Tradition und Glauben

Wir haben einen dritten Ritus – den anglikanischen

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[Das Bild zeigt eine „Lokale Besonderheiten Englands aus der Zeit um 1500“ nach Ambrosios auf kath.net: das Hängen von Katholiken in England und Wales ]

Eine wenig beachtete Nachricht auf kath.net berichtet, dass unser Papst Franziskus ab dem 29.12.2015 einen neuen Messritus für die Ex-Anglikaner beschlossen hat.[1] Es gibt also in den drei Ex-Anglikaner Ordinariaten ein neues Messbuch. Wir haben also in der katholischen Kirche, die sich einst bis 1962 einer einheitlichen Liturgie rühmte, die unierten Orthodoxen und die Sonderformen des westlichen beiseite lassend, drei Riten und die gnostisch-neokatechumenale Form dazurechnend eigentlich vier:

  1. Novus Ordo
  2. Vetus Ordo
  3. Anglikanischen Ritus
  4. Sonderform des Neokatechumenats

Ad 1. Novus Ordo Ad 4. Neokatechumenat

Da jede Novus Ordo Messe eine fast unbegrenzte Anzahl von legalen und legitimen Optionen hat,[2] so stellt sich natürlich die Frage, ob es wirklich den einen Novus Ordo Ritus gibt. Aber lassen wir diese Thematik vorerst beiseite. Ebenso wie die „Liturgie“ des Neokatechumentas.

Ad 2. Vetus Ordo

Vetus Ordo Ritus war angeblich nicht verboten, angeblich war er es doch, „die einen sagen so, die anderen so“. Benedikt XVI meinte, dass er war nicht verboten war, brachte ihn aber mit Summorum Pontificum wieder legal in die Kirche zurück. So war er vielleicht doch verboten? Er ist in den Ecclesia Dei Gemeinschaften erlaubt und wehe eine Ordensgemeinschaft kommt, wie die Franziskaner der Immaculata, aus dieser Enklave raus und hat sogar noch Berufungen. Dann wird sie kurzerhand verboten. So einfach ist es.

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Ad 3. Der Anglikanische Ritus – wohl Ritus Anglorum zu nennen

Es stellt sich wirklich die Frage, warum man für Konvertiten, die deswegen ihre alte Kirche zurückgelassen haben, um sich der wahren Kirche anzuschließen einen Ritus entwickelt, der Elemente dieser alten Religion enthält? Denn, so sagen die „Macher“, u.a. der Wiener Liturgiewissenschaftler Hans-Jürgen Feulner:

Feulner sagte am Donnertag „Kathpress“ gegenüber, er sehe in der neuen Liturgie nicht nur einen „primären Garant für die dauerhafte Existenz“ der Ordinariate, sondern einen Mehrwert für die ganze Kirche: „Die liturgischen Feierformen nähren und bereichern die römische Liturgie, und sie können Vorbild für künftige Sonderformen von anderen aus der reformatorischen Tradition stammenden Gruppen sein.“[3]

 Dies bedeutet im Klartext:

  1. Mehrere Pfingstler konvertieren, so entwerfen wir für sie, kundenfreundlich und kundenspezifisch, einen Messritus, der die pfingstlerische Elemente enthält: Zungengebet, „Toronto Blessing“, „heiliges Lachen“, „heiliges Bellen“, „heilige-was-weiß-ich-noch“.[4]
  2. Mehrere Calivinisten konvertieren, so wird ein Messbuch mit calvinistischen Elementen: Reprobation-Prädestination entworfen.
  3. Mehrere Lutheraner konvertieren …..
  4. Mehrere Juden konvertieren ….
  5. Mehrere Moslems konvertieren ….
  6. Mehrere Hinduisten konvertieren ….
  7. Mehrere Satanisten konvertieren….
  8. Mehrere Atheisten konvertieren ….

