Shawn Tribe, New NLM Series: Compendium of the Reforms of the Roman Breviary, 1568-1961

 Dokument3Da sicherlich einige unserer Leser über nicht ausreichende Englischkenntnisse verfügen, um diese Beiträge zu lesen, so können sie sich übergangen fühlen oder gar zurückgesetzt, wie Kinder denen man die Süßigkeiten höher stellt, damit sie selbst nicht ran können. Es ist uns zwar wirklich nicht möglich all diese Beiträge ins Deutsch zu übertragen, vielleicht kann sich einer unserer Leser im Geiste der Sühne, Buße und der Verkündigung dieser Sachen annehmen, wir wollen dennoch jedem dieser Beiträge  ein Vorwort voranstellen, welches die Inhalte zwar nicht nacherzählt, aber ähnliche Thematik anschneidet.

Warum diese Brevier-Fixiertheit?

Diese muss man sich sicherlich stellen lassen, da die Geschichte des Breviers oder das Breviers selbst in unserem Blog sehr präsent ist.

Weil wir herausfinden wollen, warum die Kirche im Laufe der Jahrhunderte ihre Heiligkeit immer mehr verloren hat.

– Hat sie das wirklich?

– Schauen Sie sich Papst Franziskus und das jetzige Rom an. Sonst noch Fragen?

Wir wollen einfach die These untermauern, dass

  1. seit dem Mittelalter immer weniger gebetet wurde
  2. und somit einerseits die Beters sich immer weniger heiligten,
  3. durch diese die Kirche immer weniger geheiligt wurde
  4. und dadurch immer weniger Gnaden von Gott erbetet wurden.

Denn Gnaden müssen in einer Gott genehmen Weise erbetet werden und zwar durch die, die dazu qualifiziert sind, also reine, heilige, Gott geweihte Menschen, auch Geistliche genannt.

Obwohl die unten angeführte Darstellung erst richtig nach dem Tridentinischen Konzil beginnt und wir mit unserer Geschichte des Breviers, mit welchem wir die Zeit bis dahin abdecken wollen, noch am Anfang stehen, so wird auch aus der Darstellung von Gregori DiPippo deutlich, dass vor dem Tridentinum viel mehr gebetet wurde und dass das Tridentinische Brevier eine Verkürzung der bisherigen, monastischen Gebetspraxis darstellte. Der große Vorteil dieser Reform lag daran, dass für die ganze Kirche auch für die Weltgeistlichen ein einziges Brevier vorgeschrieben wurde.  Warum kann es denn vorher zu der Kirchenkrise? Weil das Vorgeschriebene nicht gebetet wurde. Dennoch trug gerade dieses Tridentinische Brevier zu einer Entwicklung der Kirche. Es bleibt aber zu bedenken, dass alle nachtridentinischen Orden, also diejenigen Kongregationen, die nach dem Tridentinischen Konzil begründet wurden, nur das einfache tridentinische Brevier beteten, statt des umfanreicheren monastischen Breviers. Nach dem Tridentinum wurden von den Ungeschuhten Karmeliten und Karmeliterinnen, soweit wir es wissen, keine Mönchsorden gegründet, welcher nur dem Gebet für die Welt dienten. Oder es waren viel weniger als die tätigen, missionarischen Orden. Es begann also damals schon der Aktionismus, dass zwar viele missionierten, aber durch wenige im Gebet unterstützt wurden oder auch selbst weniger beteten. Am Besten sieht man diese Entwicklung beim Jesuitenorden, welcher zum Breviergebet eigentlich erst gezwungen werden musste. Die großen Heiligen waren starke Beter. Vom hl. Petrus Canisius wird überliefert, dass er acht Stunden am Tag betete, vom hl. Patrik, dass er täglich alle 150 Psalmen betete, was aber in seiner Zeit auch die Norm war. Kein Wunder, dass sie so dauerhaft erfolgreich waren. Wie der Input, so der Output. Vor der Reformation lebte, so schätzt man, 1/3 der Bevölkerung in Klöstern, auch wenn nicht alle heilig waren, so war doch dieses Gebetspensum enorm.  Aber schon nach dem Tridentinischen Konzil (1545-1563) trat eine Reduktion ein, welche sich bis zum Vatikanum II fortsetzte und unsere heutige Katastrophe herbeiführte. Gebet wirkt, Gebet öffnet die Augen, Gebet gibt den Glaubenssinn, Gebet zeigt uns die Perspektive Gottes. Jedes Gebet? Leider nicht, nur das alte, traditionelle, vorgeschriebene Gebet. Der Schreiber dieser Zeilen hätte es auch nicht für möglich gehalten, aber er hat es erfahren und erfährt es jeden Tag neu. Bei seinen nachkonziliaren Gebeten und dem nachkonziliaren Brevier war es nicht der Fall. Die Art des Breviers macht also etwas aus.

New NLM Series: Compendium of the Reforms of the Roman Breviary, 1568-1961

by Shawn Tribe

Many of our readers will recall the series which the NLM ran from March until May of this year, the Compendium of the 1955 Holy Week Revisions, which was guest written by Gregory DiPippo, an American who lives in Rome.

The NLM is pleased to announce a new series of guest articles by the same Gregory DiPippo, this time considering the reforms to the Roman Breviary between the 1568 and 1961 — and as many are likely to ask, this will indeed mean the the reforms to the breviary under Pius X will likewise be considered.

However, rather than belabouring you any further with my own introductions, let me allow Gregory to speak for himself to the series in question:

The purpose of these articles is to examine the changes made to the Breviary of Saint Pius V from the time of its promulgation in 1568, until its last reform before the Second Vatican Council in 1961. I shall begin with an examination of the 1568 Breviary, compared to an example of its immediate predecessor, the “Breviary of the Roman Curia” published in 1529. The second article in the series will describe the revision of the hymns under Pope Urban VIII. The third article will describe the so-called neo-Gallican breviaries of the later 17th and 18th centuries, which would provide a model for subsequent reforms of the Roman Breviary. The fourth article will describe some of the cultural and social changes in the post-Tridentine Church and in the world which had a serious impact on the position of the Divine Office in the Catholic spiritual life. The series will conclude with articles describing the changes to the breviary made in the 20th century by Popes St. Pius X, Pius XII and Bl. John XXIII.

It is beyond the scope of these articles to describe the breviaries of the great medieval cathedrals and religious orders, such as those of the see of Liège or the Dominicans, which continued in use in the Tridentine period. I will make only a few rather cursory references to them, and to pre-Tridentine breviaries such as that of the Use of Sarum. I wish however to define a few terms as part of this introductory article, which will also offer a description, in very general terms, of the pre-Tridentine Roman Breviary. This description has been written specifically as a reference for those who may not be familiar with the historical rite of the Roman Office, and will be linked at the beginning of each article.

The Divine Office of every Western diocese and religious order, except of course that of the Ambrosian and Mozarabic rites, derives from the ancient rite of the city of Rome. Throughout the Middle Ages, however, there was a tremendous amount of variation in the texts of the Divine Office, and in the ritual accompanying it; so much, in fact, that it has become common to speak of proper usages as ‘rites’, as in, ‘the Dominican Rite’ or ‘the Sarum Rite’. This is a highly misleading way of speaking, and I intend to avoid it, for the sake of precision, in these articles. Despite the many variants, the basic structure and a very large amount of the text of the Office is common to all of the local ‘rites’, which ought properly to be called usages. To express the matter in practical terms, a pilgrim traveling from London to Rome for the Jubilee of 1500 would not have been scandalized or surprised by the liturgical variety he encountered in the various churches along the way, anymore than an American participant in the annual Chartres pilgrimage feels that the French style of dalmatics belong to a different rite from what he is used to at home.

However, it should also be clear that as a result of such variation, much of what is written here about the Roman Office does not apply to such other usages, whether pre- or post-Tridentine. For example, it was a more or less universal custom of the Middle Ages that at the first Vespers of some Sundays and many feasts, a responsory from Matins was sung between the chapter and hymns. This custom was never incorporated in the Roman Rite, and is therefore not mentioned in the description of Vespers given below. Likewise, the changes which I shall describe in the first article to the readings of Matins in the Roman Breviary were not made to the Breviary of the Carthusian Order.

A second point concerns the use of the term ‘medieval’, a word which is in many ways too broad to be very useful in a number of fields. In reference to liturgical books, I shall use it herein as a shorthand way of saying ‘pre-Tridentine, originating in the Middle Ages’, and apply it to works printed in a period which is in nearly all other respects entirely post-medieval, such as the Roman Breviary of 1529, when the Italian Renaissance was already starting to come to an end.

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„Geist willig – Fleisch schwach“ – das Rebloggen fremder Artikel

sleeping apostels

Die Liturgie des Gründonnerstag ruft uns den Ausspruch des Heilands in Erinnerung mit dem er selbst seine schlafenden Jünger entschuldigt: „Geist willig – Fleisch schwach“. Ja, so ist es wirklich, dass das Fleisch – sprich unsere körperliche Konstitution, auch wohlgenährt, ausgeschlafen und trainiert, die Mühen des Geistes – spricht der intellektuellen und geistigen Anstrengung nicht verkraftet. Der Schreiber dieser Zeilen macht seit einigen Wochen auch diese Erfahrung, dass er von einer Infektion in die andere schlittert und zwar seit er sich vorgenommen hat die besten Stunden des Tages seiner eigentlichen intellektuellen Aufgabe zu widmen, nach der er leider keine Kraft mehr hat wirklich theologisch ausgearbeitete Blog-Beiträge zu verfassen. Denn nach einem Triathlon vormittags, spielt auch niemand 90 Minuten Fußball. Vielleicht geht die Frühjahrerschöpfung irgendwann einmal vorbei und es wird besser sein, aber zurzeit ist es so, wie es ist.

Um dennoch unseren Lesern etwas Wertvolles zu präsentieren, was sich nicht so leicht woanders finden lässt, so wollen wir hier nach und nach eine kurze Reihe über die Reformen des Breviers präsentieren, welche ab dem Jahr 2009 in New Liturgical Movement veröffentlicht wurde. Diese Darstellung zeigt ausschließlich die äußere Entwicklung und geht theologisch nicht in die Tiefe, wie es Dom Guéranger oder Pater Bäumer es tun oder bei aller Bescheidenheit auch wir hier versuchen. Sie verschafft aber einen ersten Überblick und verschafft eine erste Orientierung allen, die einer solchen bedürfen.  Sie ist auf Englisch verfasst und wird auch in dieser Sprache präsentiert, sodass alle, die kein Englisch lesen leider das Nachsehen haben werden. Die Sprache ist dennoch recht einfach und den Inhalten ist auch mit einfachen Schulenglisch beizukommen. Wir werden vielleicht, falls uns die Zeit und Gesundheit erlaubt, das eine oder andere kommentieren, dennoch scheint uns dies eine gute Idee zu sein diesen Blog in absehbarer Zeit fortzuführen und die Zeit zwischen eigenen Beiträgen auszufüllen.

Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (9): Acedia ist ein Hauptlaster (vitium capitale)

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„Ein gut Ding braucht Weile“ und ein guter Beitrag braucht Muße, um geschrieben zu werden. So sind wir stolz an dieser Stelle den letzten Beitrag unserer Reihe über die Acedia anführen zu können. Er ist wirklich lang, weil der lateinische Originaltext auch beigefügt wurde, da er aber eine Einheit bildet, so wollten wir ihn nicht aufteilen. In den Ostertagen werden wir wahrscheinlich mehr Muße zum Lesen als sonst haben und deswegen wird dieser Beitrag einige Tage lang auf dem Blog bleiben. Viele Inhalte werden hier doppelt erscheinen, was hinsichtlich des Lerneffekts bewußt gemacht wurde. Denn es sind für die meisten neue Inhalte und es heißt ja nicht von ungefährt: repetitio est mater studiorium – „die Wiederholung ist die Mutter der Studierenden“. Dies ist also unser Ostergeschenk an unsere Leser.

Was ist ein Hauptlaster?

Wie wir bereits bestimmt haben, bedeutet das Wort Laster (vitium) in der Theologie etwas anderes als in der Alltagssprache.[1] Während in der Alltagssprache ein Laster, bspw. die Pornosucht, eine wiederholte Sünde ist, die jemanden in die zweite Natur übergegangen ist, bedeutet in der Theologie Laster (vitium) den Ursprung der Sünde, welche die Möglichkeit zum Sündigen bereitet. Wie ein entzündeter Zahn viele Infektionen bewirken kann, welche ohne die Stilllegung der Infektionsquelle ungeheilt bleiben,[2] so werden die aktuellen Sünden ohne die Stilllegung des Lasters nicht weniger.

Die Theologie spricht daher von Hauptlastern (vitia capitalia), aus welchen alle anderen Sünden resultieren. Auch unter Theologen werden sie die Hauptsünden genannt, aber wir wollen hier die Bedeutung von Sünde (peccatum) als Tat und Laster (vitium) als Anlage auseinanderhalten. Thomistisch gesprochen steht das Laster (vitium) die Potenz, die Sünde (peccatum) hingegen den Akt dar. Die recht ausgebaute Lehre von den septem vitia capitalia also von den sieben Hauptlastern, welche auf Evagrius Ponticus und Johannes Cassianus zurückgeht, wollen wir an einer anderen Stelle besprechen. Es genügt an dieser Stelle zu sagen, dass seit der Scholastik sieben Hauptlaster und nicht wie bei Evagrius und Cassianus acht, das diese noch die filodoxia – die Ruhmenssucht als ein eigenes Laster zählten, annehmen. Die Hauptlaster sind:

  • Stolz (superbia),
  • Geiz (avaritia),
  • Wollust (luxuria),
  • Zorn (ira),
  • Völlerei (gula),
  • Neid (invidia),
  • Trägheit (acedia).

Liest man die Anfangsbuchstaben der lateinischen Namen, so ergibt sich das Kunstwort saligia, welches dazu dient sich die Namen aller sieben Hauptsünden zu merken. Was ist ein Hauptlaster? Es ist, wie gesagt, eine Quelle anderer Sünden, eine Sündenanlage sozusagen in etwa mit einem leckenden Rohr unter dem Putz oder einem Schimmelbefall vergleichbar. Wenn man die Quelle dieses Übels nicht beseitigt, so ist es müßig die Folgen zu bekämpfen. Ähnlich wie bei Sümpfen und Malaria, keine Sümpfe – keine Malaria, denn bei Sümpfen wird es immer Mücken und somit immer Malaria geben. Obwohl die Hauptlaster manchmal auch Hauptsünden auch Todsünden genannt werden, so ist eine Todsünde theologisch gesehen etwas anderes, denn sie ist eine schwere Sünde, welche das Gnadenleben im Menschen vernichtet. Nach der Lehre der Kirche gelangt man nach dem Tod mit einer aktuellen Todsünde, die nicht gebeichtet oder durch keine Liebesreue, falls die Beichte nicht möglich ist, sofort in die Hölle (DH 780, 839, 858 u.a.) So schreibt der Papst Benedikt XII. in der Konstitution Benedictus Deus (1339), welche eine de fide Glaubensdefinition darstellt, welche den Glaubensgehorsam seitens der Gläubigen nach sich zieht:

„Wir definieren zudem, dass nach allgemeiner Anordnung Gottes die Seelen der in einer aktuellen Todsünde Dahinscheidenden sogleich nach ihrem Tod zur Hölle hinabsteigen, wo sie mit den Qualen der Hölle gepeinigt werden […] (DH 1002)“.

Bei der schweren Sünde oder der Todsünde muss die Materie der Sünde, also das, was man getan hat, schwer sein und die Verfehlung mit bei voller Absicht geschehen sein. Wir wollen uns aber an dieser  Stelle nicht bei der schweren Sünde aufhalten. Das Hauptlaster kann in manchen Fällen mit der Todsünde identisch sein, wenn jemand aufgrund des Hauptlasters des Zornes (ira) beispielsweise schwer durch Zornesausbrüche oder unter ständigem Zorn getroffene Entscheidungen sündigt. Dennoch entwachsen einer Hauptsünde, wie beispielsweise dem Neid, sehr viele aktuelle Sünden. Daher ist es sehr für den geistlichen Fortschritt nützlich erstens festzustellen, was meine Hauptsünde eigentlich ist und dagegen, meistens in jahrelanger Kleinstarbeit, vorzugehen.

Acedia ist ein Hauptlaster

Wir wollen hier mit dem hl. Thomas von Aquin, der sich natürlich auf ältere Quellen stützt, annehmen, dass Acedia – die geistige Trägheit – ein Hauptlaster ist. Dies bedeutet, dass die Faulheit beim Gebet und beim geistlichen Leben als solchem für keinen von uns, nicht einmal für die Laien, ein Pappenstiel ist.  Schneidet man das Thema des Gebets mit jemand an, so kommt es wie aus der Pistole geschossen:

„Ich muss das nicht. Das sollen die ….Mönche, Nonnen tun.“

Eine andere Version dieses Satzes lautet:

„Ich habe da kein Bedürfnis.“

„Dafür habe ich keine Zeit“.

Und je nach Stand und Veranlagung beginnt man sich zu entschuldigen. Dabei ist aber jeder von uns nicht nur zur Vervollkommnung in allen Bereichen verpflichtet,[3] besonders aber zur Vervollkommnung im geistlichen Bereich. Man will doch zur Anschauung Gottes gelangen und möglichst über ein kurzes Fegefeuer. Was macht man denn Himmel die ganze Ewigkeit lang? Man betet an, denn das ist die höchste Stufe des Gebets: die anbetende Anschauung. Damit man aber nach dem Tod dazu überhaupt fähig ist, so muss man zu Lebzeiten darauf hin trainieren. Sonst bleibt uns das Fegefeuer und dies bedeutet Läuterung durch schweres Leid. Aber auch in diesem Leben ist ein geistliches Leben, welches ja primär im Gebetsleben besteht, gut für alles und gut gegen alles. Bei Menschen aber, die in geistlichen Berufen der Kirche arbeiten oder Theologen sind, ist es absolut unabkömmlich. Sonst wird man zum blinden Blindenführer wie unsere „Bischofsperlenbischöfe“ und die Mehrheit unserer Priester. In diesen Fällen ist die geistige Trägheit tatsächlich eine schwere Unterlassungssünde, denn diese gibt es auch. Lesen wir uns also die Beweisführung des Aquinaten, wonach Acedia, die geistige Trägheit, ein Hauptlaster ist. Es handelt sich hier um die Stelle Summ. theol. IIª-IIae q. 35 a. 4[4], die wir größtenteils in eigener Übersetzung angeben.

Acedia ist ein Hauptlaster

  1. a) [Videtur quod non. Gegenargumente] Dem widerstreitet:

 IIª-IIae q. 35 a. 4 arg. 1

Ad quartum sic proceditur.

I. Videtur quod acedia non debeat poni vitium capitale. Vitium enim capitale dicitur quod movet ad actus peccatorum, ut supra habitum est. Sed acedia non movet ad agendum, sed magis retrahit ab agendo. Ergo non debet poni vitium capitale.

Zum Vierten folgt.

I. Es scheint, dass Acedia nicht zu den Hauptlastern gerechnet werden kann. Als Hauptlaster wird nämlich das bezeichnet, was zu sündigen Akten führt. Aber Acedia führ nicht zum Tun, sie hält vielmehr vom Tun ab. Daher soll sie nicht zu den Hauptlastern gezählt werden.

Dieser Einwand will sagen, dass eine Unterlassung noch längst nicht so schlimm ist wie eine Tat, was aber nicht stimmt.

IIª-IIae q. 35 a. 4 arg. 1

II. Praeterea, vitium capitale habet filias sibi deputatas. Assignat autem Gregorius, XXXI Moral., sex filias acediae, quae sunt malitia, rancor, pusillanimitas, desperatio, torpor circa praecepta, vagatio mentis circa illicita, quae non videntur convenienter oriri ex acedia. Nam rancor idem esse videtur quod odium, quod oritur ex invidia, ut supra dictum est. Malitia autem est genus ad omnia vitia, et similiter vagatio mentis circa illicita, et in omnibus vitiis inveniuntur. Torpor autem circa praecepta idem videtur esse quod acedia. Pusillanimitas autem et desperatio ex quibuscumque peccatis oriri possunt. Non ergo convenienter ponitur acedia esse vitium capitale.

II. Außerdem hat das Hauptlaster sieben Töchter, die ihm zugeschrieben werden. Gregor [der Große] (31. moral. 17.) gibt sechs Töchter der Acedia an: „die Bosheit, den Groll, die Kleinmütigkeit, die Verzweiflung, die Trägheit rücksichtlich der Gebote, das Herumschweifen des Geistes in Unerlaubtem“, welche jedoch nicht im rechtmäßigen Sinne aus der Acedia zu resultieren scheinen. Denn „Groll“ scheint dasselbe wie Hass zu sein, welcher wiederum aus Neid, wie oben dargestellt, zu resultieren scheint. „Bosheit“ ist aber die Gattung aller Laster und ebenso das Herumschweifen des Geistes in Unerlaubtem, kann in allen Lastern gefunden werden. „Trägheit rücksichtlich der Gebote“ scheint dasselbe wie Acedia zu sein. „Kleinmut“ und „Verzweiflung“ können aus jeglichen Sünden resultieren. Es ist also nicht zulässig Acedia zu den Hauptlastern zu zählen.

