Hl. Heinrich II, Kaiser oder der politische Gegenentwurf

Heute, am 15. Juli, feiert die Kirche im alten Kalender das Fest des heiligen Heinrichs II. – des deutschen Kaisers. Das Fest ist im neuen Kalender nicht gänzlich verschwunden, sondern es wurde in Deutschland auf den 13. Juli verlegt, woanders wird es am 14. Juli gefeiert, sodass, je nach Kalender, die Tage vom 13. bis 15. Juli dem heiligen Kaiser Heinrich gewidmet werden können, aber nach Novus Ordo Regeln natürlich nicht müssen. Diabolus inverse legitur – „den Teufel muss man per Umkehrschluss lesen“, sagt eine lateinische Maxime, sodass wir annehmen können, dass gerade diejenigen Heiligen, welche aus dem Heiligenkalender verbannt oder durch das Schweigen über ihre Leistungen zu Unpersonen erklärt wurden uns besonders viel hier und heute zu sagen haben.

Denn, liebe Leserinnen und Leser, es ist wirklich nicht so, dass sich Gott und seine Heiligen an die „Bedürfnisse des modernen Menschen“ anzugleichen haben, sondern gerade der moderne Mensch soll sich, so gut er kann, Gott und seinen Heiligen angleichen. Der moderne Mensch von Anno 2020 hat es jedoch viel schwerer die objektiven Werte zu erkennen und ihnen nachzufolgen als die früheren Generationen, da sein Leben einem Chaos gleicht, ohne oben und unten, rechts und links, ohne das Horizontale und das Vertikale. Ohne ein Koordinatensystem aber kann man gar nicht fortschreiten, weil man nicht weiß ob man vorwärts- oder rückwärts schreitet, ob man nach oben geht oder hinuntersteigt. All diese Entwicklung, machen wir uns da nichts vor, ist der fehlenden Verkündigung seitens der Kirche nach Vatikanum Secundum und dem nachfolgenden Kollaps der ehemalig christlichen Kultur geschuldet. Fragen Sie doch ihren Pfarrer mit der bürstenschnittigen Pastoralassistentin um die Ecke, ob sie in einem Satz sagen können, worum es im Christentum geht. Sie werden sie mit großen Augen ansehen und betroffen und ein wenig beschämt einiges stammeln, aber nichts Konkretes von sich geben, weil sie es selbst nicht wissen. Die einzigen Koordinaten, die heute einigermaßen Bestand haben, sind diejenigen eines antikatholischen, antichristlichen, laizistischen und von der Freimaurerei stark geprägten Staates. Weil die katholische Kirche in Deutschland, seit dem „synodalen Weg“ nun offiziell im Schisma, eine Staatskirche ist, so muss sie ihrem eigentlichen Arbeit- und Geldgeber – dem deutschen Staat – diejenigen Heiligen liefern, die er verlangt. Zurzeit sind es die muslimischen „Flüchtlinge“, was danach kommt, ist wirklich schwer auszudenken. In diesem kirchlich-staatlichen Kontext hat Heinrich II. wirklich schlechte Karten. Warum?

  • Weil er katholisch ist,
  • weil er ein Monarch ist,
  • weil er ein Mann ist,
  • weil er kämpferisch war,
  • weil er keusch lebte,
  • weil sein Leben im Zeichen der Pflichterfüllung, nicht der „Selbstverwirklichung“ stand.

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Wie in dem Heiligenlebenslauf von Otto Bischnau OSB nachzulesen ist, der leider das harte Leben Heinrichs ein wenig ad usum Delphini abmildert, begann der kaiserliche Weg Heinrichs mit der unmittelbaren Todeserwartung. So lesen wir bei Bischnau:

Um sich die notwendige Gnade zur glücklicheren Regierung seines Landes von Gott zu erbitten, Wallfahrt hätte Heinrich öfters zum Grabe des geliebten Lehrers Wolfgang [Bischof von Regensburg Red.] (+994). Als er da selbst einst in stiller Andacht betete, hörte er deutlich den Ruf: „Schau aufwärts!“ Heinrich sah über sich in Flammenschrift die zwei Worte: „nach Sechs“.

