Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (4 von 20). Bestandteile einer formellen Häresie

Anbei der lang erhoffte nächste Teil unserer Reihe Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? Denjenigen, welche auf die Argumente für das Gegenpapsttum warten, welche grosso modo, dem Vortrag von Ann Barnhardt zu entnehmen sind, sei an dieser Stelle gesagt, dass diese kommen werden. Wir wollen auch eine Eigenleistung abliefern, indem wir zeigen, dass 

a. einen richtigen Papst

b. die Assistentia Negativa schützt,

c. sodass vor Bergoglio kein nachkonziliarer Papst 

d. einer formellen Häresie, unserer Meinung nach, schuldig geworden ist.

Die Assistentia Negativa hat allerdings nicht mehrere Päpste davon geschützt, Irrtümer und Häresien zu verbreiten, wie treffend Peter Kwasniewski darlegt. Aber bisher hat kein Papst gefehlt, wenn er ex cathedra sprach, denn nicht jede päpstliche Lehrmeinung ist ein ex cathedra Urteil. Dies bedeutet die richtigen Päpste schützt die Assistentia Negativa schon. Aber die Menge macht es und man kann sich wirklich die Frage stellen, was mit der Assistentia Negativa bei Bergoglio los ist, dass sie bei ihm überhaupt nicht greift. Weil er kein Papst ist. Obwohl die ganze Thematik der formellen Häresie eigentlich nichts mit dem Thema zu tun hat, ob Bergoglio ein Antipapst ist (Hat Benedikt nicht richtig abgedankt, dann ist Bergoglio der Antipapst!), so wollen wir dennoch an dieser Stelle die Lehre über die formelle Häresie darlegen, weil besonders in traditionellen Kreisen das Wort “Häretiker” sehr inflationär verwendet wird. Will man sagen, dass Bergoglio ein formeller Häretiker ist, dann muss man zuerst wissen, was es mit der formellen Häresie auf sich hat.

Bestandteile einer formellen Häresie

Unter einer Häresie versteht das heutige Kirchenrecht (CIC 1983, Kan. 751) Folgendes:

Häresie nennt man die nach Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung einer kraft göttlichen und katholischen Glaubens zu glaubenden Wahrheit oder einen beharrlichen Zweifel an einer solchen Glaubenswahrheit; Apostasie nennt man die Ablehnung des christlichen Glaubens im ganzen; Schisma nennt man die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den diesem untergebenen Gliedern der Kirche.

Dicitur haeresis, pertinax, post receptum baptismum, alicuius veritatis fide divina et catholica credendae denegatio, aut de eadem pertinax dubitatio; apostasia, fidei christianae ex toto repudiatio; schisma, subiectionis Summo Pontifici aut communionis cum Ecclesiae membris eidem subditis detrectatio.

Dies bedeutet, dass der Gegenstand einer Häresie oder das, was diese leugnet eine Glaubenswahrheit der Kategorie fides divina et catholica ist, was wir in unserer Reihe Notae theologicae oder die dogmatische Gewissheit dargelegt haben. Anders formuliert: nicht jeder Unsinn, ist gleich Häresie. Um eine formelle Häresie zu begehen muss man:

  1. Ausreichend kompetent in Theologie sein, um zu wissen, wogegen man verstößt
  2. Es formell also ausdrücklich mündlich oder schriftlich tun
  3. Trotz Ermahnung darin verhaftet bleiben.

Moraltheologische Sicht

Aber leihen wir die Stimme den Fachleuten. Häresie ist aus der Sicht des Kirchenrechts ein Verbrechen, aus der Sicht der Moraltheologie darüber hinaus noch eine persönliche Sünde. Bischof Ernst Müller, der Verfasser einer ausgezeichneten vorkonziliaren Moraltheologie, fasst es wie folgt auf:

Häresie ist ein hartnäckiger Irrtum des Verstandes gegen den Glauben in demjenigen, der den Glauben empfangen hat, d.h. im Getauften.

Haeresis est error intellectus pertinax contra fidem in eo, qui fidem suscepit, seu in baptizato.

Dazu also, dass eine Häresie, und zwar eine formelle, im Christen auftritt, ist folgendes notwendig.

