*Gratis Benedikt XVI./Ratzinger

Der Ratzinger-Preis wird weiterhin verliehen – wozu eigentlich?

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Die intellektuellen Kindeskinder

Es kommt selten vor, dass jemand so lange lebt, um die Konsequenzen seiner Taten ein allen Einzelheiten zu schauen. Am einfachsten geht es wohl im Natürlichen. Wenn jemand mit 25 Jahren geheiratet und 8 Kinder gezeugt hätte, und ein jedes dieser Kinder ebenfalls 8 Kinder hätte, so könnte er im Alter von 100 auf 4.096 Nachkommen zurückblicken. Die Rechnung verläuft wie folgt:

  • 50 Jahre – Kinder- und Enkel: 64 Personen
  • 75 Jahre – Kinder, Enkel und Urenkel: 512 Personen
  • 100 Jahre – Kinder, Enkel, Urenkel und Ururenkel: 4.096

Ein Mann also von 94 Jahren, wie Benedikt XVI. jetzt, könnte also, wenn unsere Rechnung stimmt, auf mindestens 4.000 Menschen blicken, die von ihm direkt biologisch abstammen, wenn sich alle seinen Nachkommen im oben angegebenen rechnerischen Rahmen fortpflanzen würden. Wir wollen hier nicht erörtern, inwieweit diese Annahmen realistisch sind, denn bei 1,53 Geburten pro Frau in Deutschland (2019) sie sind es eindeutig nicht. Diese Volksmenge jedoch soll eine Lebensleistung verbildlichen, die man durch bestimmte Tätigkeiten (Zeugungsakt) erreicht hat und auf die man zurückblicken kann. Während aber der Rahmen einer biologischen Einflussnahme begrenzt ist, so ist der Rahmen einer intellektuellen oder geistigen Einflussnahme viel höher. Wenn Sie ein Buch schreiben, einen Blog führen, Filme drehen, deren Inhalten soundso viele Menschen erreichen, die diese Inhalten kopieren oder anderen mitteilen, dann liegt wohl ihre Einflussnahme in einstelliger oder mehrstelligen Millionenhöhe. Sie sehen dann im Alter von 100 Jahren keine „schlappen“ 4.096 biologischen Nachkommen vor sich, sondern mehrere Millionen von intellektuellen Kindern. Sie sehen Sie eigentlich nicht, doch sie sind dennoch da.

Intellektuelle Detonationswellen Ratzingers Theologie

Dies erklärt auch, warum es bis Vat. II eine kirchliche Zensur gab und warum Häresien bekämpft wurden. Man ging davon aus, dass ein Buch oder eine Irrlehre auf die Jahre hin gerechnet Millionen und Abermillionen von Seelen zugrunde richten wird. Nein, nicht jeder wird z.B. Luthers Thesen oder De LubacsSurnaturel“ lesen oder verstehen, aber fast alle bekommen ihre Wirkung auf die eine oder andere Weise zu spüren. Sie brauchen auch nicht die Funktionsweise einer Atombombe zu verstehen oder gar in der Lage sein eine Atombombe im Hobbykeller nachzubauen, um an der Strahlenkrankheit oder am Nuklearem Winter zu verenden.

Jetzt kommen wir zu Benedikt XVI, der mit 94 Jahren die Auswirkungen seiner intellektuellen Früchte überblicken kann. Es ist ein Desaster, denn man fragt sich, worin das Gute von Benedikts Wirken und Schaffen eigentlich liegt, aus zwar aus der Perspektive vom 13.11.2021 betrachtet?

  • Summorum Pontificum durch Traditionis Custodes abgeschafft.
  • Bergoglios Zerstörungswerk durch seinen eigenen Rücktritt ermöglicht.
  • Ein doppeltes Papsttum, das keines ist oder doch, perspektivenabhängig.
  • Die kirchliche Lehre nicht mal vom Modernismus, den ja Ratzinger persönlich vertreten hat, zersetzt, sondern in Modernismus umgeschlagen.
  • Skandale, Homosexuelle Skandale, Missbrauchsskandale und alle möglichen Skandale, welche durch seine Wirkung als Kardinal und Papst vorbereitet oder zumindest nicht verhindert wurden.

Es ist die Landschaft nach dem Zünden von mehreren Neutronenbomben, auf die der greise Patriarch zufrieden niederblickt. Denn zeugen diese Bilder, die wir von der Audienz der letztjährigen Ratzinger-Preis-Trägern haben, von irgendwelcher Reue?

