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Carol Byrne, Erfundene Anklagen gegen Pfründe (39 von 94)

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Bringt denn mehr im geistlichen Leben mehr? Natürlich. Warum sollte dieser Grundsatz in diesem Bereich nicht stimmen. Wenn in einer Kirche an einem Tag 30 Heilige Messen zelebriert wurden, so glich die spirituelle Wirkung 30 positiven Atombomben. Das Beispiel ist nicht optimal gewählt, denn radioaktive Strahlung ist für die Menschen schädlich, was kann man aber mit etwas vergleichen, dass dauernd and einer Stelle und Umgebung wirkt? Die Messe ist die Radioaktivität für Dämonen, welche zur Reduzierung der Anzahl der Messen durch die von ihnen inspirierte Reformation und Vat. II führten. Denn, wenn die Messen gar nicht wirken, warum denn ihre Anzahl reduzieren und dier Liturgie überhaupt ändern? Viele atheistische Priester geben sich selbst den Anschein eines Mystikers, indem Sie Meister Eckhardt oder andere Mystiker zitieren, wo die Wort „Nichts“, „gar nichts“ oder „überhaupt nichts“ recht oft fallen. Aber Mystik, auch wenn sie echt ist, ist wirklich schwer in Worte zu fassen und man muss immer den richtigen Kontext beachten. Meister Eckhardt ist keine gute Adresse, denn er ist eindeutig verurteilt worden. Warum hat Jungmann ihn zitiert? Weil die vielen Messen, die Jungmann gelesen hat, ihn selbst, den Jungmann, nicht geheiligt haben. Daher musste er etwas Neues erfinden, denn sonst müsste er sich selbst in Frage stellen. Das möge die Narzissten aber gar nicht. Dem priesterlichen Narzissmus verdanken wir also Novus Ordo und Novus Ordo führt zu noch mehr Narzissmus und Atheismus. So einfach ist es.

Wie wir im letzten Artikel gesehen haben, war Pfr. Josef Jungmann strikt gegen das Pfründesystem, das es vor dem II. Vatikanum gab. Jungmann behauptete, dass Pfründe Teil eines „Trends“ gewesen seien, hin

„zum Privaten und Subjektiven […] denn die meisten gab es wegen privater Bitten und hatten keinen öffentlichen Charakter.“1

Hierin, wie in vielem anderem, irrte er sich. Denn, wie alle Messen, die entweder in einem Kloster, einer Gemeinde oder einer besonderen Kapelle gefeiert werden, waren Pfründemessen keine Privatsache, auch wenn außer dem Priester und einem Messdiener niemand anwesend war. Sie wurden im Namen der gesamten Kirche von einem Kaplan in seiner öffentlichen Autorität als Priester vollzogen.

screen chantry chapel

Ein Lettner in einer Pfründekapelle, der den Durchblick erlaubt

Abgesehen vom theologischen Aspekt ist es [auch] aus einem rein weltlichen Blickwinkel offensichtlich, dass Jungmanns Einschätzung auf einem falschen Verständnis beruhte, und wir müssen auf die Werke moderner Historiker sehen, um ein weiteres Verständnis des Pfründesystems zu bekommen und es schätzen zu lernen. Dr. Simon Roffey z. B., der sein Fazit mit detaillierten Dokumenten untermauert, bewies, dass

„weit davon entfernt, in erster Linie individuelle oder sogar ‘private’ Bauwerke zu sein, waren Pfründekapellen in der Tat von großer Bedeutung für die größere Gemeinschaft.“2

In seinem Buch bekräftigt er weiter:

„Obwohl Pfründe und Kapellen von Einzelpersonen oder besonderen Gruppen gegründet und geleitet wurden, waren sie durchaus öffentliche Bauwerke und ein wichtiges Merkmals der Gemeindefrömmigkeit … [sie] förderten aktiv Zusammenhalt und Teilnahme der Gemeine und verschönerten, verbesserten und ermutigten die religiöse Praxis der Gemeinde sehr.“3

Der öffentlicher Charakter der Stiftskapellen wird von Roffeys Analyse der topographischen Anordnung über allen Zweifel erhoben. Er zeigte, wie sie frei von allen Seiten der Kirche erreicht wurden, wie eine Insel von Schiffen. Obwohl manche durch einen Lettner aufgeteilt waren,4 war dieser auf eine Weise mit offenem Maßwerk versehen die den Einblick vom Kirchenschiff aus erlaubte. Das [Kirchen-] Volk war dadurch nicht einmal optisch von der Messe ausgeschlossen.

