Hilary White, Papst Franziskus versus kontemplative Orden (4 von 4)

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Wer gründet neue Klöster und warum?

Im Lauf der Kirchengeschichte war es das Vorrecht der Bischöfe, neue Häuser kontemplativer Orden in ihren eigenen Diözesen zu errichten. Nun, da der Papst den Bischöfen verboten hat, dieses alte Recht auszuüben, können die Föderationen laut diesem Dokument selbst Gründungen errichten.

  1. Die Gründung eines Nonnenklosters – unter Beachtung der Ausführungen unter Nr. 39 der vorliegenden Instruktion – kann von einem einzelnen Kloster oder durch Initiative der Föderation durchgeführt werden, wie von der Föderationsversammlung festgesetzt[9].

Einer einzelnen monastischen Gemeinschaft, die sich entscheidet, ein Kloster zu gründen, muss überdies von der Föderation „geholfen“ und es muss von ihr geführt werden:

  1. Bei der Entscheidung eines einzelnen Klosters, ein neues Kloster zu gründen, intervenieren die Föderationspräsidentin und die Ordensassistentin der Oberin des gründenden Klosters. Das Urteil über die Gründung eines neuen Klosters durch die Föderation wird im Rahmen des Föderationsrates gefällt.

Artikel 39 berichtet uns einige Kriterien für die Klostergründung, die „im Ganzen und in ihrer Gesamtperspektive betrachtet werden müssen.“

  1. a) Eine Gemeinschaft, der ein gutes Zeugnis des brüderlichen Lebens ausgestellt wurde, zusammen mit „der notwendigen Vitalität im Leben und Weitergabe des Charismas“, die aus mindestens acht Nonnen mit feierlichen Gelübden besteht, „sofern die meisten nicht im vorgerückten Alter sind.“

  1. b) Neben der Anzahl werden besondere Fertigkeiten einiger Nonnen der Gemeinschaft erfordert, die im Besitz folgender Fähigkeiten sein müssen: als Oberin: Dienst der Autorität; als Ausbilderin: Erstausbildung der Kandidatinnen; als Cellerarin [Ökonomin]Verwaltung der Güter des Klosters.

  1. c) Räume, die an den Lebensstil der Gemeinschaft angepasst sind, um sicherzustellen, dass die Nonnen regelmäßig das kontemplative Leben pflegen können nach der Natur und dem Geist ihres Instituts.

  1. d) Wirtschaftliche Verhältnisse, die garantieren, dass die Gemeinschaft selbst für den Lebensunterhalt sorgen kann.

Einer dieser Punkte ist nicht wie die anderen. Haben Sie es bemerkt? Ein Kriterium sticht unbestimmt und vage heraus im Vergleich mit den anderen konkreten und messbaren Standards. Ein Aspekt der legislativen Analyse, den ich früher gelernt habe, war, dass die benutzten Begriffe von größter Wichtigkeit sind. Wenn ein Begriff vage oder nicht korrekt definiert ist, so ist dies ein „Schlupfloch“. Oder man könnte es vielleicht als Vorwand beschreiben: Etwas, wo jemand, der ein bestimmtes Ergebnis erzielen möchte, einen Gesetzestext ergreifen kann, um ihn wie eine Axt zu verwenden.

Wie also soll exakt bestimmt werden – und durch wen -, dass eine Gruppe von Nonnen die „notwendige Vitalität im Leben und Weitergeben des Charismas“ besitzt? Was genau bedeutet der Begriff „Vitalität“ und wie misst man sie und wie viel davon wird verlangt?

Ist dies einer der kleinen persönlichen heimlichen Ausdrücke von Papst Franziskus, deren Bedeutung er alleine weiß? Wie das Geheimnis, wie Nonnen geziemend lächeln müssen? Gehört die Einbeziehung komplett subjektiver Kriterien in ein juristisches Dokument? Oder stehen sie in diesem Dokument, um Prälaten Deckung zu bieten? Der nächste Artikel sagt uns: „Es liegt in der Verantwortung des Heiligen Stuhls, das Vorhandensein dieser Bedingungen zu beurteilen“ Haben sie in der Kongregation für das Geweihte Leben ein elektronisches Messgerät in einem Schrank, das die „Vitalität des Charismas“ misst?

