Tradition und Glauben

Was können wir für die Kirche tun? Die sieben Bußpsalmen beten (5). Was bedeutet „Verdienste vor Gott erwerben“?

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Der Schreiber dieser Zeilen ist vor Kurzen, denn erst letzte Woche zu der Einsicht gekommen, dass ein sehr wichtiger Aspekt der katholischen Gnaden- und Morallehre ihm fast gänzlich unbekannt geblieben ist, weil er wirklich niemals davon gehört oder es zusammenhängend und überzeugend irgendwo gelesen hatte. Die Termini waren schon klar, aber der geistliche Zusammenhang nicht. Es handelt sich um die Lehre von den übernatürlichen Verdiensten (merita supernaturalia). Doch dank dem Précis de Théologie Ascétique et Mystique von Adolphe Tanquerey[1], einem Standardwerk, nach dem er lange Ausschau hielt, erschloss sich ihm durch die göttliche Vorsehung herbeigeführt auch diese Thematik, die er hier ganz kurz und praxisbezogen darlegen möchte.[2]

Was ist ein Verdienst (meritum)?

Es ist all das, was wir aufgrund unseres Tugendlebens sozusagen bei Gott „gutgeschrieben bekommen“, denn nach den Verdiensten wird unser „Platz im Jenseits“ bemessen, d.h. die Ausgangslage im Fegefeuer und der spätere Platz im Himmel. Unsere Verdienste werden aber auch von Gott auch in diesem Leben mit einem Ausfluss an aktueller Gnade belohnt. (Die Darlegung der katholischen Gnadenlehre erfolgt später.) Es liegt also an uns, wie wir den Gnadenstrom regeln: durch mehr Verdienste unsererseits bekommen wir mehr Gnaden und so bewahrheitet sich der Satz:

„Wer hat, dem wird gegeben und er wird Überfluss haben“ (Mt 12, 13).

Es ist ungefähr mit der Regulierung der Düse unserer Dusche vergleichbar: je nach der Art ihrer Einstellung, bekommen wir mehr oder weniger Wasser.

Tanquerey definiert den übernatürlichen Verdienst (meritum supernaturale) folgendermaßen:

„Der Verdienst ist ein Anrecht auf eine übernatürliche Belohnung, welches aus einem übernatürlich guten Werk resultiert, das für Gott freiwillig vollbracht wurde. Es ist das göttliche Versprechen, welches diese Belohnung garantiert“.[3]

Der Verdienst ist also ein:

  • objektiv gutes Werk, welches
  • übernatürlich gut ist, d.h. auf ein übernatürliches Ziel (Gott) geordnet und im Stand der Gnade (also nicht in der Todsünde), das
  • freiwillig vollbracht wurde.

Es geht hier um übernatürliche Verdienste, dies bedeutet, dass nicht jedes „den Flüchtlingen helfen“, „die Wale retten“, „sich in der Gemeinde engagieren“ einen solchen Verdienst darstellt, sondern nur das, was an sich gut ist und mit dem Ziel auf Gott hin vollbracht wurde. So aufgefasste gute Werke bewirken nach dem Konzil von Trient einen Zuwachs der Gnade und schließlich das ewige Leben (DH 1574, 1545, 1582).[4]

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Das Konzil von Trient verurteile die folgenden Aussagen der Reformatoren.

„Kan. 24. Wer sagt die empfangene Gerechtigkeit werde durch gute Werke vor Gott nicht bewahrt und auch nicht vermehrt, sondern diese Werke seien lediglich die Früchte und Zeichen der erlangten Rechtfertigung, nicht auch die Ursache ihrer Vermehrung: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 1575)

Positiv gewendet, bedeutet dies:

  • die empfangene Gerechtigkeit, also die Gnade, wird durch gute Werke vor Gott
    • bewahrt und
    • vermehrt.
  • Die guten Werke sind Ursachen der Gnadenvermehrung.