Heinrich ist 23 Jahre alt als er die Regierungsgeschäfte seines verstorbenen Vaters in Bayern übernimmt. Das ist wirklich recht jung, vielleicht nicht für die mittelalterlichen Verhältnisse, für unsere Verhältnisse der ewigen Jugendlichkeit aber schon. So hat der Rainier von Monaco seinen Sohn bis zu seinem Tod nicht an den Regierungsgeschäften beteiligt, sodass Albert II. erst mit 47 die Regierungsgeschäfte seines verstorbenen Vaters übernahm. Prinz Charles ist mit 71 immer noch der Thronfolger, weil ihn seine Mutter Elisabeth II. für dermaßen ungeeignet hält, dass sie darauf wartet, dass er stirbt und ihm sein Sohn William und ihr Enkel als König nachfolgt. Zwar hat im Falle des Heinrichs die göttliche Vorsehung durch den Tod seines Vaters über seine Thronfolge entschieden, wäre er aber völlig ungeeignet gewesen, so hätten schon Verwandte und Anverwandte ihre Ansprüche auf den bayerischen Thron gestellt, da die Macht doch kein Vakuum duldet. Was sagt das aber über den 23-jährigen König aus, dass er, als er die Flammenschrift mit der Zahl „Sechs“ sah gleich an den Tod dachte? Zuerst dachte er, dass er noch sechs Tage, dann sechs Wochen, dann sechs Monate, dann sechs Jahre zu leben habe, sodass er mit einer intensiven Todesvorbereitung anfing, welche wohl nach sechs Jahren zum Ende hin weniger intensiv wurde. Da er also auf den Tod vorbereitet war, so war er auch darauf vorbereitet, was tatsächlich nach den sechs Jahren nachfolgte und dies war seine Wahl zum deutschen König. Dies war sicherlich ein Tod, der seinem eigenen Ehrgeiz, sollte er einen irgendwann gehabt haben, ein Ende setzte. Wollte sich Heinrich eventuell in seine bayerische Heimat zurückziehen, um in katholischer Ruhe Kaninchen zu züchten, so hatte doch Gott mit ihm einiges vor. Er hatte Kriege zu führen: gegen die Polen, gegen die Griechen, gegen die Italiener, gegen den Gegenpapst Gregor VI. und zwar in der Zeit des saeculum obscurum (882-1046), wo das Papsttum ihren ersten vor-bergoglianischen Tiefpunkt erreichte. Die Päpste in dieser Zeit waren alles andere als heilig oder moralische Autoritäten, was aber den Laien Heinrich II. nicht daran hinderte selbst heilig zu sein. Er pflegte einen guten und heiligmäßigen Umgang, sodass wir bei Bischnau lesen:

Schmeichler floh er wie die Pest und liebte nur jene seine Freunde, die ihn aufrichtigen Herzens auf seine Fehler aufmerksam machten. Nur heilige Männer wollte er um sich haben, und darum ehrte er mit besonderer Freundschaft den hl. Abt und Odilo von Cluny, den heiligen Bischof Burkard von Worms und den Heiligen Erzbischof Heribert von Köln.

Heinrich II. war aber kein Softie. Er scheute sich nicht zu regieren, ganz anders als Benedikt XVI. und „unsere guten, frommen, konservativen Bischöfe“:

Wohin er kam, rottete er mit fester Hand Missbräuche und Gesetzlosigkeit aus, schützte Recht und Billigkeit …

Diese brachte ihm natürlich viele Feinde und er hatte manchmal genug. Er träumte von einem Mönchsleben und beneidete den Heiligen Romuald, den Gründer des Kamaldulenser-Ordens.

Oh, dass doch meine Seele in deinem Leibe wohnete!,

rief Heinrich dem vorbeiziehenden Romuald zu. Heinrichs war sich also seines mönchischen Naturells bewusst, zumal er mit seiner Ehefrau – Kunigunde – in einer Josephsehe lebte.

Gerne hätte er den goldenen Reichsapfel um die raue Mönchskutte gegeben, wenn es Gottes Wille gewesen wäre. Wirklich, so wird erzählt, bat er im Kloster Sankt Guido zu Verdun um das Ordenskleid des heiligen Benedikt. Der Abt versammelte die Brüder und fragte ihn, ob er den heiligen Regeln gemäß unbedingten Gehorsam gelobe, und sprach dann auf die bejahende Antwort des Kaisers: „Nun, so nehme ich Euch als Bruder auf und befehle Euch, dass Ihr in der Welt bleibt und auch ferner die Krone traget“. Heinrich gehorchte und führte das Zepter mit dem wohlverdienten Ruhm, den ihm die Geschichte zuerkannt hat.