Verneinung des Nutzens vieler Messen

Um seinen Widerstand gegen die Vermehrung der Messen zu stützen, zitierte Jungmann den mittelalterlichen Theologen Meister Eckhart, er habe gesagt „Weder Seligkeit noch Perfektion bestehen darin, viele Messen zu lesen oder zu hören.“5 Da er jedoch weder einen Kontext noch eine Quelle für dieses Zitat angab, das sicherlich nicht vollständig ist, hat dieses keinerlei Wert.6

Meister Eckhart

Meister Eckhart, 28 Thesen als häretisch oder nach Häresie schmeckend

Wichtiger jedoch: Eckhart war kaum eine Autorität in Katholischer Lehre; er wurde 1326 vor die Inquisition gebracht wegen der Anklage, nicht rechtgläubige Lehren zu predigen und Verwirrung zu stiften, insbesondere unter den einfachen Gläubigen. Es ist erwähnenswert, dass Jungmann versäumte zu erwähnen, dass 28 von Eckharts Thesen 1329 von Papst Johannes XXII. In der Bulle In agro Dominico verurteilt wurden – 17 davon als häretisch, 11 nach Häresie schmeckend.

Wir können uns auf die Autorität von Hl. Thomas von Aquin stützen, dass

„mit mehreren Messen wird die Darbringung des [heiligen Mess-] Opfers vermehrt, und daher werden es auch die Wirkungen des Sakramentes und das Opfer selbst.“7

Wie gut die mittelalterlichen Gläubigen geistlich versorgt waren, lässt sich an der Vervielfachung der Messen in den Kathedralen, Klöstern und großen Kirchen ablesen, in denen zu jeder Morgenstunde täglich mehrere Messen gleichzeitig gefeiert wurden. Das bedeutet, dass, egal wie früh oder spät die Gläubigen eintrafen, immer eine Messe stattfand, an der sie teilnehmen konnten.

Ein typisches Beispiel ist die Kathedrale von Lincoln, deren erhaltene Aufzeichnungen zeigen, dass im Jahr 1531 etwa 5 Messen pro Stunde von 5 Uhr morgens bis 11 Uhr morgens gleichzeitig von den Pfründepriestern gefeiert wurden („vom Schlagen der fünften Stunde (ab hora quinta signata) bis zur elften“), wobei jeder Priester seine eigene Messe an einem dafür vorgesehenen Seitenaltar hielt.8 Das entspricht etwa 30 Messen pro Tag innerhalb der Mauern einer einzigen Kirche.

Wenn wir aus den obigen Zahlen im Laufe eines Jahres extrapolieren, wäre die Zahl der Messen exponentiell gestiegen; und von da an in allen katholischen Kirchen der ganzen Welt bis in unsere Tage hinein wäre die Summe der Gnaden, die der Menschheit durch die Messe zuteil wird, unübersehbar.

Dies galt in der Kirche bis zu den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil9, als es durch die weit verbreitete Praxis der Konzelebration ersetzt wurde, die die Zahl der einzelnen Messen auf der ganzen Welt und damit die durch sie der Menschheit verfügbare Gnadenmenge für Lebende und Verstorbene drastisch reduzierte.

Jungmann trat in die Fußstapfen Luthers

Aber Jungmann und mit ihm die Mitglieder der Liturgischen Bewegung, die seine Schüler waren, vermieden die traditionelle Position:

„In der Kirche, die logischerweise für die gemeinsame Feier der Messe durch die ganze Gemeinde gebaut wurde, verschwinden heute die Seitenaltäre und die Kirche wird als einheitlicher Raum gebaut, in dem alle Augen auf den einen Altar gerichtet sind, auf dem das Opfer gemeinsam dargebracht wird, das eine Mahl, das für alle bereitet wird.“10

Hier können wir den ursprünglichen Grundriss unserer modernen Kirchenarchitektur und liturgischen Praktiken sehen, die Jahrhunderte fortdauernder, authentischer katholischer Tradition hinweggefegt haben. Die Idee, Seitenaltäre abzuschaffen, stammt ursprünglich von Luther, ebenso wie das Konzept der Messe als Gemeinschaftsmahl, bei dem alle Anwesenden essen und trinken sollen.

1533 veröffentlichte Luther einen Angriff auf die Messe und das Priestertum, in dem er insbesondere zur Abschaffung der Privatmessen in Seitenkapellen aufrief.11 Darin bezeichnete er die ohne Gemeinde gehaltene Privatmesse spöttisch als „Winkelmesse“, buchstäblich eine in der Ecke geflüsterte Messe.

side altar Masses

Zahlreiche Messen werden an Seitenaltären gelesen, wurden eliminiert und durch Konzelebration ersetzt

concelebrated mass

Wir können sehen, wie die gleichen antikatholischen Vorurteile durch die liturgische Bewegung in der Mainstream-Kirche wieder aufgetaucht sind. Nach Jungmann war der Brauch des Seitenaltars ein „Hindernis für einen wirklich gemeinschaftlichen Gottesdienst“ und eine der von der Pseudoreformation behaupteten Ursachen, da er zu einem Verlustgefühl der Kirche als „Gemeinschaft“ geführt habe.12


Damit gehört Jungmann zu den 1907 von Papst Pius X. Verurteilten, die „keinen Schrecken empfinden, in die Fußstapfen Luthers zu treten“.13

Verachtung der Stillen Messe14

Jungmann kritisierte die Stille Messe, wenn sie ohne Gemeinde gelesen wurde, tat dasselbe aber auch, wenn große Gemeinden daran teilnahmen.

