Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage II – Sechster Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des sechsten Sonntags nach Pfingsten

Mk 8, 1 – 9 In jenen Tagen war wieder eine große Volksschar zusammen und hatte nichts zu essen. Da rief er seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen. „Mich erbarmt des Volkes; schon drei Tage harren sei bei mir aus und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause gehen lasse, so brechen sie unterwegs zusammen; denn manche von ihnen sind weit hergekommen.“ Seine Jünger erwiderten ihm: „Woher soll jemand hier in der Wüste Brot nehmen, um sie zu sättigen?“ Er fragte sie: „Wieviel Brote habt ihr?“ Sie antworteten: „Sieben.“ Nun hieß er das Volk sich auf dem Boden lagern. Dann nahm er die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, sie sollten sie dem Volke vorsetzen. Und sie setzten sie vor. Sie hatten auch einige Fischlein. Er segnete sie und ließ sie vorsetzen. Und sie aßen und wurden satt. Von den Stücklein, die übriggeblieben waren, hoben sie noch sieben Körbe auf. Es waren gegen viertausend (die gegessen hatten). Und er entließ sie.

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Bischof Ambrosius.

Nachdem die Frau, die das Bild der Kirche an sich trägt, von dem Blutfluß gereinigt worden war, und nachdem die Apostel zur Verkündigung der Botschaft vom Gottesreich bestimmt worden waren, wird Versorgung mit Brot, das himmlische Gnade bezeichnet, gewährt. Aber man beachte, wem sie gewährt wird. Nicht den Müßigen, nicht den in den Städten wie in einer Volksversammlung oder wie in der Ausübung eines weltlichen Amtes Sitzenden, sondern denen, die Christus außerhalb der Städte suchen. Die nämlich vor ihm keine Abneigung haben, die werden von Christus aufgenommen, und mit ihnen redet er, der Gottes Wort ist, nicht von weltlichen Dingen, sondern vom Reiche Gottes. Und die am Leibe Leidenswunden tragen, diesen gewährt er gern seine Arznei.

Es war also folgerichtig, daß er diejenigen, die er von den schmerzlichen Wunden heilte, durch geistige Nahrung vom Hungern freimachte. Deshalb bekommt niemand die Nahrung von Christus, der nicht vorher geheilt worden ist; und diejenigen, die zum Gastmahl berufen werden, werden erst auf Grund der Berufung geheilt. Wenn jemand gelähmt war, bekam er erst die Fähigkeit zum Gehen, damit er kommen konnte. Wenn er des Augenlichtes beraubt war, konnte er gewiß in das Haus des Herrn nicht eintreten, wenn ihm das Licht nicht wiedergegeben war.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

O Gott! von dem alle Kraft und alles Gute herkommt, flöße unsern Herzen die Liebe deines Namens ein; laß alles Gute an deiner Gnade Nahrung und an unserm Eifer Haltung finden! Amen.

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