5. Alle Gläubigen haben ihn zu meiden.

Interessanterweise enthebt sich nach Ballerini, der die Gedankengänge der früheren Autoren weiterentwickelt, der Papst seines Amtes selbst, weil er als offensichtlicher Häretiker nicht mehr zur Kirche gehört. Die Kirche stellt diesen Abfall nur fest und zieht daraus die Konsequenzen, die Ballerini nicht mehr beschreibt. Soviel zum theologischen Vordenken und zur Theorie.

 Sind denn diese Argumente den heutigen Kardinälen bekannt?

Natürlich sind sie ihnen bekannt. Es ist zwar kein Lehrbuchwissen und man muss schon tiefer graben, wenn aber der Laie Robert J. Siscoe diese Argumente in seinem Aufsatz Bellarmine and Suarez on The Question of a Heretical Pope zusammentragen konnte, der kein gelernter Kirchenhistoriker ist, dann sind sie, so glauben wir, zum Beispiel Kardinal Brandmüller längst bekannt. Man kann natürlich noch tiefer schürfen, indem man sich an die alten Quellen setzt, denn die ganze oben zitierte Abhandlung von Laymann sieht im Original so aus:

 

Zwar ist nicht alles darin relevant, da Laymann wirklich alle Quellen für den Beleg seiner Thesen anführt, aber wir sehen, dass es schon allerhand ist, was er erörtert. Ferner gibt es da die Ausführungen über die Absetzung des häretischen Papstes von Johannes vom hl. Thomas, welche dermaßen kondensiert und mit Fachterminologie gespickt sind (ja, nicht nur der Hase kann gespickt werden), dass DSDZ es wohl selbst aus dem Lateinischen übersetzen werden muss, da der Umweg über das Englische mehr Probleme bereitet als löst. Es gibt also durchaus Literatur zu diesem Thema, obwohl nicht sehr viel, weil kaum ein Theologe sich hätte vorstellen können, dass es so weit wirklich kommen würde. Am Anfang des Bergoglio-Pontifikats haben wohl viele Gläubige geglaubt, dass sich die Kardinäle in der theologischen Literatur belesen, dass sie Pläne oder Komplotte schmieden, um effizient und praktisch gegen den häretischen Papst vorgehen zu können. Und zwar zum Schutz der ihnen anbefohlenen Seelen. Aber nichts ist geschehen, weil sie zu feige sind. Welche Erklärung gibt es denn sonst? Sollte Bergoglio wider allem Anschein tatsächlich Papst und kein Antipapst sein, dann ist er spätestens seit Amoris Laetitia ein formeller Häretiker. Zwar haben ihn die Kardinäle nicht öffentlich ermahnt, aber andere wie der Brief der 45, Correctio filialis, Wir klagen an, Veri Catholici und ähnliche Initiativen schon. Daher kann man seitens Franziskus sicherlich von einer Hartnäckigkeit sprechen. Es gab sogar eine wissenschaftliche Konferenz darüber, wie man einen Papst abzusetzen hat. Es scheint wirklich, dass den Laien mehr an der Kirche liegt als den Kardinälen und Bischöfen. Vielleicht sollte man eine Art Volkssturm auf die Beine stellen und im Vatikan einmarschieren? Sonst tut es keiner.

[1] Übersetzung aus dem Englischen nach: http://strobertbellarmine.net/bellarm.htm

[2] St. Francis de Sales, Doctor of the Church, [Tan Books], pg 305-306.

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