Warum haben die Hauptlaster Töchter und keine Söhne? Wahrscheinlich, weil das griechische Wort für Sünde (hamartema oder hamartia) weiblichen Geschlechts ist. Da der Teufel der eigentlich Vater der Sünde ist, so bleibt den Sünden das weibliche Geschlecht.

IIª-IIae q. 35 a. 4 arg. 3

III. Praeterea, Isidorus, in libro de summo bono, distinguit vitium acediae a vitio tristitiae, dicens tristitiam esse inquantum recedit a graviori et laborioso ad quod tenetur; acediam inquantum se convertit ad quietem indebitam. Et dicit de tristitia oriri rancorem, pusillanimitatem, amaritudinem, desperationem, de acedia vero dicit oriri septem, quae sunt otiositas, somnolentia, importunitas mentis, inquietudo corporis, instabilitas, verbositas, curiositas. Ergo videtur quod vel a Gregorio vel ab Isidoro male assignetur acedia vitium capitale cum suis filiabus.

III. Außerdem unterscheidet Isidor [von Sevilla] (2. de summo bono) zwischen dem Laster der Acedia vom Laster der Trauer und sagt: „Trauer sei es, insofern jemand ablässt vom Schweren und Mühevollen, wozu er gehalten ist; Acedia, insofern jemand sich zu ungebührender Ruhe wendet;“ und fügt hinzu „aus der Trauer entspringe Groll, Kleinmut, Bitterkeit, Verzweiflung; aus der Acedia, sagt er, rühren sieben [ethische Mängel] her Nichtstuerei, Schläfrigkeit, Unausstehligkeit des Geistes, Unruhe des Körpers, Unbeständigkeit, Geschwätzigkeit, Neugierde.“ So scheint es, dass entweder Gregor oder Isidor schlecht die Acedia als Hauptlaster mit ihren Töchtern bestimmt haben.

 IIª-IIae q. 35 a. 4 s. c.

Sed contra est quod Gregorius dicit, XXXI Moral., acediam esse vitium capitale et habere praedictas filias.

Dagegen aber steht, dass Gregor in Moralia 31 gesagt hat, dass Acedia ein Hauptlaster mit den angegebenen Töchtern ist.

[Respondeo dicendum Thomas Eigenleistung]

Iª-IIae q. 35 a. 4 co.

Respondeo dicendum quod, sicut supra dictum est, vitium capitale dicitur ex quo promptum est ut alia vitia oriantur secundum rationem causae finalis. Sicut autem homines multa operantur propter delectationem, tum ut ipsam consequantur, tum etiam ex eius impetu ad aliquid agendum permoti; ita etiam propter tristitiam multa operantur, vel ut ipsam evitent, vel ex eius pondere in aliqua agenda proruentes. Unde cum acedia sit tristitia quaedam, ut supra dictum est, convenienter ponitur vitium capitale.

  1. b) Ich antworte, Hauptlaster wird deswegen ein solches genannt, weil, wie oben angegeben, aus ihm andere Laster resultieren aufgrund des Prinzips der Zweckursache. Wie aber die Menschen Vieles tun zum Zwecke der Ergötzung, teils um derselben habhaft zu werden teils von ihrem Anstoße her geleitet; so tun sie auch Vieles wegen Traurigkeit, teils um sie zu vermeiden teils von ihr getrieben. Da die Acedia aber eine Art der Traurigkeit ist, wie oben angeführt wurde, so ist es zulässig sie unter die Hauptlaster zu zählen.

Die Philosophie der Antike insbesondere Aristoteles auf dem Thomas fußt, hatte ein viel reicheres Verständnis der Ursache als wir jetzt. Zurzeit, aufgrund der Methodologie der Naturwissenschaften, wird eigentlich nur von der Wirkursache (causa efficiens) gesprochen, also von etwas, was etwas bewirkt und meistens vor einem Prozess auftritt. So ist der Schwefel im Streichholz die Wirkursache der Verbrennung. Aber Philosophie kennt noch mehr Ursachen, darunter die Zweckursache (causa finalis). Darunter wird etwas verstanden, was sich am Ende eines Prozesses befindet.[5] So ist die Zweckursache einer Kaulquappe der Frosch. Bei den Hauptlastern bilden die konkreten Sünden die Zweckursachen des Lasters. Thomas von Aquin stellt sehr richtig fest, dass manchmal ein Laster im Sinne von vitium am Ende einer Handlung als Wirkursache (causa efficiens), manchmal aber auch an ihrem Ende als Zweckursache (causa finalis) steht. Man wird von der Traurigkeit getrieben oder man tut manches, um der Traurigkeit zu entkommen. So trinken viele Depressive, um der Depression zu entkommen, aber am Ende des Trinkens wartet eine neue oder eher alte Depression.

IIª-IIae q. 35 a. 4 ad 1

Ad primum ergo dicendum quod acedia, aggravando animum, impedit hominem ab illis operibus quae tristitiam causant. Sed tamen inducit animum ad aliqua agenda vel quae sunt tristitiae consona, sicut ad plorandum; vel etiam ad aliqua per quae tristitia evitatur.

c) I. Zum ersten Einwand muss man sagen, dass Acedia zwar die Seele beschwert und von jenen Taten abbringt, welche die Acedia bewirken. Aber dennoch führt sie den Geist dazu etwas zu tun, was mit der Trauer einhergeht, wie zum Beispiel das Weinen; oder sie bringt jemanden dazu andere Sachen zu tun, durch welche Traurigkeit gemieden wird.

Neuerdings schlüpfte wieder ein Ordensgeistlicher und Provinzial eines Ordens, in der Heimat des Schreibers dieser Zeilen, in die Opferrolle und gab, natürlich nach dem Gespräch mit seinem Therapeuten an, dass sein Alkoholismus und seine Hyperaktivität, fügen wir hinzu, des Ordensmannes, nicht des Therapeuten, aus der tief versteckten Depression kamen. Das ist nicht ganz verkehrt, aber wir fügen noch zu, dass die Depression aus der Acedia – Trägheit im Geistlichen resultierte. Er versuchte also die innere Leere, die beim fehlenden Gebetsleben sich irgendwann einmal einstellt, durch Aktivismus und Suff zu füllen. Und obwohl Acedia am Anfang stand, so stand sie auch am Ende dieses Weges.

IIª-IIae q. 35 a. 4 ad 2.

Ad secundum dicendum quod Gregorius convenienter assignat filias acediae. Quia enim, ut philosophus dicit, in VIII Ethic., nullus diu absque delectatione potest manere cum tristitia, necesse est quod ex tristitia aliquid dupliciter oriatur, uno modo, ut homo recedat a contristantibus; alio modo, ut ad alia transeat in quibus delectatur, sicut illi qui non possunt gaudere in spiritualibus delectationibus transferunt se ad corporales, secundum philosophum, in X Ethic. In fuga autem tristitiae talis processus attenditur quod primo homo fugit contristantia; secundo, etiam impugnat ea quae tristitiam ingerunt. Spiritualia autem bona, de quibus tristatur acedia, sunt et finis et id quod est ad finem. Fuga autem finis fit per desperationem. Fuga autem bonorum quae sunt ad finem, quantum ad ardua, quae subsunt consiliis, fit per pusillanimitatem; quantum autem ad ea quae pertinent ad communem iustitiam, fit per torporem circa praecepta. Impugnatio autem contristantium bonorum spiritualium quandoque quidem est contra homines qui ad bona spiritualia inducunt, et hoc est rancor; quandoque vero se extendit ad ipsa spiritualia bona, in quorum detestationem aliquis adducitur, et hoc proprie est malitia. Inquantum autem propter tristitiam a spiritualibus aliquis transfert se ad delectabilia exteriora, ponitur filia acediae evagatio circa illicita. Per quod patet responsio ad ea quae circa singulas filias obiiciebantur. Nam malitia non accipitur hic secundum quod est genus vitiorum, sed sicut dictum est. Rancor etiam non accipitur hic communiter pro odio, sed pro quadam indignatione, sicut dictum est. Et idem dicendum est de aliis.

Zum zweiten Einwand lässt sich sagen, dass Gregor [der Große] richtig die Töchter der Acedia aufzählt. Denn wie der Philosoph [Aristoteles] in (8 Ethic. 5.) schreibt: „Niemand kann lange ohne irgendeine Ergötzung in der Trauer bleiben,“ sodass aus der Trauer etwas zweifaches resultieren kann:

  1. in der Weise, dass der Mensch sich von dem entfernt, was Trauer verursacht;

2. in der Weise, dass zu etwas anderem übergeht, was erfreut.

Wie auch jene, die sich nicht an geistigen Ergötzungen (delectationes spirituales) erfreuen können, gehen zu körperlichen Ergötzungen (delectationes corporales) über, gemäß dem Philosophen [Aristoteles], der diesen Vorgang in seiner Ethica 10 beschreibt.  Im Fliehen vom Traurigen aber lässt sich folgendes Vorgehen beobachten; dass nämlich zuerst der Mensch vor dem, was Trauer erweckt, flieht; und dass er das bekämpft, was die Trauer herbeiführt. Geistige Güter (bona spiritualia) aber, welche die Acedia traurig stimmen, stellen sowohl den Zweck (finis) als auch das, was zum Zweck führt (id quod est ad finem) dar. Die Flucht vor dem Ziel/Zweck aber erfolgt durch Verzweiflung. Die Flucht jedoch vor den Gütern, die dem Ziel dienen, insofern es sich um ein harte [anspruchsvolle] Güter (bona ardua) handelt, welche in den [evangelischen] Räten bestehen, erfolgt durch Kleinmut (pusillanimitas); inwiefern aber die Güter das betreffen, was der gemeinsamen Gerechtigkeit dient, erfolgt diese Flucht durch die Trägheit hinsichtlich der Gebote (torpor circa praecepta).