Erstens fand er es zu elitär:

„Nur der Priester darf das Heiligtum betreten, um das Opfer darzubringen. Von da an beginnt er mit leiser Stimme die Gebete des Kanons zu sprechen und der Altar entfernt sich immer weiter vom Volk in den hinteren Teil der Apsis. In gewisser Weise ist die Vorstellung von einem heiligen Volk, das Gott so nahe steht wie der Priester, verloren gegangen. Die Kirche beginnt, hauptsächlich durch den Klerus vertreten zu werden. Der für das frühe Christentum so bedeutsame gemeinschaftliche Charakter des öffentlichen Gottesdienstes beginnt in seinen Grundfesten zu bröckeln.“15

Die klare Schlussfolgerung hieraus ist, dass bei der Darbringung der Messe kein Unterschied zwischen Priester und Volk gemacht wird und dass die lex orandi, die dem Klerus einen privilegierten Platz einräumte, ungerecht und herrschsüchtig war. Folglich wäre eine Reform erforderlich, um die „Rechte“ der Laien wiederherzustellen.

Zweitens beschuldigte er die „stille“ Niedere Messe, ein Hindernis für eine echte Teilnahme der Laien zu sein. Seiner Meinung nach führte dies zu „der Entfremdung derer, die an der Messe teilnahmen, ohne wirklich daran teilgenommen zu haben“16 mit dem Ergebnis, dass „die Messe als ein heiliges Drama angesehen wird, ein Theaterstück, das vor den Augen der Teilnehmer aufgeführt wird“.17 Mir kommt der Ausdruck „dumme Zuschauer“ in den Sinn.

Diese Klagen werfen theologische Fragen über die Identität des katholischen Priestertums auf, in deren Zentrum die Bedeutung der Messe steht. Diese Kernfrage ist es, die zuerst die Protestanten des 16. Jahrhunderts und dann die liturgischen Progressisten des 20. Jahrhunderts zerstören wollten. Und die gleichen Klagen wirken seither wie eine ätzende Säure, die unsere katholischen Institutionen, Werte und Identität zerfrisst.

(Bibelzitat: Allioli Bibel. Alle anderen Übersetzungen – Buchzitate und Buchtitel – vom Übersetzer)
Quelle

1 Josef Jungmann, Mass of the Roman Rite [Messe des Römischen Ritus], Band 1, S. 131. Jungmann definierte die private Messe als „eine Messe, die um ihrer selbst willen gefeiert wird, ohne einen Gedanken daran, ob jemand teilnimmt, eine Messe, bei der nur der vorgeschriebene Ministrant anwesend ist oder sogar keiner, wie es bei der ‚missa solitaria‘der Fall war“. (Ibid. S. 215)

2Simon Roffey, The Medieval Chantry Chapel: An Archaeology [Die mittelalterliche Pfründekapelle: Eine Archäologie], Boydell Press, 2007, S. 6.

3 Ibid. S. 160-161.

4 In architektonischen Fachbegriffen wurde dies Lettner genannt und war oft aufwendig geschnitzt mit feiner Steinmetzarbeit, die viel Raum für den freien Blick aus dem Hauptschiff der Kirche [in den Altarraum hinein] ließ.

5 J. Jungmann, Mass of the Roman Rite [Messe des Römischen Ritus], Band. 1, S. 131, Fußnote 25. Johannes Eckhart (c. 1260-c. 1328), allgemein bekannt als Meister Eckhart, war ein deutscher Dominikaner, Theologe, Prediger und Mystiker. Er war dafür bekannt, „pharisäische“ äußere Taten zu kritisieren, die nicht mit der rechten inneren Haltung ausgeführt wurden, d. h. aus Liebe zu Gott. Es scheint, dass diese grundlegende Voraussetzung, um [geistliche] Verdienste vom Verrichten guter Werke zu gewinnen (so wie Messe lesen oder hören) in Jungmanns Zitat fehlt.