Dies scheint eine wichtige Frage zu sein, da Artikel 70 über die Auflösung eines Klosters sich darauf bezieht:

Unter den Kriterien die dazu beitragen können, das Urteil der Schließung eines Klosters zu bestimmen, nachdem alle Umstände untersucht wurden, sollten die folgenden Punkte insgesamt betrachtet werden: die Anzahl der Nonnen, das vorgerückte Alter der Mehrzahl der Mitglieder, die reale Fähigkeit das Haus zu führen und [den Nachwuchs/die Nonnen] aus-/weiterzubilden, Mangel an Kandidaten für eine Anzahl von Jahren, Mangel an der nötigen Vitalität im Leben und Weitergabe des Charismas in dynamischer Treue[10].

Sie werden angegliedert; Widerstand zwecklos …

Es scheint, dass zwei Themen dieses Dokument bestimmen: einen gewissen Wert der „Autonomie“ als unverzichtbares Kriterium für Lebensfähigkeit zu schaffen, und gleichzeitig Übersicht und Kontrolle bis ins Kleinste darüber zu haben, wer dies bestimmt. Kurz gesagt, ein Kloster muss autonom sein, aber Himmel hilf der Gemeinschaft, die ihre Unabhängigkeit geltend macht.

Die Artikel 54 – 64 bieten zwischenzeitlich einen Maßstab für den Fall der „Unfähigkeit“, was wirklich mehr als zweitrangig ist. Wenn einmal ein Mangel an Autonomie festgelegt wurde …

54. Eingliederung ist eine besondere Form der Hilfe, welche der Heilige Stuhl in besonderen Situationen festsetzt, zugunsten einer Klostergemeinschaft sui juris die nur eine behauptete Autonomie hat, aber in Wahrheit eine bedenkliche oder tatsächlich nichtexistierende.

 

55. Eingliederung wird wie eine juristische Unterstützung gestaltet, die bestimmen muss, ob die Unfähigkeit, das Leben des autonomen Klosters in all seinen Dimensionen nur vorübergehend oder irreversibel ist, indem sie der Gemeinschaft des eingegliederten Klosters hilft, Schwierigkeiten zu überwinden oder alles zu ordnen was notwendig ist, um dieses Kloster auflösen zu können.

Wie funktioniert die Eingliederung? Nun, die Föderation und der Heilige Stuhl haben es herausgearbeitet:

56. In diesen Fällen ist es die Aufgabe des Heiligen Stuhls, die Möglichkeit der Einrichtung einer ad hoc Kommission zu beurteilen, die vom Ordinariat, der Föderationspräsidentin, die Föderationsassistentin und der Generaloberin des Klosters gebildet wird.

 Es wird nun langsam klar, dass die Föderation nichts weniger sein wird als das Big Brother Killerkommando der Kongregation für das geweihte Leben. Es ist erinnerungswürdig, was im Fall eines deutschen Männerklosters geschah, in dem der Obere versuchte, die Gemeinschaft zu den Gebräuchen vor dem II. Vatikanum zurück zu führen. Trappistenkloster Mariawald – 900 Jahre alt – wurde schließlich aufgelöst, zu Tode eingegliedert.

Der Ordensobere hatte den fatalen Fehler begangen offen zu erklären – 2008, nach der Veröffentlichung von Summorum Pontificum – dass die Probleme des Klosters begannen, als es die neuen liturgischen Riten angenommen hatte und die Trends aller Ordensleute nach dem II. Vatikanum einführte, und dass die Lösung ganz klar die war, zu den Pfaden vor dem Konzil zurückzukehren. Mariawald wurde daraufhin eingegliedert – auf die Art und Weise, die das Dokument beschreibt – in ein liberales Haus in den Niederlanden, dessen Oberer – wen wird es überraschen – entdeckte, dass das Haus hoffnungslos gespalten war und nicht gerettet werden konnte.

Was eine erzwungene Eingliederung zu einer wahrhaft verheerenden Waffe gegen konservative oder traditionelle Gemeinschaften macht ist die Bedingung, dass ein eingegliedertes Kloster seine eigenen Novizen nicht ausbilden darf:

60. Das eingegliederte Kloster kann Kandidaten aufnehmen, aber das Noviziat und die Ausbildung muss im aufnehmenden Kloster geschehen oder in einem anderen Kloster, das von der Föderation gegründet wurde.“

Das bedeutet selbstverständlich, dass das Ausbildungsteam des aufnehmenden Klosters bestimmt, dass widerspenstige, „neo-pelagianische“ Postulanten und Novizen entlassen werden.