Das Bekämpfen aber der geistlichen Güter, welche die Trauer erwecken, inwiefern es die Menschen betrifft, die uns zu den geistlichen Gütern führen, dieses Bekämpfen ist mit Groll (rancor) identisch. Inwiefern das Bekämpfen aber sich auf die geistlichen Güter selbst erstreckt, zu deren Abscheu (detestatio) jemand geführt wird, dann ist der Name dieses Verhaltens die Bosheit (malitia). Inwiefern jedoch jemand wegen der Traurigkeit über die geistlichen Güter sich zu den ergötzlichen Äußerlichkeiten (delectabilia exteriora) hingezogen fühlt, dann ist es richtig zu den Töchtern der Acedia das Herumschweifen im Unerlaubten (evagatio circa illicita) zu zählen. Aus dem Vorhergesagten erschließt sich die Antwort auf den Vorwurf hinsichtlich der einzelnen Töchter [der Acedia]. Denn die Bosheit (malitia) wird hier nicht als die Gattung der Laster betrachtet, aber so, wie sie dargestellt wurde. Groll (rancor) wird hier nicht gemeinerweise für Hass (odium) gehalten, aber, wie oben dargestellt, wird er als eine Kränkung betrachtet. Und so verhält es sich auch mit den anderen Töchtern.

„Diejenigen, die sich nicht an geistigen Ergötzungen (delectationes spirituales) erfreuen können, gehen zu körperlichen Ergötzungen (delectationes corporales) über“.

Ja, genauso ist es und deswegen lautet die Definition des Intellektuellen von Aldous Huxley wie folgt:

An intellectual is a person who’s found one thing that’s more interesting than sex.[6]

„Ein Intellektueller ist jemand, der etwas gefunden hat, was interessanter als Sex ist.“

Auf den Einwand:

„Da hat aber jemand noch keinen »guten Sex« [was immer das auch ist? Red.] gehabt“,

antworten wir:

„Da hat jemand aber nichts Interessanteres gefunden oder ist nicht in der Lage sich intellektuell für etwas zu interessieren“.

Manche bleiben ihr Leben lang auf der Stufe der sinnlichen Interessen und Ergötzungen (delectationes) stehen, weil sie primitiv sind und sie sind es deswegen, weil sie ihr Gehirn nicht durch Übung und Bildung verformen im Sinne von „bilden“ wollen. Das Letztere ist wirklich sehr anstrengend, was jeder weiß, der etwas Intellektuelles gelernt oder studiert hat. Es ist aber, was die Formung des Gehirns betrifft, sehr wirkungsvoll. Warum gibt es denn auch sinnliche aber gebildete Menschen? Weil sie auch intellektuell das Einfachere suchen und kein geistliches Leben pflegen, welches ebenfalls schwierig ist. Es ist dabei zu beachten, dass hl. Thomas von den „geistlichen Ergötzungen“ (delectationes spirituales) spricht, nicht von intellektuellen oder ästhetischen Ergötzungen. Einen schönen logischen Beweis zur Musik von Bach nachvollziehen können, ist zwar eine Ergötzung, aber keine geistliche Ergötzung.

Es bleibt hier zu wiederholen, dass Acedia keine Faulheit an sich ist, sondern Faulheit hinsichtlich der göttlichen Dinge oder Güter. Sie ist eine Traurigkeit (tristitia), die daher resultiert, weil man feststellt, dass man diese geistlichen Güter nicht besitzt oder nicht einmal weiß, was sie sind. Diese Traurigkeit wurde dem Schreiber dieser Zeilen seitens der Geistlichen mehr als einmal mitgeteilt:

„Du hast es gut. Ich habe so etwas nicht. Das ist bei Dir eine Gabe“.

Nein, es ist keine Gabe, sondern jahrelange Anstrengung und Training. Niemand hat auch die Gabe eines Waschbrettbauches, sondern höchstens eine bessere Veranlagung und der Waschbrettbauch erfordert viel Training. Sehr richtig stellt der Aquinate fest, dass man zuerst das Ziel (finis) also die Gegenwart Gottes meidet, denn das ist eigentlich das Gebet, ebenso wie das, was zu diesem Ziel führt (id quod est ad finem) und diese wären:

  • Gebet,
  • Buße,
  • Beichte,
  • Geistliche Lektüre,
  • Geistliche Gespräche,
  • Geistliche Menschen,
  • etc.

Kurz und gut: Man meidet alles, was jemanden daran erinnert, was er nicht ist oder hat.

Warum meidet man es? Weil es sich bei den geistlichen Gütern (bona spiritualia) um „harte/anspruchsvolle Güter“ (bona ardua) handelt, also um etwas, was wirklich hart zu erarbeiten ist. Geistliches Leben ist wirklich ein Leistungssport und nichts für Waschlappen beiderlei Geschlechts. Die evangelischen Räte:

(a) Gehorsam,

(b) Armut und

(c) Keuschheit

gehen ja gegen den Strich der gefallenen Natur, welche sich nach

(a) Macht,

(b) Reichtum und

(c) Sex sehnt.

Aber verlässt man die Letzteren, fleischlichen, theologisch begriffen, Begierden nicht, so kommt man niemals zum Geistlichen, denn mit einer „gepflegten Wampe“ bekommt man auch niemals ein Wachbrettbauch. Weil diese geistlichen Güter so hart buchstäblich umkämpft werden müssen, so kommt es bei den Meidenden zu:

  • Kleinmut (pusillanimitas) – „Das ist nichts für mich. Da muss man eine spezielle Gabe von Gott erhalten“.
  • Trägheit hinsichtlich der Gebote (torpor circa praecepta) – „Ich tue wirklich das Minimum für mein geistliches Leben oder noch weniger. Es reicht. Gott ist barmherzig!“

Aber leider ist es so, dass man nicht nur weint und trauert, weil man die geistlichen Güter nicht erlangt hat, sondern man bekämpft diese aufs Äußerste und die Menschen, die sie repräsentieren, ebenso. Daher der Hass gegen die „Fundamentalisten“, „rückwärtsgewandten Traditionalisten“ etc., weil sie uns zeigen, dass es doch geht. Und so kommt es zu:

  • Groll (rancor), denn man grollt den Frommen,
  • Bosheit (malitia), mit der man die geistlichen Güter selbst bekämpft.

Das Letztere ist wirklich interessant und dämonisch, da die Unfrommen nicht nur die Frommen, sondern wirklich Gott selbst hassen und alles, was mit ihm zu tun hat. Die höchste Form der Abscheu (detestatio) vom Heiligen ist die Besessenheit, da die Besessenen, beziehungsweise, die Dämonen, die sich ihrer Körper bedienen, den Kontakt mit etwas Heiligem (Kruzifix, Heiligenbildchen, Gebete etc.) nicht ertragen können.

Aber die Acedia führt auch zu:

  • ergötzlichen Äußerlichkeiten (delectabilia exteriora), da sehr viele Priester sich in äußerem, reichhaltigem Ästhetizismus verlieren (Goldbesteck, Barockmadonnen, reiche Gewänder etc.)
  • Herumschweifen im Unerlaubten (evagatio circa illicita), womit zuerst unerlaubte Gedanken, die sich noch in der Grauzone befinden, zu rechnen sind, dann kommen unerlaubte Taten, welche diese Zone schon verlassen und dann haben wir die Konkubinen, Konkubenten, Homosexualität, Pädophilie, Kriminalität und vieles, vieles mehr.[7]

IIª-IIae q. 35 a. 4 ad 3

Ad tertium dicendum quod etiam Cassianus, in libro de institutis Coenob., distinguit tristitiam ab acedia, sed convenientius Gregorius acediam tristitiam nominat. Quia sicut supra dictum est, tristitia non est vitium ab aliis distinctum secundum quod aliquis recedit a gravi et laborioso opere, vel secundum quascumque alias causas aliquis tristetur, sed solum secundum quod contristatur de bono divino. Quod pertinet ad rationem acediae, quae intantum convertit ad quietem indebitam inquantum aspernatur bonum divinum. Illa autem quae Isidorus ponit oriri ex tristitia et acedia reducuntur ad ea quae Gregorius ponit. Nam amaritudo, quam ponit Isidorus oriri ex tristitia, est quidam effectus rancoris. Otiositas autem et somnolentia reducuntur ad torporem circa praecepta, circa quae est aliquis otiosus, omnino ea praetermittens et somnolentus, ea negligenter implens. Omnia autem alia quinque quae ponit ex acedia oriri pertinent ad evagationem mentis circa illicita. Quae quidem secundum quod in ipsa arce mentis residet volentis importune ad diversa se diffundere, vocatur importunitas mentis; secundum autem quod pertinet ad cognitivam, dicitur curiositas; quantum autem ad locutionem, dicitur verbositas; quantum autem ad corpus in eodem loco non manens, dicitur inquietudo corporis, quando scilicet aliquis per inordinatos motus membrorum vagationem indicat mentis; quantum autem ad diversa loca, dicitur instabilitas. Vel potest accipi instabilitas secundum mutabilitatem propositi.

Zum dritten Einwand lässt sich sagen, dass auch Kassian, in seinem Liber des institutis coenob.,  die Acedia von der Trauer unterscheidet, aber dennoch Gregor [der Große] viel treffender Acedia eine gewisse Trauer nennt. Denn wie oben gesagt wurde, ist die Trauer [der Acedia] nicht ein Laster, welches sich von den anderen darin unterscheidet, dass es vor einem schweren und anstrengenden Werk zurückschreckt oder weil sie aufgrund irgendwelcher Gründe traurig gestimmt wird, sondern sie unterscheidet sich darin, dass die Acedia einzig und allein durch das göttliche Gut (bonum divinum) traurig gestimmt wird. Das ist es, was die Acedia ausmacht, dass sie insofern zu der ungebührlichen Ruhe (quietas indebita) sich hinwendet, inwiefern sie das göttliche Gut verachtet. Sie ist es, welche Isidor [von Sevilla] unter die Dinge zählt, welche aus der Traurigkeit herrühren und die Acedia wird darauf [i.e. auf die Traurigkeit] reduziert, wie Gregor angibt. Denn die Bitterkeit (amaritudo), welche Isidor zu den Verhaltensweisen zählt, die aus Traurigkeit herrührt, ist eine gewisse Wirkung des Grolls (rancor). Die Nichtstuerei (otiositas) und Schläfrigkeit (somnolentia) können auf die Trägheit in der Erfüllung der Gebote (torpor circa praecepta) zurückgeführt werden, ihretwegen ist jemand müßig (otiosus), dadurch, dass er ihr [Acedia] alles zubilligt ist er schläfrig (somnolentus), indem er sie nachlässig erfüllt. Alle anderen fünf Dinge, die nach Isidor von der geistigen Trägheit herkommen, beziehen sich auf das Herumschweifen des Geistes im Unerlaubten (evagatio mentis circa illicita).

