Tradition und Glauben

Wieder eine Gemeinschaft aufgelöst oder wo ist der Systemfehler? (2 von 3)

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Ad 2. Vermischung zwischen Geboten des Evangeliums und Evangelischen Räten

Gebote und Räte

Die traditionelle Moraltheologie unterscheidet zwischen den

  • Geboten des Evangeliums

und

  • den Evangelischen Räten.

Während alle Menschen dazu gehalten sind, die 10 Gebote und die Gebote des Evangeliums zu erfüllen, so sind nur manche dazu berufen nach den Evangelischen Räten zu leben und zwar:

  1. Keuschheit, Jungfräulichkeit, Zölibat, sexuelle Enthaltsamkeit,
  2. Armut,
  3. Gehorsam.

Ist man aber in einer neuen geistlichen Gemeinschaft auch als verheirateter Laie, dann wird man nolens volens in der Praxis zum Praktizieren der Evangelischen Räte gezwungen. So bestimmte die Intergierte Gemeinde, ob und wieviel Kinder die verheirateten Mitglieder haben durften. Beim Neokatechumenat lautet es hingegen: je mehr, desto besser, wobei die Eheleute in seltsamen Skrutinien ihre persönlichen und sexuellen Probleme offenlegen müssen. Man wird zur Abgabe des Zehnten oder gerne mehr angehalten. Opus Dei pusht seine Mitglieder zur Karriere und mehr Geldverdienen, damit sie auch mehr abgeben können. Und dass der unbedingte Gehorsam dem geistlichen Leiter gegenüber als selbstverständlich gilt, braucht hier nicht eigens gesagt zu werden. Von den Missionseinsätzen der neokatechumenalen Familien wollen wird gar nicht erst reden, denn das ist wirklich schlimm.

Ordensleben bei Weltleuten

Bei einer Untersuchung der Erzdiözese Warschau über die Gemeinschaft, Ruch Rodzin Nazaretańskich (Bewegung der Nazareth-Familien), die leider Gottes immer noch existiert, stellte man fest, dass dieser extreme Gehorsam dem Beichtvater gegenüber, den der (Sekten-)Gründer forderte, nicht einmal in kontemplativen Orden anzutreffen ist und höchstens bei sehr fortgeschrittenen mystischen Zuständen angebracht wäre.

Weltleute, die meistens verheiratet sind, werden angehalten wie Ordensleute zu leben, was auf die lange Sicht nicht machbar ist und woran sie alle scheitern. Viele Mitglieder der Movimenti, die beruflich arbeiten und eine Familie haben, fühlen sich ständig schuldig, weil sie das aufgetragene Gebetspensum nicht verrichten können.

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Fehlende Normalität bei Familien

Die berühmt-berüchtigte „allgemeine Berufung zur Heiligkeit“ (Lumen Gentium, V. 39) des Vat. II ist eine Riesenmogelpackung, denn sie wird so verstanden, dass Heiligkeit im jedem Lebens- und Berufstand möglich ist. Dies ist leider nicht der Fall, wovon die Nichtexistenz einer heiligen Prostituierten oder eines heiligmäßigen Mafioso zeugt. Nur diejenigen Dirnen, die sich bekehrten, wurden heilig und nicht als sie ihr Gewerbe praktizierten. Heiligkeit im tätigen Eheleben zu erreichen ist extrem schwierig, wovon die extrem kleine Anzahl von verheirateten Heiligen, die in der Ehe lebten, zeugt.

Vor dem Konzil ging man davon aus, da man auf beinahe 2000 Jahren Kirchengeschichte zurückblickte, dass das weltliche Leben und das geistige Leben unvereinbar sind.

Obwohl diese Wahrheit manchen unangenehm erscheint, so braucht ein gesundes Familienleben ein gesundes Maß an Weltlichkeit. Die Kinder brauchen Großeltern, Onkel, Tanten, Spieleinladungen, Schulaufführungen etc. Man braucht bestimmte Außeneinflüsse, um überhaupt normal als Mensch gedeihen zu können. Und Gnade fußt immer auf der Natur. Ist die Natur verkorkst, weil sie in einer Sekte aufwächst, dann wird die Spiritualität auch krank.

So wie ein Kind bei der natürlichen Geburt und nicht beim Kaiserschnitt mit seinem Mund den Kot (pardon!) ansammelt, damit sich bei ihm bestimmte Darmbakterien bilden, was ihm sein ganzes Leben nützen wird, so braucht man leider Gottes auch bestimmte negative Einflüsse, um dagegen Immunkräfte zu entwickeln. Catholic Amish People sind ein Widerspruch in sich selbst.