~

Wir sind nun ungefähr bei Artikel 155 des Dokuments. Teil zwei folgt.

 

[9] So viel zum Prinzip der Subisidiarität. Ich kann mir vorstellen, wie es wäre, in einem Kloster zu leben, das von einem Komitee gegründet wurde.

[10] Wir gehen nun von der „dynamischen Treue“ in Schweigen über …

Quelle: https://remnantnewspaper.com/web/index.php/ fetzen-fliegen/item/3906-pope-francis-vs-contemplative-orders

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Hilary White, Papst Franziskus versus kontemplative Orden (3 von 4)

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Lustig, falls Sie Autonomie erwähnen: Bioethik und die Auflösung „nicht lebensfähiger“ Klöster

Es ist witzig, dass das Schlagwort des Tages in Rom „Autonomie“ sein sollte. Wie wir sehen werden, ist das Dokument das, was ich oben einen „Hackklotz“ genannt habe. Vultum Dei quaerere machte klar, dass dieser Gesetzestext eine Reihe rechtskräftiger Kriterien bringen würde, durch die ein Kloster als lebensfähig – Ordensleben als wert zu leben gewissermaßen – betrachtet werden kann, und dass jene, die als beim Test „durchgefallen“ betrachtet werden, geschlossen werden.

Beachten Sie die Sprache, die hier verwendet wird:

Wenn die Situation der Unfähigkeit irreversibel ist, ist die Lösung [des Problems], ebenso schmerzhaft wie notwendig, die Auflösung des Klosters.

Dies rief eine Erinnerung in mir wach. „Unfähigkeit“ … wo hatte ich diesen Ausdruck zuvor schon einmal gehört? Die Meisten Anhänger der Pro-Life-Bewegung in Großbritannien werden Ihnen sagen, dass es der Mental Capacity Act” [übersetzt etwa: Denkvermögensgesetz] von 2005 war, das im Britischen Gesetz das Konzept einführte, dass eine Person mit dauerhaft „reduzierter Kapazität“ [des Denkvermögens] legal von den Ärzten verhungert und/oder verdurstet werden lassen kann, damit er stirbt.

Das ist die Welt, die Sprache, der Bioethik, angewendeter Utilitarismus, nach seinen drei bioethischen Kriterien „Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und Autonomie[6]“ auch „Prinzipienethik“ genannt – d. h. Die Fähigkeit des Patienten, seine „Autonomie“ oder „Lebensqualität[7]“ zu beweisen, ob gegenwärtig oder potentiell, entscheidet über sein Schicksal. Diese Reihe von Kriterien werden nun in medizinischen Einrichtungen der gesamten westlichen Welt angewandt, ein „neues Paradigma“ der Ethik, welches die traditionelle Medizin-Ethik des „Hippocrates-“ oder „Naturrechts” ersetzt.

Unter diesem System liegt die Beweislast im Endeffekt auf dem Patienten, der nach den neuen Kriterien beweisen muss, dass er wert ist, medizinische Behandlung zu erhalten – weiter zu leben. Medizinische Behandlung (die nach der Rechtsprechung Essen und Trinken beinhaltet) kann Patienten entzogen werden, denen es nicht gelingt zu zeigen, dass sie sich genügend erholen werden, um zu einem autonomen Leben zurückzukehren.

Gesundheitssysteme wie das Großbritanniens haben Regierungsverordnungsbehörden die „Richtlinien“ herausgeben, um allgemein gültig zu bestimmen, wie die Gelder im Gesundheitswesen zugeteilt werden. Die Umsetzung dieser Richtlinien werden von professionellen Bioethikern kritisch begutachtet, die dabei ihre utilitaristischen Kriterien anwenden. Wenn die Beurteilung zu Ungunsten des Patienten ausfällt, beinhaltet die „Behandlung“, die man zum „besten Nutzen“ des Patienten empfiehlt, sein Ableben, häufig dadurch herbeigeführt, indem man ihm Nahrung und Flüssigkeit entzieht und/oder langsam tödliche Dosen von Beruhigungsmitteln verabreicht. Der Staatliche Gesundheitsdienst (NHS) in Großbritannien ist gerade mit der Erklärung vor Gericht gegangen, dass sie das Recht erhalten müssen, Patienten zu töten, welche den Bioethik-Test nicht bestehen, und hat gewonnen.