6 Wir erhalten nicht direkten Zugang zum Originalzitat, das Meister Eckhart zugeschrieben wird. Jungmann gab es von Adolph Franz wieder, der es wiederum von einem Historiker des 19. Jahrhunderts nahm. Anton Linsenmayer, Geschichte der Predigt in Deutschland. (München, 1886, S. 408) Es ist offensichtlich, dass Jungmann den Kontext verschwieg, den Franz vorgegeben hatte, nämlich Eckharts Bestehen, dass äußerliches Beachten [der Pflicht des Messbesuchs] allein nicht ausreicht: „alle äußeren Übungen nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zur Erreichung des höchsten Zieles, der Vereinigung mit Gott durch Jesus Christus, seien.“ Siehe A. Franz, Die Messe im Deutschen Mittelalter, Freiburg, Herder, 1902, S. 298.

7 St. Thomas Aquinas, Summa Theologica, Part III, q. 79, a. 7, ad. 3.e

8 R.E.G. Cole (ed.), Chapter Acts of the Cathedral Church of St Mary of Lincoln A.D. 1520-1536 , Publications of the Lincoln Record Society [Veröffentlichungen der Gesellschaft Lincoln Record], 1915, S. 142-144. Diese Veröffentlichungen zeigen, daß es zusätzliche Messen am Altar der Allerseligsten Jungfrau Maria, ein Hochamt am Hauptaltar um 11 Uhr und eine andere Pfründemesse an einem Seitenaltar am späteren Morgen gab.

9 Katholiken aus der Zeit vor dem II. Vatikanum werden sich erinnern, dass es in jeder größeren Stadt oder Großstadt eine Kathedrale, ein Kloster oder ein Haus eines Priesterordens gab. Man konnte während des ganzen Vormittags die Messe besuchen, beginnend ab ca. 5 Uhr; diese waren allgemein gut besucht von Menschen auf dem Weg zur Arbeit, von Müttern, die ihre Kinder zur Schule gebracht hatten, von Rentnern und älteren Menschen und auch von Passanten.

10 J. Jungmann, Announcing the Word of God [Das Wort Gottes verkünden], translated from the German by Ronald Walls, London: Burns and Oates, 1967, S. 118.

11 Martin Luther, Von der Winckelmesse und Pfaffen Weihe, Wittenberg: Nickel Schirlentz, 1533. Die ersten Seiten des Buches nehmen die Form eines Dialogs an von dem Luther behauptete, er habe ihn mit dem Teufel gehabt. Nach Luther überzeugte der Teufel ihn davon, das Lesen der Messe aufzugeben, weil dies ein abgöttischer Dienst sei. Aber die Unlogik, die Messe eine Form von Abgötterei zu nenne, ficht Luther nicht an. Da Götzendienst Anbetung des Teufels ist, warum sollte Satan empfehlen sie abzuschaffen? Und als Fürst dieser Welt – warum sollte er wollen, dass man sein eigenes Reich zerstöre? Es war die [Heilige] Schrift, nicht Satan, welche die Abgötterei verdammte: „Darum, meine Geliebten, fliehet vor dem Götzendienste!“ (1 Korinther 10:14).

12 J. Jungmann, “The Defeat of Teutonic Arianism and the Revolution of Religious Culture in the Early Middle Ages,” [Die Niederlage des deutschen Arianismus und die Revolution der religiösen Kultur im frühen Mittelalter] Pastoral Liturgy, New York: Herder and Herder, 1962, pp. 68, 79. Jungmanns Essay wurde ursprünglich 1947 geschrieben und wurde 1962 in Pastoral Liturgy wieder aufgelegt.

13 Pius X, Pascendi, 1907, § 18.

14 Die Stille Messe wurde manchmal als Missa Privata bezeichnet, aber das Wort privata (Latein für „beraubt“) bedeutete einfach, dass diese Form der Messe, während sie noch immer ihren Sinn für das Mysterium und ihre wesentlich katholische Natur beibehielt, einige Zeremonien nicht enthielt, welche man im Hochamt findet. In den Rubriken der Stillen Messe wird alles vom Priester rezitiert und die Antworten gibt der Ministrant; Für den Diakon, Subdiakon oder den Chor/Schola gibt es keine Aufgabe; Weihrauch wird nicht verwendet und es brennen nur zwei Kerzen. Unter dem Einfluss der Liturgischen Bewegung wurden die still der Messe folgenden Laien schon vor dem II. Vatikanum ermutigt, laut zu sprechen und die Responsorien zu singen.

15 J. Jungmann, “The Defeat of Teutonic Arianism and the Revolution of Religious Culture in the Early Middle Ages,” [Die Niederlage des deutschen Arianismus und die Revolution der religiösen Kultur im frühen Mittelalter], S. 60.

16 J. Jungmann, Mass of the Roman Rite [Messe des Römischen Ritus’], Band. 1, S. 141.

17 Ibid., S. 107.

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