Zwei Kardinäle und drei Bischöfe, Erklärung der Wahrheiten (1 von 8)

Obwohl die ganze “Erklärung der Wahrheiten” nicht allzulang ist und 3506 Wörter zählt, so wollen wir sie in kleinere Abschnitte unterteilen, um den Gegebenheiten des Lesens auf digitalen Geräten Rechnung zu tragen. Der erste Teil: “Die Grundlagen des Glaubens” geht einfach vom logischen Satz von der Identität aus, wonach A = A ist. Dies bedeutet auf die Kirche angewendet, dass die katholische Kirche von 1046 mit der Kirche von 2019 und der Kirche von 1845 identisch ist. Es ist dieselbe Kirche. Ansonsten wäre keine Identität vorhanden und jedes Jahr oder alle 10 Jahre müsste sich die Kirche selbst neu erfinden, indem Sie von A zu A’, von A’ zu A” etc. werden würde. Zwar wird unsere bürstenschnittige Pastoralassistentin bei den unendlich langweiligen Fortbildungen im Ordinariat gerade darüber belehrt, dass “wir eine Kirche für unsere Zeiten brauchen”, aber dieser Satz kann nur dann für das Katholische gerettet werden, wenn so verstanden wird, dass man die unveränderlichen Inhalte A der unveränderlichen und selbstidentischen Kirche A den Menschen des Jahres 2019 vermittelt. Die Lehre bleibt fest, Gott bleibt wahr, es ist die Welt, die sich verändert. Die Unterzeichner der “Erklärung der Wahrheiten” gehen indirekt auf etwas ein, was wirklich das unverrückbare “Dogma” oder eher ein Anti-Dogma der Anti-Kirche darstellt. Es ist die Irrlehre von der “Evolution des Dogmas” wie sie in Pascendi (1907) verurteilt wurde:

“Hier ist das allgemeine Prinzip [, den Glauben in modernistischer Weise zu erklären]: in einer Religion, die lebt, gibt es nichts, was nicht veränderlich und deshalb zu verändern wäre. Von da aus machen sie den Schritt zu dem, was in ihren Lehren wohl das Hauptstück ist, nämlich zur Evolution. Demnach müssen das Dogma, die Kirche, der gottesdienstliche Kult, die Bücher, die wir als heilig verehren, ja sogar der Glaube selbst – wenn wir nicht wollen, daß dies alles abgestorben sei – den Gesetzen der Evolution unterworfen sein.” (DH 3493)

Dieser Satz wäre nur dann haltbar, wenn die Religion etwas ausschließlich Menschengemachtes wäre wie Mode, Baugewerbe, Technik. Weil sich die Menschen verändern, verändert sich auch das, was sie schaffen, jedoch nur insoweit, inwieweit bestimmte objektiven Gesetze diese Veränderungen bestimmen und hemmen. In der Mode müssen Sie nolens volens die menschliche Anatomie beachten, die Funktionalität der Kleidung, ist bei einem Menschen doch anders als bei einem Oktopus . Es gibt wohl auch die Einschränkung der Schnitte, der Stiche und der Möglichkeit etwas zu überhaupt nähen zu können, was der reinen Kreativität Grenzen setzt, vom Verkaufsaussichten ganz zu schweigen. Im Baugewerbe hat man mit Statik, Mathematik und Physik zu rechnen, in der Technik ebenso. Darüber herrscht die Materialkunde, welche vieles ebenso einschränkt. Dies bedeutet, dass auch im rein Menschlichen eine Veränderung nur in bestimmten Rahmen ablaufen und keine hegelianische Evolution von A zu Nicht-A stattfinden kann. Im Jahre 1972 hat es zwar das Buch von Herbert Haag “Anfang vom Teufel” gegeben, aber ein Buch, das damals nicht erschienen ist und welches über die nachkonziliare Theologie  handeln sollte, hätte sich “der Abschied von Logik” nennen können. Nach 1962 wurde der Satz von der Identität, vom Widerspruch und vom ausgeschlossenen Dritten in der katholischen Theologie aufgehoben, zugunsten des “Jedoch-Aber-Wenn” oder des hegelianische Übergangs von A zu Nicht-A, was ein großer Unsinn ist. 

