05. Feste in Mai Unser Archiv:

Zweiter Tag innerhalb der Oktave vom heiligen Josef

Evangelium vom Fest des Hl. Josef, Gemahl der hl. Jungfrau Maria, Bekenner und Schutzpatron der ganzen Kirche

Luk 3, 21-23

Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Jesus war etwa dreißig Jahre alt, als er zum ersten mal öffentlich auftrat. Man hielt ihn für den Sohn Josefs.

Predigtext des Kirchenvaters

Vierte Lesung

Aus der Predigt des heiligen Bernardin von Siena. Da zwischen Maria und Josef ein ganz wirkliches Ehebündnis auf Gottes Eingebung geschlossen worden war und in der Ehe eine Einheit der Seelen in dem Gerade zustande kommt, als das als eine Person Gemahl und Gemahlin gelten, sodass diese Einheit in gewissen Sinne die höchste genannt werden kann, wie kann ein rechtdenkender Sinn sich da vorstellen, dass der Heilige Geist mit der Seele einer solchen Jungfrau zu einer solchen Einheit eine Seele verbindet, wenn diese ihr nicht ganz ähnlich wäre in der Übung von Tugenden? Deshalb glaube ich, dass dieser Mann, der heilige Josef, der Reinste war in der Jungfräulichkeit, der sich am tiefsten Erniedrigende in der Demut, der Glühendste in der Liebe und in der Begeisterung für Gott der am höchsten Aufsteigende in der Betrachtung. Und weil die Jungfrau wusste, dass dieser ihr vom Heiligen Geiste zum Gemahl gegeben war und zum treuen Behüter ihrer Jungfräulichkeit und dazu, dass er mit ihr die innigste Liebe und die hingebendste Sorge gegenüber dem ganz göttlichen Kinder teilen sollte, deshalb glaube ich, dass sie mit der ganzen Innigkeit ihres Herzens diesen heiligen Josef in aller Aufrichtigkeit liebte.

Fünfte Lesung

Josef hatte gegen Christus eine ganz glühende Liebe. Wer wollte es leugnen, ich beschwöre ihn, dass ihm, wenn er Christus in den Armen hielt oder mit ihm plauderte, Christus sowohl als Kind wie als Jüngling Gefühle und Süßigkeiten von sich selbst, für die wir keinen Namen haben, anregte und einprägte, und dies unter der äußeren Hilfe seitens der Lieblichkeit Christine mit seinen kindlichen Blicken, Anreden und Umarmungen? O wie viele süße Küsse hatte von ihm empfangen! O mit welcher Süßigkeit hörte er den lallenden Kleinen in Vater nennen, und mit welcher Lieblichkeit fühlte er sich so süß umarmen! Bedenke auch noch, mit welchem Mitleid er auf den Wanderungen, die sie machten, den kleinen Jesus, und zwar den mit Anstrengungen ermüdeten, als etwas größer war, in seinem Schoße ausruhen ließ! Er fühlte sich doch in der ganzen, einen Menschen umwandelnden Liebe zu ihm wie zu seinem liebsten Kinde hingezogen, dass ihm von seiner jungfräulichen Gattin durch die Wirkung des Heiligen Geistes geschenkt worden war.

Sechse Lesung

Deshalb sagte die so kluge Mutter, die seine Herzlichkeit aus Erfahrung kannte, zu ihrem im Tempel wiedergefundenen Sohne Jesus: Kind, warum hast du uns solches getan? Bedenke doch, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Zum Verständnis dieses Wortes ist zu bemerken, dass Christus in sich zwei Arten von Geschmack enthält, des Süßen und des Schmerzenden; und weil der so heilige Josef dieser beiden Geschmacksarten in wunderbarer Weise teilhaftig geworden ist, deshalb nennt ihn die heilige Jungfrau eigenartigerweise den Vater Christi. An dieser Stelle allein nennt die heilige Jungfrau Josef den Vater Jesu, weil das Gefühl des Schmerzes, den er über den Verlust Jesu hatte, in ihm eine wahre väterliche Herzlichkeit gezeigt hatte. Wenn nämlich nach den von Gott bestätigten menschlichen Gesetzen ein Außenstehender jemand als Kind annehmen kann, muss umso mehr vor dem heiligen Josef von seiner so heiligen Gemahlin unter der bewunderungswürdigen heiligen Hülle der jungfräulichen Ehe geschenkte Sohn Gottes sein Sohn genannt werden und als solcher auch gelten, weil in ihm der Geschmack einer väterlichen Liebe und eines väterliche Mitleids gegenüber dem geliebten Jesus war.

