Tradition und Glauben

„Moskau als das Dritte Rom“ oder Vigano dreht durch

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Das prorussische Manifest

Erzbischof Vigano verfasste am 7. März 2022 ein prorussisches Manifest, das hier eingesehen werden kann, das auch in der Propaganda-Abteilung des Kremls verfasst hätte sein können oder es auch wurde. Wer Zeit und Nerven hat, kann es sich mit oder ohne Translator durchlesen, denn es ist recht lang, satte 28 Seiten.

DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) las es bis zu der Stelle, wo der ehemalige US-Nuntius behauptete (Abschnitt: The Expansion of NATO), dass NATO die ehemaligen Staaten wie Polen, Litauen, Tschechien etc. „annektiert“ (annexing) hätte und warf nach diesem Satz das Handtuch. Natürlich wurde nichts „annektiert“, sondern diese Länder, wie seine Heimat Polen, baten die NATO aus eigener Initiative, freiwillig und Hände ringend darum in das Bündnis aufgenommen zu werden, „für den Fall, dass der Russe nochmals einmarschieren sollte“, was derzeit in der Ukraine passiert.

Es stellt sich ganz ernsthaft die Frage, ob Erzbischof Vigano tatsächlich der Verfasser dieser Memorandi ist, wovon noch unten die Rede sein wird, da er als ein ehemaliger Diplomat das Fachwort „annektieren“ an dieser Stelle kaum verwendet hätte. Eine „Annexion“ ist eine, so Wikipedia,

die erzwungene (und einseitige)[1] endgültige Eingliederung eines bis dahin unter fremder Gebietshoheit stehenden Territoriums in eine andere geopolitische Einheit. 

Eine Annexion führten die Nazis mit der sog. Resttschechei und Polen durch, wo, im letzteren Falle, eine Verwaltungseinheit namens „Generalgouvernement“ eingeführt wurde. Annektiert haben auch die Sowjets, was nur ging, denn nur ein Staat kann einen anderen annektieren und keine Organisation wie NATO. Auch wenn man seltsame Gedanken entwickelt, so verwendet man als Diplomat manche Begriffe instinktiv und gewohnheitsmäßig richtig. Das Verb „annektieren“ wird auch in keiner Weise abgemildert oder abgeschwächt, indem man von einer quasi Annexion u.Ä. spricht.

Der Rest der Ergüsse, denn leider muss man sie so nennen, wirkt so als hätte ein Student älterer Semester oder ein recht junger Journalist aus allgemein zugänglichen Medien, wie z.B. der Spiegel, eine geo-politische Analyse durch die russische Brille verfasst. Kurz gesagt: Jeder mit ein wenig Köpfchen könnte sich jetzt für Vigano ausgeben.

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Gibt es noch Vigano wirklich?

Seit einiger Zeit wurden im Internet Stimmen laut, siehe dieser wertvolle Beitrag von Roberto di Mattei, dass Vigano einen Doppelgänger habe, da seine letzten Ansichten mit den früheren und seinem Fachwissen als Nuntius nicht zu vereinbaren sind. Vigano dringe in Gebiete vor, die ihm fachlich völlig fremd sind und schreibe in einem anderen Stil, so di Mattei. Dieser stellte auch die Frage, wer eigentlich der Ghostwriter des Bischofs sei und nannte zwei Namen. DSDZ gab wenig auf dieses Gerede, weil es eigentlich gleich ist, ob Vigano seine Texte selbst schreibt oder sie schreiben lässt, solange er sie mit eigenem Namen unterschreibt. Aber das o.a. Beispiel der „Annexion“ lässt einen Aufhorchen und wirklich nach der Autorschaft Viganos Schriften fragen.

Rorate Caeli hält Vigano für keinen Traditionalisten, berichtet, dass er immer noch Gehalt aus dem Vatikan bezieht, obwohl er selbst vermögend ist und vielleicht ein Agent provocateur ist, um die gesamte traditionalistische Bewegung in den Abgrund zu ziehen. Alles ist möglich, aber das letzte Memorandum lässt auch die Vermutung zu, dass Vigano einfach ein russischer Agent oder Lobbyist ist.

Ist Vigano ein russischer Agent?

Seien wir ganz pragmatisch. Wenn er Angst um sein Leben hatte und wusste, dass der Vatikan Geheimdienstmethoden anwendet und sich vielleicht auch westlicher Geheimdienste bedient, an wen hätte er sich wenden können, der ihn davor beschützt hätte? Richtig. An den russischen Geheimdienst, der ihn hätte leicht abschirmen oder beschützen können, eventuell an den chinesischen. Nein, kein Scherz. Menschen in Todesangst treffen oft falsche Entscheidungen. Wenn aber Vigano dem Vatikan tatsächlich dermaßen schaden würde, warum ist der Erzbischof immer noch am Leben. Wir erinnern uns an die Leichen im Falle des Banco Ambrosiano (Roberto Calvi) und ähnliche Geschichten. Wenn solche Dinge unter dem guten und „hl.“ Johannes Paul II passierten, was wird denn ethisch unter Franziskus möglich sein? Aber die Bedrohung kann auch woanders her gekommen sein. Da sich Vigano dermaßen auf Trumps Seite geschlagen hatte, so hatte er eventuell geheimdienstliche Aktivitäten seitens der CIA zu befürchten oder ähnlicher Dienste. Und was ist das „Gegengift“ gegen die CIA? Der russische Geheimdienst. Und jetzt kommt die Zeit des Paybacks – das Memorandum.