Das Ergebnis war eine stille Terrorherrschaft, in der ältere und behinderte Menschen begannen, Karten bei sich zu tragen, auf denen in Juristensprache geschrieben steht, dass sie nicht von ihren Ärzten getötet werden möchten. In einem Fall zog ein Mann mit ALS gegen den NHS vor Gericht, in einem letztendlich erfolglosen Versuch, seinen medizinischen Mord von vornherein auszuschließen, wenn seine Krankheit ihn unfähig macht. In anderen Worten, das System ist gegen den Patienten verbündet, zugunsten der Regierung, die alle Karten in der Hand hat.

Behalten Sie diese Tatsachen im Hinterkopf, wenn wir nun den Rest des Dokumentes lesen. Ich denke, wir können eine beinahe perfekte Analogie finden, indem wir den Begriff „Patient“ durch „Kloster“ ersetzen. Nun denken Sie darüber nach, wie man Konzepte wie „Autonomie“, „Lebensfähigkeit“, „Unfähigkeit“, „Lebensqualität“ und „gerechte Verteilung rarer Ressourcen“ auf diesen Kontext anwenden könnte.

Wenn die Sprache des Utilitarismus als Leitkriterien für das kontemplative Ordensleben in Dokumenten des Vatikans erscheint, muss man sich fragen, wann das ganze Projekt so verhängnisvoll entgleist ist.

Föderationen als Wachhunde des Vatikans

Nach diesem Gesetz müssen alle Klöster kontemplativer Nonnen zu einer Föderation gehören. Früher nur freiwillig und beratend, werden Föderationen nun die Macht haben, die Ausbildung der Kandidatinnen, Nonnen und ihrer Ausbilder zu überwachen, ebenso weitreichende Befugnisse bezüglich der zeitlichen Güter einzelner Klöster und die Macht, sie aufzuheben.

Das Dokument lässt keinen Zweifel daran, dass die Hauptaufgabe der Föderation sein wird, Konformität zu einem bestimmten Programm herzustellen und zu überwachen – der „starke und fruchtbare Weg“ der Kirche seit 1965 – sowohl innerhalb der verschiedenen Orden als auch zwischen ihnen:

141. Die Föderationsversammlung: 

  1. behandelt Themen von großer Wichtigkeit;
  2. trifft Entscheidungen und erlässt Normen, die von allen Nonnen befolgt werden sollen, nach der der definitiven Bewilligung durch den Heiligen Stuhl;

Mehr als einfach nur Föderationen; ein vielfältig bindendes Kontrollsystem

  1. Konferenz von Klöstern bedeutet eine Struktur der Gemeinschaft zwischen autonomen Klöstern, die zu verschiedenen Institutionen gehören und in derselben Gegend gelegen sind … insbesondere geographisch und sprachlich.

In anderen Worten, benediktinische Föderationen einer bestimmten Gegend werden eine „Konferenz“ bilden mit karmelitischen, dominikanischen und franziskanischen Föderationen, etc. Dies wird insbesondere für die Häuser der Karmelitinnen von Interesse sein, da diese generell mehr „konservativen“ Zielen zugeneigt sind. Stellen Sie sich ein Haus traditioneller Karmelitinnen vor, die regionalen Konferenzen beiwohnen – und versuchen, ihre Gebetszeiten einzuhalten – mit den Franziskanerinnen und ihren Break-Dance mit Luftballons und Gitarren … was für ein Spaß!

Und schließlich, im Falle, dass eine gesamte Föderation sich entscheidet, die Uhr zurückzudrehen, wird es einen Regenschirm für die Regenschirme geben; es wird Wächter geben, welche die Wächter überwachen:

  1. Konföderation bedeutet eine Verbindungsstruktur unter den Föderationender Klöster, errichtet vom Heiligen Stuhl, der die Statuten genehmigt, für das Studium der Themen, die mit dem kontemplativen Leben in Bezug auf das selbe Charisma zusammenhängen, um eine einheitliche Richtung und eine gewisse Koordination vorzugeben für die Tätigkeit der einzelnen Föderationen.