Auslegung des Evangeliums

Siebte Lesung

Auslegung vom heiligen Bischof Augustin. Und doch brauchte dem Josef der Name Vater Christi nicht aus dem Grunde vorenthalten zu werden, weil er ihm nicht auf Grunde ehelicher Gemeinschaft das Leben geschenkt hatte, zumal er doch auch Vater eines solchen sein könnte, den er ohne Zeugung aus seiner Gattin von anderswo sich als Kind angenommen hätte. Zwar wurde Christus auch im anderen Sinne als Sohn Josefs angesehen, als ob er aus seiner leiblichen Natur stammte, aber er wurde von denen als solcher angesehen, denen Marias Jungfräulichkeit unbekannt war. Denn Lukas sagt: „Und Jesus selbst wurde, als er gerade 30 Jahre alt war, in sein Wirken eingeführt, und zwar, wie er allgemein galt, als Sohn Josephs.“ Und doch hat Lukas kein Bedenken getragen, nicht allein Maria als Mutter, sondern beide als seine Eltern zu bezeichnen, wenn er sagt: „Das Kind aber wuchs und wurde stärker, voll von Weisheit, und die Furcht Gottes ruhte auf ihm; und es gingen seine Eltern alle Jahre nach Jerusalem am Paschafest.“

Achte Lesung

Aber damit jemand meinte, hier seien unter der Bezeichnung „Eltern“ die Blutsverwandte Marias mit seiner Mutter selbst zu verstehen, was wird er darauf sagen können, dass auch Lukas selbst oben gesagt hat: „Sein Vater und seine Mutter war erstaunt über das, was von ihm gesagt wurde?“ Da er also selbst berichtet, dass Christus nicht aufgrund ehelicher Gemeinschaft Josefs, sondern von Maria als Jungfrau geboren ist, aus welchem Grunde anders nennt er ihn denn seinen Vater, als weil wir einerseits uns richtig einen Gemahl Marias denken ohne leibliche Gemeinschaft aufgrund des ehelichen Bandes selbst, und weil wir deshalb ihn auch in die viel innigerem Sinne als Vater des von seiner Gemahlin geborenen Christus ansehen, als wenn anders woher als Kind angenommen worden wäre? Und darum war es, auch wenn jemand nachweisen könnte, dass Maria keine Blutsverwandtschaft mit David habe, gemäß dieser Begründung genügend Christus als Davids Sohn anzuerkennen; und aus diesem Grunde ist auch Josef als sein Vater bezeichnet worden.

Neunte Lesung

Lukas zählt jedoch nicht am Anfang seines Evangeliums, sondern nach der Taufe Christi die Stammbaumsglieder auf nicht heruntersteigend, sondern aufsteigend, gleichsam als ob er den mit der Sühne der Sünden beschäftigten Priester mehr bezeichnen wollte, und zwar bei der Gelegenheit, wo ihm eine Stimme vom Himmel offenbarte, wo Johannes eine Erklärung abgab mit den Worten: „Das ist der die Tilger des Sündenelends der Welt.“ Im Hinaufsteigen aber geht er über Abraham hinaus und gelangt zu Gott, mit dem wir durch die Reinigung und Sühne versöhnt werden. Mit Recht begann er auch von der Annahme an Kindes statt, insofern als wir durch eine solche Annahme Kinder Gottes werden durch den Glauben an den Gottessohn. Zur Genüge aber hatte gezeigt, dass er nicht deshalb Josef einen Sohn Helis nannte, weil er von diesem abstammte, sondern weil er von ihm als Sohn angenommen war; und darum hat er auch Adam einen Sohn Gottes genannt, weil er von Gott geschaffen aber aufgrund der Gnade, die er nachher durch die Sünde verlor, gleichsam als sein Sohn in das Paradies hineingestellt war.

Kirchengebet

Oh Gott, der du in deiner unaussprechlich wunderbaren Vorsehung dich gewürdigt hast, den heiligen Josef zum Gemahl deiner heiligsten Mutter auszuwählen, verleihe uns, wir bitten dich, die Gnade, dass wir an ihm, die wir als unseren Beschützer auf Erden verehren, einen Fürsprecher im Himmel haben. Durch unsern Herrn. Amen.

Quelle: Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet Teil II, S. 783 f.

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablaß, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gwährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

 

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2 Kommentare

  1. Tom says:

    Ich habe einmal gelesen, dass es keine Reliquien (Knochen) vom hl. Josef gibt und dass es wohl künftigen Generationen vorbehalten ist, sein Grab bzw seine Gebeine aufzufinden. Sein Leib ruht also noch irgendwo, vielleicht unverwest. Vielleicht ist das auch ein Zeichen dafür, dass er der Beschützer der Kirche insgesamt ist, und nicht nur einzelner Kirchen oder Klöster, die ihm geweiht sind?!

  2. Traditio et Fides says:

    @Tom

    Das ist mir neu, dass es keine Knochenreliquien vom hl. Joseph geben sollte. Er ist doch gestorben, weder auferstanden noch in den Himmel aufgefahren. Schauen Sie hier nach, dort gibt es St. Joseph-Reliquien, ich weiß nur nicht, ob erster Klasse. https://www.fluminalis.com/inventory/reliquary-relics?gclid=EAIaIQobChMIzrCVp7it8AIVQeztCh1m6g9bEAAYASABEgL-RPD_BwE https://www.fluminalis.com/inventory/reliquaries-relics?gclid=EAIaIQobChMIzrCVp7it8AIVQeztCh1m6g9bEAAYASACEgJ4__D_BwE

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