Tradition und Glauben

Sancho1964: Normen und Gewohnheiten im Opus Dei

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Was wird von einem Opus Dei Mitglied verlangt? Nein, nicht Einiges, sondern Unmögliches. Es ist nämlich wirklich unmöglich all diese Norman kurz- und langfristig zu erfüllen, wenn man noch vollberuflich arbeitet oder eine eigene Familie hat.

Warum setzt man sie nicht herunter? – Damit sich alles schuldig fühlen.

Warum? – Darum.

Welcher Irrer hat sich das ausgedacht? Der Gründer [Texte über Opus Dei > 5. Ein seltsamer Heiliger], der wahrscheinlich ohne Berufung in ein Priesterseminar eingetreten ist, danach nichts mit sich anzufangen wusste und Jura studierte, wonach er am Reißbrett eine unmögliche Regel für andere entwarf, wo alles strenger Monastizismus, Geist der Jesuiten und Gehirnwäsche vermengte. Weil er keine monastische Erfahrung hatte, weil er in keiner Gemeinschaft lebte, weil er keine spirituelle Praxis hatte, daher konnte er nicht wissen, dass die Vermischung all dieser Elemente zu einem untragbaren Leben führen werden. Oder er wusste es und machte es mit Absicht.

So ist es beispielsweise für einen kontemplativen Mönch möglich, dessen Arbeit darin besteht die Wäsche zu waschen und dessen Alltag immer gleich abläuft und strukturiert ist, ab und zu einen Bußgürtel zu tragen, weil er in seinem Leben gut abgesichert und umsorgt ist. Er hat Wohnung, Nahrung, Heizung, Freizeit, Gemeinschaft, muss nicht ans Geld denken. Wenn er sich manchmal sagen sollte:

Mir geht es viel zu gut und woanders hungern die Menschen. Was kann ich noch für Gott tun?

Dann ist der Bußgürtel die richtige Lösung.

Ist man aber zum Beispiel Chirurg, der der mehrere Stunden am Tag am Operationstisch steht und „schneidet“, dann ist der Bußgürtel die falsche Lösung, weil er ihm die Ausführung seiner Standespflichten unmöglich macht. Denn, so lehrt es die katholische Theologie, die Frömmigkeits- und Bußübungen müssen dem Lebensstand des Einzelnen angepasst sein, was gerade Escriva missachtet hat. Frömmigkeit besteht auch nicht in der Häufung der Frömmigkeitsübungen, sondern in der Erfüllung des Willens Gottes. Daher kannte die Kirche immer Dispense und Kommutationen, d.h. Ausnahmen vom Kirchenrecht und Änderungen der Bußen. Gott ist realistisch und die Frömmigkeit, die von ihm kommt, ist erfüllbar. Der Teufel ist unrealistisch und so inspiriert er auch die Seinen. Aber lesen Sie es sich selbst durch.


“Fühlt die Pflicht heilig zu sein: heilig, das heißt nicht, außerordentliche Dinge zu tun. Wenn ihr jeden Tag kämpft, um die Normen gut zu erfüllen, geht ihr auf dem Weg der Heiligkeit.“ („De nuestro Padre“ – „Von unserem Vater“. Noticias VI-58, S. 18).


In der Folge erstelle ich eine Liste der Normen und Gewohnheiten (soweit ich mich daran erinnere – die ein Numerarier aufgrund seines Versprechens, „nach der Praxis und den Gewohnheiten des Opus Dei zu leben“, erfüllt oder erfüllen muss.