Das aber in den Tiefen des Geistes sich einfindet, das kann unzugänglich dem Willen sich auf Verschiedenes ergießen, dies wird die Unentschlossenheit des Geistes (importunitas mentis) genannt; [hat sich die Acedia] im Bereich der Erkenntnis [eingenistet], so nennt man sie Neugierde (curiositas); inwiefern sie die Rede betrifft, nennt man sie Geschwätzigkeit (verbositas); inwiefern sie den Körper betrifft, der nicht an einem Ort verbleiben kann, nennt man sie Unruhe des Körpers (inquietudo corporis), da jemand durch die ungeregelte Bewegung der Glieder das Herumschweifen seines Geistes (vagatio mentis) anzeigt; inwiefern diese Verhalten verschieden Orte betrifft, nennt man es Unbeständigkeit (instabilitas) oder man kann die Unbeständigkeit annehmen wegen des Wechselhaftigkeit der Ansichten (mutabilitas propositi).

Wie richtigerweise der hl. Thomas sagt, können sich zwar die von der Acedia befallenen Menschen über vieles freuen und vieles tun, nur das Geistliche stimmt sie traurig und lähmt sie. Der Schreiber dieser Zeilen konnte oft die Reaktion beobachten, dass Menschen, die noch vorher für etwas Feuer und Flammen waren, als das Gespräch aufs Gebet oder geistliche Dinge kam auf einmal wie gelähmt wurden. Die ganze Energie verließ sie und sie wurden von einer starken Benommenheit befallen. Denn Acedia ist die ungebührliche Ruhe (quietas indebita) im Sinne eines Sich-Ausruhens, wo es nicht angebracht ist und zwar nur hinsichtlich der geistigen Dinge. So wird in manchen Gemeinden alles Mögliche veranstaltet außer Eucharistischer Anbetung, Rosenkranz oder Kreuzweg. Dazu finden sich keine Freiwilligen und der Pfarrer ist auch desinteressiert.

Die weiteren Töchter der Acedia, welche hier der Aquinate mit der Aufzählung des Isidors von Sevilla abgleicht, sind:

  • Bitterkeit (amaritudo), schauen Sie, wie oft sie verbitterte Geistliche finden,
  • Nichtstuerei (otiositas), manche exzellieren in ihr geradezu,
  • Schläfrigkeit (somnolentia), ja, irgendwie muss man sich die Zeit auch vertreiben,
  • Trägheit in der Erfüllung der Gebote (torpor circa praecepta), womit natürlich die Gebote des geistigen Lebens gemeint sind.

Aber die Acedia, kann sich, wie Krebs, in verschiedenen Vermögen der Seele einnisten und verschiedene Metastasen bilden. Wie zum Beispiel:

  • Unentschlossenheit des Geistes (importunitas mentis), wenn sie den Willen befällt, man weiß nicht, ob das eine oder das andere richtig ist. Der Schreiber dieser Zeilen kann an dieser Stelle das Zeugnis ablegen, dass seit er die vorkonziliaren Breviere betet, er viel sicherer in all seinen Entscheidungen ist, was er früher in dieser Art und Weise nicht war. Ebenso schreibt er viel schneller, da das Wissen auf einmal an die richtigen Stellen „springt“.
  • Neugierde (curiositas) entsteht dann, wenn die Acedia das Denken befällt. Dabei ist wirklich ein unnützes Wissen gemeint, denn irgendwann muss man auch „Halt“ sagen können. Manche Priester oder Theologieprofessoren haben dermaßen viele intellektuelle Steckenpferde, welche natürlich nichts mit Theologie und geistlichem Leben zu tun haben, dass der Schreiber dieser Zeilen wirklich bezweifelt, ob sie überhaupt schlafen oder dieses Wissen sich wirklich auf einem natürlichen Wegen aneignen konnten. Es ist wirklich alles und nichts, eine Unmenge an Fakten, die genauso beeindruckend wie einschüchternd ist. Da sie intelligent sind, so suchen sie ihren Wissensdurst zu stillen, da sie ungläubig sind, haben sie kein Maß und keine Orientierung. Und so entsteht die Polymathia, ein enzyklopädisches Vielwissen, welches leider steril ist.
  • Geschwätzigkeit (verbositas), ist diejenige die Acedia, welche das Sprachvermögen befällt, denn das durch Curiositats angesammelte Wissen muss ja raus.
  • Unruhe des Körpers (inquietudo corporis), welche in dem permanenten Reisen oder Herumgehen sichtbar wird, da man ohne innere Orientierung sich buchstäblich keinen Platz oder Ort finden kann,
  • Herumschweifen des Geistes (vagatio mentis) wird ja durch die Unruhe des Körpers (inquietudo corporis) angezeigt, denn man hofft von den äußeren Impulsen zu zehren, anstatt die inneren zu suchen,
  • Unbeständigkeit (instabilitas) im lokalen und geistlichen Sinne ist die Folge, welche das Gegenteil der benediktinischen Beständigkeit (stabilitas) bildet,
  • Wechselhaftigkeit der Ansichten (mutabilitas propositi) oder wörtlich „des Vorgelegten“ ist dann die letzte Folge, wobei wir in der Gegenwart des nachkonziliaren Sowohl-als-Auch, Wenn-aber-jedoch-pastorale-Gründe-dafür-sprechen, was das Ende jeder Logik und somit jeder Verkündigung ist, siehe unsere Bischofsperlen.

Die Töchter (filiae) der Acedia

Auch auf die Gefahr hin uns zu wiederholen, so wollen wir an dieser Stellen nochmals die Töchter (filiae) der Acedia zusammenstellen, um in unserer eigenen Gewissenserforschung zu beobachten, ob und inwiefern wir selbst davon befallen sind. Zwar wird jeder von uns versucht sein zu einer jeden Tochter ein Bild unserer Bekannten beizufügen, aber man ist hauptsächlich für sich selbst verantwortlich, es sei denn man ist Oberer oder Bischof, dann hat man das Nachsehen, da man auch für andere verantwortlich ist.

Die Töchter der Acedia sind nach Gregor dem Großen (Summ. Theol. IIª-IIae q. 35 a. 4 arg. 2) die folgenden:

  1. Bosheit (malitia)
  2. Groll (rancor)
  3. Kleinmütigkeit (pusillanimitas)
  4. Verzweiflung (desperatio)
  5. Trägheit hinsichtlich der Gebote also Unterlassung der Pflichtleistungen (torpor circa praecepta)
  6. Herumschweifen des Geistes im Unerlaubten (vagatio mentis circa illicita)

Ad 1. Bosheit (malitia)

Das lateinische Wort malitia bedeutet tatsächlich „Bosheit“, „Boshaftigkeit“, aber auch „Arglist“, „Tücke“, „Schelmerei“. Aber es bedeutet auch die spitze Zunge, den Sarkasmus, Ironie, das extrem antiklerikale Gerede vieler Kleriker. Es bedeutet auch Zynismus, welcher mit Kleinreden und Schlechtreden von Gutem verbunden ist. Es gibt eine Art intellektuellen Witz, welcher zwar recht geistreich aber auch sehr verletzend sein kann. Sehr viele Geistliche exzellieren darin. Hauptsächlich auf den Universitäten und in den Ordinariaten.

Ad 2. Groll (rancor)

Ja, ja der Groll aufgrund der Nichtbeförderung, des Nichtaufstiegs, der „Strukturen“, der „Kirche“ etc. Manchmal sehr innerlich und dennoch alles zersetzend. Sicherlich wird es immer vorkommen, dass uns andere ungerecht behandeln und es mit voller Absicht tun uns zu verletzen oder wirklich fertig zu machen. Aber man soll stolz sein, dass man etwas zu leiden hat und dieses Leiden, denn es ist wirklich Leiden, Gott aufopfern. So wird der Teufel, der dahinter steckt besiegt und wir werden geheiligt. Also eigentlich je mehr, desto besser. Erfahrungsgemäß hören diese Handlungen dann auf, wenn man anfängt sie als die Mittel der eigenen Heiligung zu betrachten. Warum? Weil sich der Teufel entdeckt sieht und seine Strategie ändert.

Ad 3. Kleinmütigkeit (pusillanimitas)

Ja, ja, das ewig weinerliche, klerikale Herumjammern. Es geht nicht, man, d.h. „ich“, kann nicht, denn das Konzil, die Kirche, die Säkularisierung, diese Leute etc. Man gibt auf und wirft die Flinte ins Korn und der Teufel freut sich.

Ad 4. Verzweiflung (desperatio)

Wir haben bereits darüber geschrieben. Alles verloren, der Antichrist steht vor der Tür, wie der Russe damals und er klopft an. Der Untergang ist nahe, das eigene Leben sinnlos verplempert. Diese Grundhaltung ist leider recht oft bei den Gläubigen und Priestern der Piusbruderschaft anzutreffen, was leider dafür spricht, dass das kanonisch Irreguläre das Spirituelle zum Nachteil beeinflusst.

Ad 5. Trägheit hinsichtlich der Gebote also Unterlassung der Pflichtleistungen (torpor circa praecepta)

Ja, man sollte doch so Vieles, aber man tut es nicht. Denn, keine Lust es nützt alles nichts. Keine Beachtung der Rubriken, der Verpflichtungen des Klerikerstandes oder des Ordensstandes und wenn es niemand sieht, dann ist es ja erst recht egal.

Ad 6. Herumschweifen des Geistes im Unerlaubten (vagatio mentis circa illicita)

Die Gedanken, welche nicht um Gott kreisen, müssen einen anderen Interessensschwerpunkt finden. Dies sind meistens die Frauen, das eigene Wohlergehen, das sich Einrichten, das Erwecken eines guten Eindrucks. Zuerst schweifen die Gedanken, dann folgen die Taten. Immer dieselben.

Sollte jemand von uns die Punkte (1) bis (6) bei sich entdecken, so bedeutet es, dass er einfach zu wenig betet. Dann wird es besser und zwar von selbst.

