Tradition und Glauben

Wieder eine Nonne weg vom Fenster oder wo waren die Oberen?

Das traurige Schicksal der Suor Cristina als Zeichen des Vaticanum Tertium.
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Im Zuge der Lektüre über den singengen Jesuiten Louis Mestdaght (1916-2007), der sich „Troubadour des Heiligen Herzens“ nannte, erinnerte sich DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] vor ein paar Tagen an die „singende Nonne“ – Soer Sourire – alias Jeanne-Paule Marie Deckers (1933-1985). Als er heute die Nachricht von dem Ordensaustritt der Schwester Cristina las, stellte er fest, dass ihn die göttliche Vorsehung wohl auf die Suor-Cristina-Schlagzeile vorbereitete.

Was haben Pater Mestdaght, die „singende Nonne“ und Schwester Cristina gemeinsam?
  1. Alle drei waren Ordensleute.
  2. Alle drei hatten einen Hit und eine kurze Kariere im Showbusiness.
  3. Alle drei traten aus ihrem Orden aus und sind mehr oder weniger elendig verendet.
Pater Mestdagh SJ

Pater Mestdagh SJ hatte den längsten Erfolg von allen dreien. Er trat ab 1957 mit selbst komponierten Liedern auf, nahm 15 Schalplatten auf und drehte 10 Filme.

1960 lernte er eine Frau kennen, die von ihm schwanger wurde, sodass er 1966 aus dem Jesuitenorden austrat. Es folgten Elend, Kinder und eine kleine Stabilisation als Betreiber eines Reisebüros.

Sour Sourire OP

Der singenden Nonne – Soer Sourire – mit ihrem Liedchen „Dominique … nique …nique“ erging es viel schlechter. Sie trat, unter anderem nach einem Streit über die Tantiemen, ebenfalls aus dem Kloster aus, wurde lesbisch, tablettenabhängig, hatte wegen der vermeintlichen Einnahmen aus dem Hit Steuerschulden und beging 1985 mit ihrer „Lebensgefährtin“ Selbstmord.

Nach dem Ordensausstritt

Schwester Cristina Scuccia gewann 2014 die Talent Show The Voice of Italy wurde berühmt, tingelte umher, wonach jetzt der beinahe planmäßige Ordensaustritt erfolgt. Wir können uns denken, was noch folgen wird oder folgen kann, aber auch im Falle, dass sich Suor Cristina später bekehren und ihre jetzige Entscheidung bereuen sollte, so ist Vieles unumkehrbar.

Suor Cristina – Stadien einer Entwicklung qua Zerfall

Der hl. Hieronymus sagte, dass,

„obwohl Gott allmächtig ist, er niemals eine gefallene [geweihte] Jungfrau wieder errichten kann“.

Dieses Hieronymus-Zitat ist recht bekannt, weil es als Argument in den Streitgesprächen sowohl über die Allmacht Gottes als auch über die Jungfräulichkeit diente und der Kirchenvater eine Autorität ist, die immer in diesem Kontext zitiert wurde.

All den drei obengenannten Personen ist gemeinsam, dass sie mit höchst dümmlich-banalen Liedchen berühmt wurden. Bei dem Troubadour gab es diese Kost:

Bei der „Singenden Nonne“ diese:

Bei Suor Cristina das:

Während Pater Mestdagh und Schwester Deckers noch ihre eigenen Kompositionen als singer song writer sangen, sang Suor Cristina Fremdgut.

Niemand von ihnen machte später im Showbiz eine Karriere, denn die Lieder der Ordensleute waren one hit wonders. Das Besondere daran war ja der Ordensstand und die weltliche Betätigung, nicht der Inhalt oder das Talent der Singenden. Aber auch ohne eine Ordensvergangenheit ist es schwierig in der Unterhaltungsindustrie langfristig erfolgreich zu sein, insbesondere für Frauen, wo die Optik ausschlaggebend ist. Ja, es ist sehr tragisch, denn Suor Cristina hat eben ihr Alleinstellungsmerkmal der singenden Nonne aufgegeben. Hübsche und gut singende Damen gibt es wirklich in Hülle und Fülle, aber nur die Wenigsten machen Karriere.

