Tradition und Glauben

Was sind „Unregelmäßigkeiten“ oder Lesehilfe bei kirchlicher Marketingsprache

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„Unregelmäßigkeiten“ bei den Herolden

Hilary White gibt in diesem Teil den Zustand der Herolde des Evangeliums von 2019 wieder, der auf einer apostolischen Visitation von 2017 fußte.

Was hat die Visitation entdeckt?

„Unregelmäßigkeiten“.

Was bedeutet das?

Skandale, Dreck und Tohuwabohu, was aber in der „kirchlichen Marketingsprache“ anders formuliert wird. Damit man diese versteht, so fügen wir eine kleine Übersetzung des Kirchenmarketingdeutsch in die Alltagssprache bei. Dank dieser werden Sie wissen, was eigentlich vorgeworfen wird, für den Fall, dass eine weitere Gemeinschaft visitiert wird, wovon derzeit sicherlich ausgegangen werden kann.

Marketingsprache

Der Spickzettel lautet wie folgt:

  • Führungsstil = Personenkult und Diktatur.
  • Leben der Mitglieder des [Vorgesetzten-]Rates = Ausschweifung und Geldverprassen.
  • Berufungspastoral = Bauernfängerei unter Vorgabe falscher Tatsachen.
  • Ausbildung des Ordensnachwuchses = Sklavenarbeit und Gehirnwäsche.
  • Verwaltung = Geldverprassen, Geldwäsche, Doppelte Kontoführung.
  • Bauleitung = Bauwahn, Nichteinhaltung der Bauvorschriften, Untreue.
  • Ressourcenmanagement = Geldverprassen als gäbe es kein Morgen, nach uns die Sintflut.
  • Fundraising = Bauernfängerei unter Vorgabe falscher Tatsachen, „Wir färben alles schön, Hauptsache Du zahlst“.

Stimmen all diese Vorwürfe gegen die Herolde?

Das wissen wir nicht, aber genauso verhält es sich beispielsweise bei den Legionären Christi und bei Opus Dei. FSSPX, obwohl kanonisch irregulär, kann man von diesen „Unregelmäßigkeiten“ auch nicht freisprechen. Man kann aber die o.a. Punkten fast allen nachkonziliaren Bewegungen vorwerfen, von welchen manche, wie die von Kard. Ratzinger unterstützte Katholische Integrierte Gemeinde, bereits aufgelöst wurden. Sicherlich können sich die Herolde ungerecht behandelt fühlen, denn die ÄUnregelmäßigkeiten“, die ihnen vorgeworfen wurden, kommen auch bei Opus Dei, Legionären, San’Egidio und anderen vor, diese werden aber nicht belangt.

Warum?

Weil sie länger im Geschäft sind, mittlerweile eigene Kardinäle haben, wie den I-was-shocked-Farrell (Legionäre Christi).

Der von McCarrick schockierte Kirchenmann, jetzt Kardinal

Die anderen Movimenti, die bislang noch nicht visitiert und „gebarmherzigt“ wurden, sowie besser wussten, wen sie und wie zu schmieren haben. Das Sekten-Business, insbesondere mit katholischen Vorzeichen, ist halt hart und erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Nachkonziliare Gemeinschaft von Kard. Ratzinger gefördert

Sicherlich ist der heutige Vatikan alles andere als glaubwürdig, aber irgendetwas muss doch in diesen Bewegungen vorgefallen sein,

  • dass die eigenen ehemaligen Mitglieder sie mit Sekten gleichsetzen,
  • dass Regierungen den Verfassungsschutz einschalten,
  • dass solche Dokus, wie o.a. entstehen
  • und dass Rom endlich mal etwas untersucht.

DSDZ war selbst ein einigen nachkonziliaren Bewegungen tätig und kann die o.g. Punkte mindestens in einem Fall sicher bestätigen. Die Vorgehensweise ist immer dieselbe, obwohl vieles am Anfang nicht gewollt ist und in diesen Bewegungen auch wirklich gute, fromme Menschen vorkommen, die meinen, dass Gott von ihnen dieses Opfer und Leiden fordert.

