Paolo Pasqualucci oder wieder einmal das Konzil

Es besteht eine viel größere Gefahr für einen Redner oder Schriftsteller darin, dass er sein Publikum langweilt als dass er es empört. Die Empörung setzt in uns Adrenalin frei, welches die Emotionen bewegt und bindet, sodass man sich sehr lange daran erinnert, worüber man sich empört hat. Langweilt man sich, so vergisst man zwar die Inhalte, die einen langweilten, man erinnert sich aber emotional daran, dass man sich langweilte, so das man dieses langweilige Thema anschließend meidet.

Das Thema des Zweiten Vatikanischen Konzils kommt bei uns regelmäßig vor, indem wir versuchen dieses desaströse Ereignis aus vielen und immer wieder neuen Gesichtspunkten zu beleuchten und zu interpretieren. Diejenigen unserer Leser, welche von der Piusbruderschaft kommen oder gar Sedisvakantisten sind, kennen die antikonziliaren Argumente aus dem FF, die meistens leider sehr schlagwortartig und ohne viel Reflexion verwendet werden. Es ist aber immer gewinnbringend zu sehen, wie das, was man selbst zu kennen glaubt, von anderen erörtert wird.

Tiefschürfend über die konziliare Katastrophe zu schreiben ist schwierig, da wir alle, die wir nach dem Konzil Theologie lernten von den Konzilsdokumenten aus als dem einzigen und unhintergehbaren Punkt zu anderen Dokumenten des Lehramtes geführt wurden. Es spielt wirklich eine Rolle, was Sie als erstes lernen, weil dieses etwas in Ihnen bestimmte Erkenntniskategorien schafft, mit welchen Sie anschließend alles weitere beurteilen. On revient toujours a son premier amour – “Man kehrt immer zu seiner ersten Liebe zurück”, sagt der Franzose und epistemologisch gesehen hat er Recht. Natürlich kann man das zuerst Erlernte ablegen, da man erkannt hat, dass es falsch ist. Dies erfordert aber viel Wahrheitsliebe, persönliche Integrität und Mut. Denn verwirft man etwas, womit man intellektuell seit den Kindesbeinen genährt wurde, so verwirft man auch einen Teil seiner selbst. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) kannte mal einen wohlverdienten und sehr erfahrenen Psychiater, der DSDZ eröffnete, dass nur die wenigsten Menschen dazu in der Lage sind zuzugeben, dass sie sich geirrt haben. DSDZ kann das sofort, wenn er es einsieht, dass er falsch lag, was manchmal vorkommt. Dies kommt daher, weil DSDZ annimmt, dass die objektive Wirklichkeit, an der er sich richtet, größer ist als er selbst. Er macht die Wirklichkeit nicht selbst, sondern eher ordnet sich ihr unter. Wenn also ein Philosoph, ein Theologe, ein Priester, ein Bischof, ein Kardinal oder ein in der Kirche wirkender Intellektueller einsieht:

  • all das, was mit dem Konzil und durch das Konzil nach 1962 eingetreten ist, ist falsch;
  • ich habe das Falsche im guten Willen als das Richtige geglaubt und verbreitet,
  • ich habe dadurch an den Seelen, der Kirche und mir selbst enormen Schaden angerichtet