Also mehr gute Werke, mehr Gnade. Dies bestätigt auch die folgende Aussage:

„Kann. 32. Wer sagt, die guten Werke des gerechtfertigten Menschen seien so Gaben Gottes, dass sie nicht auch die guten Verdienste des Gerechtfertigten selbst sind, oder der Gerechtfertigte erlange mit den guten Werken, die von ihm durch Gottes Gnade und das Verdienst Jesu Christi (dessen lebendiges Glied er ist) getan werden, in Wahrheit nicht die Vermehrung der Gnade, das ewige Leben und (sofern er in Gnade gestorben ist) den Eintritt in diese ewige Leben, wie auch die Vermehrung der Herrlichkeit: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 1582)

Positiv gewendet, bedeutet dies:

  • Die guten Verdienste sind eine Eigenleistung des Menschen, nicht Gottes allein.
  • Wir können und müssen mit der Gnade durch die Werke mitwirken.
  • Die Verdienste bewirken:
    • Vermehrung der Gnade,
    • Das ewige Leben,
    • Vermehrung der Herrlichkeit also einen besseren Platz im Himmel.

Wie schrecklich weit ist doch die nachkonziliare Verkündigung, falls sie überhaupt stattfindet, von der wahren Lehre der katholischen Kirchen entfernt! Wo hört man so was? Und zwar nicht nur, dass wir im Himmel für die guten Taten belohnt werden, sondern dass die guten Werke und die damit verbundenen Verdienste einen Gnadenzuwachs zu Lebzeiten bei uns bewirken. Das ist schon was. Denn die Sakramente sind nicht die einzigen Gnadenspender, die tun es zwar ex opere operato, die Werke jedoch ex opere operantis, aber sie wirken ebenfalls einen Gnadenzuwachs in uns. Wir wirken also unser Heil selbst mit. Wir müssen die Gnaden, welche Christus für uns durch sein Leben und seinen Tod erwirkt hat, in Anspruch nehmen. Es ist alles da! Das Fehlen der Gnadenlehre und der Lehre von dem Verdienst resultiert in der Lehre und in der Verkündigung in einem praktischen Protestantismus oder einem Pelagianismus.

Im Protestantismus, denn man kann sagen:

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„Denn den einen gibt er im Schlaf, den anderen halt nicht, da kann man nichts tun.“

Im Pelagianismus, denn man sagt:

„Es gibt keine Erbsünde, keine Sünde überhaupt (es sein denn die Umweltsünde, die Ernährungssünde oder die gegen die political correctness, jetzt die „Flüchtlinge“) und deswegen ist alles gut, die „Sexualität“ sehr gut und man soll aktiv sein und die Wale retten“.

Verfällt ein Katholik dabei nicht in den Aktivismus des deutschen Gremienkatholizismus, der in der Organisation von Kirchentagen und dem „Miteinander“ endet, so landet er, wenn er geistlicher eingestellt ist, in dem calvinistischen Reprobationsgedanken: „Mir gibt Gott keine Gnade, so bin ich verworfen. Pech gehabt.“ Durch die Ausschaltung der Gnaden- und Verdienstlehre lernen wir nicht, dass es vor allem um das Wachstum der Heiligkeit geht, welche u.a. durch das Erwerben von Verdiensten zu Stande kommt und auf verschiedene Art und Weise vollbracht werden kann, sondern wir fallen in die Wirren des „Aktiv-Seins“ und des „Engagements“. Dabei ist das Wachstum vertikal zu Gott und der Ewigkeit hin und nicht horizontal zu den Menschen und der Welt gerichtet. Es zählt aber nicht das, was wir tun, nicht einmal wie wir es tun, sondern es zählt das, inwieweit es uns heiligend verändert.

„Was nützt es mir für die Ewigkeit?“,

fragte der junge hl. Aloysius Gonzaga (siehe das Bild oben). Wenn es nichts nützt, dann soll man es lassen, denn die Ewigkeit ist lang und zwar ewig.

[1] Auf Deutsch kaum antiquarisch vorhanden, auf Englisch hier erhältlich http://www.amazon.de/Spiritual-Life-Treatise-Ascetical-Mystical/dp/0895558947/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1448354729&sr=8-2&keywords=Tanquerey

[2] Nach Tanquerey, Précis, 160-173.

[3] Ebd. 160.

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[4] Ebd.

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