Warum Bergoglio ein Gegenpapst ist? (9 von 20). Woher dieser Abfall oder eine kleine Gnadenlehre.

Der menschliche Zustand der Kirche (Bergoglio – Häretiker Kardinäle – Feiglinge) ist uns allen bekannt. Uns interessiert  aber die Frage:

 Wie ist dieser Glaubensabfall der Geistlichkeit theologisch möglich?

Dieser Abfall findet auf drei Ebenen statt:

  1. Glaubensabfall an sich – Verbreitung und Begünstigung der Häresien
  2. Moralischer Abfall – Kindesmissbrauch, Homosexualität und Konkubinat
  3. Fehlende Charakterstärke um gegen 1. und 2. vorzugehen

In der Kirchengeschichte waren die Punkte 1. und 2. immer miteinander verbunden, aber immer wieder gab es eine Gruppe unbescholtener Reformer, welche das Übel sahen und dagegen dezidiert vorgingen. Dieses fehlt jetzt. Man muss auch sagen, dass es dieses Ausmaß an moralischen Sumpf, insbesondere, was den Kindesmissbrauch anbelangt oder sexuellen Missbrauch von Seminaristen durch Priester und Bischöfe, noch niemals gegeben hat.

 Woher wissen wir das?

Aus den historischen Quellen. Es wurde immer wieder Priesterkonkubinat beklagt, in den Zeiten der frühen gregorianischen Reform benutzte man dafür den Begriff „Nikolaiten“, ab und zu wurde auch Homosexualität/Sodomie unter Geistlichen beklagt, aber keine noch so antikatholischen Schriften sprechen vom systematischen und organisierten Kindesmissbrauch, wie er von ganzen Orden nach dem Konzil gepflegt wurde. Wenn sich einige auf das Werk von hl. Petrus Damiani Liber Gomorrhianus aus dem Jahre 1049 verweisen, um zu zeigen, dass es im Mittelalter auch nicht besser gewesen ist, dann haben sie wahrscheinlich dieses Buch nicht gelesen. Denn der hl. Petrus Damiani beschreibt, manchmal sehr naturalistisch, einvernehmliche, sexuelle Praktiken der Mönche miteinander und keine sexuellen Übergriffe Erwachsener gegen Kinder oder Erwachsener gegen Erwachsene. Wenn jemand darauf erwidert, dass es das immer gegeben hat, nur dass es besser versteckt und vertuscht wurde, so antworten wir darauf, dass ab einer bestimmten Größenordnung an nichts mehr versteckt oder vertuscht werden kann. Wie die ZDF-Doku zeigt, ist das Ausmaß enorm und der Vatikan weiß über alles seit Jahren Bescheid.

 Aber wie konnte es dazu kommen?

Wir wollen hier nicht psychologisch oder soziologisch antworten, sondern theologisch. Daher erfolgt hier eine längere Ausführung zu Gnadenlehre und Sakramentalien, welche zwar ein Nebengleis unserer Darstellung zum bergoglianischen Antipapsttum darstellt, Sie aber, werter Leserin, werte Leserin vielleicht retten kann. Denn die Tatsache, dass Bergoglio ein Antipapst ist, was viele bestreiten, macht Ihren persönlichen Kohl auch nicht fett, wenn dieser kulinarische Vergleich gestattet sein möge. Die Information aber, wie man an mehr Gnade kommt, schon. Wir starten aber von der Frage aus, was aus unseren lieben Geistlichen geworden ist, dass nicht einmal Bischöfe und Kardinäle den vermeintlich amtierenden Papst oder einen der Päpste wegen Häresie ermahnen. Ist Bergoglio Papst, gehört er ermahnt und als Häretiker abgesetzt, ist er Antipapst, braucht man auf ihn nicht hören und er gehört ebenfalls abgesetzt, weil die Kirche von einem Papst und keinem Antipapst regiert werden soll. Alle Verantwortlichen schweigen aber und der Widerstand, wenn er kommt, kommt von den Bloggern, welche, da keine Bischöfe und keine Kardinäle, einem Volkssturm ähneln. Es ist nicht von ungefähr, dass wir immer wieder auf die Geistlichen eindreschen. Sie haben, nach der katholischen Lehre mehr Gnade als die Laien und deswegen sind sie ontisch befähigt das Geistliche wahrzunehmen, es dem Volk zu kommunizieren und dieses durch die Sakramente zu heiligen. Ein katholischer Priester hat ein zusätzliches Sakrament mehr und ist kein protestantischer Prediger oder Religionsdiener, der ein Laie ist. Weil ein Geistlicher mehr Gnade hat, so kann er diese vermitteln. So viel zur Theorie.

