Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (6 von 20). Vorgehen beim häretischen Papst. Honorius

Der einzige Papst, dessen eine Häresie nachträglich von der Kirche verurteilt wurde, war Papst Honorius (625-638). Inwieweit Honorius wirklich wußte, was er tat, ist selbst unter Fachleuten umstritten. Was aber wichtiger ist: obwohl Honorius verurteilt wurde, wurde sein Pontifikat nicht nachträglich für nichtig erklärt, wie unsere Sedis es gerne hätten, denn Häresie bedeutet noch nicht automatisch Sedisvakanz. Man muss noch absetzen.

Der Fall Honorius

Zum einen lässt sich sagen, dass sich im Kirchenrecht oder in der Tradition der Kirche keine Vorschrift findet, wie man nun konkret einen häretischen Papst abzusetzen hat. Denn kein Papst ist während seiner Amtszeit wegen einer Häresie abgesetzt worden. Honorius wurde nach seinem Tod als Häretiker verurteilt, Johannes XXII. hat auf seinem Todesbett widerrufen. Was aber unseren Sedisvakantisten-Freunden beim Fall Honorius entgeht ist die Tatsache, dass dieser Papst zwar als Häretiker verurteilt wurde, aber sein Pontifikat nicht für null und nichtig erklärt wurde. So lautet die Verurteilung des Honorius, welche der Papst Leo II. (682-683) im Schreiben Regi regum (682) als Bestätigung der Entscheidung des 3. Konzils von Konstantinopel gegen die Monotheleten und Papst Honorius I. vornahm wie folgt:

Wir haben nämlich erfahren, daß das heilige, allgemeine und große sechste Konzil [das 3. von Konstantinopel] ebenso wie die gesamte um diesen Heiligen Apostolischen Stuhl versammelte Synode [von Rom, anno 680] … gedacht … und in Übereinstimmung mit uns bekannt hat:

Daß unser Herr Jesus Christus Einer von der heiligen und untrennbaren Dreifaltigkeit ist, der aus zwei und in zwei Naturen unvermischt, untrennbar und ungeteilt besteht; daß er als ein und derselbe wahrhaftig vollkommener Gott und ebenso vollkommener Mensch ist unter Wahrung der Eigentümlichkeit jeder der beiden in ihm zusammen kommenden Naturen; daß ein und derselbe das Göttliche wirkte als Gott und das Menschliche untrennbar wirkte als Mensch, außer allein der Sünde; das Konzil verkündete wahrhaftig, daß er deshalb auch zwei natürliche Willen und zwei natürliche Tätigkeiten habe, durch die hauptsächlich auch die Wahrheit seiner Naturen erwiesen wird, damit man nämlich klar den Unterschied erkenne, zu welchen Naturen sie gehören, aus denen und in denen ein und derselbe, unser Herr Jesus Christus, besteht; aufgrund dessen haben wir in der Tat anerkannt, daß dieses heilige…sechste Konzil…der apostolischen Verkündigung, ohne zu straucheln, gefolgt ist, in allen Punkten mit den Festlegungen der fünf heiligen und allgemeinen Konzilien übereinstimmt und nirgends über die Bestimmungen des rechten Glaubens hinaus etwas hinzufügte oder wegnahm, sondern geradewegs den königlichen und evangelischen Pfad beschritten hat; in ihnen und durch sie wurde die Ausarbeitung der heiligen Lehrsätze und die Lehre der anerkannten Väter der katholischen Kirche bewahrt… (DH 561)

Und weil [das Konzil von Konstantinopel] die Bestimmung des rechten Glaubens…in reichster Fülle verkündet hat, die auch der Apostolische Stuhl des seligen Apostels Petrus … in Ehrfurcht angenommen hat, deshalb stimmen sowohl Wir als auch durch Unser Amt dieser ehrwürdige Apostolische Stuhl einträchtig und einmütig dem, was von ihm festgelegt wurde, zu und bekräftigen es durch die Autorität des seligen Petrus … (DH 562)

Und in gleicher Weise belegen wir die Erfinder der neuen Irrlehre mit dem Anathema, nämlich Theodor, den Bischof von Pharan, Cyrus von Alexandrien, Sergius, Pyrrhus … und ebenso auch H o n o r i u s , der diese apostolische Kirche nicht durch die Lehre der apostolischen Überlieferung reinigte, sondern versuchte, in unheiligem Verrat den unbefleckten Glauben umzustürzen [griechische Fassung: zuließ, daß die unbefleckte Kirche durch unheiligen Verrat befleckt wurde]. (DH 563)

