Ist Kardinal Pell ein Märtyrer? Wohl kaum.

Ist so etwas überhaupt möglich?

Fast alle konservativkatholischen Medien sind von der Unschuld von Kardinal Pell überzeugt oder verhalten sich neutral. Das schreckliche, antikatholische, australische Justizsystem, so der Tenor der Presseaussagen, hat es auf den „guten, konservativen, lieben“ Kardinal abgesehen, welcher bei gloria.tv sogar zum „Märtyrer-Kardinal“ avanciert ist. Sicherlich ist es psychologisch nachvollziehbar, dass man nach all dem wirklich gegebenen pädophilen Dreck, siehe McCarrick et alia, gerne jemanden hätte, der völlig unschuldig wäre und als Beispiel dafür fungieren könnte, dass jeder, ja wirklich jeder Priester unschuldig der Pädophilie angeklagt und wegen eines nicht verübten Verbrechens verurteilt werden kann. Leider übersehen all diese emotionalen Katholiken, dass mit dieser These ausschließlich den pädophilen Priestern geholfen ist. Denn diese könnten sich dessen rühmen, dass sie völlig unschuldig angeklagt oder sogar verurteilt wurden,

„wie der arme Pell ja auch“.

Und weswegen?

„Weil es gegen die Kirche geht“.

Gehen wir mal die Vorwürfe sachlich durch und nehmen an, dass es nicht um Kardinal Pell, sondern nur um einen Mister X geht, der, wohlgemerkt, einer Organisation angehört, welche international dafür bekannt ist sexuelle Missbrauchsfälle zu vertuschen. Kardinal Pell wurde beschuldigt im Jahre 1996 zwei Sängerknaben in der Sakristei der Kathedrale von Melbourne zum Oralsex gezwungen zu haben.

Ist so etwas überhaupt physisch möglich?

Ja, für einen Mann mit funktionierenden Genitalien ist es physisch und physiologisch möglich, gleich ob für Mister X oder einen Kardinal.

Ist der Tathergang wahrscheinlich?

Durchaus, der Kardinal ist, er war für die Knaben eine Amtsperson, er hat sie bei einer verbotenen Handlung (Genuss des Meßweins) erwischt und hat die Gunst der Stunde, so der Ankläger, genutzt, um seinen Trieben nachzugehen. Das Hauptargument der Verteidigung, welches heute vom Appellationsgericht entkräftet wurde, lautete:

In seinen Pontifikalgewändern wäre solch eine Tat physisch unmöglich gewesen.

Das Gericht aber stellte die Pontifikalgewänder den Geschworenen zur Verfügung, welche sich selbst die Meinung darüber bilden konnten, was möglich war und was nicht. Sie kamen nach der Begutachtung der Gewänder, was wohl auch deren Anprobieren beinhaltete, zu der Überzeugung, dass es für Kardinal Pell möglich gewesen ist so zu handeln, wie ihm der Ankläger vorgeworfen hat. Diese Schlussfolgerung ist nicht verwunderlich, da alle liturgischen Novus Ordo Gewänder recht leicht sind und Schlitze haben, um das eventuelle Urinieren vor oder nach den sakralen Handlungen zu ermöglichen. Es war also möglich. Da ferner die Verteidigung als Entlastungszeugen nur diejenigen aufstellen konnte, welche sich in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis von Kardinal Pell befunden haben, so ist es nicht verwunderlich, dass die Geschworenen den entlastenden Aussagen keinen Glauben schenkten.

Ist diese Tat moralisch möglich?

Es stellt sich natürlich aber die Frage, ob solch eine Tat moralisch für einen Mann gewesen wäre, anders formuliert, ob jemand, der zufällig zwei Chorknaben in einer Sakristei trifft gleich daran denkt sie zum Oralverkehr zu zwingen? Um so zu verfahren, wie es Kardinal Pell vorgeworfen wird, muss man ein geübter Triebtäter mit einer längeren Vorgeschichte, reich an sexuellen Übergriffen sein, um auf diese Art und Weise die Gunst der Stunde nutzen zu können.

Gibt es dazu eine Vorgeschichte?

Sollte Kardinal Pell diese Tat in der Kathedrale begangen haben, dann muss er intensiv vorher dafür geübt haben. Anders gefragt:

Hatte den Kardinal Pell eine Vorgeschichte?

Ja, die hatte er und zwar eine recht lange.

Der Fall Ridsdale

Wenn auch alles im Falle Pell als fabrizierte antikatholische Propaganda dargestellt werden könnte, so lässt sich wirklich nicht leugnen, dass George Pell als Hilfsbischof von Melbourne im Jahre 1993 den berüchtigten Sexualstraftäter und Priester Gerald Ridsdale zu dessen ersten Prozess begleitet hat (Bild unten).