Tja, dumm gelaufen, könnte man dazu sagen. Der Abt, von der göttlichen Vorsehung geführt, hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Der Wunsch Heinrichs vom Mönchssein wurde kurzfristig wahr, doch nicht so, wie es sich Heinrich erträumt hat. Und jetzt kommen wir zu der praktischen Anwendung des Lebenslaufs des heiligen Kaisers. Gottes Wille ist kaum oder sehr selten mit unserem Willen identisch. Gottes Wille führt uns aus unserer Komfortzone heraus. Gottes Wille zwingt uns uns ständig und aufs Neue zu überwinden. Gottes Wille führt uns immer an unsere Grenzen, von wo heraus die göttliche Gnade einsetzt. Gottes Wille aber fußt auf unserer Natur und baut auf ihr auf. So hatte der heilige Heinrich viele gute Eigenschaften welche dazu führten, dass er zuerst zum deutschen König gewählt und dann zum Kaiser gekrönt wurde. Er hat sein ganzes Leben lang unermüdlich und uneigennützig um das Wohl seines Reiches gekämpft, welches er gestärkt und von der wahren Religion gefestigt seinen Nachfolgern hinterlassen hat, obwohl er selbst auf eigenen Wunsch kinderlos gestorben ist. Er war kein Philosoph auf dem Thron, wie Markus Aurelius, er war vielmehr ein Heiliger und ein Mönch auf dem Thron und zwar in einer Zeit, wo das Papsttum moralisch, aber auch politisch am Boden lag. Wie sehr würden wir uns heute nach einem gegenwärtigen Heinrich II. sehnen! Aber weit und breit keiner zu sehen. Es gibt keine heiligen Bischöfe und Prinzenerzieher, wie der heilige Wolfgang von Regensburg, der den jungen Heinrich erzog. Es gibt keine Reformbewegung, wie die des heiligen Abtes Odilo von Cluny. Denn obwohl die römischen Päpste 160 Jahre lang den Anforderungen ihres Amtes nicht entsprachen, um es ganz gelinde zu formulieren, so erweckte Gott gerade in dieser Zeit woanders Heilige unter Laien, Mönchen und Bischöfen.

Wir leben erst 60 Jahre in der nachkonziliaren Dunkelheit und das sechste Jahr unter der Pest Bergoglios. Vielleicht haben wir noch mehrere Jahrhunderte lang „bergoglianische“ Päpste vor uns. Der heilige Heinrich hat aber nicht darauf gewartet, dass Gott alles für ihn macht oder auf die Erfüllung einer Privatoffenbarung gehofft, welche ihn einer jeden Mühe entledigen würde. Er packte selbst an, wie die deutschen Kaiser des ottonischen Geschlechts ja auch, denen wir ja die Rettung des Papsttums von den schlechten Päpsten um die vorletzte Jahrtausendwende verdanken. Das waren aber Männer – die deutschen Kaiser – und keine jammernden, katholischen Kaninchenzüchter, die es vollbrachten. Sie konnten es vollbringen, weil sie eine objektive, katholische Sicht der Dinge hatten, welche darin besteht, dass die irdische Kirche eine kämpfende Kirche ist. Sie kämpften um die Kirche, für die Kirche und manchmal gegen die vermeintliche Kirche, gegen die schlechten Päpste und Gegenpäpste, weil der Wille Gottes darin bestand, dass sie es taten. Somit stellt der Lebenslauf Heinrichs II. einen völligen Gegenentwurf zum Leben eines katholischen Politikers in Deutschland des Jahres 2020 dar. Lernen wir daraus und setzen es in unserem Kampf um. Amen.

(1) Kommentar

  1. Maria Magdalena sagt:

    Welch ein Mann! Welch ein Herrscher! Welch ein Vorbild! Vergleichen wir hl. Heinrich besser nicht mit den Hampelmännern in Politik und Kirche anno 2020.
    Aber, meine Damen, bevor wir uns in Träumereien verlieren: Vielleicht sind wir auch viel zu wenig hl. Kunigunde, als dass wir einen hl. Heinrich verdient hätten.
    Sei es als Monarch oder als Ehemann.
    Auch für uns gilt der Kampf. Auch wir gehören zur kämpfenden Kirche. Und welche Frau hat nicht die Aufgabe einen heiligmäßigen Mann “heranzubilden”?
    Nun gut, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber unterschätzen wir die Tatsache nicht, dass wir zur Gehilfin erschaffen wurden!

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