dann steht er vor dem Scherbenhaufen seines intellektuellen Weges und seiner professionellen Karriere. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die intellektuellen und gut begründeten Abrechnungen mit dem Konzil erst am Ende einer beruflichen Laufbahn eintreffen, wenns die Rente schon sicher und der Tod nicht mehr weit entfernt ist. So schrieb Msgr. Brunero Gherardini sein Buch “Das Zweite vatikanische Konzil – ein ausstehender Diskurs” als er schon emeritiert wurde. Er schreibt sein Buch im Jahre 2010 und starb im Jahre 2017. So macht man es richtig. Ob ihm deswegen die Mitgliedschaft in einem Kaninchenzüchterverein ehrenhalber zuteil wurde, ist uns nicht bekannt. Das hier besprochene Buch von Paolo  Pasqualucci wurde ebenfalls im Ruhestand geschrieben. Dennoch ist das Pensionsalter der Verfasser, bei Romano Amerio war es auch nicht anders, nicht nur aus dem Grunde der Feigheit verständlich. Man braucht wirklich viel Zeit, um kompakt eine Analyse von dem darzulegen, was einen hier und jetzt immer noch umringt. Die besten, kompaktesten und präzisesten Analysen des Kommunismus’ wurden von Menschen entwickelt, welche entweder gar nicht oder nicht mehr in diesem System lebten. Denn man kann kein System objektiv beurteilen, dessen Teil man selbst immer noch ist. Da wir alle aber immer noch vom Novus Ordo und dem Geist des Konzils umringt und umzingelt sind, so ist es für uns viel schwieriger die Spreu vom Weizen zu trennen, als für Menschen außerhalb des Systems, insbesondere dort, wo es die Konzilstexte selbst und nicht ihre Umsetzung betrifft. Wie wir hier schon mehrmals feststellten die Dämonen, die sehr intelligent sind, schrieben die Konzilstexte mit, denn diese Passagen sind bewusst nach allen Seiten offen gehalten und die Fehler beginnen bei der fünften oder sechsten Dezimalstelle nach dem Komma.

Was ist Bildung? Bildung ist Wiederholung.

Jede Art von Bildung besteht ja darin, dass die anfänglich vermittelten Inhalte und Methoden immer wieder vertieft und angewandt werden. Paradigmenwechsel finden in einer akademischen Laufbahn höchst selten statt. Jeder vom katholischen Kindergarten aufwärts konnte hören, wie toll und wunderbar das Konzil doch gewesen ist und wie man diese und jene Stelle zu interpretieren habe. Weil man das Andere und Frühere nicht kannte, da es zumindest ausgeblendet, wenn nicht verboten wurde, so hatte man keine Bezugspunkte um das Neue zu dem Alten in Verhältnis setzen zu können. Menschen, die zu verschiedenen Zeiten den Zusammenbruch des Kommunismus’ oder eines Teils davon (Ungarn und Polen 1956, Tschechoslowakei 1968, der Rest 1989) erlebten, lernten auf einmal, wie sehr und auf welchen Ebenen sie jahrzehntelang belogen wurden. Die Wanderkarten wurden verfälscht, die Ernteergebnisse, die Anzahl der Schädlinge, die Geburtenzahlen, alles, alles, alles, Lüge, Lüge, Lüge. Daher gibt es nach 1989 kaum überzeugte Kommunisten, welche das Vorgefallene nicht völlig leugnen und ausblenden.

Der Kommunismus in Asien kannte oder kennt immer noch die sogenannten Umerziehungslager, wo man gezwungen wird die falschen Überzeugungen abzulegen. Bergoglio hat uns alle in solch ein Umerziehungslager gesteckt, in dem wir alle schneller lernen, da wir durch das Leiden schneller reifen. Mit dem “wir” sind hier die konservativen Katholiken, aber noch keine Traditionalisten gemeint, welche durch die Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI hervorgebracht wurden. Alle Katholiken der früheren Pontifikate sind entweder tot oder nicht mehr katholisch, das Bergoglio-Pontifikat hingegen sammelt die Apostasie-Leichen wie früher der schwarze Tod. Falls es in den deutschsprachigen Ländern überhaupt noch konservative, nachkonziliare Katholiken gibt, so können sie sich das Bergoglio-Desaster nicht erklären und gerade sie werden einer intensiven Umerziehung unterworfen.

Gerade an Sie richtet sich die nachfolgende Reihe von Paolo  Pasqualucci, welche auch für diejenigen interessant wird, die sich schon lange mit dem Konzil beschäftigen. Pasqualucci bringt vieles präzise und genial auf den Punkt, was andere Autoren in dieser Schärfe nicht vollbringen. Lesen wir es und lernen daraus.

 

 

 

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