Warum denn immer wieder Scalfari oder von der kognitiven Dissonanz

Vielleicht gibt es noch tatsächlich Katholiken, die Bergoglio für den Heiligen Vater halten und meinen, dass die böse Presse seine Aussagen verfälscht. Diese Ansichten vertritt im deutschen Sprachraum kath.net und wir wissen nicht, wie ernst ihnen damit ist. Wahrscheinlich gibt es im jetzigen Katholizismus die folgenden Fraktionen:

  1. Bergoglio ist Papst und die Medien verfälschen seine Ansichten und Intentionen.
  2. Bergoglio ist Papst aber Häretiker und Apostat und gehört abgesetzt.
  3. Bergoglio ist kein Papst, Papst ist Benedikt und Bergoglio gehört als Antipapst abgesetzt.
  4. Alle Päpste nach Pius XII. sind Antipäpste und sie kümmern uns nicht.

Wir gehören der Fraktion 3. an, die meisten tendieren wohl zu 2. Die Ansicht 1. wird von denen vertreten, die vom Katholizismus leben. Es gibt wohl noch eine fünfte Gruppe, welche die Kirche verlässt und entweder orthodox wird oder gleich atheistisch. Nehmen wir aber an, dass es noch tatsächlich Menschen gibt, die an 1. glauben. Sie sind einer ständigen Verwirrung unterworfen und dem, was Orwell Doppeldenken (double think) nennt. Das Opfer sieht seine kognitive Wahrnehmung dermaßen verzerrt, dass es etwas zugleich befürwortet und leugnet, da es sich selbst nicht trauen kann. Bei einer besonders perfiden Foltermethode besteht die eigentliche Folter darin, dass der Folterknecht zuerst zum Opfer ein Vertrauensverhältnis aufbaut, ihm etwas Gutes tut und danach es schrecklich zurichtet. Der gute Cop wird zum bösen Cop und zwar gleich doppelt. Das Opfer traut seinen Augen nicht. Derjenige, den es für den Guten hält, ist doch der Böse? Nein, das bildet sich das Opfer nur ein. Das Opfer selbst muss böse sein, um etwas Böses von jemanden Guten zu erfahren. Kleinkinder, die von ihren Eltern misshandelt werden, fühlen sich selbst unwert und schuldig, weil sie ihre Eltern notgedrungen für die Guten halten, da sie keine Vergleichsmöglichkeiten haben. Ist sich das Kind keiner Schuld bewusst und wird es dennoch geschlagen, dann meint das Kind aber einer tieferen Ebene schuldig zu sein, das ihm entgeht. Denn die Eltern sind Götter und haben immer Recht. Das Schlimmste ist aber für das Kind diejenige Situation, wo die Eltern immer ihre Meinung wechseln. Das Gute wird zum Bösen und umgekehrt. Es gibt nichts, woran man sich halten könnte. Das Kind dissoziiert, es spaltet sich in mehrere Persönlichkeiten auf, bei stark traumatisierten Kindern durchaus gegeben, um diese Erfahrungen überhaupt zu verarbeiten. Es ist die fehlende Konsistenz und das fehlende Sinngefüge, das ihnen am meisten zu schaffen macht. Deswegen verlassen so viele Menschen nach Vat. II die Kirche: keine Konsistenz, keine zweiwertige Logik, kein Sinn, ein ständiger Wechsel.

Und in diesem Folter-Zusammenhang wird erst klar, warum sich Bergoglio ständig der Scalfari-Interviews bedient. Nicht nur deswegen, damit das vatikanische Pressebüro indirekt leugnen oder bestätigen kann, indem es sagt:

Da Herr Scalfari seine Interviews nicht aufzeichnet, kann man nicht wirklich feststellen, was der Heilige Vater gesagt hat. 

Hat er es also gesagt oder hat er es nicht gesagt? Das weiß man nicht. Je nach Auslegung. Deswegen wählt er immer Scalfari aus, um uns im orwellschen Doppeldenken zu belassen, wo man an sich selbst und der eigenen Wahrnehmung zweifelt. Da aber die Pachamama schon ausgepackt wurde, wird er vielleicht etwas direkt und öffentlich leugnen? Mag sein, muss aber nicht sein. Dieses zugleich Zugeben, aber doch auch Leugnen ist doch viel raffinierter und diabolischer. Denn Katholiken geraten sich in die Haare, indem sie sagen:

Das hat er gesagt.

