Tradition und Glauben

Wie war es damals? Kurt Hutten und ein Rückblick in den Zerrspiegel der Geschichte.

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Beim Stöbern bei gloria.tv, wo sich unverhofft auch gute Beiträge finden lassen (die unsrigen werden dort leider nicht exponiert, sodass wir immer weniger reinstellen), fand DSDZ einen interessanten Beitrag aus dem Jahre 1970, der von der Traditionalistenbewegung handelt. Er stammt es der Feder von Kurt Hutten, einem protestantischen Theologen, der ihn in der Information (Nr. 42 Stuttgart III/1970) der Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen im Jahre 1970 unter dem Titel Drohen Abspaltungen in der katholischen Kirche? Traditionalisten gegen Progressisten veröffentlicht hatte. Der Text stammt also von jemand, der aus einer protestantisch-weltlich-rationalistischen Sicht über Sekten schreibt. Was macht solch ein Beitrag auf einem katholischen, traditionalistischen Blog? Wir veröffentlichen ihn, weil er recht objektiv und eher unvoreingenommen eine Situation schildert, über welche man schlecht in den offiziellen, katholischen Quellen nachlesen kann (siehe orwellsche Geschichtsverfälschung). Die Situation, die Karl Hutten beschreibt gleicht wirklich der von 2018 aufs Haar.

DSDZ hatte sich die meiste Zeit seines Lebens keine Gedanken darüber gemacht, wie die Menschen nach dem Konzil den Zusammenbruch ihrer Kirche erlebten. Er hatte zwar literarische Reminiszenzen, meistens in der französischen Literatur, darüber vernommen, aber diesen Strang theologisch nicht weiterverfolgt, da er sich erst ca. 2012 dem Traditionalismus zuwandte, die „rote Pille“ nahm, sehend wurde und was er jetzt sieht, kann er leider nicht wieder ungeschehen machen. Dies erinnert ihn an die Geschichte von jemand, der an einem Seminar für das Spurenlesen teilnahm, das er bei einem Trapper in den USA absolvierte. Es war wie in jeder Schule: man sah viele Ppt-Präsentationen mit Spuren, ging um den Wald, um selbst die Spur eines schwangeren Eichhörnchens oder eines jungen Rehs zu verfolgten, sah jedoch nichts: Blätter, Bäume und keine Spuren. Je länger dieses Seminar aber dauerte, desto mehr Teilnehmer konnten ein Aha-Erlebnis, welches durch das Schreien von:

„Ich sehe, ich sehe.. (Eureka?)“

sich offenbarte. Die Sehenden fühlten sich als ob sie einen zusätzlichen Sinn bekämen und somit mehr von der Wirklichkeit als andere Menschen sahen. Der Trapper versprach allen Teilnehmern, dass nach diesem Seminar der Wald für alle ein offenes Buch sein würde und dem sie lesen könnten. Man hörte von immer mehr Aha-Erlebnissen, der Autor des gelesenen Beitrages sah aber nichts. Auf einmal wurde ihm auch dieses „Erweckungserlebnis“ zuteil und er sah auch, sodass das, was vorher nur aus Blättern und Boden bestand, zu einem offenen Buch wurde, welches von dem schwangeren Eichhörnchen, der Hasenfamilie und dem jungen Reh sprach. Der Autor wurde sehend und kann sein Spurensuchen-Sinn nicht wieder wegmachen. Dies war wenigstens ein schönes Erlebnis, ein Erlebnis, das die Wirklichkeit positiv erweitert. Im Gegensatz dazu ist Traditionalist unter Bergoglio zu werden nur bitter. Man sieht nichts Lebendiges oder Schönes, sondern nur die Spuren von Gewalt, Verwesung, Zersetzung und Tod.

Ist das aber keine Projektion des eigenen Inneren auf die Kirche von heute?,

würde unsere bürstenschnittige Pastoralassistentin fragen, die natürlich auch noch da ist,

Nein, ist es nicht,

antworten wir, weil sehr viele, sehr verschiedene Katholiken dies durchmachen und dank Bergoglio sehend werden. Was passiert gerade am Negativen? Am 16.02.2018 zur Zeit der Niederschrift dieses Beitrags:

  • Bemerkt richtigerweise Kardinal Cupich, dass das Paradigmenwechsel unter Franziskus seine Wurzeln im Konzil hatte.
  • Die chinesischen Katholiken werden der Regierung zu Tod und Folter übergeben.
  • Deutsche Bischöfe billigen die Segnung von Homo-Ehen.
  • Durch Amoris Laetitia wurde das Naturrecht als die unverrückbare moralische Norm aufgehoben und anything goes, obwohl interessanterweise sich dieses päpstliche Dokument auf das Sechste Gebot konzentriert.
  • Die neue Akademie für das Leben (Academy for Lie, wie sie jetzt die Amerikaner nennen) verfügt über einen Rabbiner (sic!), der die Abtreibung biblisch begründet (sic! Sic!).
  • Der Kurienbischof Marcelo Sanchez Sorondo, der politische Berater des Antipapstes, der die Soziallehre der Kirche in China vorbildlich verwirklicht sieht, meint, dass man doch die Depopulation wegen des Klimawandels erwägen sollte.