Kein Anzeichen von Tragik

Wessen Reue?

Eine zufriedene Runde

Vor allem Benedikts Reue, dann von allen dort Anwesenden. Sie alle haben doch mit aufgebaut, vertuscht, schöngeredet und nicht protestiert. Nein, die „konservativen“ Ratzinger-Preis-Träger sind auf keiner Unterschriftenlisten gegen die Gräueltaten Bergoglios zu finden, wie Benedikt selbst ja auch.

Völlig entspannt

Wem oder was dient denn der Ratzinger-Preis?

Wird er für das „Weglaufen von den Wölfen“ verliehen? Für das Schweigen zur Häresie und Apostasie? Für das Vergiften des Katholizismus mit Modernismus? Für das Vertuschen von Skandalen? Wozu denn überhaupt den Ratzinger-Preis noch vergeben, nach Traditionis Custodes, Pachamama, Abu Dhabi und Amoris Laetitia? Wenn man diese Dokumente als das Lehramt ernst nimmt und Bergoglio tatsächlich für den Papst hält, dann bleibt von der katholischen Kirche nichts mehr übrig. Diente denn Ratzingers eigenes Werk und das seiner Preisträger nicht etwas dieser bergoglianisch-zerstörerischen Entwicklung? Wenn man Benedikts Ruhe, Gelassenheit und Selbstzufriedenheit betrachtet, dann muss man mit „Ja“ antworten.

Und was ist mit dem Satz vom Widerspruch? Traditionis Custodes steht doch Summorum Pontificum entgegen!

Dieser ist schon längst durch die hegelianische Dialektik („Nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.“) des Konzils und des Konzilsgeistes gefallen.

Benedikt als Vor-Franziskus – die konsequente Sicht der Dinge

Die einzige konsistente und konsequente Sicht der Dinge besteht darin, Benedikt doch tatsächlich als einen Vorläufer Bergoglios anzunehmen und hier von einer „Hermeneutik der Kontinuität“ als von einer „Hermeneutik des Bruches“ auszugehen. Erzbischof Gänswein sagte ja, dass

 „ in der Theologie kein Blatt Papier zwischen die Ansichten beider passe“,

wir wollten es aber nicht wahrhaben, weil diese Aussage unserem Benedikt-Bild so zuwiderläuft. 

Kennen wir Benedikt wirklich?

Nein, wir kennen höchstens seine Bücher, die sich wirklich auf jegliche Art und Weise interpretieren lassen, auf orthodoxe Art und Weise zuweilen auch. Wir kennen lediglich die Mitteilungen des Vatikans, der Presse oder gar jemanden, der jemanden kennt, der ihn kennt. Aber wir verbleiben in unserer Vorstellungskraft, in dem Bild, das wir uns von ihm gemacht haben.

Geht es denn anders?

Nein, es geht nicht anders, es sei denn Sie können 24 Stunden pro Tag mit jemanden zusammen sein, um sie oder ihn ständig zu beaufsichtigen. Das ist aber unmöglich und so bilden wir uns eine Meinung anhand dessen, was wir über jemanden wissen, was wir uns wünschen und welche Erwartungshaltung wir ihm gegenüber haben. Kaum jemand hat Ratzingers Schriften aus den 1960-gern und 1970-gern gelesen, sonst wäre nie und nimmer der Ausdruck „der Panzerkardinal“ aufgekommen, was seine vermeintliche Orthodoxie und sein Durchsetzungsvermögen anbelangt. Ratzinger war niemals orthodox, seine Habilitationsschrift ist in der Erstfassung als häretisch verworfen worden und er war sicherlich weder  als Präfekt der Glaubenslehre als auch als Papst durchsetzungsstark.

Und warum nicht?