Unde ad haeresim, eamque formalem, in Christiano requiritur

  1. Seitens des Verstandes ein Irrtum gegen den Glauben, das ist gegen die Glaubenslehre, welche die katholischen Dogmen betrifft,

Ex parte intellectus error contra fidem, id est contra doctrinam, quae pertinent ad dogmata catholica;

  1. Seitens des Willens die Hartnäckigkeit, welche darin besteht, dass jemand sein Urteil nicht der Kirche unterwerfen will;

Ex parte voluntatis pertinacia, in eo consistens, quod quis non vult judicium suum submittere Ecclesiae;

Wenn der Irrtum des Verstandes ohne die besagte Hartnäckigkeit des Willens stattfindet, dann wird die Häresie eine materielle Häresie genannt.

Quodsi error intellectus contra fidem absque dicta voluntatis pertinacia habeatur: tunc haeresis vocatur materialis.[1]

Da wir sowohl für den Akademiker als auch für das Hasen spickende Mütterchen schreiben, eventuell für eine Hasen spickende Akademikerinnen, die leider selten vorkommen, so stellen wir einfach die Frage:

Was bedeutet das?

Nehmen wir die Aussagen von Bischof Müller auseinander, so bedeutet die Definition der Häresie als Irrtum des Verstandes (error intellectus), dass es eine objektive Glaubenswahrheit gibt, eine metaphysische Wirklichkeit also, gegen die man verstoßen kann, indem man irrt. Ich irre, wenn ich sage, dass draußen die Sonne scheint, wenn es regnet. Ich irre auch, wenn ich meine 2 + 2 = 5, wenn es 2 + 2 = 4 ist. In der Theologie herrscht die Adäquationstheorie der Wahrheit, auch Korrespondenztheorie genannt, wonach ein Urteil, ein Aussagesatz, dann wahr ist, wenn er mit der äußeren Wirklichkeit übereinstimmt. Meine persönliche Befindlichkeit oder Willen spielen da keine Rolle. Bin ich blind und sage: „Die Sonne scheint“, wenn es regnet, dann ist der Satz falsch und ich befinde mich objektiv im Irrtum (error). Denn entscheidend ist die äußere Wirklichkeit, welche, mit den richtigen Mitteln, also für Nicht-Blinde, verifizierbar ist. Die göttliche Wirklichkeit wird in der Theologie durch ein System von Glaubenssätzen – Dogmen – wiedergegeben, welche richtig oder adäquat diese Wirklichkeit abbilden. Theologie ist nicht, wie Ratzinger/Benedikt XVI. es wollte, ein künstlerischer Akt eines freischaffenden Theologen am Schreibtisch, der sich seine eigene theologische Wirklichkeit so kreiert, wie er es gerne möchte. Theologie ist die exakte Wiedergabe der übernatürlichen Wirklichkeit mittels der Glaubenssätze, welche sich dieser Wirklichkeit gegenüber so verhalten, wie physikalische Formeln der physikalischen Wirklichkeit gegenüber. Ja, Theologie ist Wissenschaft und kein Gedöns. Weil es also eine objektive übernatürliche Wirklichkeit gibt, daher kann man irren und zwar im Verstand (error intellectus), indem man etwas falsch erkennt oder das richtig erkannte falsch zusammenstellt.

Dieser Irrtum muss pertinax also „festhaltend, langdauernd, hartnäckig, beharrlich etc“.[2] sein, was bedeutet, dass man auch eines Besseren belehrt darin verharrt. Dieser Irrtum muss auch in jemandem stattfinden, der den Glauben empfangen hat (fidem suscepit), der also getauft wurde. Daher gelten unsere lieben Protestanten als Häretiker, weil sie getauft sind und man in die eine, heilige, katholische Kirche hinein getauft wird.

Man unterscheidet zwischen einer formellen und materiellen Häresie. Die formelle Häresie findet dann statt, wenn jemand darin irrt, was die katholischen Dogmen enthalten. Bezieht sich der Irrtum nicht auf ein Dogma, sondern auf eine geringere theologische Klassifizierung, laut den notae theologicae, dann ist es keine Häresie. Bei der formellen Häresie muss die Hartnäckigkeit (pertinacia) vorhanden sein, die darin besteht sein Urteil, auch nach der Belehrung, dass die eigene Meinung der Lehre der Kirche widerspricht, nicht zu revidieren. Fehlt diese Hartnäckigkeit, so handelt es sich lediglich um eine materielle Häresie. Anders formuliert: verbreitet jemand irgendwelche Ansichten, welche der katholischen Lehre auf der Ebene der Dogmen widersprechen, ohne es besser zu wissen, dann begeht er eine materielle Häresie. Die materielle Häresie ist eine Häresie, aber sie wird zur einen formellen Häresie nur dann, wenn jemand nach der Belehrung oder Ermahnung sie weiterhin hartnäckig aufrechterhält. Nach dem Dafürhalten von DSDZ sind heutzutage 90% der Katholiken in deutschsprachigen Ländern materielle Häretiker, weil sie von Theologen (Pastoralreferentinnen, Priestern, Bischöfen, Kardinälen) unterwiesen werden, die zu 98% formelle Häretiker sind. Wir sind dermaßen von Häresien verseucht und umgeben, dass es uns nicht weiter auffällt.

