Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage III – Elfter Sonntag nach Pfingsten

Evangelium des elften Sonntags nach Pfingsten

Mk 7, 31 – 37 Jesus zog aus dem Gebiete von Tyrus wieder weg und kam über Sidon an den Galiläischen See, mitten durch das Gebiet der Dekapolis. Da brachte man einen Taubstummen zu ihm und bat, ihm die Hand aufzulegen. Er nahm ihn vom Volke abseits, legte ihm seine Finger in die Ohren und berührte sein Zunge mit Speichel. Dann blickte er seufzend zum Himmel auf und sprach zu ihm: „Effetha“, das heißt: „Tu dich auf!“ Sogleich öffneten sich seine Ohren, und das Band seiner Zunge löste sich, und er konnte richtig sprechen. Er verbot ihnen aber, irgend jemand etwas davon zu sagen. Doch je strenger er es ihnen verbot, desto eifriger erzählten sie es. Aufs höchste erstaunt, sagten sie: „Er macht alles gut: Die Tauben macht er hören und die Stummen reden.“

Predigttext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Papste Gregor

Was ist der Grund, daß Gott, der Schöpfer des Alls, als er einen Taubstummen heilen wollte, in dessen Ohren seine Finger hineinlegte und mit dem Speichel seine Zunge berührte? Was wird durch die Finger des Heilands anders bezeichnet als die Gaben des heiligen Geistes? Deshalb sagt er, als er bei einer anderen Gelegenheit einen Teufel ausgetrieben hatte: „Wenn ich durch den Finger Gottes die Teufel austreibe, dann ist ja wahrhaftig zu euer das Gottesreich gekommen.“ Über diesen Vorgang hat der Herr nach der Aufzeichnung eines anderen Evangelisten gesagt: „Wenn ich im Geiste Gottes die Teufel austreibe, ist also unter euch das Gottesreich gekommen.“ Aus diesen beiden Stellen erkennt man, daß als Finger der Geist bezeichnet wird. Die Finger also in das Ohr hineinlegen, heißt: durch die Gaben des Heiligen Geistes den Sinn des Tauben zum Gehorchen wecken.

Was ist aber für ein Grund, daß er mit Speichel dessen Zunge berührt? Der Speichel aus dem Munde des Heilandes gilt uns als die Weisheit im göttlichen Reden. Der Speichel nämlich fließt aus den Kopfteilen in den Mund. Wenn also von der Weisheit, die er selbst ist, unsere Zunge berührt wird, bekommt sie bald die rechte Ausstattung für die Worte der Predigt. „Er schaute gen Himmel und seufzte auf;“ nicht weil das Seufzen für ihn eine Notwendigkeit war, der ja selbst gab, was er erbat, sondern er lehrte uns zu demjenigen zu seufzen, der im Himmel herrscht, daß unsere Ohren durch die Gaben des Heiligen Geistes geöffnet werden müssen, und daß außerdem die Zunge durch den Mundspeichel, d. h. durch die Kenntnis dessen, was Gott redet, in Bewegung gebracht werden muß zum Predigen.

Zu ihm wird gleich gesagt: „Ephpheta, d. h. Tue dich auf; gleich wurden seine Ohren aufgetan und das Band an seiner Zunge wurde gelöst.“ Darin ist zu bemerken, daß wegen des Verschlusses der Ohren gesagt wurde: „Tue dich auf“. Doch wird demselben, dem die Ohren des Innern zum Gehorchen geöffnet wurden, gleich darauf ohne Zweifel auch das Band seiner Zunge gelöst, damit er das Gute, das er selbst tun würde, auch den anderen durch die Sprache zum Tun empfehle. Darum wird hier ganz recht angefügt „Und er redete richtig.“ Der redet nämlich richtig, der zuvor im Gehorsam das tut, zu dessen Tun er durch die Rede andere aufmuntert.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Allmächtiger ewiger Gott! der Du mit deiner Güte Fülle der Bittenden Verdienste und Wünsche übertriffst: gieße aus über uns deine Barmherzigkeit, um uns nachzulassen, was unser Gewissen fürchtet, und zu ertheilen, was wir zu begehren uns nicht

getrauen! Amen.

Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

Allmächtiger ewiger Gott! der Du mit deiner Güte Fülle der Bittenden Verdienste und Wünsche übertriffst: gieße aus über uns deine Barmherzigkeit, um uns nachzulassen, was unser Gewissen fürchtet, und zu ertheilen, was wir zu begehren uns nicht getrauen! Amen.

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