Nein, das ist keine antikatholische Antiutopie. Das findet wirklich tagtäglich statt. Die sichtbare Kirche wird auseinandermontiert und zu Grabe getragen, Vat. II trägt seine Früchte. DSDZ erlebt jetzt sein Vaticanum III und kann sich in die Lage der Katholiken von damals, d.h. nach 1965 hineinversetzen. Als er aber an die direkte Nachkonzilszeit dachte, so stellte er sich mehrfach die Frage:

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  • Warum haben Sie sich nicht gewehrt?
  • Warum haben Sie sich nicht organisiert?
  • Warum haben Sie sich an niemanden gewandt?

Die Analyse von Hutten beweist aber, dass sie all das getan haben, dass es einen gut organisierten Widerstand und zwar vor der Gründung von SSPX gab. Dass man wirklich nichts unversucht ließ und dennoch scheiterte, weil die ganze kirchliche Hierarchie, wie jetzt auch, sich auf die Seite der nachkonziliaren Reformen schlug. Vor allem Papst Paul VI. selbst war ein Mann des Konzils, ein Mann, den die Amerikaner the pink Paul nennen, der jetzt heiliggesprochen werden soll, was wirklich lächerlich ist.

Was hätten denn die Katholiken noch mehr tun können?

Sie wurden von allen verraten: vom Papst, von den Bischöfen, da man die orthodoxen Hierarchen schnell emeritierte, von den Theologen und den Priestern. Die schnellen universitären und kirchlichen Karrieren, wie die von Ratzinger, waren der Revolution geschuldet. Man brauchte ein neues Kader und nahm junge Leute, die der Revolution dienten. Auf diese Art und Weise ist die heutige dogmenlose „Wal-Retter-Miteinander-Kirche“ entstanden, welche jeden in die Flucht oder den Agnostizismus treibt. Aber die Axt an den heutigen Baum des Verfalls wurde schon sehr früh gelegt. Wir erleben heute wirklich die analoge Situation zu der von 1970, obwohl die unsrige wohl radikaler ist.

Vielleicht kann man von der Vergangenheit lernen, aber wie?

Die nachkonziliaren Reformen haben zwei Päpste: einen Feigling und einen Gegenpapst ergeben und im Gebäude der Glaubenskongregation finden Drogenorgien statt, wo man bei einer Razzia Prälaten mit Strichern erwischt. Notorische Homosexuelle, die Missbrauchsfälle zumindest deckten, wenn nicht gar mitmachten, werden Bischöfe und der Papst lügt nachweislich. Kein anderer Papst oder eher Gegenpapst vor Bergoglio hat das päpstliche Amt dermaßen beschädigt, da die skandalösen Renaissance-Päpste und die Päpste des Saeculum obscurum  privat sündigten, aber nicht ihr Amt schädigten. Es entstand ein Ärgernis, aber kein dauernder Systemschaden, anders als nach Vat. II. Wenn die zumeist weltlichen Kommentatoren sich fragen, wie Bergoglio sich so unbedacht in der Barros-Affäre verhalten kann, dann vermissen sie das Wichtigste. Sein Ziel ist die Zerstörung der Kirche – nicht der Erhalt seiner eigenen Macht. Er ist ein Machtmensch, aber diese Macht dient ihm lediglich zur Zerstörung der Kirche, des Papstamtes und seiner selbst.  Die Kirche soll nach dem Ende des Bergoglio-Pontifikats ihre katholische Identität unwiederbringlich verlieren und zu einem Magma einer Einheitsweltreligion werden. Aber dafür wurden die Weichen schon 1962 gestellt. Man kann wirklich erst jetzt, wie aus der Vogelperspektive, diesen geplanten Verfall mit all seinen Finessen sehen und deswegen tut es so weh.

