Amazonas-Synode oder Vorwärts in die Vergangenheit (5 von 7)

Instrumentum laboris im Lichte der kirchlichen Lehre

(3) Keine Mission, keine Offenbarung, keine Kirche

In Nr. 29 erfahren wir, dass wir, d. h. die Kirche der westlichen Welt, viel von den Amazonasvölkern zu lernen hat. Warum? Weil die im Dschungel leben und wir leider nicht.

  1. Die ursprünglichen Völker Amazoniens haben uns viel zu lehren. Wir erkennen an, dass sie seit Tausenden von Jahren Land, Wasser und Wald gehütet und sie sogar bis heute bewahrt haben, damit die gesamte Menschheit sich an den unentgeltlichen Gaben der Schöpfung Gottes erfreuen kann. Die neuen Wege für die Evangelisierung müssen im Dialog mit diesen überlieferten Weisheiten, in denen sich die Samen des Gotteswortes manifestieren, entwickelt werden.

Was sind aber diese „überlieferten Weisheiten“? Es ist Heidentum, Magie, Animalismus kurz und gut die Lehre der Dämonen. Die Kirche soll also nicht nur von den Heiden lernen, sondern auch von den primitivsten Heiden auf Gottes weiter Erde. Dies bedeutet auch, dass die Kirche bis heute alles falsch gemacht hat, indem sie den Heiden die Wahrheit des Evangeliums brachte, anstatt von den Heiden zu lernen. An dieser Stelle wird die Lehre des heiligen Justin von den „Samenkörnern der Wahrheit“ (logoi spermatikoi) pervertiert. Nach Justin hat es bei den alten Griechen, hauptsächlich in ihrer Philosophie, schon Vorboten der evangelischen Wahrheit gegeben, sodass man einen Teil der griechischen Philosophie und Kultur übernehmen kann, indem man Spreu vom Weizen trennt. Diese Ansicht war auch beim Clemens von Alexandrien, Origenes vorhanden und stellte die mehrheitliche Ansicht der Theologen der Alten Kirche dar. Aber man muss dazu sagen, dass sich die griechische Philosophie tatsächlich eines Ausnahmeprivilegs erfreute, weil die göttliche Vorsehung es so leitete, dass das Altertum zum Zeitpunkt der Geburt Christi sich auf die christliche Botschaft doch tatsächlich intellektuell vorbereitet fand. Dies kann man aber nicht von anderen Kulturen, Philosophien und Zeiten behaupten. Während die alten Griechen und Römer vor der Geburt Christi es wirklich besser nicht wussten und auf das Naturrecht und ihre eigenen Überlegungen gestellt waren, so kann sich niemand nach der Geburt Christi und nach der Heidenmission der Kirche durch Nichtwissen herausreden. Denn die Kirche hat später von keinen Heiden etwas angenommen. Weder von den Gothen, noch den Visigothen, noch den Vandalen, noch den Germanen, noch den Slawen etc. etc. Diese Völker wurden missioniert und unterwiesen. Nicht umgekehrt. Daher stimmt es nicht, wie Nr. 120 behauptet, dass der Heilige Geist im Heidentum wirkt, noch, siehe Nr. 121, dass der Heilige Geist die Heiden gelehrt hat.

  1. Der Schöpfer Geist, der den Erdkreis erfüllt (vgl. Weish 1,7), hat die Spiritualität dieser Völker über Jahrhunderte hinweg lebendig erhalten, noch bevor das Evangelium zu ihnen kam, und hat sie dazu gebracht, ihn mit Hilfe ihrer eigenen Kulturen und Traditionen zu ehren. Die in ihnen erkennbaren „Saatkörner des Wortes“ hat die Verkündigung des Evangeliums also zu respektieren. Sie wird auch anerkennen, dass in vielen von ihnen der Samen bereits gewachsen ist und Früchte getragen hat. Dafür ist ein respektvolles aufmerksames Hinhorchen erforderlich, das keine Glaubensformulierungen diktiert, die aus anderen kulturellen Bezügen stammen und daher dem konkreten Lebenskontext der Völker nicht entsprechen. Im Gegenteil, die Verkündigung des Evangeliums hört „auf die Stimme Christi […], die durch das ganze Volk Gottes spricht“ (EC 5).

  1. Es ist notwendig zu begreifen, was der Geist des Herrn diese Völker im Laufe der Jahrhunderte gelehrt hat: den Glauben an den Schöpfergott, der Vater und Mutter ist, das Empfinden für Gemeinschaft und Einklang mit der Erde, den Sinn für Solidarität mit den Gefährtinnen und Gefährten, das Projekt vom „Guten Leben“, die Weisheit der jahrtausendealten Zivilisationen, die in den Alten lebt und Einfluss ausübt auf die Gesundheit, das Zusammenleben, die Erziehung, die Bewirtschaftung des Landes, die lebendige Beziehung zur Natur und zur Mutter Erde, auf die Widerstandsfähigkeit und Resilienz, insbesondere von Frauen, auf Riten und religiöse Ausdruckformen, auf die Beziehungen zu den Ahnen, auf kontemplatives Verhalten sowie auf die Bedeutung von Dankbarkeit, Fest und Feier und schließlich das Empfinden für die Heiligkeit des Territoriums.