Weil er nicht orthodox war und keine Lust hatte, um etwas zu kämpfen an das er „so“ nicht glaubte. Denn interessanterweise wurden die wenigen Theologen, die tatsächlich zu seiner Zeit als Präfekt verurteilt wurden, nicht deswegen verurteilt, weil sie die katholische Lehre schädigten, sondern weil Ratzinger mit ihnen mehr oder weniger übereinstimmte. Das Maßstab war nicht die katholische Lehre, sondern die theologischen Ansichten des Theologen Joseph Ratzingers. Dies erklärt auch die kleine Anzahl der Verurteilungen in seiner wirklich langen (1982-2005) Amtszeit. Er war auch die ganze Zeit hindurch durch seine mutmaßliche Homosexualität erpressbar und ist es immer noch. Hätte Benedikt die Persönlichkeit des Nighty-Night-Tobin, dem wirklich alles gleich ist, dann hätten wir vielleicht immer noch einen Papst, der zwar peinlich, aber nicht erpressbar ist. Jetzt haben wir Franziskus, der einige Tobin-Antiqualitäten mit sich bringt und dem alles gleich ist.

Benedikt ist schlimmer

Trotz alle der Gräueltaten Bergoglios ist Benedikt der schlimmere von beiden?

Warum?

Weil er durch seinen Rücktritt Bergoglio möglich gemacht hat und weil entweder seine vorherige Frömmigkeit und Orthodoxie mit seinem Rücktritt unvereinbar sind.

  • Entweder war Benedikt vorher gut, heilig, gläubig und fromm, dann wäre er nicht zurückgetreten und still geblieben und sein Werk steht im Widerspruch mit seiner maßgeblichen Tat – dem Rücktritt.
  • Oder er war schlecht, schwer sündhaft, ungläubig und unfromm, dann hat er bewusst Bergoglios Pontifikat vorbereitet und so gibt es keinen Widerspruch zwischen geschriebenen Worten und Taten.

Sicherlich war Ratzinger kein Wunschkandidat der St. Gallen-Mafia, wie Julia Meloni schreibt, da er aber so schnell und einfach zurücktrat, ohne dass man ihn hätte, vorher umbringen müssen, so war er auch keine Bedrohung. Vielleicht ist diese ganze St. Gallen-Mafia-Geschichte eine Augenwischerei und ein Trostpflaster für alle Benedikt-Fans, weil es ihre Erwartungshaltung bedient.  Man wünscht sich:

  • eine Verschwörung,
  • die Guten gegen die Bösen im Vatikan,
  • eine Zar-gut-Bojaren-schlecht-Lösung,
  • eine Privatoffenbarung, die alles erklärt.

All das mit Fatima im Hintergrund bietet Julia Melonis Buch, zeigt aber kaum neue Einsichten. Wir müssen einfach verstehen, dass mindestens seit Pius XII im Vatikan deswegen viel unerklärlich bleibt („Wenn so fromm, warum handelt er so?“), weil alle Machthaber dort erpressbar sind. Nein, nicht durch so sehr durch fremde Geheimdienste, sondern durch ihre eigenen Leute. Und wodurch ist man besser als durch in Klerikerkreisen erpressbar als durch Homosexualität/Ephebophilie/Pädophilie? Interessiert sich jemand für Details und Namen, dann schaue er bitte bei Randy Engels „Rite of Sodomy“ nach.  

Benedikts Rücktritt war aber auch deswegen so zerstörerisch, weil er zeigt, dass nicht einmal einem amtierenden Papst etwas an der Kirche liegt. DSDZ war mal in einem Umfeld, wo wirklich außer ihm selbst sich niemand an das Achte, Siebte und Sechste Gebot hielt, so dass DSDZ diese Werte für kurze Zeit nicht für praktikabel hielt, da er wirklich niemanden traf, sich selbst nicht dazurechnend, der sie befolgte. Haben Sie einen fliegenden Elefanten gesehen? Wohl deswegen, weil es keine gibt. Finden Sie keine lebende, handgreifliche Beispiele für etwas, dann können Sie wohl an der Existenz von diesem etwas zweifeln. Wenn also nicht einmal ein Papst, der mit aller Standesgnade versehen ist, die ja Benedikt jetzt immer noch besitzt, keine Lust hat im Amt zu bleiben, warum sollte man sich noch im eigenen Leben quälen, um dem Katholizismus treu zu bleiben? Der letztere bringt nur Nachteile mit sich, und zwar wirklich im jeden Bereich. Benedikt ist weggelaufen, tuen wir ihm doch gleich. Und jetzt dient er dazu Bergoglios-Regime gutzuheißen, man komplementiert ja und würdigt einander, sowie dazu die Standesgnade für Bergoglio zu blockieren. Und Ratzinger verteilt auch noch Preise, an diejenigen wohl, die ihm nacheifern. Schlimm.

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