Tradition und Glauben

Die Novus Ordo Messen oder „Warum muss man sich so quälen?“

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Der Schreiber dieser Zeilen ist nach dem Konzil geboren und verlebte seine Kindheit in den 1970-ern in einem Land, das auf wunderbare Weise die nachkonziliare Zeit fast unbeschadet überstand, wo er die Taufe, die Beichte und die Erstkommunion empfing. Er war kein besonders frommes oder braves Kind, um es gelinde auszudrücken, dennoch an theologischen Fragestellungen irgendwie interessiert. Er erhielt einen wirklich guten Erstkommunionunterricht zuerst bei einer Ordensschwester, dann bei einem Kaplan, von welchem er lange Jahre zehrte. Er hat seit er nur denken kann immer große Schwierigkeiten damit gehabt sich zur Sonntagsmesse aufzuraffen, weil sie ihn so unendlich langweilte. Es war immer mühevoll, langweilig, langwierig und man war immer froh, es hinter sich zu haben. Als Kind bekam er von seinem frommen Kaplan den Spruch zu hören:

„Bez ofiary nie ma wiary“,

was übersetzt bedeutet:

„Ohne Opfer [Aufopferung, Selbtsüberwindung, Opfer bringen] kein Glaube“.

Da er in seinem Erstkommunionunterricht lernte, dass die Heilige Messe, jetzt auch Eucharistie genannt, ein Opfer sei, so assoziierte er lange Zeit Opfer, einem Begriff, welcher in seiner Muttersprache eine breitere Bedeutungspalette abdeckt als es im Deutschen der Fall ist,  mit Selbstüberwindung, da es ihn so viel kostete zur Messe zu gehen.

„Die Messe ist deswegen ein Opfer, weil die Anwesenheit bei einer Messe immer mit Selbstkasteiung verbunden ist“,

so erklärte er sich das selbst. Auch alle anderen sagten es ihm:

„Ja, es ist so, aber es muss so sein! Opfer bringen, gehört zum Glauben“.

Interessanterweise waren für ihn andere Übungen der Frömmigkeit, wie das Gebet oder die Eucharistische Anbetung und mit der Zeit auch der Rosenkranz niemals mit solch einer Selbstüberwindung verbunden wie die Messe es war. Auch der Empfang der Heiligen Kommunion, besonders der Erstkommunion, war für ihn oft mit großer Gnade verbunden, die er tatsächlich spüren und „schmecken“ konnte. Er war sich und ist sich sicher, dass die Novus Ordo Messe an sich gültig sind und bei ihnen tatsächlich eine Wandlung von Brot und Wein und Leib und Blut Christi stattfindet. Dies sind alles Erfahrungswerte und keine theoretischen, theologischen Axiome. Er war schon häufig bei Messen anwesend, alles Novus Ordo, bei welchen er mit einer gleichsam stehenden, verdichteten Heiligkeit zu tun hatte. Ebenso bei eucharistischer Anbetung. Diese Erfahrungen sind nicht so ungewöhnlich. Als er Ende der 1980-er Jugendexerzitien mitorganisierte, bei denen verschiedene, kirchenferne Jugendliche teilnahmen, von welchem manche sogar evangelisch waren, so bestand ein fester Tagespunkt dieser Exerzitien aus der Eucharistischen Anbetung. Es stellte sich in der Feedback Runde der Teilnehmer heraus, dass gerade diese Eucharistische Anbetung für viele, auch für die Nichtkatholiken, ein Schlüsselerlebnis ihrer Gottesbegegnung war. Er musste selbst auf die Fragen der Jugendlichen antworten, welche lauteten:

„Wie kommt der ganze Christus in diese kleine Hostie? Warum haben die Evangelischen das nicht? Warum kann man sich das nicht mit nach Hause nehmen?“

Dies waren alles ernstgemeinte Fragen von jungen Menschen, welche absolut nicht katholisch sozialisiert wurden, keine anerzogene Erwartungen an die Eucharistische Anbetung hatten, sondern einfach ihre Erfahrung wiedergaben als sie eine Wirklichkeit trafen, deren Dimension sie nur ahnen konnten – die Realpräsenz. Sie haben es also auch gespürt, dass die Wandlung stattfand. Und all das ausschließlich in den Novus Ordo Messen.