Dieser Logik zufolge, muss alles kundengerecht umgeschrieben werden, wohl damit sie sich die neuen Mitglieder, in manchen Länder auch zahlende Mitglieder, „bei und wohlfüllen“. Es scheint der erste Schritt zu sein, denn:

Feulner: „Es wird deutlich gemacht, dass die Personalordinariate mit ihrer Eigenliturgie nicht ein vorübergehendes Phänomen sind, sondern auf Dauer angelegt sind und einen rechtmäßigen Platz innerhalb der katholischen Weltkirche haben.“[5]

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 Aha, gut zu wissen. Wenn man aber das, was man verlassen hat, weil die Missstände unter den Anglikanern sogar für Anglikaner zu groß wurden (Frauenweihe, Homosexuelle Bischöfe etc.), wenn man das Verlassene in der neuen, katholischen Kirche wiederfindet, so fragt man sich natürlich, warum man überhaupt konvertiert ist? Und genau dies wollen die neuen liturgischen Reformatoren, leider mit dem Segen des Papstes, bezwecken. Wenn wir die Ex-Anglikaner nicht an der Konversion hindern können, so setzen wir ihnen etwas vor, was sie abwenden wird. Wenn jemand daraufhin einwendet, dass bei den unierten Orthodoxen die Liturgie auch beibehalten worden ist, so antworten wir darauf, dass dies keine Häretiker, sondern Schismatiker waren und ihre Liturgie schon von der Alten Kirche herstammt. Sie wurde nicht, wie im Anglikanismus durch die Reformen von Cranmer der Fall war, daraufhin entworfen, um mit dem Katholizismus zu brechen. Mehr dazu findet man bei Michaels Davies „Cranmer’s Godly Order“[6], wenn auch wir Davies direkte Übertragung von Cranmer auf das Vatikanum II nicht teilen, denn die Intention war doch ein wenig anders. Warum sollen jetzt in einem katholischen Messritus häretische, denn anglikanische, Elemente vorhanden sein? Einige unserer Leser werden sagen, dass sie im Novus Ordo sowieso vorhanden sind. Dies ist aber eine Interpretationssache. War den der Novus Ordo den Ex-Anglikanern nicht zuzumuten? Hatte man Angst, dass sie sich gänzlich dem Vetus Ordo zuwenden? Wohl schon, da die anglikanische Liturgie viel näher dem Vetus als dem Novus Ordo zu sein scheint.[7] Wie stark heiligen muss doch Vetus Ordo wirken, wenn er so bekämpft wird.

Kath. Net berichtet:

Das neue Missale wie auch schon das im Vorjahr veröffentliche Rituale mit der Tauf-, Trauungs- und Begräbnisliturgie unter der Bezeichnung „Divine Worship“ stellten wichtige Elemente des anglikanischen Erbes dar, das in die katholische Kirche eingebracht werden konnte.

Warum soll man etwas in die katholische Kirche von der Häresie einbringen? Die Kirche hat schon alles. Man will doch irgendwie die armen Ex-Anglikaner verwirren und in die Irre leiten, denn sie scheinen einen Zuwachs von Heiligkeit für die Kirche zu bedeuten. Sollen sie doch die Messen feiern, die in der Kirche zulässig sind. Wenn die Liturgie nur ein wenig „Brimborium“ ist, dann ist es doch gleich, was sie feiern. Nein, es ist nicht gleich, denn Vetus Ordo wirkt sehr heiligend, Novus Ordo weniger, aber dennoch etwas und deswegen musste ein drittes Ordo her, um diese Heiligkeit auszuschalten. In Rom hat man ein sehr feines liturgisches Gespür – nur ein umgekehrtes. Man hat auch in der Amtskirche sehr feine Kommentatoren, die ohne direkt zu lügen, nicht die Wahrheit sagen. So fragt auf kath.net ein Leser:

Stellen die übergetretenen Anglikaner nun so eine Art „unierte Kirche“ innerhalb der katholischen Kirche dar, (wie z. B. die griech.-kath. Kirche)?