Täglich:

  • Heroische Minute, Stoßgebet „Serviam“
  • Aufopferung des Tagewerks
  • Viele geistliche Kommunionen
  • Eine halbe Stunde des Gebetes am Morgen (in der „Familie“, gewöhnlich mit der Lektüre aus den “Meditaciones”)
  • Heilige Messe
  • Heilige Kommunion

  • 10 Minuten Danksagung
  • Gebet des “Triuum Puerorum” (Gebet der drei Jünglinge im Feuerofen)
  • Gebet des Angelus („Engel des Herrn“) oder „Regina Coeli“ („Freu dich, o Himmelskönigin“)
  • Preces (das Tagesgebet der Mitglieder des Opus Dei)
  • Eine halbe Stunde des Gebetes am Nachmittag
  • Gebet des Rosenkranzes vom Tag, Gebet oder Betrachtung der beiden anderen Rosenkränze
  • Zeit des „Stillschweigens am Nachmittag“

  • Besuch beim Allerheiligsten
  • 10 Minuten geistliche Lesung
  • 3 Minuten Lesung des Evangeliums
  • Abtötung für den Vater (üblicherweise ist das eine kalte Dusche)
  • Viele Stoßgebete tagsüber…
  • Evangelienkommentar
  • Partikularexamen („Besondere Gewissenserforschung“)
  • Allgemeine Gewissenserforschung

  • „Nachtzeit“ (Zeit völligen Stillschweigens von der Gewissenserforschung am Abend bis zur Danksagung nach der Messe am folgenden Morgen, die für Stoßgebete reserviert ist)
  • 3 Ave Marias (am Abend vor dem Schlafengehen mit ausgebreiteten Armen zu beten)
  • Gebrauch des Weihwassers (vor dem Schlafengehen)
  • 2 Stunden Bußgürtel
  • Teilnahme an den Beisammenseins und sonstigen Familientreffen [Red. Es ist die Opus Dei Familie gemeint]
  • Andacht zum Schutzengel des Zentrums
  • Grüßen und Sich-Verabschieden vom Allerheiligsten

  • Bild der Jungfrau Maria in der Brieftasche
  • Verehrung des Gründer, Andacht zu Don Alvaro (und in Zukunft zu Don Javier… ich meine, das wird sich noch verlängern…)
  • Andacht zur Großmutter, Tante Carmen, Isidoro, Montserrat Grases (Verwandte des Gründers bzw. Mitglieder des Werkes, für die Seligsprechungsprozesse angestrebt werden…
  • Besondere persönliche Frömmigkeitsübungen
  • Kampf, um den persönlichen Hauptfehler auszumerzen
  • Gebrauch des Skapuliers Unserer lieben Frau vom Berge Karmel

Wöchentlich:

  • Wöchentliche gehaltene Betrachtung durch den Priester
  • Bußgeißel: einmal wöchentlich in der Zeit, die man für ein kleines Gebet braucht (oder solange man den Atem anhalten kann)
  • Wöchentliche Aussprache (bei einem Laien, der vom Örtlichen Rat ausgesucht ist und diesem Rechenschaft über den Inhalt des Gespräches schuldet): Reinheit, Glaube, Berufung, das Partikularexamen, die berufliche Arbeit…, Freuden, Traurigkeiten, Erfolge, Misserfolge…
  • Wöchentlicher Spaziergang

  • Wachetag. Es gilt, ihn auszunützen, die Augen offen zu halten und besonders viele brüderliche Zurechtweisungen zu erteilen
  • Sleeping: einmal in der Woche wird ohne Matratze und Polster geschlafen und die Nacht für das Gebet genützt (empfohlen ist hierfür die Nacht vor dem Wachetag) [Anmerkung: Die zölibatär lebenden Frauen im Werk müssen generell ohne Matratze schlafen…]
  • Turnus: Messdienst mit Anzug und Krawatte, Vorbeten beim Rosenkranz und diversen anderen Gebeten…
  • Auf dem Laufenden sein mit den Festen A, B oder C. Im Fall eines A-Festes gibt es gehaltene Betrachtung, Anbetung vor dem Allerheiligsten, Aperitif, Anzug und Krawatte. Schade, wenn du einen versäumst.

  • Psalm II an den Dienstagen: Er wird mit dem Rosenkranz in der Hand gebetet.
  • Gebet des „Trishagium Angelicum“.
  • Wöchentlicher kurzer Kreis. (Es ist ein Zeichen guten Geistes, wenigstens einmal im Monat die „Emendatio“ zu machen, das heißt, nach der Gewissenserforschung nach Absprache mit dem Leiter niederzuknien und eine Verfehlung, die keine Sünde ist, zu bekennen und eine Bußübung zu erbitten.)
  • Gebet des Salve Regina am Samstag, Aussetzung des Allerheiligsten.
  • Wöchentliche Beichte.

