Tradition und Glauben

Wieder eine Gemeinschaft aufgelöst oder wo ist der Systemfehler? (1 von 3)

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Die heutige gloria.tv bringt mal die Nachricht von einer Auflösung einer geistlichen Gemeinschaft. Diesmal heißt die Gemeinschaft „Wort des Lebens“ (Verbe de Vie), sie ist vom Ansatz her charismatisch und vom Sitz her belgisch.

Wie wir hier des Öfteren schreiben, mutierten fast alle nachkonziliaren Bewegungen zu Sekten, wovon die Traditionalisten und die „neuen Konservativen“, die ja auch nach dem Konzil und dank des Konzils entstehen, leider nicht ausgeschlossen sind.

Ursachenforschung oder wo liegt der Systemfehler?

Der Begriff „Systemfehler“ stammt aus der Informatik und bezeichnet den Fehler im Betriebssystem des Computers. Im Gegensatz zum Konstruktionsfehler, der ein Fehler im Bauplan eines Produktes ist, liegt der Systemfehler in allen Teilen des Systems vor, er ist gleichsam der DNA des Systems eingeschrieben. Einen Konstruktionsfehler kann man eher beheben als einen Systemfehler, denn nicht alle Teile einer Produkts oder eines Gebäudes sind vom Konstruktionsfehler betroffen.

Wenn DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) sich Gedanken darüber macht, warum (fast?) alle nachkonziliaren Bewegungen oder Orden zu Sekten wurden, so kommt er auf drei Ursachen:

  1. Egalitäre und Communio zentrierte Sicht der Kirche
  2. Vermischung zwischen den Geboten des Evangeliums und Evangelischen Räten
  3. Ungenügender Gnadenzufluss durch Novus Ordo

Ad 1. Egalitäre und Communio zentrierte Sicht der Kirche

Egalitarismus

Alle nachkonziliaren Bewegungen gehen von der Vat. II – Sicht der Kirche als Communio – Gemeinschaft aus. Der hierarchische oder ontologische Unterschied zwischen Priestern und Laien, sowie der Hirten- und Leitungsgewalt wird verwischt oder aufgehoben. Priester oder Bischöfe werden nicht mehr als Vorgesetzte, sondern als ex aequo Moderatoren gesehen, mit Mitspracherecht, aber ohne Befehlsgewalt.

Diese Sicht der Kirche, die leider auf Lumen gentium zurückzuführen ist, ist natürlich im Ansatz zum Scheitern verurteilt, denn absolut jede Gemeinschaft muss hierarchisch sein, um funktionieren zu können. Dagegen ist der orwellsche Grundsatz:

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Alle Tiere sind gleich, aber manches sind gleicher.

Orwell, Farm der Tiere

einfach widersprüchlich. Fast jede dieser Gemeinschaften startete, durch das Vat. II verführt, egalitär und machte die Entwicklung der Grünen in den 1980-gern durch, die sich in Flügelkämpfen zwischen den „Fundis“ und den „Realos“ äußerte.

Aber die katholische Sicht ist immer eine hierarchische Sicht, Vat. II hin oder her. Vat. II führte, ähnlich wie der Kommunismus, eine Unmöglichkeit ein, die einfach scheitern musste und daher gescheitert ist. Es gibt keine absolute Gleichheit, diese ist unmöglich, es gibt eine Hierarchie und diese ist gottgewollt.

Interessanterweise entwickelten fast alle nachkonziliaren Gemeinschaften nicht nur eine starke zentralistische Leitung, sondern einen Personenkult um die Person des Gründers (Opus Dei, Legionäre), die natürlich jeglichem Egalitarismus entgegensteht.

Spätestens dann, als diese Gemeinschaften Priester weihten oder auf den Bischof hören mussten, erlitten sie eine Zerreißprobe, und zwar deswegen, weil die Ausgansprämisse von vornherein unhaltbar war.

Weil das Konzil irrte und eine falsche und unkatholische Ekklesiologie einführte, deswegen mussten alle scheitern, die sich auf diese stützten.

Kirche als Communio

Lumen gentium enthält aber noch einen Systemfehler der die Gnadenlehre betrifft. Während, vereinfacht ausgedrückt, bis Vat. II die Gnade individuell und individualistisch betrachtet wurde, indem man annahm, dass die verschiedenen Gnaden wie:

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  • aktuelle Gnade,
  • habituelle Gnade
  • Standesgnade
  • Etc.

einzelnen Personen gegeben wurden, die das Gemeinschaftsleben als einen Ort ihrer individuellen Verwirklichung in der Gnade, scil. Heiligung, betrachteten, so wurde die Gemeinschaft qua Communio nach Vat. II zum eigentlichen Ort der Heiligung.