Wir glauben zwar, dass alle Päpste bis Bergoglio Päpste waren, aber es waren Päpste im Dienste der Revolution und der Zersetzung, nicht des Glaubens. Sie spielten eine Rolle nach außen, welche die Konservativen ruhig stimmen sollte, erlaubten aber im Inneren die weitere Zerstörung der Kirche und machten mit. Die größte Schuld traf natürlich Johannes Paul II, weil sein Pontifikat am längsten währte. Man kann doch nicht behaupten, dass er nicht reiste und sich nicht „ökumenisierte“, dass er keine schlechten Bischöfe wählte und gewähren ließ, dass er kein „Papst des Konzils“ und der Menschenrechte natürlich war. Dieselbe Schuld trifft auch Benedikt, obwohl Summorum pontificum vielen Traditionalisten die Augen trübt. Benedikt ist wirklich der schlechteste Papst der Kirchengeschichte, was wir mit Ann Barnhardt behaupten, da er Bergoglio möglich machte und er wohl wusste, was kommt. Vielleicht ist es wahr, was einige sagen, dass die Päpste nach Pius XII. dermaßen erpressbar sind und nur als Handlanger einer bestimmten Organisation (FM?) fungieren, sodass sie nicht die eigentliche Macht haben, sondern nur einen kleinen Spielraum nach außen, um den Katholiken etwas vorzutäuschen. Wenn Kardinal Martini Benedikt sagte:

„[Wir meinen], Du musst zurücktreten“,

dann ist diese Aussage nur dahingehend zu deuten, dass Kardinal Martini jemanden repräsentiert, der die eigentliche Macht hat und Benedikt erpressen  und zum Rücktritt zwingen kann. Womit? Homosexualität ist als Vorwurf heutzutage zu schwach. Wir tippen auf „irgendetwas mit Kindern“ und Videobeweisen, die nicht zu hinterfragen sind. Was immer es war, es hat gewirkt, denn Benedikt ist zurückgetreten, ist das fünfte Jahr noch am Leben und hält still. Aber vielleicht waren alle Päpste nach Pius XII. erpressbar, was beispielsweise den Wankelmut von Paul VI. erklärt, wofür die Gründe recht überzeugend Randy Engel darlegt. Wir glauben, dass alles lösbar ist, indem man von der richtigen Prämisse, statt der falschen Prämisse ausgeht. Die Konservativen verwickeln sich in unlösbare Widersprüche, weil sie schlicht „falsch rechnen“. Die falsche Prämisse nach Vat. II  lautet:

  1. Ein katholisch denkender Papst,
  2. in voller Entscheidungsfreiheit,
  3. beschließt antikatholische Gesetze, welche die Kirche zerstören.

Bezüglich Bergoglio haben wir keinen Zweifel, dass (1) nicht vorliegt, in Gegensatz zu (2) und (3). Bei allen anderen Päpsten geht man fälschlicherweise von (1) und (2) aus, was aber nicht stimmt, weil es (3) nicht erklärt. Sie alle waren liberal (Johannes XIII: Esoterik, Paul VI – Maritain und Humanismus, Johannes Paul II – Phänomenologe und Theologie des Leibes, Ratzinger – Offenbarung als idealistischer Trug, Habilitationsschrift als häretisch zurückgewiesen), weswegen man sie als Päpste duldete und wählte.  Aber die Annahme einer vollen Entscheidungsfreiheit bei Paul VI., Johannes Paul II und Benedikt XVI erklärt nicht ihr widersprüchliches Tun.  Warum hat Johannes Paul II nicht endlich die Fatima-Weihe vollzogen, wo er aber auch jedes und alles segnete und weihte und angeblich so marianisch war? Weil sie etwas gegen ihn hatten. Warum ist Benedikt zurückgetreten und ein Rücktritt unter Zwang ist nicht gültig, weswegen Benedikt immer noch der Papst ist? Aus demselben Grunde: er war und ist erpressbar. Bergoglio macht es uns vor: er wählt sich schwache, erpressbare Menschen, wie Msgr. Ricca, die er leicht steuern kann, die kein Rückgrat haben und die ihm gefügig sind. Schauen Sie sich das heutige Rom an, die Kardinäle und die Bischöfe. (Fast) Keiner muckt auf, weil sie (fast) alle erpressbar sind. Diesen Zug des Charakters von Bergoglio zeigt auch Colonna in seinem Buch „The Dictator Pope“. Bei der Lektüre dieses Buches fühlte sich DSDZ als würde er seine alten Fotos durchsehen. So jung und naiv waren wir damals noch. Und es ist erst fünf Jahre her. Der erste Fünfjahresplan wurde vollbracht. Ja, wir erleben alle das Dritte Vatikanische Konzil und es ist noch nicht zu Ende.