  • Kassastunde: Abgabe der laufenden Einnahmen (Gehalt, Taschengeld, Geschenke, ohne Beleg), Entgegennahme des Taschengeldes (gegen einen Beleg und gegen monatliche Erlegung des „Ausgabezettels“ und Abgabe der Kontobelege beim Direktor).
  • Apostolischer Auftrag: ein, zwei oder drei Aktivitäten, um in der Freundschaft mit einem „Kandidaten“ zu wachsen.
  • Wöchentlicher Sport.
  • Für Mitglieder eines örtlichen Rates ist mindestens ein wöchentliches Treffen notwendig.

Monatlich:

  • Monatliche Einkehrstunden (meistens an einem Sonntag).
  • Kreuzweg.
  • Monatsanliegen der Region.
  • Allgemeines Anliegen (monatlich, jährlich…).

  • Nachtwache vor dem Allerheiligsten (vermutlich nur in den Zentren von St. Raphael).
  • Ausgabezettel.
  • Monatlicher Ausflug.
  • Monatlicher Armenbesuch mit einem Freund.
  • Gespräch mit dem Priester.

Jährlich:

  • Sieben Sonntage des hl. Joseph.
  • Novene zur Immakulata.
  • Wallfahrt (zumindest im Mai) mit einem Freund.
  • Für Mitglieder eines örtlichen Rates: spezielle jährliche Konvivenz.
  • Jahreskurs (7 Tage für Supernumerarier, 14 für Assoziierte, 21 für Numerarier, für Mitglieder eines Studienzentrums jeweils die doppelte Anzahl): Vorlesungen, Studium, Sport, Spaziergänge, „Erholung“.

  • Jährliche Besinnungstage (5 Tage): Gelegenheit zu einer Generalbeichte und um Vorsätze für ein ganzes Jahr zu fassen.
  • Brief an den Vater (es ist ein Zeichen gutes Geistes, ihm einmal im Monat zu schreiben, aber mit einem jährlichen Brief vom Jahreskurs ist die Verpflichtung jedenfalls erfüllt).
  • Zeremonien der Admission, Oblation und der Fidelitas (bei der der Fidelitasring verwendet wird).
  • Testament zugunsten des Opus Dei.
  • Erstellen des Jahresbudgets und Übergabe an den Sekretär des Zentrums.

Immer:

  • Unterstützung der apostolischen Pläne des Zentrums.
  • Aufopferung der beruflichen Arbeit, die mit Vollkommenheit verrichtet wird.
  • Andacht zu den heiligen Schutzengeln (man grüßt die Engel der Personen, mit denen man Umgang hat).
  • Lektüre und Meditation der Briefe des Vaters und der internen Leitungsdokumente.
  • Abgabe aller Geschenke, die man empfängt, und aller Dinge, an denen man hängt.

  • Studium: Studenten sollten die Besten ihres Jahrgangs sein, und auch nach dem Studium soll man der beruflichen Weiterbildung, dem Erlernen von Fremdsprachen etc. „Stunden“ widmen.
  • Brüderliche Zurechtweisung (wenn man nicht einmal eine im Monat macht, ist das ein Zeichen „schlechten Geistes“).
  • Apostolischer Auftrag: einen Kreis halten, an einem Jahreskurs teilnehmen, Aussprachen entgegennehmen, Mitglied eines örtlichen Rates sein…
  • Erfüllung der Kriterien des Umgang mit dem „anderen Geschlecht“.

  • Pflegen eines Hobbys, um sich zu zerstreuen…
  • Pflege der Details des „Familienlebens“: einen Bruder begleiten – beim Wäschekauf, zum Arzt, beim Essen, wenn er nicht zur üblichen Zeit da sein kann. „Teppich sein, damit die anderen weicher auftreten.“
  • Zwei Jahre dem Studienzentrum widmen.
  • Unterstützung der Leitungsarbeit des Werkes (indem man sie als hauptberufliche Tätigkeit ausübt), als Direktor, in einer Delegation oder Kommission.
  • Wenn du dich berufen führst, berufen oder eingeladen bist oder einfach nicht Nein sagen konntest, bist du großzügig und empfängst die Priesterweihe (aber letztlich muss man sich nicht darum sorgen, denn dies ist nur ein „Wechsel der beruflichen Tätigkeit“).