Rindsdale

Laut der Zeitung The Guardian konnte Ridsdale der Missbrauch von insgesamt 65 Opfern während seiner Amtszeit zwischen 1961 und 1988 nachgewiesen werden, sodass an seiner Schuld wirklich kein Zweifel besteht. Was uns aber in diesem Kontext interessiert, ist der Umstand, dass Pell 1973 in demselben Haus wie Ridsdale wohnte und von dessen Aktivitäten nichts bemerkt haben will. Die Bande müssen aber zwischen Pell und Ridsdale stark gewesen sein, obwohl sich Pell beim Wohnen in demselben Haus angeblich nicht für Ridsdale interessierte, sodass dass der künftige Kardinal Pell Ridsdale nach 20 Jahren in den Gerichtssaal gleichsam als moralische Unterstützung begleitet hat. 1972, ein Jahr also bevor Pell Ridsdale kennenlernte, kam Pell in eine Diözese, wo der Missbrauch unter dem damaligen Bischof Ronald Mulkearns weit verbreitet gewesen sein soll. Ebenso dessen Vertuschung. Es ist Pell, der mittlerweile im Ordinariat avanciert hat, der im Jahre 1977 Ridsdale in die nächste Pfarrei versetzt, obwohl er, wie auch Bischof Mulkearns, über die Vorwürfe gegen Ridsdale Bescheid weiß. Es ist wieder Pell, der 1982 Ridsdale weiterversetzt, bevor Pell im Jahre 1987 Hilfsbischof von Melbourne wird. Im Jahre 1993 unterstützt Pell, wie bereits oben erwähnt, Ridsdale in dessen ersten Prozess wegen Kindesmissbrauchs. Wir können also feststellen, dass sich Pell in der sensiblen Materie der Vertuschung von Kindesmissbrauch und Versetzung von pädophilen Priestern bewährte. Es ist durchaus möglich, dass das Netzwerk, zu dem Ridsdale und vielleicht auch Pell gehörten, sich erkenntlich zeigte und Pell aufsteigen ließ. Ridsdale (Bild unten) war nicht mehr zu helfen. Wenn sich jemand jetzt die Frage stellt, wie es möglich ist, dass man einen offensichtlichen Kriminellen dermaßen lang gedeckt hat, so ist die Antwort recht einfach. Man wird von ihm erpresst, weil man seine Interessen teilt.

Ridsdale old

Weihbischof von Melbourne

1996 führt Pell schon als Bischof von Melbourne, da er weiter aufstieg, die berühmte Melbourne Response ein. Es ist ein Programm dem vorgeworfen wird, die Anschuldigungen der Opfer nicht ernst zu nehmen und den Missbrauch zu decken. 2001 steigt Pell weiter auf und wird Erzbischof von Sydney. Später findet man heraus, dass die Erzdiözese Sydney unter Pell über 1 Million $ für Rechtsanwaltskosten ausgegeben hat, um die Missbrauchsvorwürfe von John Ellis (Bild unten) zu bekämpfen und auf diese Art und Weise andere Missbrauchsopfer zu entmutigen den Rechtsweg zu beschreiten. Es lässt sich also nachweisen, dass Kardinal Pell schon von der frühesten Zeit seines Priestertums an in Vertuschung von sexuellem Missbrauch involviert war und pädophile Priester nachweislich kannte.

Ellis

Anklagen

  • Aber erst im Jahre 2002 wird Pell selbst vor einem Kirchengericht angeklagt im Jahre 1961 in einem Jugendlager auf der Phillip Island einen zwölfjährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben, als Pell selbst noch ein Seminarist war. Pell bestreitet diese Anschuldigungen und wird nicht verurteilt, da zu seinem Gunsten die Historizität des Vorfalls, Fragen an der Glaubwürdigkeit des Anklägers – eines Alkoholikers – und das Fehlen zusätzlicher Beweise sprechen. 
  • Im Jahre 2016 publiziert die Zeitung The Herald Sun die Geschichte, wonach Pell in den 1970-gern zwei Jungen – Lyndon Monument (auf dem Bild unten) und Damian Dignan – im Schwimmbad sexuell belästigt haben soll.

Pell 1

  • Ebenfalls im Jahr 2016 behauptet ein Mann aus Victoria, dass sich Pell in den späten 1980ern vor einer Gruppe von Jungen in dem dortigen Surfclub entblößt haben soll.
  • Und in den 1990ern haben wir den Vorfall in der Kathedrale, weswegen Pell endlich verurteilt worden ist.

Fassen wir also zusammen: neben der nachweisbaren Deckung von sexuellem Missbrauch wurde Pell zweimal vor dem Vorfall in der Kathedrale wegen sexueller Belästigung angeklagt und ist somit, obzwar nicht verurteilt, dann doch wenigstens aktenkundig geworden. Wenn man noch bedenkt, dass die erste Untersuchung vor einem kirchlichen Gericht stattgefunden hat, so hat die Kirche spätestens im Jahre 2002 von dem ersten Vorfall vom 1961 gewusst und wir hoffen stark, dass nicht deswegen im Jahre 2003 George Pell vom Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt wurde.

