Zwei Kardinäle und drei Bischöfe, Erklärung der Wahrheiten (4 von 8)

Was ist das Verhängnisvolle an Amoris Laetitia?

Dass dieses Dokument einen Zwang zur Sünde oder eine Unmöglichkeit der Tugend feststellt (AL 298). Ferner stellt es fest, dass eine schwere Sünde manchmal “in besonderen Einzelfällen”, wie man gerne in Deutschland sagt, keine solche ist (AL 300, 305). Fassen wir es zusammen:

  • das Gute ist unerfüllbar,
  • das Böse ist das Gute.

Was ist das?

Es ist die Gnosis, es ist der fortgeschrittene Protestantismus. So schreibt Luther:

“Denn er [der Mensch Red.] ist ein Gefangener der Sünden und ist somit zur Entscheidung für das Gute in Gottes Sinne nicht fähig.” [Martin Luther: Vorlesung über den Römerbrief (1515/1516). Zeno.org: Martin Luther: Werke, S. 617 (vgl. Luther-W Bd. 1, S. 209) (c) Vandenhoeck und Ruprecht]

Während aber Luther diese angebliche conditio humana auf alle Situationen bezog, bezieht es AL nur auf Sex:

298. Die Geschiedenen in einer neuen Verbindung, zum Beispiel, können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, ohne einer angemessenen persönlichen und pastoralen Unterscheidung Raum zu geben. Es gibt den Fall einer zweiten, im Laufe der Zeit gefestigten Verbindung, mit neuen Kindern, mit erwiesener Treue, großherziger Hingabe, christlichem Engagement, mit dem Bewusstsein der Irregularität der eigenen Situation und großer Schwierigkeit, diese zurückzudrehen, ohne im Gewissen zu spüren, dass man in neue Schuld fällt. Die Kirche weiß um Situationen, in denen »die beiden Partner aus ernsthaften Gründen – zum Beispiel wegen der Erziehung der Kinder – der Verpflichtung zur Trennung nicht nachkommen können «.[329] Es gibt auch den Fall derer, die große Anstrengungen unternommen haben, um die erste Ehe zu retten, und darunter gelitten haben, zu Unrecht verlassen worden zu sein, oder den Fall derer, die »eine neue Verbindung eingegangen [sind] im Hinblick auf die Erziehung der Kinder und […] manchmal die subjektive Gewissensüberzeugung [haben], dass die frühere, unheilbar zerstörte Ehe niemals gültig war «.[330] Etwas anderes ist jedoch eine neue Verbindung, die kurz nach einer Scheidung eingegangen wird, mit allen Folgen an Leiden und Verwirrung, welche die Kinder und ganze Familien in Mitleidenschaft ziehen, oder die Situation von jemandem, der wiederholt seinen familiären Verpflichtungen gegenüber versagt hat. Es muss ganz klar sein, dass dies nicht das Ideal ist, welches das Evangelium für Ehe und Familie vor Augen stellt. Die Synodenväter haben zum Ausdruck gebracht, dass die Hirten in ihrer Urteilsfindung immer »angemessen zu unterscheiden «[331] haben, mit einem » differenzierten Blick « für » unterschiedliche Situationen «.[332] Wir wissen, dass es » keine Patentrezepte «[333] gibt.

Fußnote 329: Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981), 84: AAS 74 (1982), S. 186. Viele, welche die von der Kirche angebotene Möglichkeit, „wie Geschwister“ zusammenzuleben, kennen und akzeptieren, betonen, dass in diesen Situationen, wenn einige Ausdrucksformen der Intimität fehlen, »nicht selten die Treue in Gefahr geraten und das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden [kann]. « (Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute, 51).

Falls Sie hier kaum durchblicken, so sind Sie nicht allein. Was sagt AL 298:

  1. Man lebt in einer neuen Verbindung also im Ehebruch.
  2. Man spürt subjektiv nicht, dass man sündigt.
  3. Man sprüt dafür, dass die frühere Verbindung, also die Ehe, vielleicht ungültig gewesen ist.
  4. Hat man keinen ehebrecherischen Sex, so kann das Kind in Mitleidenschaft gezogen werden.

Man kann natürlich für Ehebruch eine andere Sünde einsetzen. Nehmen wir das Priesterkonkubinat:

  1. Man lebt im Priesterkonkubinat also im Zölibatsbruch.
  2. Man spürt subjektiv nicht, dass man sündigt.
  3. Man spürt dafür, dass das Zölibatsversprechen und die Weihe selbst vielleicht ungültig gewesen ist.
  4. Hat man keinen sakrilegischen Sex, so kann die eigene Persönlichkeitsentwicklung in Mitleidenschaft gezogen werden.