Vigano, ein katholischer, vermeintlich traditionalistischer Erzbischof, sieht doch tatsächlich im Moskauer Patriarchat das Dritte Rom. Wir zitieren nach der Übersetzung des Autotranslators, der herausgehobene Text stammt von uns:

Ein Appell an das Dritte Rom

[…]

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Die Weltkrise, mit der die Auflösung der traditionellen Gesellschaft vorbereitet wird, hat auch die katholische Kirche erfasst, deren Hierarchie von Abtrünnigen, die Höflinge der Macht sind, als Geisel gehalten wird.[4] Es gab eine Zeit, in der Päpste und Prälaten Königen ohne Rücksicht auf menschliche Achtung gegenüberstanden, weil sie wussten, dass sie mit der Stimme von Jesus Christus, dem König der Könige, sprachen. Das Rom der Cäsaren und Päpste ist jetzt menschenleer und schweigsam, so wie auch das Zweite Rom von Konstantinopel seit Jahrhunderten schweigt. 

Vielleicht hat die Vorsehung bestimmt, dass Moskau, das Dritte Rom, heute in den Augen der Welt die Rolle des κατέχον (2 Thess 2,6-7) übernehmen wird, des eschatologischen Hindernisses für den Antichristen. Wenn die Irrtümer des Kommunismus von der Sowjetunion verbreitet wurden, sogar bis zu dem Punkt, an dem sie sich innerhalb der Kirche durchsetzten, können Russland und die Ukraine heute eine epochale Rolle bei der Wiederherstellung der christlichen Zivilisation spielen und dazu beitragen, der Welt eine Zeit des Friedens zu bringen, aus der sie hervorgehen. Auch die Kirche wird gereinigt und in ihren Dienern erneuert auferstehen. […]

Erzbischof Vigano hat also die Rolle des κατέχον (2 Thess 2,6-7) von Donald Trump verlagert, den er so nannte und jetzt Russland zugewiesen. Mein Gott! Soll man jetzt lachen oder weinen? Der ehemalige amerikanische Nuntius sollte doch wissen, dass dieselben Menschen, wie Putin, die die Irrtümer des Kommunismus verbreitet haben, jetzt Russland regieren und Ukraine überfallen. Wie kann man ausgerechnet von ihnen „die Wiederherstellung der christlichen Zivilisation“ erwarten? Moskaus das „Dritte Rom“ zu nennen ist zumindest eine der Häresie nahe Aussage (haeresim proxima), denn ist gibt nur ein Rom, das Rom eben. Die Apostasie Roms durch Filioque im IX Jhd. ist ein altes orthodoxes Narrativ, sodass seit dem Moskau das eigentliche Rom sein soll. Und das schreibt ein Katholik? Was hat denn Vigano geraucht, um solches von sich zu geben?

Russland als die dualistische Gegenmacht?

Interessant ist auch ein dualistischer Aspekt dieses Memorandums. Russland als eine dualistisch-ebenbürtige Macht, welche gleichsam die „dunkle/helle Seite der Macht“ (Starwars) bildet, scheint gottgegeben und notwendig zu sein. Wie der gnostische Gegengott Jahwe zum ersten Gott, wie der Antichrist zum Christen etc. Aber warum soll Russland als Weltmacht notwendig sein? Warum sollte sie nicht, wie ehemals das Habsburgische Reich, in Einzelstaaten zerfallen, was sich DSDZ wünschen würde. Warum sollte die Russische Föderation nicht aufgehoben werden? Warum sollte nicht China Russlands Rolle einnehmen? Dann hätten wir wohl das Vierte Rom – das chinesische. Das ist nicht einmal eine prorussische Sichtweise, die Vigano hier vertritt, sondern eine durch und durch russisch-chauvinistische.

The Pillar stellt richtigerweise fest, dass das letzte Memorandum Viganos viele nicht nur Amerikaner dazu führen wird sich von dem Ex-Nuntius abzuwenden, was DSDZ hiermit auch tut. Es wäre interessant die spirituellen Gründe dieser Aussagen und die Umwertung aller Werte zu untersuchen. Hat Vigano vielleicht bei der FSSPX angeheuert? Ist der richtige Vigano tot und es ist wirklich ein Doppelgänger? Oder meint der echte Vigano, durch die Popularität beflügelt, über alles eine Aussage treffen zu müssen? Die Traditionalisten haben jetzt ihre Gallionsfigur verloren, denn Viganos Worte wogen schwer, weil er eben der Ex-Nuntius und Erzbischof war und Katholiken glauben den Geistlichen, da sie richtigerweise annehmen, dass diese „einen besseren Draht nach oben“ haben müssten. Viele Amerikaner sind wirklich dermaßen geopolitisch ungebildet und naiv, dass sie vielleicht Russland für die Verwirklichung des orthodoxen Gottesstaates halten, was sie wirklich nicht ist. Aber Vigano sollte es besser wissen. Und wieder einer weniger, schade.

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