Bei Pädophilie dieses Typus, wie er bei Pell vorzuliegen scheint, entdeckt der Täter seine Neigung recht früh, in der Pubertät meistens und vergeht sich an sehr vielen Kindern, bevor er endlich gefasst wird. Eine Verurteilung ist, wie bei allen Sexualdelikten recht schwierig, weil man glaubwürdige Opfer braucht, welche in den Zeugenstand gerufen werden können. Sehr viele Missbrauchsopfer bringen sich selbst um oder haben mit Alkohol- und/oder Drogenproblemen zu kämpfen, sodass sie kaum als glaubwürdig in den Zeugenstand geladen werden können. Da das Wort eines katholischen Kardinals gegen das Wort eines kleinen Drogenabhängigen oder Alkoholikers steht, so ist es nicht verwunderlich, dass Kardinal Pell erst so spät verurteilt werden konnte. Wenn jemand aber jetzt trotz aller unserer Argumente annehmen sollte, dass es sich um eine „Verleumdungskampagne“ gegen einen „guten, konservativen“ Kardinal handeln könnte, so stellt sich die Frage, warum in seinem Kontext ausschließlich Vorwürfe wegen Kindesmissbrauch hochkommen? Warum wollte man ihn nicht anders und auf allen Gebieten verleumden? Warum nicht Spielsucht? Warum nicht Untreue? Warum kein Alkoholismus? Warum keine Frauengeschichten? Warum sind diese Vorwürfe alle so glaubwürdig, da sie Menschen und Orte betreffen, mit denen Pell tatsächlich zusammengekommen ist? Weil sie wohl wahr sind.

Die Vatican-Connection

Wie wir uns alle erinnern können, hat „Papst“ Franziskus Pell am Anfang seines Pontifikats in den C-11 Kardinalsrat berufen und Pell die finanzielle Bereinigung von Vatikan grosso modo übertragen. Vom theologischen Profil her passte der „konservative“ Pell kaum zu Bergoglio selbst und dem Rest der C-11 Kardinäle. Wahrscheinlich aber gab es ein anderes Kriterium, nach welchem er auserwählt wurde. Dieses war seine Erpressbarkeit. Pell hat über 1 Milliarde € auf versteckten vatikanischen Konten gefunden, worauf er schnell des vatikanischen Amtes praktisch enthoben wurde und sich auch recht schnell in Australien wegen des vergangenen sexuellen Missbrauchs verantworten musste. Sicherlich hat der Vatikan da irgendwie nachgeholfen, dass gerade dann die Vorwürfe gegen Pell hochkamen. Man ermöglichte aber sicherlich seine Verurteilung, indem man ihm keinen vatikanischen Pass gab. Man hätte seine Auslieferung nach Australien sehr einfach unterbinden können, wenn man es gewollt hätte. Man wollte aber ihm, wie auch allen anderen, einen Denkzettel verpassen und ihnen beibringen sich nicht mit den falschen Leuten im Vatikan anzulegen. Denn Geld ist wichtig und Pädophilie ist Peanuts. Wahrscheinlich war Pell in den finanziellen Angelegenheiten doch zu gründlich, aber er muss dennoch irgendwie zum „Klub“ gehört haben, dass er überhaupt in das C-11 gewählt wurde. Anhand von Pell können wir auch nachvollziehen, warum keine „konservativen“ Kardinäle sich gegen Bergoglio stellen. Weil jeder von ihnen irgendetwas auf dem Kerbholz hat, hoffentlich weniger als Pell. Weinen wir also nicht um ihn, weinen wir um unsere Kirche. Don’t cry for me Argentina

P.S. Es ist kaum anzunehmen, dass die oben angegeben Fakten und Quellen anderen katholischen Medien unbekannt sein sollten. Wirklich gelinde ausgedrückt, spricht mehr für die Schuld Pells als dagegen, was auch das australische Appellationsgericht sah. Wir stellen eine stringente Geschichte dar, welche alle relevanten Fragen beantwortet:

  • Wer?
  • Warum?
  • Wie?
  • Wieso?
  • Auf welche Art und Weise?

Wissen es die anderen wirklich nicht besser oder lügen sie? Gott ist die Wahrheit selbst und wer lügt kommt nicht von Gott und führt nicht zu Gott hin. Die Wahrheit wird früher oder später ans Licht kommen und alle, die jetzt, wider besseren Wissens lügen, werden dann unglaubwürdig sein und viele Seelen auf dem Gewissen haben. Denn das Problem lautet nicht, dass es woanders nicht passiert, sondern warum es die Kirche dermaßen deckt und die Gut-Katholiken es immer schönreden. Wir tun es nicht!

PS* Will sich jemand selbst die Meinung über die Begründung des Appellationsgerichts bilden, so findet er diese hier:https://www.supremecourt.vic.gov.au/case-summaries/court-of-appeal-proceedings/george-pell-v-the-queen

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