Bewegungen als Gegengift

Da die meisten Katholiken, die noch gläubig sind und nicht von der bürstenschnittigen Pastoralassistentin aus der Kirche weggeekelt wurden, gerade durch eine „Bewegung“ – eine gnostische Unterart des Katholizismus – zum Glauben kamen, so werden sie diese ihre „Bewegung“ als einen Teil ihrer eigenen Biographie verteidigen. Wenn man nämlich an der Oberfläche bleibt, dann sieht man nur Positives oder man findet sich mit dem Negativen ab. Sicherlich sind die Traditionalisten von dieser Gefahr nicht ausgenommen, wie die Beispiele FSSPX, Skandale in der FSSP, in der St. John’s Society oder im „Karmel“ in Wyoming zeigen.

Die deutsche Seele sehnt sich nach Sicherheit und lässt sich vom Stempel „staatlich geprüft“ in Sicherheit wiegen. Gewiss ist ein Kontrollsiegel etwas Gutes, aber seit ca. 1965 bedeutet das Etikett „katholisch“ noch lange nicht, dass der Inhalt ebenfalls katholisch und sicher ist. Unter Franziskus bedeutet nichts etwas, dennoch fing diese Abwärtsspirale der falschen Etikettierung eigentlich gleich nach dem Konzil an. Ein neuer Katholizismus sollte entstehen, der die alte Gnosis, von der alten Schlange gewirkt, zu Tage brachte.

Johannes Paul II. gab den Movimenti grünes Licht, die aufs Beste wie Sumpfpflanzen wucherten. Der Vergleich mit der Sumpfblume ist treffend, denn die nachkonziliaren Bewegungen brachten etwas Gutes hervor oder etwas, was als gut nach Außen schien. Sicherlich führte man in einer „katholischen Sekte“ ein besseres Leben als bei den Hells Angels. Man wollte wieder volle Kirchen und Klingelbeutel, Jugend, Berufungen und schaute deswegen nicht mehr so genau hin, zumal man nicht mehr die alten Kriterien anwandte.

Sumpfblumen sind auch schön

Da sich die Traditionalisten von der nachkonziliaren Kirche absetzen, so sind sie eigentlich noch viel mehr gefährdet als die Vat. II – Movimenti, weil sie kaum ein äußeres Kriterium der kirchlichen Lehre und Disziplin annehmen. Die Lehre wurde gefälscht und in Rom herrschen Kardinäle wie La Mongolfiera, von Bergoglio selbst ganz zu schweigen.

Aus der Philosophiegeschichte weiß man, dass es wirklich kaum so etwas wie eine reine Rezeption einer philosophischen Schule gibt. So ist z.B. die Plato-Rezeption von X nicht die Rezeption Platos selbst, sondern die Rezeption der Plato-Rezeption von D, der ein Schüler von C, der ein Schüler bei B war.

Und genauso ist es mit dem Traditionalismus. Wir, denn DSDZ zählt sich auch dazu, versuchen etwas wieder ins Leben zu rufen, was wir im guten Sinne für vorkonziliar halten, was es aber vielleicht gar nicht ist. Es stellt sich immer wieder die Frage, wie weit man vor das Vat. II zurückgehen muss, um etwas Reines oder wenigstens einen gesunden Kern zu finden. Sicherlich gab es immer wieder Häresien und Skandale, aber die Kirche konnte sich davon immer wieder selbstreinigen. Doch dieses Auto-Immunsystem ist seit Vat. II dermaßen gestört, wie niemals in der Kirchengeschichte davor. Daher muss der Traditionalist von heute in der Traditionsgestaltung sehr kreativ sein, was paradoxerweise kein Widerspruch ist, zumal eine Übernahme der Vergangenheit 1:1, wie des mittelalterlichen Ständestaates, derzeit unmöglich erscheint.

Die traditionalistische Bewegung wird sicherlich noch viel innere und äußere Reinigung erfahren müssen und es ist nicht ausgeschlossen, dass eine wirkliche apostolische Visitation auch in traditionalistischen Gemeinschaften die o.a. „Unregelmäßigkeiten“ aufdecken wird. Daher sollte man sich die o.a. Leseweise merken, um sie in der Zukunft anwenden zu können.

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