Tradition und Glauben

Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (33) 4. Kapitel: Warum steigt man nicht auf?

Es gibt in den deutschen Bundesligen ein paar Vereine, welche dermaßen selten in die höhere Klasse aufsteigen, dass sie sich selbst stolz-ironisch die „Unaufsteigbaren“ nennen. Denn der Mensch ist so geschaffen, dass er immer dann fragt, wenn er sich einer Hierarchie gegenübergestellt sieht, auf welcher Stufe er sich wohl befindet. Genauso ist es auch mit den mystischen Stufen, welche Gliederung oder Aufteilung wir auch dazu verwenden. Dazu möge man sich mehr das Kleingedruckte bei Pater Poulain SJ durchlesen, der verschiedene Systeme zusammenstellt und vergleicht. Er stellt richtigerweise dar, dass man nicht notwendigerweise auf den erreichten Stufen verbleiben muss. Man kann sich auch zurückentwickeln, man kann an einer Stelle bleiben.

Warum schreite ich nicht voran? Weil Sie es nicht wollen.

Dass wir nicht voranschreiten, liegt immer an uns, nicht an Gott. Ein anderer jesuitischer Autor Alphonsus Rodriguez SJ gibt in seinem Werk „Übung der christlichen Vollkommenheit“ die folgende Erklärung. Gott gibt uns keinen neuen Gnaden, wenn wir diejenigen, die wir bislang erhalten haben, nicht gebraucht, verwendet, aufgebraucht haben. Er gibt hierzu das Beispiel des Schönschreibunterrichts, der Kalligraphie, wo, wie er sagt, der Lehrer erst dann einen neuen Buchstaben aufgibt, wenn wir den vorherigen richtig schön schreiben können. Sie erinnern sich an ihre Grundschulzeit: Sie konnten erst mit dem D anfangen, nachdem sie C schon schreiben konnten. Und genau so ist, schreibt Pater Rodriguez SJ, mit den Gnaden. Erkennen wir die gegebenen Gnaden nicht, arbeiten wir nicht mit Ihnen, weil wir zu ängstlich oder zu feige sind oder einfach bestimmte Dinge aufschieben, dann gibt uns Gott nichts Neues, weil er in seiner göttlichen Ökonomie nichts Unnützes tut. Daher hat Pater Poulain  SJ recht, in dem er schreibt:

Wer ganz stationär bleibt, tut gut daran, einen Gedanken sich vor die Seele zu führen, der so recht zu Demut stimmt, die nämlich, Gott würde ihn vielleicht gerne zu einer höheren Wohnung einladen. Jeder Kern trägt die Kraft der Entfaltung in sich; wenn er also nicht aufgeht, liegt es an den Hindernissen, die er findet.

DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) hat schon sehr viele Dinge gemacht, die eine Technik erforderten. Daher weiß er, dass man einen Riesenfortschritt durch kleine Veränderungen herbeiführen kann, wobei es wiederum diese Details sind, die einem sehr schwierig vorkommen, sodass man sie scheut. Es ist das interiorisierte Pareto-Prinzip von dem wir hier sprechen. Manchmal heißt die Veränderung „Ellenbogen nach außen“, manchmal „Zunge nach unten“, manchmal „get the sh…done“. Interessanterweise sträuben wir uns am meisten gegen diese Details, die uns weiterbringen. Im spirituellen Leben ist es genauso, dass wir die kleinen, unscheinbaren Gnaden missachten, sie nicht nutzen, bis wir sie nicht mehr sehen. Dann gibt uns Gott keine neuen Gnaden und wir stecken fest. Es liegt immer an uns.

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