Über das Fasten (3 von 15). Das kirchliche Fasten.

Was ist das kirchliche Fasten?

Neben dem sogenannten natürlichen Fasten, das alle Völker und Heiden kennen, Stichwort: Bikinifigur, gibt es auch das kirchliche Fasten (jejunium ecclesiasticum). Das Letztere schreibt vor, sich an bestimmten Tagen einer bestimmten Qualität und Quantität der Speisen zu enthalten.

Die Moraltheologie unterscheidet vier Arten des Fastens:

  1. Das geistliche Fasten, d. h. die Enthaltsamkeit von Sünde.
  2. Das natürliche Fasten, d. h. die Enthaltsamkeit von Speise und Trank, welche zum würdigen Kommunionempfang verlangt wird.
    1. Bis 1953 war die Zeit von Mitternacht bis zum Kommunionempfang vorgeschrieben,
    2. Seit 1953 galten 3 Stunden.
    3. Nach dem Konzil gilt 1 Stunde.
  3. Das moralische Fasten, d. h. die Mäßigkeit in Speise und Trank gemäß dem Naturrecht.
  4. Das kirchliche Fasten, d. h. die Enthaltsamkeit von Speisen nach den Geboten der Kirche.[1]

Wir wollen uns hier nur mit der vierten Art des Fastens befassen.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Fasten vom Naturrecht vorgeschrieben wird. Dies bedeutet, dass Menschen, unabhängig von der Religion, aus ganz natürlichen Gründen fasten. Ferner dient das Fasten aus religiöser Sicht dazu

(a) die Begierden des Fleisches zu zähmen,

(b) Sühne für die Sünden zu leisten und

(c) den Geist leichter zu Gott zu erheben (Summ. Theol.  22 q. 147. 1. 3. 5 .c).

Die Kirche bestimmt durch ihre Gesetze die Art und Weise die Zeit des Fastens, sofern diese alle Gläubigen betreffen.[2] Dies bedeutet, dass man über das kirchliche Mindestmaß des Fastens hinaus fasten darf. Durch das Kirchenrecht wird das vorgeschrieben, was von der apostolischen Tradition herstammt.[3] Dass man nämlich das Fasten in (1) der Fastenzeit, (2) an den Quatembertagen und an (3) einigen Vigilien zu halten hat.

Ad (1) In der Fastenzeit gedenkt man des Fastens Christi und bereitet sich auf die Auferstehung vor, wobei man mit Christus geistig stirbt und aufersteht.

Ad (2) An den Quatembertagen dankte man Gott für die erwiesenen Wohltaten, verrichtete Sühne für die begangenen Sünden und bat Gott um würdige Diener.

Ad (3) Das Fasten an den Vigilientagen diente dazu, die kommenden Feste würdig und fromm zu feiern und der gefeierten Heiligen zu gedenken.

Bischof Müller gibt an, dass in Österreich auch das Fasten in der Adventszeit am Mittwoch und Freitag der Adventwoche vorgeschrieben war.

[1] Müller, Theologia moralis, Bd. II, 483.

[2] Ebd.

[3] S. Leo Magnus, Serm. 74 (De Pentec. 2) cap 9, Serm. 71 (De jejunio Pentec. 1) cap. 1, Serm. 77 (De jejunio Pent. 2 cap. 1).

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