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Deswegen können wir in die Vergangenheit eintauchen und von ihr zu lernen.

Wie lautet diese Lektion?

Eigene visuelle Medien zu gründen und rationaler zu argumentieren. Dank Internet herrscht jetzt größere Meinungsfreiheit vor als 1970 und man muss keine Verlage gründen, um katholisches Schrifttum zu verbreiten. Ein Blog tut es auch, youtube ebenfalls. Kurt Hutten sieht die ganze traditionalistische Angelegenheit von 1970 von der Warte eines staatstreuen Protestanten für den der Landesfürst der Bischof ist. Dieses staatstreue Denken wurde den deutschen Protestanten nach 1933, wie wir wissen, zum Verhängnis (deutsche Christen), aber dieses Denken sitzt tief. Kurt Hutten geht vom status quo des Staates, nicht von der Wahrheit des Evangeliums aus. Er spricht vom Primat einer Welt, die sich verändert und denkt demnach völlig nachkonziliar. Als Protestant ist er für jegliche Spaltung und Protestantisierung sensibel, denn die Letztere fand ja erst durch Vat. II in den Katholizismus Einzug. Wir haben die Landeskirchen der einzelnen Bischofskonferenzen, nach Amoris Laetitia (AL) haben wir auch eine verschiedene Lehre und kirchliche Disziplin und dieser Zerfall ist es, den Franziskus vorantreibt. Da die Verbindlichkeit Lehre durch AL aufgehoben und in das „einzelne Gewissen“, wie bei Luther, gelegt wurde, so ist jeder Katholik seine eigene Lehrautorität geworden, wie es der Protestant ja auch ist. Wir kommen auch zu einem Skripturalismus und Biblizismus, da jetzt wirklich jeder in seiner Bibel nachlesen kann, dass entgegen der Lehre von AL des Papstes die Schrift „Du sollst nicht ehebrechen“ sagt und Homosexualität als eine schwere Sünde verurteilt, obwohl Kardinal Marx die Homo-Ehen segnen möchte. Es gibt, wie im Protestantismus, kein rationales Prinzip der Logik, da der Satz vom Widerspruch seit Bergoglio nicht mehr gilt und 2 + 2 auch 5 ergeben kann, falls der Papst es so wünscht, so der Jesuit Spadaro. Die schlimmsten antikatholischen Vorurteile und Klischees werden wahr. Ja, sie werden wahr! Kein Wunder, dass der Vatikan das Lutherjahr 2017 feierte und mit einer eigenen Briefmarke ehrte, wo unter dem Kreuz statt der Muttergottes und Johannes Luther und Melanchton stehen. Wir sind Protestanten geworden und zwar nicht im guten Sinne, denn Protestantismus hat keinen guten Sinn! Es ist der erste Schritt zum Agnostizismus und von da auch zum Atheismus.

Wenn wir den Aufsatz von Hutten, den wir nach und nach präsentieren werden, lesen, so sehen wir, dass die Katholiken von 1970 in nichts übertrieben, sondern eher untertrieben haben. Falls diese Katholiken von 1970, wie z.B. Otto Schenker, noch leben, so hätten sie sich wohl nicht Bergoglio vorstellen können. Er ist der Alptraum des Sedisvakantisten-Traumes von 1970.  Man kommt wirklich nicht umhin apokalyptisch zu denken, dass „das Maß der Sünde vollwerden muss“. Und es wird voll. Das Sacco di Roma ist noch nicht gekommen und ohne das Strafgericht Gottes gibt es keine Bekehrung. Das Wichtigste ist aber, dass man selbst nicht verbittert und nicht hasst, dass man seine Seele nicht verliert. Viele von uns, wie DSDZ, wären von Bergoglio zu einer bestimmten Tiefe der Glaubenslebens und der theologischen Klarsicht nicht gekommen, hätten sie die Spuren im Wald nicht gelesen, denn der JP-Konservatismus war paradoxerweise schädlicher für die Seelen als die Zerstörungswut Bergoglios. Der Erstere gaukelte uns vor, dass alles noch gut-katholisch ist, obzwar „modernisiert“, die Bergoglio-Herrschaft der letzten Jahre zeigt uns wirklich allen den Moder, die Zerstörung und den Zynismus. Vielleicht sind die Restkatholiken von 2018 deswegen so widerstandsfähig geworden, da es sie nach Vat. II noch gibt, dass der Teufel eine stärkere Ladung gegen sie braucht, sprich Bergoglio. Was uns aber nicht umbringt, das macht uns stark. Denken wir also an unser Seelenheil, denn Bergoglio wird auch vorübergehen. Amen.

 

 

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