Für alle, die es wirklich nicht wissen: Gott ist unveränderlich (incommutabilis) (DH 800, 3001) und das er sich selbst offenbart, ist seine Offenbarung ebenfalls unveränderlich. Gott ist die Wahrheit selbst, er ist wahr (verax), er kann demnach nicht mit sich selbst im Widerspruch liegen (DH 3008), sodass er auch die absolute logische Wahrheit ist, da sich seine Erkenntnis mit dem von ihm Erkannten deckt. Weil Gott eine von Logik durchsetzte Welt geschaffen hat, welche sein Wesen abbildet, so ist Gott auch logisch, nicht in diesem Sinne, dass er der Logik unterworfen wären, sondern dass sie mit ihm gleichsam identisch ist. Die Dogmatik von Diekamp-Jüssen, fasst diese Wahrheit hinsichtlich der Eigenschaft der Allmacht Gottes wie folgt auf:

“Von Gottes Allmacht ist nur das ausgemonnem, was mit seiner unendlichen Vollkommenheit unvereinbar und was in sich selbst widerspruchsvoll ist [also eine Mißachtung der Logik Red.]. Er kann sich nicht irren [da er wahr ist Red.], nicht sündigen [da er heilig ist Red.], sich nicht von Ort zu Ort bewegen [da er unveränderlich, unbeweglich und allgegenwärtig ist Red.], Geschehen nicht ungeschehen machen [weil dies in sich widerspruchsvoll wäre Red.] u. dgl.” (Katholische Dogmatik, Alverna: Wil 2012, 240) 

Und was hat das mit der Erklärung der Kardinäle und der Bischöfe zu tun? Das, dass Gott immer dasselbe durch seine Kirche lehrt, will er mit sich selbst nicht in Widerspruch sein kann. Ein “Gott der Überraschungen” ist kein wahrer Gott und es ist die nominalistische Falschlehre, welche von Luther und anderen Reformatoren übernommen wurde, dass Gott über den Gesetzen der Logik steht und daher völlig unvorhersehbar, launisch, tyrannisch und unberechenbar ist. Wir müssen uns diesem “Gott” dennoch fügen, weil wir keine andere Wahl haben. Kurz und gut: Widerspruch in der Lehre oder ihrem Verständnis kommt nicht von Gott. Punkt.

“Die Kirche des lebendigen Gottes ist Säule und Fundament der Wahrheit“ (1 Tim 3, 15)


Erklärung der Wahrheiten in Bezug auf einige der häufigsten Irrtümer im Leben der Kirche unserer Zeit

Die Grundlagen des Glaubens

  1. Die richtige Bedeutung der Ausdrücke ‘lebendige Überlieferung’, ‘lebendiges Lehramt’, ‘Hermeneutik der Kontinuität’ und ‘Lehrentwicklung’ enthält die Wahrheit, dass, welch immer neue Einsichten in das Glaubensgut auch ausgedrückt werden, diese jedoch nicht dem widersprechen können, was die Kirche immer in „derselben Lehre, in demselben Sinn und in derselben Auffassung“ vorgelegt hat (vgl. I. Vatikanische Konzil, Dei Filius, 3. Sitzung, Nr. 4: „in eodem dogmate, eodem sensu, eademque sententia“).
  2. „Der Sinn der dogmatischen Formeln selbst aber bleibt in der Kirche immer wahr und konstant, auch wenn er mehr erhellt und vollständiger erkannt wird.“ Deshalb ist die Meinung falsch, die sagt, dass „erstens die dogmatischen Formeln (oder gewisse Arten von ihnen) die Wahrheit nicht bestimmen, sondern nur veränderlich approximativ bezeichnen und dabei verunstalten oder verändern; zweitens die Wahrheit nur unbestimmt bezeichnen, die man ständig durch die genannten Annäherungswerte suchen müsse. Wer eine solche Meinung annimmt, entgeht nicht einem dogmatischen Relativismus und verfälscht den Begriff der Unfehlbarkeit der Kirche, die sich auf die Lehre und das Festhalten der Wahrheit in bestimmter Gestalt erstreckt“ (Glaubenskongregation, Erklärung „Mysterium Ecclesiae über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute“, 5).

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