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Katholische Engellehre: (25). Der Urzustand der Engel und ihre Prüfung. (i) Gnadenausstattung

Der Urzustand und die Prüfung der Engel

Gott hat alle Engel in die übernatürliche Ordnung erhoben, d.h., er hat ihnen das übernatürliche Endziel der seligen Gottanschauung gegeben und ihnen die Erreichung dieses Zieles durch übernatürliche Gnaden ermöglicht. (sententia certa)

Kirchliches Lehramt.

Pius V. hat im Jahre 1567 gegen die Irrlehre von Bajus erklärt, dass die Engel sich die himmlische Seligkeit nicht nur durch natürlich gute Werke verdienen konnten, sondern auch auf die übernatürliche Gnade angewiesen waren (Denz. 1001 ff./1901 ff.). Sie wurden also aus Gnade zu einem Ziel berufen, dass über ihre natürlichen Ansprüche und Fähigkeiten hinausgeht.[1]

Michael Bajus (+ 1589) leugnete unter Berufung auf Augustinus, die nicht richtig war, die Übernatürlichkeit der Urstandsgaben nicht nur bei den Menschen,[2] sondern auch bei den Engeln. Dies will heißen, dass die übernatürlichen Gaben von Adam und Eva im Paradies, wie z. B. der Unsterblichkeit und der Nähe Gottes, keine Gnadengeschenke waren, sondern etwas, was der menschlichen Natur geschuldet war. Ähnliche Gedanken hatte er über die Grundausstattung der Engel, deren Natur die selige Gottesanschauung geschuldet war. Im Gegensatz dazu erklärte die Kirche, dass die Engel auch Gnade brauchten, um in diesen Zustand erhoben zu werden. Der Grund dazu liegt in der Geschöpflichkeit der Engel. Alles, was nicht Gott, sondern Geschöpft ist, braucht Gnade, um zur Gottesanschauung zu kommen.

Die Heilige Schrift

Im Matthäusevangelium 18,10 sagt der Herr, dass die guten Engel sich an der Gottesschau erfreuen. Daraus folgt, dass es ihnen gelungen ist die himmlische Seligkeit zu erreichen, weil sie dafür bestimmt und entsprechend ausgerüstet waren. Dagegen heißt es vom Teufel, dass er nicht in der Wahrheit steht bzw. wandelt (vgl. Joh 8,44). Die Formulierung „in der Wahrheit wandeln“ soll das Leben in der Wahrheit und der übernatürlichen Gnade bedeuten (vgl. 2 Joh 4; 3 Joh 3f). Daher ist es gerechtfertigt diese Stelle als Verlust der übernatürlichen Gnade zu deuten.

Tradition

Sämtliche Kirchenväter bezeugen, dass auch die Dämonen ursprünglich auf das übernatürliche Ziel orientiert waren und die Möglichkeit besaßen es zu erreichen. Hl. Ambrosius: „Der Teufel selbst hat durch den Hochmut seiner Natur die Gnade verloren“ (In Ps 118 7,8). Basilius lehrt, dass Gott bei ihrer Erschaffung die Gnade in die Engel eingegossen hat (vgl. In Ps 32,4). Auch beim Heiligen Augustinus kann man lesen, dass Gott die Engel bei der Erschaffung mit der übernatürlichen Gnade ausgestattet hat (vgl. De civ, Dei XII, 9,2; por. XO, 11; De corr. Et gr. 10,17).

In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass Gott seinen Geschöpfen ausreichend Gnade verleiht und sie mithilfe der Gnade unterstützt in der Seligkeit auszuharren. Aus diesem Grund kann man Gott nicht die Schuld geben, wenn man in Sünde fällt. Man ist selbst dafür verantwortlich.

Wenn es konkret um die Engel geht, so meinten manche Scholastiker (Alexander von Hales, Bonaventura, Duns Scotus), dass Gott während der Prüfung die Engel ausschließlich mit den aktuellen Gnaden unterstützt hat. Mit ihrer Hilfe sollten sie treu sein um sich auf den Empfang der habituellen Gnade vorbereiten. Die meisten Theologen, wie der Heilige Thomas von Aquin, vertreten eine andere Ansicht: die Engel wurden sofort in den Gnadenstand erhoben, der als freies Geschenk Gottes zu verstehen ist. Die so habituell ausgestatteten Engel mussten nur noch mit aktuellen Gnaden als Ergänzung versehen werden um sich zu Gott als dem übernatürlichen Ziel hinwenden und in der Gnade beharren zu können (1 q. 62 a. 2).

Angemessenheitsgrund

Die Annahme, dass Gott die Engel bei ihrer Erschaffung sofort in den Gnadenstand erhoben hat, ist deshalb berechtigt, weil Gott mit den Menschen auf diese Weise vorgegangen ist. Es wäre nicht angemessen den weniger vollkommenen Geschöpfen die habituelle Gnade zu schenken, es aber bei den mehr vollkommenen also den Engeln nicht zu tun. Auf die Frage um das Gnadenmaß, das Gott für die Engel festsetzte, muss man das Maß ihrer natürlichen Vorzüge berücksichtigen. Je vortrefflicher die Natur, um so größer die Möglichkeit von der Gnade Gebrauch zu machen. Aufgrund ihrer Natur konnten die Engel höhere Gnade und Seligkeit erwerben (1 q.62 a.6)[3].


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Will 2012, s. 378-379.

[2] Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 2012, 325.

[3] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, 379.

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(4) Kommentare

  1. Tom sagt:

    Ist es eigentlich so, dass die Engel die übernatürliche Gnade bzw ihr Beharren in der Gnade auch dem Tod Christi am Kreuz verdanken? Oder ist er allein für die Menschen gestorben?

    1. Traditio et Fides sagt:

      Alleine für die Menschen. Kommt noch. Für die Engel hat sich alles während der Probe entschieden. Der Gnadenstand der Engel hat nichts mit Christus zu tun, denn er ist Mensch geworden, nicht Engel.

  2. Tom sagt:

    Vielen Dank 🙂

    1. Traditio et Fides sagt:

      Diese Reihe kann man auch nennen: „Alles was sie über Engel wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten“. Es kommt noch einiges. 🙂

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