Über das Fasten (11 von 15). II. Abstinenz von Eiern und Milchspeisen.

II.  In der österlichen Fastenzeit (Quadragesimae) soll man sich außer des Fleisches auch der Milchprodukte und Eier enthalten.

Dies geht auf die Praxis der Kirche zurück, das, was “von Tieren ausgeht, die da atmen und auf dem Erdboden ihre Brutstätte haben” während der Fastenzeit zu meiden. (Summ. Theol. 2.2. q. 147. a. 8 c.) Diese Praxis wurde von Alexander VII. (1655-1667) in einer Verurteilung der gegenteiligen Meinung noch im 17. Jahrhundert bekräftigt .[1] Dazu schreibt in der bereits zitierten Stelle Thomas von Aquin (Summ. Theol. 2.2. q. 147. a. 8 ad 3.):

An erster Stelle wird Fleisch untersagt und erst an zweiter Milch und Eier; nämlich das, was von den Tieren ausgeht, welche das Fleisch bieten. Unter den verschiedenen Fasten ist sodann das feierlichste das vierzigtägige; sowohl weil es zur Erinnerung an das Leiden Christi gehalten wird als auch weil wir durch dasselbe vorbereitet werden, die Geheimnisse unserer Erlösung würdig zu begehen. Deshalb ist bei allen Fasten der Genuss des Fleisches untersagt; in der vierzigtägigen Faste aber auch der von Milch und Eiern, obgleich mit Bezug auf den letzten Punkt verschiedene Gewohnheiten bestehen bei den verschiedenen Kirchen, zu deren Einhaltung jeder in seiner Gegend verpflichtet ist: „Eine jede Provinz folge ihrem Sinne und die Vorschriften der Vorfahren halte sie für Apostolische Gesetze,“ sagt Hieronymus.

Daher soll man sich während der östlichen Fastenzeit und nur in dieser der Eier und Milchprodukte enthalten. Dieses Gebot betrifft also nicht andere Fastenzeiten, wie Advent oder der Fastenzeiten der Vigilien vor verschiedenen Festen. Es lässt sich schwer feststellen, bis wann diese vegane Fastenzeit tatsächlich eingehalten wurde, denn Bischof Müller gibt bekannt, dass in Österreich, Ungarn und in Deutschland während der gesamten Fastenzeit die Möglichkeit bestand Eier und Milchprodukte zu sich zu nehmen, was aus dem Gewohnheitsrecht und dem Dispens resultierte.[2] Dies muss auch Polen betroffen haben, da die altpolnische Küche der Barockzeit zwar fleischlos, aber nicht vegan ist.

Der Schreiber dieser Zeilen (DSDZ) war bis Frühjahr 2020 fest davon überzeugt, dass das vegane Fasten eine ostkirchliche Sitte ist, da er das orthodoxe Rumänien während der Fastenzeit besuchte und sogar den rumänischen Patriarchen kennenlernte. (Kein Witz!) Der Patriarch sagte, dass die Fastenzeit einen Christen zur Erleuchtung (griech: photismos) der Auferstehung, durch den Taborberg angedeutet, führen sollte. Daher wird man auch in der Fastenzeit immer pflanzlicher und lebt sozusagen von der Fotosynthese, um der Erleuchtung – Photismos – teilhaft zu werden. DSDZ fand diese Erklärung theologisch tiefgründig und plausibel. Denn nur dann, wenn man das asketisch praktiziert, was du der österreichischen Erleuchtung führt, kann man dieser auch teilhaftig werden. Es stellt sich aber heraus, dass diese Praxis auch in Katholizismus vorkam, aber irgendwann mal aufgrund der vielen Dispense aufgegeben wurde. Es wäre also ratsam irgendwann mal ein veganes, traditionell katholisches Fasten während der gesamten Fastenzeit durchzuführen, um die geistlichen Wirkungen zu erfahren.  


[1] Müller, Theologia moralis, Bd. II, 489.

[2] Ebd. 490.

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