Ist es denn schlimm?

Natürlich ist es schlimm, weil man dadurch sündigt und in der Hölle landet. Stellen Sie sich vor 98% aller Fahrlehrer würden Ihnen beibringen, weil sie es nicht besser wüssten, dass man nicht angeschnallt und betrunken Auto fahren sollte, ferner sie würden lehren, dass man niemals, falls man am Berg parkt, die Handbremse anziehen sollte. Gäbe es Schaden und Todesfälle? Natürlich, weil es aber so verbreitet wäre, würde es uns gar nicht auffallen. Und die Chefs der Fahrlehrervereinigung würden sagen:

Aber uns hat man es auch so beigebracht. Natürlich gibt es Tote im Straßenverkehr. Aber es ist halt so. Man kann da nichts tun!

Eine formelle Häresie ist eine schwere Sünde, eine materielle Häresie ist eine leichte Sünde, dennoch ist die Materie der Häresie an sich schwer (peccatum haeresis est mortale ex toto genere suo).[3] Dies bedeutet, dass Sie, falls Sie materielle Häresien verbreitet haben, dies beichten müssen, denn Sie haben damit, wenn auch ungewollt, die Kirche geschädigt.

Kirchenrechtliche Sicht

Aus der kirchenrechtlichen Sicht, die wir nach Eichmann-Mörsdorf, wiedergeben, ist eine formelle Häresie eine kirchenrechtliche Straftat:

(2) „Irrgläubiger (haereticus) ist ein Getaufter, der den christlichen Glauben nicht völlig preisgegeben hat, also noch Christ sein will, aber die eine oder die andere von Gott geoffenbarte und als solche von dem kirchlichen Lehramt mit Glaubensverpflichtung vorgelegte Wahrheit hartnäckig leugnet; es muss sich mithin um eine Wahrheit handeln, die kraft göttlichen und kirchlichen Glaubens anzunehmen ist. Die Leugnung anderer Wahrheiten ist Ungehorsam gegen Gott oder gegen die Kirche, erfüllt aber nicht den strafbaren Tatbestand des Irrglaubens.

[…]

Apostasie, Häresie und Schisma sind nur dann strafbare Vergehen, wenn der jeweilige Tatbestand durch äußere schuldhafte Handlungen verwirklicht worden ist. (CIC 1917, c. 2195 § 1) Ein bloß inneres Versagen ist Sünde, aber nicht Straftat. […] Daher unterliegen allein die formellen Apostaten, Häretiker und Schismatiker den hier angedrohten Strafen; die materiellen Apostaten, Häretiker und Schismatiker trifft keine Strafe, wohl aber eine Sperre […]“[4]

Soweit das Kirchenrecht, welches diesbezüglich auch im Codex von 1983 unverändert bleibt, aber nicht angewandt wird. Denn wann haben Sie schon gehört, dass jemand in der letzten Zeit offiziell aufgrund einer formellen Häresie aus der Kirche ausgeschlossen wurde? Nichtsdestotrotz ist formelle Häresie sowohl eine schwere Sünde als auch eine Straftat im kirchenrechtlichen Sinne.

 

 

[1] Müller, Ernest, Theologia moralis, Bd. II, Wien 1894, 41.

[2] Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: 1. pertinax. Georges: Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 42086 (vgl. Georges-LDHW Bd. 2, S. 1652) http://www.digitale-bibliothek.de/band69.htm ]

[3] Peeters, Herme, Manuale Theologiae Moralis, Vol. II Pars specialis, Roma 1962, 115

[4] Eichmann-Mörsdorf, Lehrbuch der Kirchenrechts auf Grund des Codex Iuris Canonici, Bd. III: Prozeß- und Strafrecht, Paderborn 1950, 414-415

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