Aber lesen wir die Punkte vom Isidor von Sevillia (Summ. Theol. IIª-IIae q. 35 a. 4 arg. 3), den der hl. Thomas anführt, welche wir bereits oben kommentiert haben. Die Töchter der Acedia sind:

  1. Nichtstuerei (otiositas),
  2. Schläfrigkeit (somnolentia)
  3. Unbeständigkeit des Geistes (importunitas mentis)
  4. Unruhe des Körpers (inquietudo corporis),
  5. Geschwätzigkeit (verbositas)
  6. Neugierde (curiositas)
  7. Unentschlossenheit des Geistes (instabilitas)

Noch Fragen? Während aber die Punkte (1) und (2) von Isidor tatsächlich ein Nichtstun darstellen, zeigen die übrigen durchaus eine Aktivität, welche daher resultiert, dass man die eigentliche geistliche Arbeit, denn es ist schon Arbeit und Mühe, was wenigstens die wenigen Bußpsalmen-Beter bestätigen können, nicht verrichtet. Die Punkte oder die Töchter (3) bis (7) sind einerseits die geistlichen faking moves, von welchen schon die Rede war,[8] andererseits scheint es sich dabei um ein Überschäumen der Lebensenergie zu handeln, welche falsch eingesetzt wird. Denn betet man laut 50 Psalmen an einem Tag, was durchaus an einem Sonntag mit dem Officium vom Sonntag beim Tridentinischen Brevier der Fall ist, von den vielen, langen geistlichen Lesungen ganz zu schweigen, so hat man wirklich keine intellektuelle Neugierde (curiositas) mehr, denn man ist wirklich ausgelastet.  Der Schreiber dieser Zeilen war immer wieder erstaunt, welche hobbystische Steckenpferde doch viele Geistlichen reiten und fragte sich, wie sie intellektuell aufnahmefähig dafür bleiben. Die Antwort ist einfach: „Weil sie sonst nichts tun!“ Die geistige Trägheit trägt ihre Früchte.

Zusammenfassen lässt sich zu unserer Reihe über die Acedia sagen, dass diese Fehlhaltungen und Sünden nicht nur kirchenrechtlich definierte Geistliche betreffen, die wir kirchensteuerrechtlich finanzieren, sondern wirklich alle Menschen, auch Laien, welche ein geistliches Leben pflegen oder anstreben.Bei den Geistlichen kommt die Acedia, was die Wüstenväter schon wußten, einfach deswegen öfters vor, weil die allermeisten Laien überhaupt kein geistliches Leben pflegen und was man nicht pflegt, kann man nicht meiden. Oder haben Sie als ein Nicht-Golfer technische Probleme beim Putten? Nein, weil Sie kein Golf spielen. Es bleibt wirklich festzuhalten, dass Geistliche beruflich und professionel fromm zu sein haben. Das ist ihre Standespflicht und Frömmigkeit kommt vom Gebet. Dennoch beten muss jeder nur in einem verschiedenen Zeitmaß. Ein Laie kann sich immer damit entschuldigen, dass er es nicht muss, aber er muss es doch und wenn er, so hoffen wir, wenigstens im Fegefeuer landet, dann wird er realisieren können, was er alles aus Faulheit verwirkt hat. Denn all das, was wir jetzt wichtig nehmen: Karriere, Familie, Geld, Politik etc. hat bei Gott und im Himmel überhaupt keine Bedeutung. All diese Dinge sollen, wie Fitnessgeräte, uns lediglich dazu dienen diejenige Heiligkeit bei uns herauszuarbeiten, die Gott von uns fordert, denn das Maß bestimmt Gott allein. Da nicht einmal unsere Bischöfe oder Priester ein geistliches Leben führen und sich geistige Ziele setzen, so wird es nirgends verkündet, denn man müsste mit der Frage rechnen: „Und wie ist es bei Ihnen?“ Daher gehen ja leider so viele Seelen in die Hölle oder sie landen für lange Zeit im schweren Fegefeuer, weil sie ja nicht das angesammelt haben, was wirklich bei Gott zählt. In der Stunde des persönlichen Gerichts wird all das Unnütze wie Stroh verbrennen und es bleiben nur die Edelmetalle, falls vorhanden, des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, samt der Tugenden. Da Gott ein „verzehrendes Feuer“ (Hebr 12,29) ist, so wird nur bei ihm das Bestand haben, was wenigstens metallisch mit einem hohen Siedepunkt ist, denn die Edelmetalle haben einen höheren Siedepunkt als die unedlen Metalle.  Und so muss man auch die folgende Paulusstelle lesen (1 Kor 3, 12-15), welche in der kirchlichen Tradition als ein Bild des Fegefeuers und des Gerichts nach dem Tode gelesen wurde:

Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut: das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch. (1 Kor 3, 12-15)

Aber das Gute ist, dass man seine Heiligung nicht alleine vollbringen muss, sondern durch die Mitarbeit mit Gott und seiner Gnade, welcher wir durch das Gebet und die Sakramente teilhaftig werden. Aber beten kann man immer, zu den Sakramenten, falls sie stattfinden, muss man hingehen. Und deswegen die Wichtigkeit des Gebets. Wenn wir qualitativ, also mit den vorkonziliaren Brevieren, am besten mit dem Tridentinischen Brevier, beten, so werden wir quasi erleuchtet und bestärkt, sodass wir Vieles wirklich im göttlichen Licht sehen und verstehen können. Wir bekommen auch die Kraft es zu vollbringen. Aber das liturgische Gebet des Offiziums ist nicht nur persönliche Heiligung, sondern eine Leistung, welche man für die Kirche und durch diese für die Welt darbringt. Denn dies ist er eigentliche Sinn des Breviergebetes, dass die betenden Stände der Kirche die Gnade Gottes auf die Welt herabrufen. Dass sie es mit dem neuen Brevier seit 1970 kaum tun, ist offensichtlich, sonst wären die Kirche und die Geistlichkeit in einer besseren Verfassung. Sollten uns hier Priester und Ordensleute lesen, so hilft ihnen ein Umdenken:

  1. Das Gebet, vor allem das lateinische und vorkonziliare, wirkt wirklich,
  2. Ich bringe es für die Kirche und die Welt dar, denn jemand muss ja.

Die Wirkung an sich selbst wird man nach und nach erleben, die Wirkungen unserer Gebete für die Kirche, werden wir spätestens in unserer Todesstunde sehen, vielleicht auch zu Lebzeiten. Und damit uns bei unserem Vorhaben die Acedia nicht stört, daher veröffentlichten wir diese Reihe.

[1] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/01/01/acedia-oder-zu-faul-uber-die-geistige-tragheit-4-acedia-als-laster-was-ist-ein-laster/

[2] http://www.zahn-zahnarzt-berlin.de/zahnschmerzen/zahnentzuendung/

[3] Siehe https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/12/22/verpflichtung-zur-vervollkommnung-oder-perfektionismus-ist-etwas-gutes/

[4] Hier einzusehen: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel551-4.htm

[5] http://www.philosophie-woerterbuch.de/online-woerterbuch/?title=Causa%20finalis&tx_gbwbphilosophie_main[entry]=181&tx_gbwbphilosophie_main[action]=show&tx_gbwbphilosophie_main[controller]=Lexicon&cHash=55e7205bdeef50e49dcd4938ede98258

[6] http://www.brainyquote.com/quotes/quotes/a/aldoushuxl161879.html

[7] Ein Beispiel dieses Niedergangs findet sich hier: http://www.katholisches.info/2015/10/09/schweigen-foerdert-die-homohaeresie-neuer-homo-skandal-in-rom/

[8] https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/12/29/acedia-oder-zu-faul-uber-die-geistige-tragheit-2/

J. S. Bach, Et resurrexit aus der h-moll Messe

Ausführende: The Sixteen Choir & Orchestra

Leitung: Harry Christophers

 

Wie Christus auferstanden ist, so wird auch die Kirche auferstehen. Warum? Weil Er es selbst gesagt hat.

„Ich werde auferstehen“

und er ist auferstanden,

„die Höllenpforten werden sie nicht überwinden“

– so werden sie sie nicht überwinden. Irgendwo steckt doch immer der heilige Rest, der sich in der harten Zeiten bewähren kann und einen Samen darstellt, der irgendwann einmal aufblühen kann. Die Krisen dauern meistens 70 Jahre, die ersten 50 haben wir schon hinter uns gebracht, so bleiben uns nur noch weiter 20 Jahre und einige Päpste. Und das im schlimmsten Falle.

Und deswegen wünschen wir all unseren Lesern ein gesegnetes und zuversichtliches Osterfest.

Alleluja!

 

Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I. Responsorium I.

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Auch diese ganz kurzen Responsorien zeigen uns den Sühnecharakter des Todes Christi, also etwas wovon wir zurzeit in der Kirche auch nicht hören. Die Sündenlast, welche von Anfang der Welt bis zu ihrem Ende die göttliche Gerechtigkeit beleidigt hat und den Menschen wie eine Smogwolke die Sicht zu Gott versperrt hatte, wurde mit dem Erlösungswerk Christi, mit seinem Leiden und Tod, abgetragen. Die Menschheit startet nicht einmal wieder beim Null, sondern kann sich die Verdienste Christi (merita Christi) anrechnen, wenn man getauft, katholisch und im Gnadenstand ist.

„Ein einziger Tropfen des Blutes Christi hätte genügt, um die ganze Welt zu erlösen“,

sagt der hl. Thomas von Aquin in seinem Hymnus Adoro devote. Welch eine Freigiebigkeit, welch eine Gnade! Wir haben für Christus nichts bis wenig getan, er für uns alles, bis zum Tod, bis zur Höllenfahrt. Würden unsere Priester dies wissen und daran glauben wie anders würden sie doch leben und die Hl. Messe feiern, welche ja die direkte Vergegenwärtigung des Kreuzopfers Christi ist. Man klinkt sich zeitgleich bei Golgatha ein! Dies ist die Lehre der Kirche und darum werden uns durch jede gültige Messe, auch im Novus Ordo, die Erlösungsfrüchte Christi zuteil. Christus hat also nicht nur die Väter im Scheol insofern „lebendig gemacht“, dass sie in den Himmel kamen, sondern er macht auch uns heute mit seiner sakramentalen Gnade lebendig, falls wir (a) im Gnadenstand sind und (b) die Messe (i) gültig und (ii) würdig ist. Der Schreiber dieser Zeilen ist sich nicht sicher, ob alle Gnaden der Messe auch durch einen unwürdigen, also in Todsünde sich befindlichen Priester, ausströmen, aber er hält es für unwahrscheinlich oder für sehr reduziert. Ein Priester, der unwürdig ein Sakrament spendet begeht eine Todsünde, obwohl das Sakrament gültig ist, der Gläubige ist aber nicht dazu gehalten es von diesem Priester ohne Not zu empfangen, wenn er andere zur Auswahl hat. In manchen Diözesen ist diese Auswahl sehr klein und die Not sehr groß. Aber zwischen der (i) Gültigkeit eines Sakraments, seiner (ii) Würdigkeit und seinem (iii) Gnadenreichtum, welches ja ex opere operantis wirkt, bestehen ja Unterschiede. Christus hat aber all seine Erlösungswerk der Kirche übertragen und den konkreten Priestern, welche so mit ihm verfahren, wie wir sehen. Sie werden sicherlich all ihre Taten zu verantworten haben, denn Christus wollte „sein Volk lebendig machen“ (ut vivificaret populum suum), was jedoch bei den vielen ungültigen und bei den noch zahlreicheren unwürdigen Sakramenten wirklich schwierig ist.