  • Zuletzt, wenn du keine wichtigen internen Aufträge hast, oder trotz ihnen musst du eine tiefe und ernste berufliche Arbeit entfalten, selbstständig sein, berufliches Prestige gewinnen und Geld für die apostolischen Unternehmungen beitragen…
  • Ganz zuletzt: Ausnützung der Zeit, denn „Müßiggang ist aller Laster Anfang“ (Wie kann man den „Geist des Opus Dei“ leben, wenn man die Zeit nicht ausnützt?)
  • Dazu benützt man am besten einen „Success-Kalender“, um alles, was ich vorher erwähnt habe, nicht zu vergessen (vielleicht gilt auch ein Notebook?)

Von dem Augenblick an, in dem jemand als Numerarier um die Aufnahme bittet, bleibt kein Fleckchen im Hirn, das nicht davon durchdrungen ist, dass er alle diese „Pflichten“ erfüllen muss. Diese Praktiken und Gewohnheiten werden nach und nach ergänzt, und bald fühlst du dich untergetaucht, in einem Tunnel, dessen Ende nicht absehbar ist. Dein Leben verläuft darin, und es kommt der Augenblick, in dem du nicht mehr frei atmen kannst. Und das Ende des Tunnels ist dein eigener Sarg (wenn du nicht, aus einem Selbsterhaltungstrieb heraus, aus dem Tunnel ausbrichst).

Wenn aus irgendeinem Grund jemand meint, glaubt oder sich beunruhigt bei dem Gedanken, das wären zu viele Frömmigkeitsübungen und dass er aus bestimmten beruflichen, persönlichen oder sonstigen Gründe Probleme damit hat, kann er dies mit niemandem außer seinem geistlichen Leiter besprechen, der ihn zwar für eine gewisse Zeit von der einen oder anderen Norm dispensieren kann, aber es „wäre kein Zeichen guten Geistes, wenn man dies für längere Zeit tun wollte, und der „Geist der Werkes“ ist für alle Ewigkeit gemeißelt, und man muss sich mit ihm identifizieren.

“Fühlt die Verpflichtung, heilig zu sein; und heilig zu sein heißt nicht, besondere Dinge zu machen. Wenn ihr jeden Tag kämpft, um die Normen gut zu erfüllen, geht ihr auf dem Weg der Heiligkeit.“

Nun gut, ich versichere euch, wer so lebt, macht besondere Dinge. Er lebt nicht wie jeder anderer in der Welt, sondern er lebt außerhalb der Welt und ist ein anderer.

Und was das betrifft, auf dem Weg der Heiligkeit zu gehen… Ich zweifle nicht, dass man vorhat fromm zu sein. Aber ich denke, dass die Worte Jesu „Liebt einander“ nicht eine solche Verwicklung mit sich bringt. Diese Worte des Gründers geben den Normen solche Bedeutung, dass er den Anschein macht, er habe die Liebe vergessen.

Ich stelle mir die Frage, wie ein Mensch Zeit haben kann, zu reflektieren, an sich selbst zu denken und in der Tiefe des Verständnisses zu wachsen, ein gesundes und tiefes kritisches Bewusstsein zu entwickeln.

Ich habe immer gedacht, dass das grundsätzliche Problem die Art und Weise ist, wie die „geistliche Leitung“ durchgeführt wird, aber jetzt, beim Niederschreiben dieser Liste, weiß ich nicht mehr, was schwerer wiegt.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Lebensweise sich stärker von der unterscheiden kann, die die ersten Christen, ja, die Apostel an der Seite Jesu führten. Ja, ich glaube, das ist noch zu kurz gegriffen: Es scheint mir nur schwer zu glauben, dass es eine Spiritualität innerhalb der Kirche gibt, die so weit davon entfernt ist…

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