Nein, das hat er nicht.

Unsere lieben Geistlichen können sich zurücklehnen und nichts tun, denn man weiß nicht, was wirklich passiert oder nicht passiert ist. Sie wollen sich ja nicht, wie Bischof Voderholzer, “gegen den Heiligen Vater stellen”, obwohl die Pachamama-Verehrung kein Teil eines Scalfari-Interviews gewesen ist. Die katholische Mainstreampresse kann leugnen und interpretieren und verfälschen. Bergoglio ist nur ein Mittel der Verwirrung und der Kirchenspaltung und daher kann er nicht klar sein. Und wenn er es doch ist, dann interpretiert man es als unklar, um seinen Kopf zu retten. Wie die Kommunisten bei den stalinistischen Säuberungsaktionen in den 1930er Jahren oder die SA-Leute beim Röhmputsch, die mit einem “Heil Hitler” auf den Lippen erschossen wurden. Der Führer kann nicht irren, ich irre. Auch wenn einigen diese Führer-Metapher zu stark sein sollte, so ist Katholizismus kein Führerkult eines Papstes. Keine Papolatrie. Dem Papst ist der Respekt geschuldet, wenn er das Katholische vertritt, nicht dann, wenn er es verleugnet und zerstört. Die Kirche ist kein Privateigentum des Papstes. Sie ist das Eigentum Christi, seine Braut, für welche Christus sein Blut vergossen hat. Der Papst ist der höchste Diener Christi und der Kirche. Erfüllt er diese Aufgabe nicht, dann gehört er abgesetzt, insbesondere dann, wenn er ein Antipapst ist.

 

 

 

6 Gedanken zu „Warum denn immer wieder Scalfari oder von der kognitiven Dissonanz

  1. Interessant, wie man mit Meinugen umgeht, wenn die Meinung nicht der eigenen Meinung entspricht. Da bleibt dann nichts mehr – sicher ist, ich weiß mit Bestimmtheit und ich bin im Recht. Allein der Gedanke, dass es anders sein könnte … mein Gott bewahre! K.

    1. Es ist nicht wichtig, ob die andere Meinung der eigenen entspricht, sondern habe die vorgetragene Theorie konsistent ist. Wie ist denn die Ihre? Beachten Sie bitte, Ihr Kommentar wurde durchgestellt. Wir sind hier nicht bei kath.net.

      Etwas Allgemeines, damit wir uns richtig verstehen.

      1. Das ist ein katholisches Portal, der Lehre der katholischen Kirche verpflichtet.

      Es gibt die Glaubenswahrheiten – Axiome- die man als Katholik im Gehorsam anzunehmen hat.

      Die Glaubenswahrheit: “Christus war Gott” ist nicht “meine Meinung”, um mit Ihnen zu sprechen. Es ist eine Tatsache und eine Glaubenswahrheit. wenn man dies leugnet, dann hat das ganze Christentum absolut keinen Sinn.

      2. Theologie, welche auf den geoffenbarten Glaubenswahrheiten fußt, ist ein axiomatisches System, wie Mathematik oder Logik.

      Wenn Sie im Matheunterricht sagen:

      Meiner Meinung nach ist 2 + 2 = 5, denn ist es falsch. Wenn Sie diese Meinung vertreten, dann haben Sie schlichtweg keine Ahnung. Sie sind dumm, oder Sie müssen ein mathematisches System konstruieren, in dem 2 + 2 = 5 widerspruchlos gilt, was Sie auch beweisen können.

      Ebenso ist es wenn Sie behaupten “4 ist eine Primzahl”, was nicht stimmt. Siehe oben.

      Oder “die Summe der Winkel im drei schenkligen Dreieck beträgt 79 Grad”. Ebenso falsch. Siehe oben.

      Wenn also ein Mathelehrer – der Papst – all das oben Genannte behauptet, dann hat er keine Ahnung.

      1. “Christus war Gott” ist aber keine Glaubenswahrheit.
        Die Glaubenswahrheit lautet: “Christus ist Gott” (wahrer Mensch und wahrer Gott).

      2. @Maria Magdalena Richtig, gut, dass Sie aufpassen 🙂

        Da sich aber die Aussage Bergoglios, worauf ich anspiele, auf das irdische Leben Jesu bezogen hat, so ist die Vergangenheitsform zulässig. Denn vor der Menschwerdung war er Logos, dann Jesus und Christus und nach der Auferstehung natürlich auch.

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