Weitreichende Macht

Föderationen werden nun besonders weitreichende Macht haben, sowohl über Finanzen und Besitz, und, insbesondere, über die Ausbildung der Nonnen. Die Föderation hat nun die Macht, die Erfüllung der Regeln zu überwachen, Regelverstöße dem Heiligen Stuhl zu berichten, neue Klöster zu gründen und dies, offensichtlich, um einzelne Klöster dazu zu „ermutigen“, ihre Güter „mitzuteilen“.

  1. Die rechtmäßig errichtete Föderation ist eine öffentliche juristische Person in der Kirche und daher in der Lage, zeitliche bewegliche und unbewegliche Güter zu erwerben, besitzen, verwalten und zu verkaufen, die in Übereinstimmung mit dem allgemeinen und besonderen Gesetz kirchliches Eigentum sind.

  1. Um die Einheit der Klöster am Leben zu erhalten und ein Ziel der Föderation umzusetzen, wird zu einem gewissen Austausch von Gütern unter den Klöstern ermutigt, der von der Föderationspräsidentin koordiniert wird.

  1. Der Austausch von Gütern in einer Föderation wird ausgeführt in Form von Spenden, Geschenken und Leihgaben,die Klöster andern Klöstern anbieten, die finanzielle Schwierigkeiten haben, und für den allgemeinen Bedarf der Föderation.

  1. Die Föderation betrachtet die Güter in ihrem Besitzals notwendige und nützliche Mittel, um ihre Ziele zu erreichen.

Finanzielle Anreize

Angesichts der Tatsache – wie wir unten sehen werden -, dass die Mittel zur Aufhebung von Klöstern vage und undefinierbare Begriffe wie „Lebensfreude und Förderung des Charismas“ und „dynamische Treue“ zum Charisma des Ordens beinhalten, und dass die Güter aufgelöster Klöster von der Föderation übernommen werden, mag einem die Frage vergeben werden, ob dies einen Anreiz schafft dafür zu sorgen, dass bestimmte Häuser aufgelöst werden[8]. Da das Dokument mehrere Mechanismen bestimmt, durch die eine Föderation Schwestern aus einem Kloster entfernen kann, könnte dies eine der unbedeutenden Fragen sein, die manche Oberinnen im Gedächtnis behalten möchten.

Artikel 94 fordert, dass, wenn eine Föderation kanonisch errichtet ist, sie danach streben muss, „rechtliche Anerkennung auch im bürgerlichen Bereich zu erhalten.“ Dies wird vermutlich auf Rechtsstreitigkeiten in Zivilgerichten über das Eigentum aufgelöster Klöster beruhen.

Artikel 73 über die Aufteilung der materiellen Güter eines Klosters, das komplett aufgelöst wurde:

Bei der Auflösung eines komplett aufgegebenen Klosters, wenn es keine überlebenden Nonnen gibt, wird bestimmt, dass die materiellen Güter eines aufgelösten Klosters in Übereinstimmung mit dem kanonischen und zivilen Recht in das Eigentum der nächsthöheren juristischen Person übergehen, dies ist die Föderation der Klöster, oder eine andere gemeinsame Struktur über den Klöstern, die ihr [der Föderation] oder der monastischen Frauenkongregation entsprechen, außer es wird vom Heiligen Stuhl anders bestimmt.

 

  1. Das Kapital (der Föderation)wird genährt durch die freiwilligen Spenden der Klöster, die Spenden der Wohltäter und durch die Einnahmen, die von der Veräußerung der Güter aufgelöster Klöster gewonnen werden, wie von der vorliegenden Instruktion festgesetzt.

 Verantwortung der Föderationen für die Ausbildung

117. Die Föderationspräsidentin wacht insbesondere über die Erstausbildung und Weiterbildung in den Klöstern um zu sehen, ob sie mit dem Charisma übereinstimmt, die dem Institut eigen ist, so dass jede Kommunität ein Leuchtturm sein kann, der den Lebensweg der Männer und Frauen unserer Zeit erleuchtet. Am Ende des Besuchs wird sie den Heilige Stuhl über die realen Möglichkeiten unterrichten, die das Kloster hat oder nicht hat, die Erstausbildung zu garantieren.