Nehmen wir aber auch Unterschlagung, z.B. eines Bankers, der sich aus den Einlagen seiner Kunden bedient:

  1. Man unterschlägt seit längerer Zeit Geld begeht also Diebstahl, Unterschlagung, Untreue etc. 
  2. Man spürt subjektiv nicht, dass man sündigt.
  3. Man spürt dafür, dass das Treueversprechen und die Dienstvorschriften selbst vielleicht ungültig gewesen sind.
  4. Unterschlägt man nicht so kann die eigene Persönlichkeitsentwicklung in Mitleidenschaft gezogen werden, weil man nicht in Saus und Braus leben kann.

Die Einhaltung der Denkweise von AL wie in den Punkten 1. bis 4. dargestellt führt doch zur Aufhebung einer jeglichen Rechtsnorm, Moral und schließlich zur Anarchie, denn wenn sich jeder alles so deutet, wie es ihm passt, dann gibt es keine Norm mehr, da nach AL 298:

Die [Menschen] […], können sich in sehr unterschiedlichen Situationen befinden, die nicht katalogisiert oder in allzu starre Aussagen eingeschlossen werden dürfen, […].

Aber gibt es keine Norm, dann gibt es keine Sünde, außer den “Kirchensteuersünden” natürlich. Es bleibt noch zu erwähnen, dass in der Fußnote zitieren Familiaris consortio und Gaudium et Spes von ehelichen Pflichten also ehelichem Sex innerhalb der Ehe und nicht außer der gültig geschlossenen Ehe handeln. 

Das Gesetz Gottes

12. Eine gerechtfertigte Person hat die notwendige Kraft, mit Gottes Gnade die objektiven Forderungen des Göttlichen Gesetzes zu erfüllen, weil alle Gebote Gottes für den Gerechtfertigten möglich sind. Wenn die Gnade Gottes den Sünder rechtfertigt, bewirkt sie kraft ihrer Natur eine Abkehr von allen schweren Sünden (vgl. Konzil von Trient, Dekret über die Rechtfertigung, Kap. 11; Kap. 13).

13. „Die Gläubigen sind verpflichtet, die spezifischen, von der Kirche im Namen Gottes, des Schöpfers und Herrn, vorgelegten und gelehrten sittlichen Gebote anzuerkennen und zu achten. (…) Die Gottesliebe und die Nächstenliebe sind nicht zu trennen von der Einhaltung der Gebote des Bundes, der im Blut Jesu Christi und durch die Gabe des Geistes erneuert wurde“ (Johannes Paul II., Veritatis splendor, 76). Gemäß der Lehre derselben Enzyklika ist die Meinung derjenigen falsch, die „glauben, die freie und bedachte Wahl von Verhaltensweisen, die den Geboten des göttlichen und des Naturgesetzes widersprechen, als sittlich gut rechtfertigen zu können.“ Deshalb „können sich diese Theorien nicht auf die katholische moralische Tradition berufen“ (Ebd.).

14. Alle Gebote Gottes sind gleich gerecht und barmherzig. Deshalb ist die Meinung falsch die sagt, dass eine Person durch den Gehorsam im Bezug auf ein göttliches Verbot – wie z. B. das sechste Gebot, die Ehe nicht zu brechen – durch diesen Akt des Gehorsams gegen Gott sündigen, sich selbst moralisch schädigen, oder gegen eine andere Person sündigen kann.

15. „Kein Umstand, kein Zweck, kein Gesetz wird jemals eine Handlung für die Welt statthaft machen können, die in sich unerlaubt ist, weil sie dem Gesetz Gottes widerspricht, das jedem Menschen ins Herz geschrieben, mit Hilfe der Vernunft selbst erkennbar und von der Kirche verkündet worden ist“ (Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae, 62). Es gibt moralische Prinzipien und moralische Wahrheiten, die in der göttlichen Offenbarung und im natürlichen Sittengesetz enthalten sind, die negative Verbote einschließen, die bestimmte Arten von Handlungen absolut verbieten, insofern als diese Art von Handlungen immer ein schweres Unrecht hinsichtlich ihres Objekts darstellen. Daher ist die Meinung falsch, dass eine gute Absicht oder eine gute Folgetat ausreichend sei oder sein könne, um die Durchführung solcher Handlungen zu rechtfertigen (vgl. Konzil von Trient, sess. 6 de iustificatione, c. 15; Johannes Paul II., Apostolische Exhortation, Reconciliatio et Paenitentia, 17; Enzyklika Veritatis Splendor, 80).

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