Tradition und Glauben

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (4) Unterscheidung im Lichte Gottes

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Der Franzose sagt: les defauts de ses vertus, was in etwa mit „die Mängel unserer Tugenden“ zu übersetzen ist. Man will damit sagen, dass jede positive Eigenschaft ihre Kehrseite hat, so werden energische Menschen meistens  schnell zornig, sanftmütige sind oft widerstandslos und feige etc. Hl. Ignatius von Loyola sagte daher: agere contra also jeder Eigenschaft entgegenwirken, damit wir uns zu der ganzen Bandbreite unserer Möglichkeiten entwickeln können.  Wir alle haben verschiedene Anlagen und daher entwickeln sich manche Menschen zu der bestmöglichen Version ihrer selbst, die anderen hingegen zu der schlechtesten. Dies ist aber bloß die naturalistische Sicht der Dinge. Kard. Bona geht weiter, indem er schreibt: „Die Zugänge zu den Tugenden sind den Pforten der Laster oft sehr nahe“. Eine sehr feinsinnige und eigentlich bedrohliche Feststellung, welche sogleich an die Mißbrauchskandale der letzten Jahre und Jahrzehnte denken lässt. Denn verwirklicht jemand nicht seine Anlagen zur Tugend, so verwirklicht er sehr schnell seine Anlagen zum Laster, da die Pforten dieser beiden so nahe nebeneinander liegen. Corruptio optimi pessima – die Verderbnis des Besten ist die schlimmste, sagt der Lateiner. Sicherlich haben die Kandidaten für geistliche Berufe noch niemals von der Anlage her zu den Besten gehört, wovon viele Witze aus verschiedenen Kulturkreisen zeugen, die, wenn auch boshaft, dennoch eine bestimmte Wirklichkeit wiederspiegeln. Aber gerade durch das praktizierte geistliche Leben, durch die Liturgie, die Disziplin und die Lehre der Kirche konnten sich viele weiterentwickeln und geistlich, manchmal aber auch sozial, aufsteigen. Nach dem Konzil sind die Ausgangskandidaten leider immer schlechter geworden und sie bekommen auch keine Nahrung, geistlicher oder intellektueller Art, welche den vorigen Generationen zur Verfügung stand. Daher ist der traurige Zustand der heutigen Priesterschaft mehr als verständlich. Nostra natura qui proclivis est ad lapsum – „Unsere Natur, die zum Fall geneigt ist“, wie ein altes Gebet sehr richtig formuliert. Da die Natur diese Neigung hat, so muss ihr durch das geistliche Leben und die Unterscheidung der Geister, welche von allen Unterscheidungen die schwierigste ist, entgegengearbeitet werden.

Kapitel I

Zweck dieses Buches – Wie schwer die Unterscheidung der Geister sei und woher solches komme – Hohe Nothwendigkeit derselben – Mannigfaltige und traurige Verirrungen, die aus Ermangelung derselben entstehen – Gebet um Erlangung derselben.

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Bona dt 2.1

Bona dt 2.2

Bona dt 2.3

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