Als DSDZ an diesem Wochenende über Soer Sourire las, wurde er sehr traurig, denn er sah dieses trostlose Leben vor sich, diese Aussichtlosigkeit, die Tröstungsversuche durch Freundin und Tabletten, die Reue, den Stolz und das Ende.

Manche Seelen sind wirklich dafür geboren nur für Gott zu leben und Jesus in ihrem Herzen eine Wohnstätte zu bereiten. Eine Braut Christi zu sein, was, nicht homoerotisch gemeint, auch für Männer gilt. Beim hl. Bernhard von Clairvaux sind dermaßen glühende Passagen der Brautmystik zu finden, dass man seine Heterosexualität in Frage stellen könnte. Natürlich besteht dazu kein Grund. Hl. Bernhardt war einfach eine gefühlsbetonter Mystiker, der Christus sehr liebte. Diese Seelen finden in der Welt keinen Trost, was sie nicht wissen, weil sie die Welt, im Orden verbleibend, nicht kennengelernt haben. Es ist die Verbannung aus dem Paradies, die man sich selbst, wie die Ureltern, bereitet hat. Es ist unwiederbringlich verloren und durch nichts zu ersetzen.

Während aber in der Zeit als Pater Mestdagh – der Jesuit – und Schwester Deckers – die Dominikanerin – ihr Unwesen trieben, man ihren Vorgesetzen zugutehalten konnte, dass sie es nicht besser wussten, da sie sich selbst im „Konzilsfrühling“ befanden, so kann man die heutigen Oberen der Suor Cristina nicht auf diese Weise entschuldigen. 60 Jahre nach dem Konzil weiß man ganz genau, wie die singenden Ordensleute enden und warum sie es tun. Jemand muss doch diesen Ordensleuten die Erlaubnis gegeben haben sich auch diese weltliche Art und Weise zu betätigen. In diesem Clip sieht man, wie die Mitschwestern, vielleicht die Oberin selbst, mit fiebern und sich über den Sieg der eigenen Mitschwester freuen. Sie tragen also eine Mitschuld, wenn sie jetzt so endet. Als würde der Vater einem 8-jährigen Alkohol reichen und sich später wundern, dass das Kind ein Alkoholiker geworden ist. Das Kind dachte aber, dass das Getränkt sicher und gut ist, weil sonst ihm sein Vater es nicht erlaubt hätte. Interessanterweise sind die Juroren des italienischen DSDS schockiert eine Nonne auf der Bühne zu sehen. „Was macht sie in dieser Gesellschaft?“, denken sie.

Im Film Sister Act mit Whoopie Goldberg, der eine fiktive Geschichte erzählt, gibt es noch den streng-konservativen Gegenpol der Mutter Oberin, von Maggie Smith gespielt, die noch weiß, was sich für eine Ordensschwester gehört.

Nonnen vom alten Schlag – jetzt nur noch in Filmen

Ebenso fiktiv ist es, dass die vermeintliche Schwester nach dem Erfolg im Orden bleibt und nicht zurück nach Las Vegas zurückkehrt. Aber vielleicht ist diese Entscheidung deswegen nachvollziehbar, weil Deloris – Sister Mary Clarence gerade aus der Welt kam und ein Gangsterliebchen war? Sie kannte die Welt und die bitteren Kulissen des Showbiz.

Voll Novus Ordo – Presbyterium als Bühne und Musical-Ersatz

Die drei obengenannten Ordensleute taten nicht. Schuld sind aber ihre Oberen, die sie der Welt ausgeliefert haben. Die haben „die größere Sünde“ (vgl. Joh 19, 11). Man sagt, dass der Gehorsam das härteste Gelübde ist. Man überliefert sich blind einem Menschen, von dem man glaubt, dass er die Stimme Gottes ist. Ein hartes Brot.  Wie man aus vielen Heiligenlebensläufen weiß, bedient sich Gott auch der schlimmsten Oberen zum Heil, wenn man aber:

  • seine Standespflichten verrichtet,
  • im Orden verbleibt.