 

118. Die Ausbildung der Ausbilder und ihrer Mitarbeiter wird zum Teil den Klöstern und zum Teil der Föderation anvertraut; daher ist die Vorsitzende der Föderation aufgerufen, die Ausbildung in der Föderation zu stärken und die Teilnahme derer zu verlangen, welche den Dienst der Ausbildung durchführen; wenn dies nicht geschieht, wird sie den Fall dem Heiligen Stuhl berichten.

 

120. Nachdem die Föderationspräsidentin die Meinung der Föderationsversammlung gehört hat, wählt sie die passendsten Orte für die Abhaltung der Ausbildungskurse für die Ausbilder und ihre Mitarbeiter aus, ebenso wie jene, die berufen wurden, den Dienst der Amtsgewalt ausführen, die Länge der Kurse auf eine Art und Weise ausarbeiten, dass sie nicht nachteilig für das kontemplative Leben und die Gemeinschaft sind

[6] „Recht und Wohltätigkeit“ beziehen sich hier auf die Kommune, nicht auf den Patienten

[7] Bioethiker mögen es als abgetan erachten, dass, damit ein Leben genügend „Qualität“ hat, es genügend Autonomie demonstrieren muss. Abhängigkeit von anderen ist, wörtlich, ein Kapitalverbrechen.

[8] Der geneigte Leser mag denken ich übertreibe die Gefahr der materiellen Interessen, die hinter den Klosterschließungen steht, jedoch werden wir sehen, dass der Unterschied zwischen den Föderationen und dem Heiligen Stuhl auch eine Sache der Formalitäten ist, und es ist gut sich zu erinnern, dass der Sekretär der Kongregation für das geweihte Leben, Jose Rodrigues Carballo, eine polizeilich international gesuchte Person war, wegen des Verlustes von „zehntausenden von Millionen“ Euros aus den Kassen der Franziskanischen Minderbrüder, dem ersten Franziskanerorden, von dem er der Vorgesetzter war. Kurz nach Carballos Ernennung wurde entdeckt, dass das Büro der Schweizer Staatsanwaltschaft den Fall des verschwundenen Geldes der Franziskanerminoriten in Verbindung mit Drogen, Geldwäsche und Waffenhandel untersuchte. Carballo was Franziskus’ allererste Ernennung, am 6. April 2013, drei Wochen nach dem Konklave, und ihm gab der Papst den Auftrag, die verschiedenen Zweige der FFI [Franziskaner der Immakulata] u zerstören, und einen Hauptteil dieser Operation war es, die [Zweige der] FFI von Liegenschaften im Wert von etwa 30 Millionen Euro zu trennen.

Hilary White, Papst Franziskus versus kontemplative Orden (2 von 4)

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Autonomie versus Unabhängigkeit

Eines der Themen, dem sich die Medien verschrieben haben, ist die ganze Geschichte der „Autonomie“ von Klöstern. Viele der Schlagzeilen schrien: „Der Vatikan bestätigt die Autonomie der Nonnen“ oder ähnlich. Aber dieses Wort bedeutet nicht das, was sie meinen. Tatsächlich ist das Wort „Autonomie“ der Schlüssel zum Verständnis dieser ganzen Sache. Es erscheint in dem Dokument 16mal, und „autonom“ 30mal.

Tatsächlich wird „Autonomie“ als das einzige wichtigste Kriterium der Lebensfähigkeit eines Klosters dargestellt. Dies wird so oft wiederholt, dass man beinahe meinen könnte es gebe in Rom Bedenken, dass das „fruchtbare“ nachkonziliare monastische Leben in Gefahr sei, zu verpuffen … mit … Grund …

6. Monasterium sui juris bezieht sich auf das Ordenshaus einer weiblichen monastischen Gemeinschaft, die, im Besitz der notwendigen Mittel für ein Leben in echter Autonomie, legitim vom Heiligen Stuhl errichtet wurde und sich juristischer Autonomie unter dem Gesetz erfreut.

18. Um für ein Frauenkloster juristische Autonomie zu erhalten, wird echte autonome Lebensfähigkeit vorausgesetzt, d. h. die Fähigkeit, das Leben im Kloster in all seinen Dimensionen (Berufungen, Ausbildung, Leitung, Beziehungen, Liturgie, Wirtschaft …) zu leiten. In diesem Fall ist ein autonomes Kloster am Leben und lebensfähig.