Wir können uns schon denken, welcher Geist die Völker gelehrt hat, dass der Schöpfergott „Vater und Mutter ist“. Ein dämonischer Geist, der Baphomet verehren will. Man kann mit keiner heidnischen Kultur Dialoge führen, weil sie heidnisch ist. Daher ist der Aufruf zum „Dialog“ verfehlt, wie in Nr. 36 fordert.

  1. Da Amazonien eine Welt mit vielen Ethnien, Kulturen und Religionen ist (vgl. DAp 86), bedarf es für die Kommunikation und folglich auch für die Evangelisierung dialogfördernder Treffen und Begegnungen. Das Gegenteil zum Dialog sind das Nicht-Zuhören und der Wille zur Durchsetzung eigener Interessen, die uns daran hindern, einander zu begegnen, miteinander zu kommunizieren und folglich zusammenzuleben. Jesus war ein Mann des Dialogs und der Begegnung. So sehen wir ihn „mit der Samariterin am Brunnen […], wo sie ihren Durst zu stillen suchte“ (vgl. Joh 4, 7-26) (EG 72). „Kaum hatte die Samariterin ihr Gespräch mit Jesus beendet“, kehrte sie in ihr Dorf zurück, „wurde Missionarin, und viele Samariter kamen zum Glauben an Jesus ‚auf das Wort der Frau hin‘“ (Joh 4,39) (EG 120). Jesus war in der Lage, mit ihr zu sprechen und sie zu lieben, ungeachtet ihres ganz eigenen samaritanischen religiösen Erbes. So geschieht Evangelisierung stets im Alltagsleben Samariens, Amazoniens, der gesamten Welt. Der Dialog freut sich an der Kommunikation „unter denen, die einander lieben“ (EG 142).

Nimmt man diesen Punkt ernst, so darf man niemanden missionieren in dem Sinne, dass man ihn von der Wahrheit überzeugt, sondern man bleibt jahrzehntelang in „dialogfördernden Treffen und Begegnungen“. Typisch deutsch. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich ein Missionar des Amazonasgebiets damit rühmt in 50 Jahren niemanden getauft zu haben. Dazu war er viel zu sehr mit dem Dialog beschäftigt. Das Instrumentum laboris lehrt uns, dass das Festhalten am eigenen Glauben „narzisstisch“ sei.

  1. Viele Völker Amazoniens sind konstitutiv dialogisch und kommunikativ. Zwischen den Spiritualitäten, Glaubensbekenntnissen und Religionen Amazoniens existiert ein notwendigerweise weites Feld des Dialogs, in dem man den verschiedenen Kulturen offenherzig entgegenkommen muss. Diesen Raum zu respektieren, bedeutet nicht, die eigenen Überzeugungen zu relativieren, sondern andere Wege anzuerkennen, die ebenfalls versuchen, das unerschöpfliche Geheimnis Gottes zu entschlüsseln. Eine Offenheit, die dem anderen gegenüber nicht aufrichtig ist, sowie eine narzisstische Einstellung, die das Heil ausschließlich dem eigenen Credo zugesteht, wirken sich zerstörerisch auf Glaubensbekenntnis selbst aus. Das erklärte Jesus dem Gesetzeslehrer durch das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lk 10, 30-37). Die in jedweder Religion gelebte Liebe ist Gott wohlgefällig. „Durch einen Austausch der Gaben kann der Geist uns immer mehr zur Wahrheit und zum Guten führen“ (EG 246).

Es sträuben sich wirklich die Haare, wenn man diesen Unsinn liest. Denn sollte Nr. 39 stimmen, so gilt:

  • es gibt keine Wahrheit,
  • es gibt keine Offenbarung,
  • sodass jede Religion gleich gut ist,
  • weil sich jeder Mensch sie selbst schafft.

Dies sind aber die Kernsätze des Modernismus, welche in die Amazonas-Region übertragen werden. Natürlich handelt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter von etwas anderen. Würde Christus das verwirklichen, was Franziskus und das Instrumentum laboris lehren, so wäre er gar nicht Mensch geworden und hätte eine Religion gestiftet. Denn „Die in jedweder Religion gelebte Liebe ist Gott wohlgefällig“.  Dass aber Christus nicht Gott war (Pascendi 27, DH 3427) und keine Religion stiften wollte (Pascendi 52, DH 3452), ist auch ein Kernsatz des Modernismus. Weil die Kirche die Wahrheit Christi, der selbst die Wahrheit ist, besitzt, so braucht sie keine heidnische Belehrung.

 

 

 

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