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Nichtdestotrotz Kommunionempfang und Eucharistische Anbetung ist nicht gleich das Erlebniss der Messe. Es ging ja bei ihm um die Messe an sich, die so wenig fruchtete. Er fühlte sich lange Jahre auch sehr schuldig, weil er keine Messe-Frömmigkeit hatte, weil er niemals eine Messe ohne Selbstüberwindung überstehen konnte, weil ihn immer wieder etwas reizte, langweilte, zum Zorn verleitete, besonders in Deutschland. Er hatte Kommilitonen, hauptsächlich unter den Ordensfrauen aber nicht ausschließlich, welche tatsächlich täglich zur Messe gingen und große Gnaden, wie sie sagten, dabei erfuhren. Er ging eine Zeitlang ebenfalls täglich zur Messe, diese Zeit dauerte mehrere Monate oder gar über ein Jahr, aber die großen Gnaden ließen auf sich warten, die Notwendigkeit der Selbstüberwindung blieb. Er wurde abgehärteter, wie jemand, der das Kaltwasserschwimmen betreibt: Das Wasser bleibt kalt, aber man erträgt es leichter.

Als er mit 16 Jahren die liturgischen Vorschriften der Novus Ordo Messen kennenlerne, stellte er fest, dass die nichtliturgischen Messen ihn mehr reizten, als die nach den Rubriken zelebrierten, aber auch die Letzteren reizten ihn und ödeten ihn an. Das Erleben der Heiligen Messe änderte sich interessanterweise innerhalb der fortschreitenden Jahre des Schreibers nicht. Sie blieb nach seiner Bekehrung, nach seiner theologischen Bildung und nach seinem geistlichen Fortschritt, der ja auch stattfand, dieselbe. Er verstand lange Jahre nicht, warum, das, was das größte Geheimnis und der größte Schatz der Kirche ist, von welchem er bei den Kirchenvätern, Theologen und Mystikern las, ihm immer schal und öde vorkam. Dies änderte sich schlagartig im Jahre 2011 als er die Tridentinische Messe kennenlernte und feststellen musste: Novus Ordo ödet an, Vetus Ordo tut es nicht. Als er zum ersten Male, ohne Vorbereitung, eine Tridentinische Messe erlebte, so fühlte er als hätte er etwas gefunden, wonach er lange gesucht hatte. Eine Logik, eine Struktur, einen Sinn.

„Ja, das ist endlich die Messe“,

dachte er bei sich.

In der Zeit als er die Vetus Ordo Messen frequentieren konnte, freute er sich auf die Messe, auf den Sonntag und war enttäuscht, als es schon vorbei war. Keine Selbstüberwindung, kein Zwang, die fast ungetrübte Freude, obwohl diese Tridentinischen Messen, die er kennenlernte, unter kümmerlichen Umständen stattfanden. Als er anfing im Internet Zeugnisse andere Leute zu lesen, stellte er fest, dass es anderen auch so erging. Er war also nicht verrückt in all den Jahren! Er hat nicht durch die fehlende Andacht gesündigt! Es lag nicht an ihm, er lag an der Novus Ordo Messe! Sie wurde so konzipiert, dass sie die Menschen aus der Kirche wegjagt, was ihr gelungen ist. Die noch verbliebenen Selbstüberwinder stürzt sie in ständige Zweifel, weil sie nicht wissen, was bei ihnen nicht stimmt. Da man oft nicht die Möglichkeit hat zu einer Tridentinischen Messe zu gehen und die kanonisch irreguläre Piusbruderschaft leider keine Alternative ist, so bleibt man der Novus Ordo Messe ausgeliefert und quält sich, da es die Sonntagspflicht weiterhin gibt. Schwere Zeiten und die „Reformer“ haben wirklich die ganze Arbeit der Kirchenentleerung geleistet.