Während bis Vat. II ein Kartäuser, ein Kamaldulenser oder eine Dominikanerin deswegen in ihrem Orden lebten, um zur persönlichen Heiligkeit zu gelangen, indem sie sich dabei des Ordenscharismas und der Ordensausbildung bedienten, so wurde nach Vat. II die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zum Selbstzweck. Wenn die Gemeinschaft der Ort und Sitz der Heiligkeit ist, wenn es etwas ist, was durch das „Miteinander“ heiligt, dann ist die Gemeinschaftszugehörigkeit und nicht die persönliche Heiligung das Mittel des Heils.

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Fitnessstudio. Sie sind Mitglied in einem Studio, wo Sie verschiedene Übungen durchführen, um beispielsweise ihre Brustmuskulatur zu stärken. Sie führen die Übungen (1) bis (4) durch, indem Sie diese aus der Bandbreite der Übungen (1) bis (10) auswählen, sie tun es gerade in diesem und nicht anderem Fitnessstudio, wobei die Studiozugehörigkeit mehr oder weniger zufällig ist.  Wenn Sie das Studio A wählen, dann haben Sie andere Geräte zur Verfügung als im Studio B, sodass Sie bei einer bestimmten Studioauswahl manche Muskelpartien gar nicht auf eine bestimmte Art und Weise trainieren können. Die Studiowahl bedingt also Ihre Form und Ihr Aussehen.

Wenn wir diese Bilder auf die Ordens- oder Gemeinschaftszugehörigkeit übertragen, so führte vor Vat. II der Weg zur persönlichen Heiligkeit durch geistliche Übungen (1) bis (4), welche aus der Bandbreite der geistlichen Übungen (1) bis (10) ausgewählt wurden, indem man sich für den einen oder anderen Orden entschieden hat.

Niemand nimmt aber an, dass allein die Zugehörigkeit zur einem Fitnessstudio als Karteileiche sozusagen, jemanden fit macht. Auch das Zahlen des Studiobeitrags macht es nicht. Man wird daher umso fitter, je mehr man selbst trainiert. Weil aber nach dem Konzil Kirche als Communio definiert wurde, so wurde die Zugehörigkeit zu einer Communio – „Gemeinschaft“ mehr oder weniger als heilsnotwendig erachtet, sodass die Maxime zumindest auf der praktischen Ebene, nulla salus extra Ecclesia („kein Heil außerhalb der Kirche“) in nulla salus extra communio („kein Heil außerhalb der Gemeinschaft“) umgeändert wurde.

Da es nach Vat. II nicht mehr „die Kirche“, sondern nur die Communiones – Gemeinschaften gibt, so erscheint die Gemeinschaftszugehörigkeit irgendwie heilsnotwendig. Daher der Verbot der Privatmessen, Gebot der Konzelebration, Verpönung der privaten Andachten, der Zwang zu Kollektivismus. Die Novus Ordo Messe ist ja das „Miteinanderfeiern“ der Gemeinschaft, die nur dann stattfindet, wenn Menschen da sind.

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Da DSDZ zeitweise Mitglied in mehreren geistlichen Gemeinschaften war, so weiß er, dass die o.a. Kirchensicht, zumindest subkutan, vermittelt wird. Daher weiß sich ein Mitglied, das diese Communio verlässt, gleichsam exkommuniziert und verstoßen, weil er keine Kirche außerhalb seiner Communio kennt und nicht sicher ist, ob es eine gibt. Wenn es heißt:

Die Kirche ist eine Gemeinschaft

dann heißt es auch per Umkehrschluss:

die Gemeinschaft ist Kirche.

Dieses Denken herrscht auch in der nachkonziliaren FSSPX vor, die zumindest subkutan nulla salus extra FSSXP predigt, siehe die wehleidigen und extrem ich-zentrierten Beiträge auf dem Blog zelozelavi. Wenn nämlich die Piusbruderschaft allein „das ewige Rom“ des wahren Glaubens darstellt, dann ist sie DIE KIRCHE, außerhalb der es kein Heil gibt.

Nulla salus extra FSSPX?

Dies ist selbstredend ein reines Sektendenken, weil (fast?) alle nachkonziliaren Bewegungen Sekten sind.

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Und wie war es früher?

Früher wurde die irdische Kirche als eine kämpfende Kirche (Ecclesia militans) gesehen, als ein Heer, in welchem man an einer anderen Stelle des Frontes, in einer anderen Militäreinheit kämpfte. Niemand war austauschbar, niemand tat dasselbe, man konnte zwar in den härteren Heeresdienst wechseln, musste aber das Bisherige verlassen. Es gab eine Befehlskette, Hierarchie und verschiedene Grade der Verantwortung.

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