43. Die Autonomie des Lebens, eine ständige Voraussetzung, die juristische Lebensfähigkeit zu erhalten, muss ständig von der Föderationspräsidentin verifiziert werdendie, wenn einem Kloster nach ihrem Urteil die Lebensautonomie fehlt, den Heiligen Stuhl im Hinblick auf die Bestellung einer ad-hoc-Kommission informieren muss.

67. Der Zusammenschluss (mit einem anderen Kloster, das vom Vatikan ernannt wird), kann eine Möglichkeit zur Erholung und Wiederbelebung sein, wenn die Autonomie teilweise gefährdet ist. Wenn die Situation der Unfähigkeit irreversibel ist, bleibt als ebenso schmerzvolle wie notwendige Lösung die Auflösung des Klosters.

121. Wenn ein autonomes Kloster keine echte Lebensautonomie besitzt, liegt es in der Verantwortung der Föderationspräsidentin, die Angelegenheit dem Heiligen Stuhl anzuzeigen.

Gleichzeitig definiert dieses Dokument den Begriff „autonom“ um, um Unabhängigkeit auszuschließen. Was in der kurzen Pressemeldung keine Erwähnung fand, war das Bestehen des Dokuments darauf, dass alle Nonnenklöster einer Föderation angehören müssen, und obwohl die Klöster „Autonomie“ demonstrieren müssen, wird ihnen wenig davon in Form von Selbstverwaltung zugestanden.

Wie wir sehen werden, sind die Föderationen nun ein vielschichtiges System interner Überwachung und zentralisierter Kontrolle, das Orwell in den Schatten stellt:

7. Föderation von Klöstern bedeutet eine Struktur der Gemeinschaft zwischen einigen autonomen Klöstern des selben Instituts[4], sie wird vom Heiligen Stuhl errichtet, der die Statuten genehmigt, so dass die zusammengeschlossenen Klöster dasselbe Charisma teilen und so die Isolation überwinden und regelmäßige Überwachung und ein kontemplatives Leben fördern.

Beachten Sie die Veränderung: „unabhängig“ wird durch „isoliert“ ersetzt[5].” Das erinnert mich an eine Unterredung, die ich mit der Oberin eines Benediktinerinnenklosters im Königreich England hatte. Sie sagte, sie hatte gedacht, dass der psychiatrische Test, der 2008 noch immer die große Mode in den Häusern ihrer Föderation war, übertrieben und nicht hilfreich war. Sie traute dem übermäßig säkularisierten Feld der Psychologie nicht zu bestimmen zu helfen, ob eine Kandidatin für das Ordensleben geeignet war; daher verlangte sie diesen Test nicht von den Postulantinnen ihres Klosters. Sie sagte auch, dass sie unter ständigem Druck stand, sowohl dem unterschwelligen Druck der allgemeinen Missbilligung der Mitschwestern als auch der offenen Bitte der Föderationsleitung, sich anzupassen. War dieses Kloster „isoliert“? Oder führte es gesetzeskonforme Selbstverwaltung durch?

Und gesetzt den Fall, Autonomie ist das einzige Kriterium für die Lebensfähigkeit eines Klosters so scheint es, dass der Heilige Stuhl nicht daran interessiert ist zu fragen, ob das Kloster tatsächlich dem Charisma treu ist, oder gar dem katholischen Glauben – eine Frage, die ernsthaften Katholiken eine zeitlang auf den Nägeln brannte. Das Wort „Treue“ erscheint in dem Dokument viermal, was uns eine Idee davon vermitteln mag, wie groß das Interesse des Vatikans an dieser Fragestellung ist.

[4] „Dasselbe Institut“ bedeutet den fraglichen Orden, ob Benediktinerinnen, Dominikanerinnen, Karmelitinnen etc.