Daher das Interesse an der Liturgie, um das Subjektive zu Objektivieren. Der Schreiber dieser Seiten musste zu seinem Erstaunen feststellen, dass er anscheinend über einen guten liturgischen Sinn verfügt. Als er zum ersten und bislang letzten Male am Triduum in der Abtei Fontgombault im Alten Ritus teilnahm, -einer Abtei, welche die pianischen Reformen aus dem Jahre 1955 berücksichtigen musste – so kamen ihm ausschließlich diejenigen Teile des Triduums komisch vor, obwohl er sie unvorbereitet zum ersten Mal erlebte, welche, wie er später erfuhr, gerade durch die pianischen Reformen geändert wurden. Es war als hörte man auf einmal Dissonanzen in diesem ganzen Wohlklang. Die „Reform“ der Karwoche, war ja nicht ohne Bedeutung, denn auf diese Reformen und auf die Notwendigkeit die Liturgie zu reformieren, beriefen sich die Macher des Novus Ordo als auf den Präzedenzfall. Dazu werden wir vielleicht an einer anderen Stelle schreiben.

Der Schreiber dieser Zeilen blieb wirklich viele Jahre unwissend über die Unterschiede zwischen Vetus Ordo und Novus Ordo. So ist es ihm ja auch beigebracht worden.

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„Im Grunde ist es ein und dasselbe“,

sagten seine Lehrer. Und entweder logen sie oder sie hatten keine Ahnung. Es aber wirklich für einen Katholiken schwer zu glauben, dass der ordentliche Messritus der Kirche dazu konzipiert wurde und praktisch dazu dient die Menschen zum Unglauben zu führen. Ja, etwas Heiligkeit ist auch dort vorhanden, aber im Vergleich zu einer in der kanonischen Kirche gefeierten Tridentinischen Messe ist es wirklich sehr wenig. Daher darbt das Volk und die Hirten darben mit, weil sie nicht richtig genährt werden. Der Glaubenssinn schwindet, die Sünden wachsen und die neueste Bischofssynode zeigt, wie weit die Apostasie schon fortgeschritten ist. Daher wird auch die Tridentinische Messe so stark unter Papst Franziskus unterbunden, weil sie eben heiligt und die Fragen nach dem Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils entstehen lässt.

Der Schreiber dieser Zeilen hat sich unentwegt gefragt, warum er all die Früchte der Heiligen Messe, von denen er gelesen hat, kaum erlebt, obwohl er andere Inhalte der gelesenen Schriften geistlich und existentiell durchaus nachvollziehen kann. Es ist so, weil diese Inhalte die Vetus Ordo Messe und nicht die Novus Ordo Messe betreffen. Hätten die Menschen die Möglichkeit die Tridentinische Messe kennenzulernen, so könnten sie auch diese Erfahrung machen. Aber sie dürfen diese Erfahrung nicht machen, damit sie nicht zum Sehen kommen. Wenn aber Vetus Ordo das wahre Opfer der Kirche ist, so bricht nicht nur die Kirche, was man in den letzten 50 Jahren sehen kann, durch den Novus Ordo zusammen, weil die geistige Speise fehlt. Novus Ordo beleidigt auch Gott, weil nicht das rechte, das gottgefällige Opfer dargebracht wird. Daher keine Berufungen, keine Gnaden, der Glaubensabfall und die Kirche verkommt zu einem Verein, besonders in den deutschsprachigen Ländern, wo man seit langem keine andere Kirchensicht als die Vereinssicht mehr pflegt. Das Bla-Bla, die Menschen, das Miteinander etc. Siehe der kommenden Katholikentag: eine andere NGO, welche für Merkels „Flüchtlingspolitik“ vor den Karren gespannt wird. Leider findet man niemanden, der diese Sicht der Dinge innerhalb der Amtskirche in Deutschland teilt. Denn für die Piusbruderschaft heißt es:

„Je schlimmer für die Amtskirche, desto besser für uns“.

Die Eröffnung einer eigenen Kirche ist wirklich keine Lösung. Es gibt zwar Männer der Kirche wie Kard. Burke oder Weihbischof Athanasius Schneider, aber sie sind weit weg. Wir haben hier: Marx, Koch und Bode, Gott sei’s geklagt. Dennoch ist Novus Ordo gültig, die minimale und abgespeckte Form des Katholizismus. Daher muss man unter Qualen hingehen und immer daran denken, wie der Schreiber dieser Zeilen bei seiner letzten Gemeindemesse: Im Fegefeuer wird es schlimmer sein, falls wir überhaupt dorthin gelangen.

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