Sicherlich haben sich alle drei immer mehr und mehr von den Ordenspflichten dispensiert, bis nichts mehr von der Ordensidentität übrigblieb und man den Lockungen der Welt nicht widerstehen konnte. Aber es waren dennoch die Oberen, die den ersten Schritt auf dieser schiefen Ebene erlaubten. Bei den ersten Kartäusern unterschrieb der Kandidat eine Erklärung, in der er einwilligte, dass ihn seine Brüder wieder einfangen, sollte er auf die Idee kommen aus dem Kloster der Chartreuse zu fliehen. Das war eine gute Lösung, denn so hatte man den letzten Schutz vor seiner eigenen Dummheit.

Wir leben in den Zeiten des „Dritten Vatikanischen Konzils“, wie man die Bergoglio-Kirche auch noch nennen könnte, wo vermehrt und schneller all die negativen Phänomene auftreten, die in den nachkonziliaren Jahren zum Vorschein kamen. Wozu der Teufel in den 1960-gern ganze Jahre brauchte, das schafft er jetzt innerhalb von wenigen Monaten oder Wochen.  

Wir werden von diesen ständigen Kirchenskandalen müde, abgestumpft und zynisch. Sie werden aber weder erfunden noch mit Absicht aufgepickt, indem man gezielt danach sucht. Sie sickern wie Gift durch den porösen und korrodierten Boden des Tanks ins Grundwasser. Auch wenn wir von diesen Skandalen nichts erfahren, so zersetzen sie die Kirche von innen, wenn gottgeweihte Menschen zum Sitz der Dämonen geworden sind. Zuerst metaphorisch, dann buchstäblich.

Wenn jemand jetzt einwenden wollte, dass erwachsene Menschen selbst wissen sollten, was sie tun, dann irrt er und weiß nichts vom Ordensleben. Man lebt in einer völlig isolierten Welt, mit eigenen Regeln, Verboten, eigener Dynamik und einer eigenen Weltanschauung. Man ist ein Kind in den Kokon der Sicherheit gewickelt und durch die drei Gelübde geistlich geschützt. Weltmenschen haben diesen Schutz nicht und dafür andere Gnaden, denn Gott lässt niemanden zurück.

Man ist im Orden nur bedingt nur bedingt für sich selbst verantwortlich, wenn man sich an die Regel hält. Man kennt kein anderes Leben, wenn man jung eingetreten ist und macht keine weltlichen Erfahrungen, weil man nicht in der Welt lebt. Der Welt ist man also völlig schutzlos ausgeliefert, wenn man sich mit ihr einlässt. Dann zieht Gott seine Gnade zurück und überlässt den Sünder sich selbst. Selbstverständlich gab es auch vor dem Konzil abgefallene Ordensleute, siehe die o.a. Kartäusergeschichte, Luther und Katharina von Bora, aber es waren, von der Reformationszeit abgesehen, immer Einzelfälle und weniger publik. Jetzt weiß jeder alles über jeden, wenn er will und der Fall des Abfalls ist immer sehr öffentlich.

Suor Cristina – vorher und nachher

Wer weiß, vielleicht sind irgendwelche jungen Mädchen ins Kloster eingetreten, weil Suor Cristina ihr Vorbild gewesen ist. Vielleicht war sie das Vorbild anderer Ordensfrauen, die jetzt auf die Scherben ihres Traumes herabsehen können. Ist man eine öffentliche Person, so ist man eine Autorität. Punkt. Ob man will oder nicht. Sicherlich hat ein Dämon, der die Oberen der Suor Cristina lenkte, diesen Zeitpunkt vorausgesehen, da er sich präzise ausrechnen konnte, wie, wo und wann der erste Schritt auf der schiefen Ebene enden würde. Wir sehen wieder einen Crash einer Ordensberufung, teilweise auf eigenen Wunsch.

Das eigentliche Problem aber besteht darin, dass es kaum richtige katholische Orden gibt, was bitterlich Hilary White beweint, wo eine junge Frau mit Berufung hingehen könnte und wo sie auf Obere treffen würde, die ihr in ihrer Berufung helfen könnten. Das Beispiel von Suor Cristina zeigt ja gerade, dass es nicht so ist. Novus Ordo ist leider nicht Katholizismus und solange wir den wahren Katholizismus nicht wieder errichten, werden wir Schicksale wie diese noch öfters sehen. Leider. Beten wir die Bußpsalmen für Suor Cristina, denn sie wird es nötig haben oder wenigstens für die Menschen, denen sie ein Ärgernis bereitet hat. Jemandem wird es sicherlich helfen.

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