[5] Ich würde so gerne von einem Oberen eines monastischen Klosters hören, der den Mut hatte, Rom zu sagen: „Tatsächlich, gesetzt den Fall, all unsere Ordensnächsten sind wütende neomodernistische Häretiker, wenn nicht Schismatiker, so denken wir, dass „Isolation“ etwas erstrebenswertes ist – wie eine Quarantäne während dem Ausbruch der Beulenpest – und wären daher gerne befreit von den Anforderungen der Föderation.“ Ich würde gutes Geld dafür bezahlen um den Purpurton zu sehen, der das Gesicht des wohlgenährten Braz de’Aviz überzieht.

Hilary White: Der Weg nach Rom und der Aufstieg von Papst Petrus II?

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Cardinal Pietro Parolin und die Malteser 

Hat Bergoglio das Ende seiner Nützlichkeit erreicht? Und wenn es so ist, was steht als nächstes auf der Tagesordnung?

Während die meisten Augen noch immer auf dem abstoßenden Geschäftsbetrieb in Fatima verweilen und den Himmel nach dem Feuer von oben absuchen, brodelt die Gerüchteküche wieder. Da lungern Menschen herum, die darauf warten, dass Neuigkeiten herauskommen, und sie senden sie gerne an mich und andere, die wir kennen und die eine ähnliche Arbeit tun (wie wir). Ich habe mich auch schon mit verschiedenen Leuten unterhalten, die (mir) mitgeteilt haben, was sie gehört haben. So vermute ich, dass es mehr oder weniger meine Aufgabe ist, die Puzzleteile zusammenzusetzen, ein wenig von einer Person, ein wenig von einer anderen, und zu schauen, ob daraus ein Bild wird.

(Nota Bene: all das ist im Konjunktiv zu lesen und mit Einschränkungen … Wir sprechen hier immer noch von Gerüchten und Spekulation, vergessen Sie das nicht):

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Steve Skojec, Raus aus dem Kaninchenloch

Bosch Ascent_of_the_Blessed

Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die nun einem großen Teil der katholischen Bevölkerung bewusst werden – oder zumindest bewusster als sie waren. Die Handschrift war an der Wand, schon bevor ich geboren wurde, doch es war für Viele schwer zu erkennen. Zu Beginn dieses Pontifikats wurde sie einem starken Kontrast ausgesetzt  wie die verblichenen, beinahe unsichtbaren Farben der phosphorisierenden Farbe die leuchtet, wenn man sie ultraviolett anstrahlt. Ich schreibe über diese Anzeichen fast schon seit dem Beginn dieses Pontifikats, sogar schon bevor ich dem Ruf folgte, diese Website zu gründen und die Arbeit zu beginnen, die wir nun tun. Ich bitte die Leser inständig, die “rote Pille zu nehmen” und aufzuwachen, ein Bild aus dem 1999 entstandenen Science Fiction Film The Matrix, der sich wiederum stark auf die Symbolik von Lewis Carrolls Alice im Wunderland bezieht. Die Szene und die Metapher, die sie entwickelt, spricht für sich:

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Steven Skojec, Hilary White und die nachkonziliare Matrix

Benedikt-und-Scholastika

Wir wollen hier einen von Eugenie Roth übersetzten Aufsatz vorstellen, den wir nicht hätten besser schreiben können, da wir unsere Feder und unsere Temperament noch ein wenig zügeln und manche Überspitzung bewusst vermeiden. Der vorgestellte Aufsatz Out of the Rabbit Hole erschien am 6.05.2016 auf dem Blog onepeterfive[1] und er ist uns vom Leser dspecht ans Herz gelegt worden, wofür wir uns ebenfalls bedanken. Der Schreiber dieser Zeilen hat schon lange nichts gelesen, was ihn dermaßen berührt hätte und womit er dermaßen übereinstimmen würde. Es ist ein treffendes, objektives und erschütterndes Bild des desolaten Zustandes der Weltkirche, welcher, wie man ihn auch dreht und wendet derselbe ist. Der Schreiber dieser Zeilen ist ein viel in der Welt herumgekommener Osteuropäer, der in einem deutschsprachigen Land lebt, Steve Skojec ist US-Amerikaner, Hilary White ist eine in Italien lebende Kanadierin. Und wir alle kommen zu denselben Schlussfolgerungen, obwohl wir nur mehr oder weniger detaillierte Kenntnisse verschiedener Ortskirchen haben. Man tröstet sich zwar, dass woanders es besser ist, aber woanders ist es nicht besser, es ist derselbe Verfall mit anderen Akzenten.

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