Beten wir doch alle und vielleicht wird sich Gott erbarmen und uns gläubige und würdige Priester schicken:

Ich danke dir, Herr Jesus Christ, dass du für mich gestorben bist. Ach, lass dein Blut und deine Pein an mir doch nicht verloren sein.

Responsorium:

R. Sicut ovis ad occisionem ductus est, et dum male tractaretur, non aperuit os suum: traditus est ad mortem,
* Ut vivificaret populum suum.
V. Tradidit in mortem animam suam, et inter sceleratos reputatus est.
R. Ut vivificaret populum suum.

Responsorium:

R. Wie ein Lamm, das zur Schlachtung geführt wurde und während er schlecht behandelt wurde, öffnete er seinen Mund nicht: er wurde dem Tod übergeben.
* Damit er sein Volk lebendig macht.
V. Er hat seine Seele dem Tode übergeben und zu den Verbrechern wurde er gezählt.
R. Damit er sein Volk lebendig macht.

Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I.

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Das Wort Barmherzigkeit (misericordia) kommt im Lateinischen, im Gegensatz zum Deutschen, auch in der Mehrzahl vor. Es sind also die „Barmherzigkeiten“, die vielen Gunst-und Gnadenerweise Gottes, die uns in unserem Leben begleiten. Da es diese gibt, so kann Jeremias sagen: non sumus consumpti – „wir sind noch nicht am Ende, wird sind noch nicht vollendet“, im Sinne von: „Es geht noch für uns weiter“. Auch im Fegefeuer, denn in der Hölle geht es nicht zum Besseren, sondern es gibt eine gleichbleibende und ewige Qual. Die Glaubenswahrheit von der Höllenfahrt Christi, wobei hier „Hölle“ für descendit ad inferos – „Er stieg hinab in die Unterwelt“ steht, wo die Seelen der Gerechten, seit Anfang der Welt auf Christus harrten, ist in der heutigen Verkündigung absolut abwesend. Aber diese Seelen non sunt consumpti – „waren noch nicht am Ende“, da sie auf der Erlöser warteten. Die Kirchenväter beschreiben in freudigen Tönen das Treffen von Adam und Eva mit Christus. Die Ureltern mit ihrem Nachkommen und Erlöser. Schöne, bewegende Bilder, welche uns, wie vielen andere auch, seit dem Konzil nicht berühren können, weil man davon nirgends hört. Wir haben diese Worte hier, in der Vertonung von Palestrina, also können uns wirklich nicht beklagen, finden wir.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 3:22-30
22 Heth. Misericordiae Domini, quia non sumus consumpti; quia non defecerunt miserationes ejus.
23 Heth. Novi diluculo, multa est fides tua.
24 Heth. Pars mea Dominus, dixit anima mea; propterea exspectabo eum.
25 Teth. Bonus est Dominus sperantibus in eum, animae quaerenti illum.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Aus den Wehklagen des Propheten Jeremias.
Lam 3:22-30
22 Heth. Die Barmherzigkeiten des Herrn, denn wir sind noch nicht am Ende; denn seine Barmherzigkeiten hörten nicht auf.
23 Heth. Ich habe am Morgen erkannt, groß ist Deine Treue.
24 Heth. Mein Teil ist der Herr, sagte meine Seele; daher werde ich Ihn erwarten.
25 Teth. Gut ist der Herr zu denen, die auf Ihn hoffen, zu der Seele, die ihn sucht.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zum Herrn, Deinem Gott zurück.

Heute am 25.03 beten wir für unsere Bischofskonferenz

1801-1-4 Champaigne Bon Pasteur

Viele werden sich fragen: „Am Karfreitag? Muss es wirklich sein?“ Ja, es muss sein und gerade an solch einem Tag, an dem man ohnehin Busse tut wird es Gott sehr genehm sein. Sie wollen doch auch irgendwannmal einen katholischen deutschsprachigen Bischof erleben oder? Von nichts, kommt nichts. Na dann!

Es ist soweit: Die Bußpsalmen für die jeweilige Bischofskonferenz!

Nachdem wir theoretisch vorbereitet worden sind,[1] schreiten wir wieder zur Tat und beten das Offizium der Bußpsalmen mit der anschließenden Allerheiligenlitanei und den folgenden Gebeten für unsere Bischofskonferenzen. Abhängig vom eigenen Wohnort und der eigenen Diözese empfiehlt es sich für die eigene Bischofskonferenz zu beten, also die Deutschen für die deutsche, die Österreicher für die österreichische etc. Welche hat unser Gebet aber am meisten nötig? Wohl die deutsche, da sie die reichste und die zahlreichste ist, sowie in der ganzen Welt als die korrumpierteste Kirche gilt, welche mit Hilfe ihres Geldes, der Entwicklungshilfe (früher Mission genannt) und ihrer Stipendien (früher Theologiestudium genannt) andere Kirchen verdirbt. Ja, es stimmt leider und man kann es überall nachlesen und erfahren[2] Damit es zuerst auf der geistlichen Ebene besser wird und die Dämonen ein wenig vertrieben werden, müssen wir beten. Aber wie?

  • Auf den Knien,
  • Auf Lateinisch,
  • In einem Zug, d.h. alle vorgesehenen Gebete in einer „Session“.

Sollte jemand sich nicht ausreichend motiviert fühlen, dann möge er sich die Aussagen unserer Bischöfe nochmals durchlesen oder die Website der jeweiligen Bischofkonferenz besuchen. Sollte jemand von diesem Gebetsaufruf nicht betroffen fühlen, weil er sowieso viel zu tun hat und man solle nicht übertreiben, so verwirkt er hiermit jede Möglichkeit sich in der Zukunft über:

  • „die Amtskirche“,
  • „die Kirchensteuermafia“,
  • DBK, ÖBK und SBK
  • „die Konzilssekte“,
  • „die deuterovatikanische Sekte“
  • oder wie sie sonst genannt wird

zu beschweren, da er nicht dagegen unternommen hat. Ein kurzes und gelindes Fegefeuer scheint da ausgeschlossen zu sein.

Das konkrete Gebetsanliegen lautet: Wir bitten Gott, dass er den Bischöfen die notwendigen Gnadengaben gibt, damit sie endlich den katholischen Standpunkt in der Lehre und Moral vertreten.

Praktische Anweisung

Man bete wie folgt:

  1. Man knie sich hin.
  2. Man mache das Kreuzzeichen.
  3. Man bete: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
  4. Man lese einfach all das laut vor, was auf den Seiten 179 bis 188 geschrieben steht.
  5. Man beende das Gebet mit einem Kreuzzeichen und Punkt (3)

Ad 4.

Unter „lautem Beten“ verstehen die frühen Rubriken des Offiziums, dass man die Lippen bewegen soll und sich selbst wenigstens hören sollte. Man braucht also nicht zu schreien. Sollte man zusammen mit jemanden beten, so kann man sich bei den Versen, Anrufungen der Litanei und anderen Gebeten abwechseln und während der eine laut betet, betet der andere im Geiste mit bis er an die Reihe kommt. So bestimmen es die Rubriken der alten Ablassgebete und so wird es richtig sein. Man kann sich die Texte ausdrucken oder am Handy beten.

Wenn wirklich nicht knien kann?

 

Sollte jemand alt und gebrechlich sein oder im Rollstuhl sitzen und wirklich nicht knien können, dann kann er dies halt nicht tun. Er kann sich eine andere machbare Abtötung für die Dauer des Gebets einfallen lassen. Die Rubriken sagen: flexis genibus – „mit gebeugten Knien“, dies bedeutet, dass, wenn jemand nicht kann, er auch mit gebeugten Knien teilweise sitzen kann, wie es in jeder Kirchenbank der Fall ist. Man kann sich auch auf ein Kissen knien, um es sich ein wenig einfacher zu machen. Aber je mehr Busse, desto größer unser Verdienst, siehe unsere Reihe.

Was ist, wenn man kein Latein kann?

 

Dann lernt man es eben dadurch, dass man es betet: learning by doing. Die Aussprache des Kirchenlateins ist wie folgt:

  • C wird meistens wie K ausgesprochen (corpus – „korpusss“), außer
  • Vor e, i, y, ae, oe, eu dann wir C wie z, c ausgesprochen (caeli – „zeli“)
  • Q wird wie kw ausgesprochen (quoniam – „kwoniam“)
  • Ngu, su wir wie ngw, sw (sanguis – „ssangwis“), aber das „w“ ist sehr leicht.
  • X wie ks (capax – „kapaks“)
  • Z wie s, stimmhaft (zizania – „sisania“)
  • Ch wie ch (charta – „charta“)
  • Ph wie f (philosophia – „filozofia“)
  • Rh wie r (rhombus – „rombus“)
  • Th wie t (thalamus – „talamus“)
  • I am Wortanfang und vor einem Vokal wie j (iam – „jam“)
  • Y wie y (thymiana – „tymiana“)
  • V wie w (valde – „walde“)
  • S am Wortanfang und Wortende wie ss (super – „ssuper“)
  • S in Wortmitte wie das deutsche stimmhafte s (censebant – „zensebant“)

Man kann die lateinische Aussprache bspw. bei den Mönchen von Le Barroux hören[3] oder in anderen Klöstern, die das vorkonziliare Offizium auf Lateinisch beten. Die Akzentuierung ist im Text angegeben. Bei Gloria Patri et Filio am Ende eines Psalms mache man eine leichte Verbeugung zur Ehre der Heiligen Dreifaltigkeit.

Es geht hier um ein fürbittendes Gebet in einem wichtigen Anliegen und um keine Radioaufnahme. Auch wenn man Fehler macht, wird es Gott genehm sein und wenigstens wir – die Beter – werden dadurch geheiligt werden und vielleicht manch einer Bischof auch.