 Darauf antwortet der Poster Ambrosios:

Kirchenrechtlich ist das ein bisschen anders, aber faktisch ist das so. Freilich sollte man nicht vergessen, dass auch der anglikanische Ritus letztlich direkt vom römischen Ritus abstammt und nur einige lokale Besonderheiten Englands aus der Zeit um 1500 bewahrt hat (und durch die Reformation einige, wenige Änderungen erfuhr). Solche Besonderheiten haben auch die Ordensliturgien (z.B. die der Dominikaner oder Kartäuser).

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Im Grunde kann man die übergetretenen Anglikaner auch als Prä-Petrusbrüder ansehen. Wie man den Petrusbrüder die Tridentinische Messe zugesteht (und damit eine Messform, die das 2. Vatikanum als dringend reformbedürftig ansah), so gesteht man den katholischen Anglikanern eine Messform zu, die das Tridentinum als reformbedürftig ansah.

Wenn es der Verständigung und Befriedung dient, ist dagegen nichts einzuwenden. Außerdem sind wir um eine Rituskirche innerhalb der katholischen Kirche reicher, die den Pflichtzölibat nicht kennt!

 Hier die vorläufige Fehlerliste:

  1. Kirchenrechtlich ist es sehr anders, da die Anglikaner niemals ein Teil der römisch-katholischen Kirche waren, sodass das katholische Kirchenrecht auf sie nicht anwendbar war oder ist.
  2. „Lokale Besonderheiten Englands aus der Zeit um 1500“ die war das Abschlachten von Katholiken unter Heinrich dem VIII und Elisabeth I. Cranmers Reformen, Märtyrer etc. (siehe unser Bild oben).
  1. Ambrosios stellt es so dar, als wäre der „anglikanische Ritus“ ein katholischer, wie bspw. der mozarabische oder dominikanische Ritus, was er niemals war.
  2. „Im Grunde kann man die übergetretenen Anglikaner auch als Prä-Petrusbrüder“ – ein starkes Stück. Die einen waren Häretiker, die anderen katholisch.
  3. Man gesteht also jedem, was er möchte und hat ein weiteres Exponat in seinem Zoo.
  4. „Wenn es der Verständigung und Befriedung dient, ist dagegen nichts einzuwenden.“
  5. „Außerdem sind wir um eine Rituskirche innerhalb der katholischen Kirche reicher, die den Pflichtzölibat nicht kennt!“ Um welche Rituskirche?! Die sind doch ausgetreten und jetzt römisch-katholisch!!! „Das Pflichtzölibat“ – da drückt also den Ambrosius der Schuh, was die Verwirrung seines Geistes oder den großen Zynismus dieser Aussagen erklärt.

Aber so wird man wohl die Sache „zu verkaufen“ wissen, wie man es im Marketing gelernt hat. Vielleicht wollten die armen Ex-Anglikaner ganz normal katholisch werden, aber Rom sagte: „Nein“ ihr werden eine eigene „Rituskirche“. Alles ist möglich. Den Konvertiten macht man es nicht leicht, den eigenen Leuten schon gar nicht. Kyrie eleision (nicht nach Bischof Williamson).

[1] http://www.kath.net/news/53071

[2] Nachgerechnet hier: https://traditionundglauben.com/2015/07/03/dom-prosper-gueranger-osb-leben-und-werk-6/

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[3] http://www.kath.net/news/53071

[4] Wie es im Einzelnen aussieht, kann man bspw. hier sehen https://www.youtube.com/watch?v=-0Ii5T2qcsA https://www.youtube.com/watch?v=_wZCifteHtc oder einfach Stichwort „Toronto Blessing“ bei youtube eingeben.

[5] http://www.kath.net/news/53071

[6] Ausschnitte hier: http://www.catholictradition.org/Eucharist/cranmer.htm Zu kaufen hier: http://www.amazon.com/Cranmers-Godly-Order-Destruction-Catholicism/dp/0912141247

[7] http://www.kathtube.com/player.php?id=32965 http://www.kathtube.com/player.php?id=39131

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