Weil also Papst Honorius I. irrig nur den einen Willen in Christus behauptete, statt, wie es richtig ist, zwei Willen: den göttlichen und den menschlichen, wurde er mit dem Anathema belegt, wie man es bei Häretikern tut. Aber er wurde zu keinem Antipapst deklariert, noch wurde für die Zeit seines Pontifikats nachträglich eine Sedisvakanz ausgerufen. Was noch interessanter ist: die orthodoxen Entscheidungen von Honorius finden sich bis heute im Denzinger (DH 485-493) und werden abgesehen von Scripta fraternitatis (DH 487) und Scripta dilectissimi filii (DH 488) aus dem Jahre 638 von niemanden beanstandet. Dies bedeutet, dass obgleich ein Papst eine Häresie verbreitet, sein Pontifikat dennoch gültig bleibt. Die Kirche brauchte 50 Jahre, um in dem ganzen Gewirr des Monotheletismus (ein Willen in Christus – häretisch) und Monoenergetismus (eine Energie in Christus-häretisch) wirklich durchzusehen, zumal auch die griechische Terminologie sich schlecht ins Lateinische übertragen ließ. Manche, wie Huber Jedin, meinen einfach, dass Honorius keinen richtigen Durchblick hatte und nicht wusste, was er da eigentlich bewilligte beziehungsweise die Konsequenzen dieser Entscheidung nicht abwägen konnte. So schreibt der Kirchenhistoriker:

Unheilvoll wirkte sich jedoch seine Stellungnahme im Monotheletenstreit aus, mit der er die Voraussetzungen für das Entstehen der auf dem I. Vaticanum so viel diskutierten »Honoriusfrage« schuf[1]. Als Patriarch Sergios I. von Konstantinopel dem Papst über die Spaltungen in dieser Frage innerhalb der Ostkirche berichtete (634) und ihm im Interesse einer Beilegung des Streites den Vorschlag machte, weiterhin nicht mehr von einer oder zwei Energien, sondern nur von einem Willen in Christus zu sprechen, schloß sich Honorius, ohne dessen theologische Tragweite ernsthaft zu prüfen und ohne die entgegengesetzte Stellungnahme etwa des Patriarchen Sophronios von Jerusalem zu überdenken, weitgehend diesem Vorschlag an. Er lobte dabei das Vermeiden der Redeweise von einer Energie und bekannte »einen Willen des Herrn Jesus Christus«, betonte allerdings, daß er in dieser Frage dem schlichten Glauben der Bibel folgen wolle und alles ablehne, was an neuen Formeln vor allem für die Unmündigen in der Kirche zum Ärgernis werden könnte[2]. Der historische Kontext dieser Äußerungen – Billigung eines Vorschlages des Konstantinopler Patriarchen, der keine allgemeinverbindliche Glaubensentscheidung erbeten hatte, ungenügende Prüfung des theologischen Problems – läßt es als höchst zweifelhaft erscheinen, daß Honorius hier eine Entscheidung ex cathedra im heutigen Verständnis treffen wollte. Ihr eigentliches Gewicht erhält die Honoriusfrage vielmehr dadurch, daß das 6. allgemeine Konzil von 680/81 den römischen Papst wegen seiner Äußerungen als Häretiker verurteilen zu dürfen und zu müssen glaubte und daß Papst Leo II. (682/83) die Beschlüsse des Konzils und damit dessen Urteil über Honorius bestätigte, wenn er es auch durch den Hinweis abzuschwächen suchte, der Papst sei durch sein fahrlässiges Verhalten in dieser Frage zu einem Förderer der Häresie geworden[3].[4]

Wir wollen an dieser Stelle nicht die Honoriusfrage erörtern oder dieses Thema vertiefen, sondern darauf hinweisen, dass Honorius zu seinen Lebzeiten nicht als Häretiker verurteilt und abgesetzt wurde.

 

 

[1] Literatur nach Jedin: Siehe P. Stockmeier, Die Causa Honorii und K.J.v. Hefele: TQ 148 (1968) 405-428; ders., Der Fall des Honorius und das erste Vatikanische Konzil = G. Schwaiger (Hrsg.), Hundert Jahre nach dem Ersten Vatikanum (Regensburg 1970) 109-130 (Lit.).

[2] Schreiben Sergios’ I.: Mansi 11, 530 ff; Antwort des Honorius ebd. 538-549, dazu P. Galtier, La première lettre du Pape Honorius: Gr 29 (1948) 42-61; Fragmente eines 2. Honoriusbriefes an Sergios: Mansi 11, 579 ff.