Man kann seine Erfahrungen auf unserem Forum oder anderswo mitteilen. Man solle sich auch auf irgendwelche unerwartet auftretende Probleme und Schwierigkeiten, wie z.B. plötzlicher Familienstreit oder Streit am Arbeitsplatz gerade an diesem Tag einstellen. Dies wird ein gutes Zeichen sein, dass die Mächte der Finsternis diese Initiative bekämpfen. Man solle sich auch auf alle möglichen Zweifel am Sinn dieses Gebetsaufrufs und der eigenen Mitarbeit vorbereiten. Aber von nichts kommt nichts und der Verfall der Kirche in den deutschsprachigen Ländern scheint kaum noch steigerungsfähig. Jemand muss es herausreißen. Packen wir es an!

[1] Und zwar mit diesen Beiträgen https://traditionundglauben.wordpress.com/category/gebetsaktion-bischofskonferenz/

[2] Beispielsweise hier: http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/09/deutschlandchurch-of-rich-or-church-of_16.html http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/04/the-german-catholic-collapse-priests.html http://rorate-caeli.blogspot.com/2014/09/achtung-as-in-vatican-ii-germans-seem.html http://www.katholisches.info/2015/11/24/paepstliche-standpauke-fuer-deutsche-bischoefe-deutsche-kirche-nicht-die-fortschrittlichste-sondern-die-zerruettetste/

[3] http://www.barroux.org/fr/liturgie/ecoutez-nos-offices.html

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Buss 1

Buss 2

 

Buss 3Buss 4

Buss 5Buss 6

Und hier nochmals der Text zum Download

Sieben Bußpsalmen

Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I. Responsorium I

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2000 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Während die Lesung der ersten Nokturn das Objektive der Geschichte und der Prophetie darstellt, denn oft schon ist es der Kirche wie Israel ergangen, stellt das Responsorium das objektivierte Subjektive des Leidens Christi und des Gläubigen dar. Wir können versichert sein, dass bei der richtigen Christusnachfolge uns auch die Nachfolge im Leiden nicht erspart bleibt. Verrat, Einsamkeit, Qual, Verleumdung etc. etc. Die Texte der dunklen Responsorien sind sehr emotional, literarisch schön und schlicht und so wundert es nicht, dass sie durch die vielen Jahrhunderte verschiedene Komponisten inspirierten. Interessanterweise komponiert Palestrina dieses Responsorium nicht aus, sondern belässt es gregorianisch, wahrscheinlich aus Zeitgründen und als Kontrapunkt zu der auskomponierten Lectio. Da sie nach dem letzten Konzil, wie eigentlich alles Schöne, abgeschafft wurden, so werden sie heute kaum vertont. Erst wenn man diese alte Musik und die alte Liturgie kennt, wird man sich der heutigen, nachkonziliaren Barbarei erst bewusst. Die Pferdedecken, die Pastoralassistentin, das Bla-Bla-Bla. Früher hielt die Liturgie die Menschen auch ästhetisch bei der Stange, was sie ja heute nicht tut. Das alte Lied dieses Blogs, aber hören wir uns die Schönheit der Vergangenheit an, welche sicherlich früher oder später zur Schönheit der Zukunft wird.

V. Omnes amici mei dereliquerunt me, et praevaluerunt insidiantes mihi: tradidit me quem diligebam:
* Et terribilibus oculis plaga crudeli percutientes, aceto potabant me.
V. Inter iniquos projecerunt me, et non pepercerunt animae meae.
R. Et terribilibus oculis plaga crudeli percutientes, aceto potabant me.

R. Alle meine Freunde haben mich verlassen und meine Verfolger nahmen Überhand: derjenige, den ich liebte, hat mich verraten.

* Und mit schrecklichen Blicken schlugen sie mir grausame Wunden, mit Essig tränkten sie mich.

V. Unter Verbrecher haben sie mich geworfen, und sie schonten meine Seele nicht.

R. Und mit schrecklichen Blicken schlugen sie mir grausame Wunden, mit Essig tränkten sie mich.

Palestrina, Karfreitag. Lamentatio Jeremiae I: Heth und Teth.

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2000 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Da wir in der Karwoche wahrscheinlich alle wenig erbauliche Liturgien über uns ergehen lassen werden, es sei denn jemand hat das Glück sie im Alten Ritus und würdig zu feiern, so wollen wir uns auf das Triduum ein wenig einstimmen, indem wir uns die Tenebrae von Palestrina anhören. Beim vorgestellten Stück handelt es sich um die erste Lesung des ersten Nokturns der Matutin von Karfreitag, welche zwar schon auf Lateinisch, aber noch nicht auf Deutsch beim divinum officium eingesehen werden kann. Unserer Meinung nach stellt Palestrina, neben Victoria, die katholischste Musik dar, welche die göttliche Vollkommenheit und Schönheit am besten vermittelt. Obwohl das Leid und die Zerstörung beklagt werden, so geschieht es, anders als bspw. beim vorgestellten Thomas Tallis, auf eine harmonische Art und Weise. Diese Musik ist wirklich ein Träger des Sakralen und deswegen wird sie so selten in der heutigen Kirche aufgeführt. Wir stellen eine eigene Übersetzung vor, da wir die Allioli-Bibel, die ebenfalls aus der Vulgata übersetzt, nicht zur Hand haben.

Die Kirche erkannte bis zum letzten Konzil im zerstörten Jerusalem sich selbst. Man hielt sich einmal im Jahr, bei den dunklen Laudes, also bei den Tenebrae, die mögliche göttliche Strafe für die eigenen Sünden vor Augen. Wahrscheinlich hat es ein wenig geholfen, da man es zurzeit ja nicht macht und die Folgen sieht. Die Kirche ist zwar der Neue Israel, aber Gott ändert seine Vorgehensweise nicht. Er fordert von der Kirche und ihren Vertretern viel mehr, als er von Israel forderte. Wenn man all das realisiert und sich die heutige Lage der Kirche und der Kleriker in den deutschsprachigen Ländern ansieht, so kann die Strafe Gottes, auch in diesem Leben, wirklich nicht weit sein und erst nach dem Tod. Wir alle, die wir noch leben, können uns bekehren, beichten, sühnen und Buße tun. Auch für andere.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 2:8-11
8 Heth. Cogitavit Dominus dissipare murum filiae Sion; tetendit funiculum suum, et non avertit manum suam a perditione: luxitque antemurale, et murus pariter dissipatus est.
9 Teth. Defixae sunt in terra portae ejus, perdidit et contrivit vectes ejus; regem ejus et principes ejus in Gentibus: non est lex, et prophetae ejus non invenerunt visionem a Domino.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Die Wehklages des Propheten Jeremias.
Lam 2:8-11
8 Heth. Der Herr beschloss die Mauer der Tochter Zion zu zerstreuen; er nahm ein Richtmaß und zog seine Hand von der Zerstörung nicht zurück: er brachte die Vormauer in eine Schieflage und gleichzeitig wurde die Hauptmauer auseinander geworfen.

9 Teth. Eingeschlagen sind ihre Tore, er hat zerstört und zermahlt ihre Türriegel; ihren König und ihre Fürsten zerstreute er unter die Heidenvölker: es gibt kein Gesetz und ihre Propheten haben bei Gott keine Vision gefunden.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zu Gott, Deinem Herrn, zurück.

Thomas Tallis, Lamentatio Jeremiae (He): Deller Consort

De Lamentatione Jeremiae Prophetae

Lam 1:5

5 He. Facti sunt hostes eius in capite; inimici eius locupletati sunt: quia Dominus locutus est super eam propter multitudinem iniquitatum eius; parvuli eius ducti sunt in captivitatem ante faciem tribulantis.
Ierusalem, Ierusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

 

Lam 1:5

5 He. Zum Haupt geworden sind ihre Angreifer; ihre Feinde haben sich bereichert: denn der Herr hat [ein Urteil] über sie gesprochen wegen der [großen] Menge ihrer Sünden; ihre Kinder wurden in Gefangenschaft geführt vor dem Angesicht, das sich grämte.

 

Jerusalem, Jerusalem, kehrte zum Herrn, Deinem Gott zurück.

Tenebrae des Gründonnerstags – Nachtrag

 

Wie tiefgehend sind doch diese Texte. Wie sehr fallen sie ins Gedächtnis, wenn man sie entweder vor Sonnenaufgang am Gründonnerstag betet oder in der Nacht von Karmittwoch auf Gründonnerstag. Diese Fülle des Schmerzen, der desolate Zustand von Jerusalem und die Strafe Gottes. Die Kirche hat diese Texte jahrhundertlang gebetet und sich einen Spiegel vorzuhalten. Denn als das neue Jerusalem, denn es gilt weiter die Substitutionslehre, wonach die Kirche Israel in seiner Heilsmission ablöste, ungeachtet Nostra aetate und der neuere Ausführungen von Kardinal Koch, wußte die Kirche, dass die Strafe Gottes auch sie ereilen wird, falls sie Gott untreut wird.  Das oben angeführte Bild stellt Sacco di Roma dar, das Strafgericht Gottes über das Renaissance-Rom, welches genau 10 Jahre nach dem Auftritt Luthers, also im Jahre 1527 stattfand. All die bei Jeremias beschreibenen Umstände fanden in Rom im Jahre 1527 buchstäblich statt und die Kleriker, die danach ihr Brevier beteten, wußten Bescheid. Warum straft Gott die heutige Kirche nicht? Er wird es sicherlich tun, weil der Verfall wirklich viel mehr fortgeschritten ist als in der Renaissance-Zeit. Wir können nur Sühne leisten, Fürbitte tun, damit es nicht so schlimm ausfällt und uns selbst im Gnadenstand halten, damit wir jederzeit sterben können.  Sollten die 500-jährigen Jubileen zur Ketzerei Luthers tatsächlich auch in der katholischen Kirche stattfinden, wie geplant, dann bleibt dabei zu bedenken, dass das 500-jährige Jubiläum von Sacco di Roma ebenfalls nicht weit entfernt ist. Vielleicht wird es sich das auch jähren?  Ist es realistisch? Hat jemand vor einem Jahr damit gerechnet, dass „Mutti Merkel“ 1 Million, wenn nicht mehr zumeist islamische „Flüchtlinge“ und darunter sicherlich einige Terroristen ins Land lässt? Bis zum Jahr 2027 kann also noch einiges passieren. Deswegen häufig beichten, Ablässe für sich selbst erwirken (wir werden noch schreiben wie) und bereit sein, denn wir wissen weder Tag noch Stunde. Die Römer sollten sich gleich ganz warm anziehen, denn Gott ändert sein modus operandi nicht und es wird uns allen wie Israel in den Wehklagen Jeremias ergehen.