Sogar Heilige, die ganz früh eine Berufung hatten, ließ Gott oft lange in der Welt oder länger als sie selbst es sich wünschten, damit sie für das Ordensleben vorbereitet waren. Denn man muss schon sehr gesund und normal sein, um das Ordens- oder Priesterleben und seine Herausforderungen ertragen zu können. Wie soll man den normale, weltliche Leute leiten, wenn man niemals ein normales, weltliches Leben hatte?

Daher führt diese Isolation der Familien in den Movimenti zu nichts Gutem, da die Kinder, die dort aufwachsen:

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  1. später entweder die ganze Religion verwerfen und extrem weltlich Leben,
  2. ihre Eltern dafür hassen, was ihnen angetan wurde,
  3. ein eigenbrötlerisches Dasein fristen und sich nirgends zugehörig fühlen.

Sicherlich war die Gesellschaft vor 1960 viel mehr von christlichen oder katholischen Idealen durchdrungen als jetzt der Fall ist, sodass man als „Elternteil“ weniger Angst haben musste, aber ein gesundes Familienleben sollte auch ohne die Kopie der Evangelischen Räte möglich sein.

Dass aber das geistliche Leben eine Ordenszugehörigkeit voraussetzt, nehmen auch gleichsam instinktiv die Movimenti wahr, da sie eine mehr oder weniger bizarre Ordenskleidung tragen, die verheirateten Mitglieder auch. DSZD erinnert sich an nonnenhaft gekleidete Frauen bei Löwe von Juda, später Gemeinschaft der Seligpreisungen, von denen manche schwanger waren oder ihren Kindern bei der Novus Ordo Messe die Brust gaben (echt wahr!). Er fand dies bizarr, verstörend und blasphemisch, obwohl er damals noch recht jung war.

Wenn man aber sagt, dass diese neuen Gemeinschaften nichts anderes als der Dritter Orden sind, dann macht er wirklich ein Fass auf, denn:

  • Sind sie „nur“ der Dritter Orden, wo ist dann der Erste und Zweiter Orden?
  • Sind sie der Dritter Orden, was ist denn das Besondere und Nachkonziliare an ihnen?
  • Sind sie der Dritter Orden, sind sie dann auch wirklich egalitär und nachkonziliar?
  • Sind sie egalitär und nachkonziliar, dann sind sie wohl kein Dritter Orden.

Gemeinschaftszwang

Bei fast jedem Orden, die Eremitenorden vielleicht ausgenommen, herrscht eine Verpflichtung zum gemeinsamen Leben. Bei den Gemeinschaften ist es genauso, was aber auf die lange Sicht nicht mit weltlichen Pflichten und sozialen Kontakten zu verbinden ist. Insbesondere beim Neokatechumenat dauern die „Liturgien“ so lange, dass man, die Vorbereitung und Nachbereitung eingerechnet, zu nichts anderem kommt. Zwangsläufig finden fast alle sozialen Kontakte nur innerhalb der Gemeinschaft statt, was, wie o.a., dem Familienleben nicht zugutekommt. In das Eheleben mischen sich Gemeinschaftsmitglieder ein, die Eheprobleme werden durchdiskutiert, der geistliche Leiter ist immer der Dritte im Ehebunde. Auf die lange Sicht unausstehlich, sodass viele dort geschlossene Ehen grandios scheitern.

Der kurz gehaltene Rat:

Entweder Orden/Seminar oder Ehe!

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hat an Aktualität nichts eingebüßt, was man mindestens seit dem IV. Jhdt. wusste. Aber das Konzil sollte, wie der Mai, alles neu machen und jetzt haben wir Sekten, Skandale und von der Kirche enttäuschte Menschen.

Ist aber etwas an sich nicht Machbar, wohin führt es? Jawohl zum Tricksen oder zur Verzweiflung. Man hat dann einen „kreativen Zugang“ zu Vorschriften oder kauft sich frei, indem man spendet. Diese hohe Kunst der religiös-moralischen Erpressung hat insbesondere Opus Dei in die Höhen gehoben, wo man die Mitglieder in Sünde gewähren lässt, solange sie spenden oder als Politiker Opus Dei genehme Beschlüsse und Gesetze verabschieden. Dies ist aber nicht nur eine Duldung der Sünde, sondern geradezu ein Anstiften dazu. Wenn man sich aber die Opus Dei Immobilien anschaut, immer beste Lage der Großstädte, dann weiß man, dass dieses Geld irgendwoher kommen muss.

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