 Aber wie konnte es mit unseren Geistlichen geistlich so weit kommen?

 

Dazu gibt es eine zweigeteilte Antwort:

a. Fehlende „Ernährung“ durch fehlende Gnade.

b. Verstockung durch permanente Sünde.

 

Ad a.

Nach der katholischen Glaubenslehre braucht der Mensch Gnade, um ein übernatürliches Gut zu erreichen. Dogmatisch formuliert, heißt es wie folgt:

 Zu jedem Heilsakt ist die innere übernatürliche Gnade Gottes (gratia elevans) absolut notwendig. (De fide).[1]

Katholizismus ist keine Selbsterlösungsreligion wie Buddhismus. Gott gibt jedem Menschen, auch Ungläubigen und Sündern, wenigstens so viel Gnade, dass sich diese, wenn sie es wollen, sich bekehren können. Die Dogmatik fasst es wie folgt auf:

 Gott gibt allen Gerechten hinreichende Gnade (gratia proxime vel remote sufficiens) zur Beobachtung der göttlichen Gebote. (De fide)[2]

Gott gibt allen gläubigen Sündern hinreichende Gnade (gratia saltem remote sufficiens) zur Bekehrung. (Sententia communis)[3]

Gott gibt allen schuldlos Ungläubigen (infideles negativi) hinreichende Gnade zur Erlangung des ewigen Heiles. (Sententia certa)[4]

 

Was ist die hinreichende Gnade (gratia sufficiens)?

Laut Premm ist die

 „hinreichende Gnade (gr. sufficiens) jene, die zwar, soweit es auf sie ankommt, hinreicht, um den freien Willensakt setzen zu können; tatsächlich aber bleibt sie ohne Effekt, weil der Wille dieser Gnade nicht zustimmt, sie nicht benützt. […] An sich ist sie eine wahrhaft vollauf hinreichende Gnade, durch die verweigerte Zustimmung des menschlichen Willens wird sie zur bloß hinreichenden (gr. vere sed mere [pure] sufficiens). Von dieser Gnade gilt: „Ich habe gerufen, ihr aber habt nicht gewollt“ (Spr 1, 24).[5]

Was bedeutet das? Stellen Sie sich vor Sie haben ein Handy. Seine Batterie muss über eine Mindestenergie verfügen, damit es überhaupt eingeschaltet werden kann. Ist die Energie darunter, dann ist der Bildschirm tot, das Handy reagiert nicht, sie müssen es zuerst aufladen, bevor sich irgendwelche Grundfunktionen regen. Ohne diese Mindestenergie können Sie nicht einmal sagen, ob das Handy entladen oder defekt ist. Besitzt Ihr Handy diese mindeste Batterieladung, welche je nach Modell verschieden eingestellt werden kann, so können sie es einschalten, ihren Code eintippen oder andere Handlungen vornehmen. Ihr Handy reagiert nicht von selbst, es kann aber mit dieser Mindestenergie auf ihre Handlungen reagieren und ihre Befehle umsetzen. Genauso verhält es sich mit der hinreichenden Gnade (gratia sufficiens) – sie ist die minimale Batterieladung. Gott gibt sie jedem, was aber der freie Wille, der tippende Finger, damit tut, bleibt ihm selbst überlassen. Ihr Handy kann die ganze Zeit über diese minimale Batterieladung verfügen (nehmen wir an, das sei technisch möglich), wenn sie es aber nicht in die Hand nehmen, so wissen Sie gar nicht, ob es funktioniert und was das Handy kann. So kann man in etwa das Zusammenspiel zwischen der hinreichenden Gnade – dem Handy mit der minimalen Batterieladung – und dem freien Willen – dem tippenden Finger – darstellen. So ist der Grundsatz zu verstehen, dass Gott allen – Gerechten, Sündern, Heiden – Gnade gibt. Ja, aber nur die hinreichende Gnade (gratia sufficiens). Um mehr Gnade zu erhalten brauchen Sie die habituelle oder die sakramentale Gnade und die aktuelle Gnade.