[3] Die betr. Akten des Konzils von 680/81: Mansi 11, 550 ff, die Stellungnahme Papst Leos II. ebd. 11, 730 ff und PL 96, 408 – 419. Dazu K. Hirsch, Papst Honorius und das VI. Allgemeine Konzil: Festschrift der 57. Versammlung deutscher Philologen zu Salzburg 1929 (Baden bei Wien 1929) 158-179. Zum Ganzen: DTHC 7, 93-132; Caspar II 530-542; Seppelt II2 47-58.

[4] Jedin, Hubert, II. Die Reichskirche nach Konstantin dem Großen: Zweiter Teil: Die lateinische Kirche im Übergang zum Frühmittelalter. Handbuch der Kirchengeschichte, S. 3046 (vgl. HKG Bd. 2,2, S. 211-212) (c) Verlag Herder http://www.digitale-bibliothek.de/band35.htm ]

8 Gedanken zu „Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (6 von 20). Vorgehen beim häretischen Papst. Honorius

  1. Aber das ist doch ein Witz – Papst Franz ist niemal Häretiker!
    Denn niemand, der selbst glaubt, glaubt, dass die menschheitsvergötzenden AntiChristen-Päpste der letzten JahrZehnte an einen GOTT über uns geglaubt haben…

      1. Aber AnthropoTheisten wie Opapa Roncalli, ProgressistenPaul, Sexperte Wojtyla, der “aufgeklärte” Professor Ratzinger glaubten doch nie im Leben an einen GOTT über ihnen.
        Und Häretiker kann nur sein, wer sich zumindest in der VorHalle des Tempels befindet.
        Wer würde denn den FreiMaurer-“Christen” NEWTON (der die oben genannten an Religiosität durchaus übertraf) oder VOLTAIRE als Häretiker bezeichnen?

  2. P.scr.:
    Z.B. einen Papst Honorius, der nun sicher an GOTT und Christus glaubte, mit anthropotheistischen AntiChristen zusammenzuwerfen – das geht einfach nicht!
    RattenRom besteht ja nicht einmal mehr aus GeistSeelen, sondern aus “Kindern dieser Welt”, die irdisch denken, deren Gott der Bauch, deren Ende der Untergang ist: Welche Anima, die noch vom Animus beherrscht wird, wird sich mit “pacem in terris”, “populorum progressio”, “sozialer Gerechtigkeit”, “Gleichheit der Geschlechter”, “Bewahrung der Schöpfung” usw. abspeisen lassen?
    Das ist doch nur noch GOTTloses DämmerVieh ohne Würde&Wert.

    1. @ Agricola

      Sollte das stimmen, dass keiner der nachkonziliaren Päpste an einen Gott glaubte, wie Ihn die katholische Dogmatik präzisiert, dann ändert das nicht. Denn nicht persönlicher Unglauben sind Grund für Amtsenthebung, sondern eine formelle Häresie in forum externum. Sollen wir sie jetzt alle ausbuddeln und eine Leichensynode wie bei Formosus veranstaltet?
      Es gab mehrere Päpste in der Vergangenheit denen man persönlichen Atheismus nachsagte. Das änderte aber an ihrer Amtsführung oder dem Papstsein nichts! Ist ein Papst ungläubig wird der Stuhl Petri nicht automatisch vakant.

      1. Eh nicht – wo habe ich einen SedisVakantismus behauptet?
        Intellektuell ernstnehmen kann man das ImmanentistenVieh unmöglich, juridisch anerkennen müssen wir sie jedenfalls!
        SEIN [Mystischer] Leib ist entgeistigt, d.h. tot – aber es ist noch immer SEIN [Mystischer] Leib!

  3. Die GeistSeelen der Gläubigen müssen momentan offenkundig am Rande (EcclesiaDei) bzw. ausserhalb (FSSPX) des toten Leibes herumirren.
    Unter den Genies ist die Religiosität vor ~300 Jahren tot gewesen*, danach aber z.T. wieder auferstanden (Hamann, Fr.Schlegel und andere Dt.Romantiker, Chateaubriand usw.).

    *Vatikanum II (incl. Prof.Ratzinger) waren ja nur eine Karikatur des Liberalen Protestantismus des 19.Jhdts., welcher wiederum die furchtbar geistreichen Abbes des 18.Jhdts. nachahmte. (Und diese “Aufklärer” waren nur eine NeuAusgabe der antiken “Sophisten” – “Freie Liebe”, Feminismus, Kommunismus etc. gab es schon zur Zeit von Aristophanes. Nihil novae sub bove.)

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