Was ist habituelle Gnade?

Die habituelle Gnade, auch Rechtfertigungsgnade oder heiligmachende Gnade genannt, empfängt man durch die Sakramente. Nennen wir hier ein paar Eigenschaften der habituellen Gnade:

 Sie ist eine von Gott real verschiedene geschaffene übernatürliche Gabe (Sent. Fidei proxima)[6]

Sie begründet eine Teilnahme an der göttlichen Natur (Sent. certa)[7]

Sie heiligt die Seele (De fide)[8]

Durch diese Gnade wohnt die Hl. Dreifaltigkeit der Seele ein und die Seele wird zu einem Freund Gottes. Um bei unserem Handy-Beispiel zu bleiben, wäre die habituelle Gnade damit gleichzusetzen, dass man die Batterie ein für allemal zu 60% geladen hätte. Das Handy würde nach der Ladung (Taufe, Beichte, Letzte Ölung) immer funktionieren, d.h. nach denjenigen Sakramenten, welche die Rechtfertigung – die Überführung aus dem Zustand der Sünde in den Zustand der Gerechtigkeit – vollbringen, denn um zu kommunizieren, zu heiraten, gefirmt zu werden oder zum Priester geweiht zu werden, müssen Sie vorher im Gnadenstand sein, d.h. im Stand der Rechtfertigung. Alle Sakramente verleihen heiligmachende Gnade (De fide),[9] darüber hinaus verleiht jedes einzelne Sakrament eine spezifische Sakramentsgnade (Sent. communis).[10] Dies bedeutet, dass Sie zu diesen garantierten 60% der Batterieladung noch weitere „feste Ladungsprozente“ erhalten würden.

 Wovon hängen diese Prozente ab?

Vom Willen Gottes, denn die Gnadenzuteilung ist verschieden und von Ihrer Disposition im Moment des Sakramentempfangs abhängig. Stellen Sie sich vor Sie haben 75% der Batterieladung bei einem Handy dessen Leistungsfähigkeit nach oben offen ist (es kann also mehr als 100% seiner jetzigen Kapazität vollbringen). Sie müssen aber eine Aufgabe vollführen, zu der 80% der Batterieladung notwendig sind. Woher nehmen Sie die restlichen 5%? Durch die aktuelle Gnade. Was ist die aktuelle Gnade? Die Dogmatik sagt:

 „Die aktuelle Gnade oder Beistandsgnade oder helfende Gnade ist eine vorübergehende übernatürliche Einwirkung Gottes auf die Seelenkräfte zur Verrichtung eines Heilsaktes, der entweder die Erlangung der heiligmachenden Gnade oder deren Erhaltung und Vermehrung bezweckt“.[11]

Während also die habituelle Gnade etwas Beständiges ist, ist die aktuelle Gnade etwas Vorübergehendes. Wenn Sie also nur 75% der Batterieladung haben, aber einen Youtube-Film sich anschauen wollen, der 80% benötigt, dann müssen Sie irgendwoher diese restlichen 5% hernehmen. So ist es auch mit der aktuellen Gnade, welche Gott uns zu bestimmten Handlungen verleiht.

 Gibt Gott jedem aktuelle Gnade? Als hinreichende Gnade (gratia sufficiens) schon.

 

 Gibt Gott jedem genauso viel aktuelle Gnade? Nein.

 

 Kann man bewirken, dass Gott einem aktuelle Gnade gibt? Nein.

 

 Was kann man denn? Man kann durch bestimme Handlungen die aktuelle Gnade erbeten.

 

 Wodurch konkret? Durch Sakramentalien.

 

 

[1] Ott, Grundriss der katholischen Dogmatik, Bonn 2010, 330.

[2] Ott, 343.

[3] Ott, 344.

[4] Ott, 345.

[5] Premm, Matthias, Katholische Glaubenskunde. Ein Lehrbuch der Dogmatik, Bd. 4: Gnade, Tugenden, Vollendung, Wien 1958, 139.

[6] Ott, 363.

[7] Ott, 365.

[8] Ott, 367.

[9] Ott, 461.

[10] Ott, 462.

[11] Ott, 323.

 

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